Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1925-06-25 · Heft 26 (25.6.1925) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 26 (25.6.1925)
Date
1925-06-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450337-2450362--72292-2529657
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

r 5. Juni 1925_- •_ ■ ■ in den Großstädten, die leistungsfähigen Gemeinden. Die Beihilfe des Staates fei unerläßlich. Der Staat habe als Vorbedingung für diese das Vorhandensein einer mit Umlagerecht auszustattenden Korporation gefordert. Die Position im Kultusetat für Unterstützung leistungsschwacher Synagogengemeinden sei tinn ersten Male 1923 erschienen, aber die korporative Vorbedingung fehlte. Da außerdem aus Grund eines sicheren Gesetzes die jüdischen Gemeinden sämtlich einen Lehrer anstellen mußten und diesem dann nötigenfalls .abbinifche Funktionen zuteilten, die Staatsregierung aber einem elerus reinor keine Subvention bieten darf, um leine Präjudiz für die christlichen Kirchen zu schaffen, so tonnte die Subvention nicht hergegeben werden, bevor o^r Landesverband die Verantwortung für das Zustandekommen der nötigen Rabbinatsbezirke übernimmt. Der Landesverband habe an der Aenderung bcr fur j, cssifchen Gemeinde-Ordnung wirksam mitgearbeitet und an vielen Stellen die Gefahr der Separation verhindert. Auch hätte er dankenswerte Zugeständnisse des Zwischen Religionsunterrichts an staatlichen Schulen erwirken können, wenn nicht die „Separatisten" das Entgegenkommen des Staates unwirksam gemacht hätten. Die Auseinandersetzung hierüber möchte Dr. Freund wohlweislich bis zu den Verhandlungen über die Abänderung des Judengesetzes vertagen. Statistische Schwierigkeiten, die sich aus der Mannigfaltigkeit der in Preußen herrschenden Steuereintreibungsfyfteme ergaben, werden durch die oft verwaltungstechnisch unerfahrene Art der Gemeindevorstände verschärft, so daß genaue Orientierung die nächste Sorge sei. Am Schlüsse ist von der Sicherung der Beamtengehälter (Minimum Gruppe 7) und Gründung einer Pensionskasse die Rede. So eilig wie diese Ausgaben sei auch die Einteilung des Landes in Rabbinatsbezirke zur Versorgung religiöser Bedürfnisse. Im Etat des Reiches fei in diesem Jahr ein glückliches Präjudiz durch erstmalige Einsetzung eines jüdischen Kultusfonds (wenn auch kleineren Umfangs) geschaffen der an die jüdische Gesamtorganisation der Zutunst abzusühren sei. — In diesem Sinne fordert er zum Schlüsse alle Anwesenden zu fleißiger Mitarbeit aus. — Ein Antrag, sämtliche verfassungsändernden Vorlagen an einen Rechtsausschuß ohne Debatte zu verweisen, findet am Schlüsse der Sitzung allgemeine Zustimmung. Dr. Klee beantragt Einsetzung eines Ausschusses für soziale Fragen. Zweiter Verhandlungstag. Als Ergänzung der gestrigen Verhandlung findet zunächst die Wahl der rabbinischen Mitglieder des Rates statt. Der Vorschlag des Verbandes der Rabbiner enthält: Horovitz, Seligmann, Bäck, Rosenthal-Köln, Emil Levy, Wilde: ihn trägt Herr Rabbiner Dr. Freund-Hannover vor. Ein Vertreter der Volksparteiler stellt statt dessen den Antrag, von jeder Richtung einen Rabbiner zu wählen. (Bäck, Horovitz, Emil Levy.) Bis auf Dr. EmilLevy werden alsdann diegenannten Herren sämtlich gewählt. Magistratsrat Neumann-Berlin bedauert Pie persönliche Note der Verhandlungen. Als Ersatzmann wird im Wahlgang gegen Rabb. Dr. Norden-Elberfeld Rabb. Dr. Rosenthal-Köln gewählt, sowie außerdem als Ersatzmänner die Rabbiner Dr. Emil Üewy und Dr. Milde-Magdeburg. Alsdann legt Herr Dr. Freund-Berlin das Etatprogramm dar. Es handelt sich um 1090 000 Mark. Davon 50 000 Mark als Wohlfahrtspflege auf zwölf Positionen. Die schon im Berichte als Staatsnotwendigkeit besprochenen Bezirksrabbinate werden bei dieser Gelegenheit auch in ihrer geistig-religiösen Bedeutung aufg--zeigt. Auch die Lehrerbildungs-Zeitfragen werden aufs eindringlichste besprochen, u. a. das Projekt des Anschlusses der Lehrerbildung an die Rabbinerseminare. Hierbei wird der Verzicht des Verbandes auf religiöse Majorisierung pathetisch unter großem Beifall verkündet. Das wird konkret an der Gleichbehandlung der Seminare gezeigt (alle mit 30 000 p. A.). Da das Würzburger Setteritmmar auch Preußen mit Lehrern versorgt, so müsse auch diese Anstalt durch den preußischen Verband subventioniert werden.^— Für Preußen müsse beim Inkrafttreten der Konsessionsschulen eine Staatssubvention für zu schaffende Anstalten geschaffen werden, in denen den akademisch gebildeten Lehrern zum jüdischen Studium Gelegenheit gegeben wird. Als Mißstand wird das Fungieren ausländischer Schächter bezeichnet. Diese.seien vor staatlichen Aufenthaltsbeschränkung ständig ungeschützt. Man müsse des-. Der Israelit dir 26 Sette 6 halb eine, wenn auch nicht obligatorische, Verbindung zwischen Lehr- und Schacht-Ausbildung wieder anstreben. Rach einer Debatte über Diäten und Reisekosten wird einiger verstorbener Mitbegründer des Verbandes stehend gedacht. Als Beginn der Etatsdebatte erscheint ein Referat des Herrn Rabb. Dr. Stern-Verlin (lib.), in welchem die Heraussetzung sehr vieler, namentlich sozialen Posten des Etats gefordert wird, daneben auch die Bemerkung gemacht wird, es müsse in sozialen Fragen noch mehr als bis jetzt auf die religionsgesetzliche Sichtung der zu Subventionierenden verzichtet werden. Die in der Verfassung als zulässig vorgesehene Einsetzung zweier Kultusausschüsse fordert Stern aus zwei Gründen, erstens aus Parität, dann aber, damit, wie er meint, es danach in ganz Preußen nur noch einen liberalen und einen konservativen Gottesdienst geben kann. Also ein gewisses Streben nach Uniform. Darauf folgt ein Bekenntnis zum Glauben an den Einen Gott, der „zum Einen Volke gesprochen", und vor allem zur religiösen Idee, zu deren Ehren unsere Väter den Scheiterhaufen bestiegen. Danach bemängelt Dr. Klee-Berlin (Vp.) die nndemokratische Zusammensetzung des Rates, der an die Notabelnpolitik früherer Zeiten erinnere. Da nach Vers. Art. 3 der Verband die Gemeinden zur Pflege aller ihrer Interessen pflegen will, so müsse auch dem P a l ä st i n a a u f b a u seitens des Verbandes Aufmerksamkeit zugewendet werden, sowie auch dem Ausgleich zwischen Ost- und Westjuden, sowohl in sozialer wie in persönlicher Hinsicht. Als Grundforderung der Erziehungspolitik bezeichnet Klee die jüdische Schule, die allein den jüdischen Geist ihrer Schüler verbürgen kann. Ebenso dringlich sei infolgedessen die Hebung und Festigung des Lehrerstandes. Hierbei kommt er auf das Erlernen des Hebräischen in der Sprachschule zu sprechen, die er schon öfters in der Jüdischen Gemeinde aufs Wärmste empfohlen hat. Die Kenntnis des Hebräischen müsse m i n d e st e n s im gleichen Maße bei jedem Schulkinde vorhanden sein wie sonstige fremdsprachliche Kenntnis. Am Schlüsse empfiehlt Klee die von der Karlsbader Welthilsskonserenz angenommenen Grundsätze zur Anwendung siir die soziale Tätigkeit des Landesverbandes. Er hoffe, mit allen Parteien (mit Ausnahme der Ultra- Naumannianer) zu segensreicher Zusammenarbeit zu gelangen. Für die konservative Partei spricht alsdann Rechtsanwalt Horovitz -Frankfurt a. M. Er bezeichnet als berechtigte Mängel der Verfassung des Verbandes, die den Anhängern des Halberstädter Bundes den Eintritt verleiden, gewisse Bestimmungen der Geschäftsordnung, die nicht genügenden Schutz für die Minorität bieten. (Wie es im Kreise der Wahrheitsscheuen selbstverständlich ist, leeren sich während der Rede des Herrn Rechtsanwalts Horovitz die Bänke. Auch der Rat hält Sondersitzung.) Es fei nötig, sowohl die vom Untergang bedrohten oder verschwundenen Schulen neu zu beleben aber auch neue zu gründen, — bürgerliche wie auch höhere. Bezüglich der Kenntnis des Hebräischen sei in diesen dem religionskundlichen Elemente der Vorrang zu geben, und Thora-Lehranstalten seien überall zu schassen, die n e b e n den Rabbinerlehranstalten zwecks Anregung desLaienst u d i u m s seitens des Verbandes zu subventionieren seien. Zugleich wird eine Etatposition zur Förderung ritueller Speisehäuser gefordert. Würde der Landesverband nicht überall die Forderung nach Subvention von (Institutionen wie Mikwo und Schechita erfüllen, so würden die abgewiesenen Gemeinden sich dem Halberstädter Bunde zuwenden. Auch für Verbilligung der Ritualien und Lebensmittel habe der Verband zu sorgen. Allgemeine paritätische Nächstenliebe sei auch nach orthodoxer Auffassung eine Selbstverständlichkeit für das humanitäre Tun des Verbandes. Für die Mittelpartei spricht alsdann Herr N e u - mann -Berlin. Nach Auslassungen über das deutschjüdische Kulturproblem wendet er sich gegen die Miteinbeziehung jüdisch-nationaler Interessen in die Verbandsarbeit, auch gegen den hebräischen Sprachunterricht. Der freiwillige Charakter des Verbandes lege den Richtungen größte gegenseitige Rücksichtnahme auf. Namens der P o a l e Zion weist Herr Berger auf die undemokratische Wahlkreisgeometrie der Verbandstags-Wahl hin und kündigt entsprechende Verfassangsänderungsanträge an. Noch „Herrenhausähnlicher" erscheint die Zusammensetzung des „Rates". Der .Hanze Rat als solcher sei ein Rückfall ins Zweikammersystem alter Zeiten. Vor allem müsse die Exekutive aus der Landesversammlung selber gewählt, nicht vom Rat ernannt werden. In Düsseldorf sei den Ausländern das passive Wahlrecht lange Zeit vorenthalten, in Lüdenscheid sogar das aktive. In Wesel gebe es noch ein Dreiklassenwahlrechti Somit hätten diese Gemeinden gegen die Verbandsverfassung verstoßen, und Ratsmitglieder hätten infolgedessen aus ihnen nicht gewählt werden dürfen. Auch mit der Wanderarmenfrage müsse sich der Verband,' gleich allen anderen jüdischen Gemeinschaften der Welt, ernstlich befassen. Das Gleiche gelte von der Palästinaarbeit. Berger fordert Subvention von Chaluzim-Ausbildungs-Anstalten. Ebenso sei die Ausweisungspraxis des Staates seitens des Verbandes zu bekämpfen. Auch müsse manchen sehr u n r e l i g i ö s geführten Institutionen des D. I. G. B. die Subvention entzogen und die betreffenden Einrichtungen dem Verbände unterstellt werden. Damit ist die Reihe der Etatsrodner beendet und der Etat wird dem Haushaltungsausschuß überwiesen. Nachmittagssitzung. Für den nationaldeutschen Fraktionsflügel erhebt P e i f e r Widerspruch gegen alle Versuche, zionistische Zwecke durch den Landesverband zu fördern. Daraufhin erhebt sich die übliche nationalde utfch -zionistische Radaudebatte mit Geschäftsordnnngsanhang. Im Namen der liberalen Frauen spricht sodann Frau O l l e n d o r f. Sie nimmt zur Wahlrechtssrage Stellung und hofft weibliche Kräfte in Gemeindediensten nutzbar werden zu sehen, infonders im Kampfe gegen den Verfall der Kleingemeinden. Man müsse mehr als für das Einrichten der Rabbinate für Aufrechterhaltung des jüdischen Idealismus in der Jugend und Hebung der Volkssittlichkeit geschaffen werden. Ein Ausschuß für Bevölkerungspolitik fei einzusetzen. Die Verhältnisse der verwilderten Jugend seien den zwei Anstalten des D. I. G. B. über den Kopf gewachsen; hier dürfe nicht gespart werden. Dies fei nicht Sache des Mitleids, sondern der Gerechtigkeit. Baufonds von Gemeinden dürften bei gegenwärtiger Wohnungs- und Lebens-Not nicht unterstützt werden. Der Proletarisierung und Entsittlichung der großstädtischen Iudenheit müsse aufs schärfste entgegengearbeitet werden. Selbst Schulfragen müssen dahinter zurückgestellt werden; Haushaltsschulen seien wichtiger Ls ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben reiigionsgesehlichen Charakters auf ihrr Zuverlässigkeit zu prüfen. MtäheusMüllec ELTVILLE 1 ^55 CAFE HANSELMANN KAISERGARTEN gegenüber dem Opernhaus Künstler-Konzerte 4—12 Uhr J. Gisch I er, Elektrische Anlagen lleklr. Bügeleisen, Heiz-». Kocfiapparate Ventilatoren Große Bockenheimerstr. 52-56 Telefon Hansa 5079 Telefon Hansa 5079

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.