Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1925)
- Date
- 1925-06-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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[i V js;V - .1 Seite 2 Nr. 26_ Grenze des fabbatlichen Bewegungsrayons von 2000 Ellen kam, wo er ihm zurief: mnn fltf 7122» „Vis hierher geht der Sabbat-Thechum." Acher meinte jedoch, für ihn gäbe es keine Rückkehr mehr. Vielleicht dürfte hier angedeutet fein, daß der Abgefallene nicht nur mit seinem Fuße die Sabbatgrenze überschritten, sondern auch in seiner Weltanschauung die Grenzpfeil e r der Treue zum angestammten Glauben durchbrochen habe und deshalb nach seiner Meinung verloren sei. Drei Pflichten sind es, die insbesondere die Pflichttreue der jüdischen Frau zu erproben haben: ms -im np^in, drei Aufgaben aus scheinbar ganz verschiedenen Gebieten menschlichen Lebens — und doch durch oen Schabbos-Gedanken zu einem D r e i g e ft i r n verbunden, das über jedem jüdischen Hause zu leuchten hat. Das Lichtzünden, unmittelbar die Schabbos-Idee ausstrahlend, Chaloh — der Sabbatgedanke im Genußleben, freiwillig auf einen Teil verzichtend, besonders an den Schabbosbroten, gleichsam da« ruftr>bi2' das allwöchentliche Sabbatopfer in der Küche — und endlich durch die weisen Gesetze der wie es der Natur der Frau, bis zu einem gewissen Grade auch des Mannes, entspricht, zu verhüten, daß das Eheleben uns in den ununterbrochenen Sinnestaumel stürze, sondern durch Enthaltsamkeit ihm immer wieder neue Weihe verleihe — also der SabbatgedankeinderEhe. Doch wir gehen weiter: Es gibt kaum einen Gedanken der Ethik, der nicht eine Wiederspiegelung der Schabbos-Idee, der Selbstbeherrschung und Selbstbemeisterung darstellt, snn *yisj. Hüte deine Zunge vor Bösem — das weite Gebiet des snn der Unwahrheit, Spötterei, ns fta: und aller mit der Rede begangener Sünden — was ist es anderes, als die Verwirklichung dieses Sabbat-Gedankens in der Sprache, die dem Menschen gegeben als Vorzug vor dem Tiere, deren Mißbrauch ihn aber auf die Stufe des Tieres stellt. (Vielleicht ist dies der Sinn des o> durch das ',*j dem Tiere Vileams die Sprache verlieh. „Du Mensch," ruft ihm der Schöpfer zu, „mißbrauchst den Vorzug vor dem Tiere, um ein gottgesegnetes Volk fluchen zu wollen — dann hast du gar kein Anrecht mehr auf die Sprache, dann kann mit gleichemRechte dein Reittier unter deinen Füßen sprechen." Der Philosoph Hermann Cohen sagt einmal, der Sabbat sei der Inbegriff aller sozialen Ethik, u. E. dürfte man diesen Satz dahin erweitern, daß er den Grundzug aller Ethik überhaupt darstelle. Berühren wir kurz das Gemütsleben, wo Der Israelit unsere Weisen so schön und schlicht die Skala aufstellen von dem schwer zu erzürnenden und leicht zu besänftigenden — bis zu dem leicht zu erzürnenden und schwer zu besänftigenden Menschen. Ist dies nicht wieder die Mahnung, denrmw munden Grenzpfeiler der wahren Menschlichkeit nicht zu überschreiten — die Schabbos-Idee im Gemütsleben. Es ist gewiß von tiefem Sinne, wenn nnw u. oms»n an unsere höchsten Tage des Jahres darstellen, was e r st e r e r für unser Handeln, unser Berufsleben, ist letzterer für unser Seelenleben, und nicht schöner könnte dieser Gedanke wohl ausgesprochen sein als in dem pars des auf Schabbos treffenden dt» :ump ■»*«?• „Das heilige Fürstenpaaar trifft heute zusammen, der Fürst der Ruhe und der einzigartige Versöhnungstag — wie gut und schön, wenn Brüder friedlich beisammen wohnen." Stellt somit der Schabbos-Gedanke den durchgreifendsten Grundzug unseres sittlichen Handelns dar, so ist er auch bestimmend für unser Geistesleben. Darf und soll auch der Mensch die Wissenschaft erforschen, so gibt es doch letzte Geheimnisse, die ihm ein Rätsel bleiben sollen. Das Sokratische „ich weiß, daß ich nichts weiß," das Jgnoramus eines Dubois, das, was die jüdischen Philosophen ausdrücken in dem Wort: nsPTn rrVan nspT ii'rr - was ist es anders als der S a b - batgedanke auf dem Gebiete des Geistes? r>2V mnn nsn Das Hirn ist wohl ein kleines Teilchen des menschlichen Körpers, aber man kann sich dort ver st eigen in schwindelnde Höhen, um rn jäh abzustürzen. Auch dort gibt es 2m -Pfeiler, die nicht überschritten werden dürfen. Von den vieren, die eingingen in den Pardes, gelang es nur R. Akiba in Frieden wieder herauszukommen, die anderen mußten es büßen, daß sie die Erub-Pfeiler überschritten. Selbst unserem Mosche 'war eine Grenze gesetzt, und selbst der MX'212V 2N gelangte nur zur 49. — unter 50 — Stufe des Wissens, denen übrigens 49 mty flrrviv, Stufen der Unreinheit entsprechen, in die unsere Väter in Mizraim versunken waren, vom letzten 50ten verschont blieben — gleichsam auch eine Sabbatgrenze im Golus. Und wenn uns als Ausfluß dieser n»2n miy die rwnpn mm eingehändigt wurde, so lautet einer der wichtigsten Fundamentalsätze, „daß diese Thauroh niemals geändert werden wird", sondern unveränderlich feststehe, also gleichfalls der Sabbat in der Gesetzgebung herrsche. (Schluß folgt.) 25. Juni 1925 lVochenrundschau. Die Alliance Jsraelite Universelle als Mahnerin zur Religiosität. Was die Alliance in früheren Jahren mit ihrem Schulwesen im Oriente anrichtete, ist unseren Lesern bekannt. Die Ulnterrichtsanstalten Antebischen Geistes waren die Vorschulen der französischen Assimilation. Nun erwacht die Alliance etwas spät, aber für die kommende Generation nicht zu spät. Gewiß, nicht ohne kausalen Zusammenhang mit der Palästinareise des Baron Edmond de Rothschild erläßt I. B i g a r t, der Generalsekretär der Alliance, ein Rundschreiben an die Direktoren der Alliance-Schulen in Palästina, in dem es dem Sinne nach ungefähr heißt: Der Hebräisch-Unterricht in Palästina hat einen formalen und rein pädagogischen Charakter angenommen und läßt den religiösen Geist völlig vermissen. Um bei den jüdischen Schülern und Schülerinnen das religiöse Gefühl und die Achtung vor der Tradition wieder zu wecken und zu pflegen, empfehlen sich folgende Maßnahmen: Vor Beginn des Unterrichtes am Morgen hat jeder Lehrer von einem Schüler das Gebet „Ato chonen leodam daaß . . ." sprechen zu lassen, wobei die Wahl des Schülers eine besondere Ehrung bedeuten mutz. Nach dem Morgenessen haben die Schüler „Virkat hamazon" zu sprechen. Abends wird m den Klassen „Mincha" gebetet. Ferner empfiehlt das Zirkular Freitag abend und am Samstag einen Gottesdienst zu veranstalten. In der jüdischen Festen vorangehenden Woche haben die Lehrer den Schülern die Bedeutung der betreffenden Feste bekannt zu geben, sowie deren Liturgie zu erklären. 'Der Sekretär hofft, daß sich alle Lehrer diesen Anordnungen fügen werden, andernfalls sie auf ihr Lehramt verzichten sollen. Man wird diesen Umschwung in den Allianceschulen mit Freuden begrüßen. Daß es morgens mit dem „Ato chonen", vorgetragen vom besten Schüler, allein nicht getan ist, wird der Herr Generalsekretär, nach der Fassung des Ganzen zu urteilen, selber wissen. Vielmehr dürfte er voraussetzen, daß die Schüler von den Lehrern darüber hinaus angehalten werden, zu Haufe mit Tefillin das ganze Gebet zu verrichten — sofern sich nicht durch gemeinsames Minjangebet in der Schule das „Ato chonen"- Schulgebet überhaupt überflüssig machen läßt. Und man darf hoffen, daß es nicht allein beim Gebete bleibt, daß vielmehr der ganze Geist der Schulen ein besserer, ein jüdischerer wird. i i i Bemerkungen zu mp 'S" Von Rabbiner Ar. Winkler in Kopenhagen. 16, 4: t>3D vimi mr?» vvw'1 „Als Moses dies hörte, fiel er auf fein Angesicht". — Hierzu bemerkt Rafchi nach Rabba und Tanchuma: „Cr siel auf fein Angesicht weil dies bereits die vierte Sünde war. die in Israels Mitte begangen wurde". — Was für eine Bewandtnis mag es wohl mit der Vierzahl haben? . Wohl faat auch der Prophet Amos (2, 6): 1^2'VN flj;2flK '.Sollte ich ihm auch für das vierte (Verbrechen) nicht vergelten?!" Doch auch dort ist kein Grund dafür angegeben. Zudem bedarf auch die Wendung x^> einer Aufklärung. — Eine Lösung für alle diese Fragen habe ich in den Anmerkungen des pnsr jnr zu Abot 4, 11 gesunden. Dort wird nämlich eine von den ..Schriften" (M21N2) kommentierte Stelle aus dem .neuen Sohar' zu den Klageliedern zitiert, in der es heißt •* .Das ]> als der Anfangsbuchstabe von 2*6», stellt den Barmherzigkeitsengel dar. Daß der Mensch mit jeder von ihm begangenen Sünde sich einen Ankläger im Himmel verschafft, ist aus der Mifchna a. a. O. bekannt. Doch sobald eben dieser Dämon mit der Anschuldigung hervortreten will, wendet ihm der Engel der Barmherzigkeit gleichsam den Rücken zu, um sich nicht die Sünde des irrenden Menschen .ins Gesicht" sagen zu lassen. Solchergestalt verhält er sich bem Ankläger der zweiten und auch dem der dritten Sünde gegenüber. flp2in tritt indes nun auch noch der Ankläger einer zum vierten Male begangenen Sünde hinzu, so steht sich der Derteidigungsengel von allen vier Seiten umringt und ruft gleichsam aus: un'WK x^ „Nun vermag ich ihm nicht mehr auszuweichen Er mutz sonach alle Verteidigungsversuche ausgeben, und der Sünder fällt feiner verdienten Strafe unrettbar anheim. Der Bericht von der ersten Sünde des Menschen beginnt mit dem Worte ms» npm „Sie nahm von dessen Frucht". Der Ankläger, durch rn» als die ersten Buchstaben von npm, dargestellt, versuchte, sich dem ja, dem Barmherzigkeitvengel, zu nähern, um so. v mit ni kombiniert, ein ni« hervorzubringen: doch gelang es ihm nicht, weil das » sich von ihm abwandte. Als aber gleich darauf noch die weiteren drei ni aus ^rrm - fnni - nmpsni hinzukamen und, in Gemeinschaft mit dem ersten, folgendes Gern bilde ergaben: ni » m da erst ward die Todesstrafe ni besieaelt. — Hierdurch wird auch nun Raschis Bemerkung verständlich: «Als Moses dies hörte", sagt die Schrift, „fiel er aus sein Angesicht". — ..Cr fiel - oder „er warf sich hin", hätte ja aenügt. Wozu denn noch auf sein Angesicht?" Die Antwort ist: ..Es war bereits die vierte Sünde"; von allen vier Seiten sah er sich von den Gewalten der Anklage umgeben, so daß es keine Möglichkeit mehr gab, das Antlitz von ihnen nach irgend welcher Richtung abzuwenden darum siel er „auf fein Angesicht". — Uleines Feuilleton. Das Vermächtnis des Hatikwah-Dichters. ' NaftaliHerz Imber, der Dichter des HatiKwah- Liedes, starb vor kurzem in New-2)ork. Aus den Liedern feines Nachlasses klingt das folgende wie das letzte Vermächtnis des Dichters: DDriK "TPÖ* TiPO ,'ni'nni 'NN /Dum ’nyapn — ’rnaxy ns nt» iVstn '2 ,ny^>n ns ^>33 wün nmap p«a pn >a •nymat nu» xxax oe> j yprp ’a wai J »n'-iian nn mos 3v j - ypa' tu '“iap i •n'np aipn 'psn I ’m’ntn ’nx ,aann ’nyatpr; .D'vnaaa nitox ’pi>K vr?? ,'nii'K» *np*> onyap “ipk ,0'p^>n 03m rips' Tips os ': — Tlit» ö'»' »'“imtä tn 3im» vrmy m nt» i>yn imp 3“>Vi — ntaa “,32 nans bv 'man map pan mpaa ■ •mai’ pnv 'masy dp Zur Frage des Sargenes. Zu den Ausführungen des Herrn Dr. Wertheimer über Entstehung und Bedeutung des Sargenes habe ich zu bemerken: Diese Frage hat schon viele Gelehrte beschäftigt. Auch die Schreibweise des Wortes ist keineswegs klar. Der fpr> jxx ließ