Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1925)
- Date
- 1925-06-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite ß Nr. 25 Der Israelit 4. Sicherung der Pensions- und Relikten-Versorgung für alle Beamte der Verbands-Gemeinden. Etwaige weitere Anregungen für die Versammlung wird der Vorsitzende des vorläufigen Arbeitsausschusses der konservativen Landesfraktion, Herr Bruno Galewski, Berlin W., Kurfürstendamm 167, sicherlich gern entgegennehmen. Konferenz des Deutschen Rabbinerverbandes Köln, 14. Juni. Der Deutsche Rabbinerverband wählte Köln zum Tagungsorte, um damit auf feine Weise dem auch für uns Juden hochbedeutsamen Ereignis der Jahrtaufendfeier am Rheine Rechnung zu tragen. Gleiche Motive führten auch die Lehrer und Kantoren in der größten Stadt am Rheine zusammen. Den Vorsitz im Rabbineroerbande führen die Herren Rabbiner Dr. Leo Bäck, Berlin, Dr. Jakob H o r o o i tz , Frankfurt a. M. und Dr. R o - s e n r h a l, Köln. Der Eröffnungsabend am Dienstag war mit Begrüßungen ausgefüllt. In einer öffentlichen Versammlung an einer späteren Stunde des gleichen Abends sprach Rabbiner Dr. Seligmann, Frankfurt a. M., über: „Die Gottsucher im Judentum". Wie Ohrenzeugen bekunden, vermied es der Exponent des derzeitigen Reformjudentums diesesmal, herausfordernd feine Theorien hervorzuhcben und beschränkte sich lediglich darauf, die verschiedenen Arten des Gottfuchens zu registrieren. Immerhin ist es noch bedenklich genug, von prophetischen und m y st i s ch e n Gottsuchern so zu sprechen, als wäre nicht das eine aus dem andern, die talmudifche und rabbinische aus der prophetischen Gedankenwelt herausgewachfen. Die eigentlichen Verhandlungen begannen am Mittwoch Morgen mit einer Eröffnungsrede Dr. Bäcks, in der er auch der Verstorbenen der letzten vier Iahe ehrend gedachte. Den Geschäftsbericht erstattete Rabbiner Dr. Dienemann, Offenbach a. M. Der darauf folgende wissenschaftliche Teil der Tagung war mit Referaten von Rabbiner Dr. Wiener, Stettin und Rabbiner Dr. Kober, Köln, ausgefüllt. W i ene r sprach über: „Die jüdisch biblischen und die griechischen Elemente in der Gotteslehre des Maimuni". Er erbrachte den wissenschaftlichen Nachweis, — wenn es eines solchen bedurfte — daß Maimonides von den Philosophen feiner Zeit sich durch das Festhalten am persönlichen Gott und an feiner Weltschöpfung, das ihm die persönliche Note gab, auszeichnete, zu welchem Zwecke Referent in längeren Ausführungen die aristotelischen und neuplatonischen Gottesbegriffe erörterte. Kober sprach mit Beziehung auf das historische Ereignis der Jahrtausendfeier über die Bedeut ungdesrheinischenJudentums und fand aufmerksame Zuhörer. Die Nachmittagssitzung brachte ein Referat von Rabb. Dr. Eschelbacher, Düsseldorf über: „Die jüdische Hygiene-Ausstellung" in Düsseldorf und einen Vortrag von Rabbiner Dr. H o r o o i tz über: „Soziale Arbeit und der Rabbiner". Horovitz verlangt, daß die Gefängnisseelsorge ausgebaut wird, ebenso die Krankenhaus¬ und Waisenfürsorge. Zur Bekämpfung des Mädchenhandels habe der Rabbiner an der Arbeit des jüdischen Frauenbundes eifrig mitzuwirken; ferner an allen Arbeiten der Welthilfskonferenz, bei der auch die Berücksichtigung der Jeschiwaus zu bewirken fei. Der Rabbiner müsse in der städtischen und interkonfessionelle. Wohlfahrtspflege Mitarbeiten, auch im Tierschutzverein usw. Er verlangt die Einsetzung einer sozialen Kommission innerhalb des Rabbinerverbandes zur Prüfung und Lösung all dieser Fragen. Die Wand^erfrage, dann auch die Sexualet h i k behandelte Rabbiner Dr. L e v y , Mainz in einen: Korreferate. Den Schluß bildete ein Referat von Rabbiner Dr. R o f e n t h a l, Köln über die Universität i n I e r u s a l e m. In überschwenglichen Worten schilderte er die Bedeutung der Universität für Palästina, für das Gesamtjudentum und für die Menschheit, und empfiehlt sie dem warmen Interesse des Rabbineroerbande-?. Eine Diskussion über diesen Punkt unterblieb. Mit den üblichen Dank- und Schlußreden fand die Tagung ihr Ende. Die Wahlen ergaben die Wiederwahl des alten Vorstandes. An Stelle des verstorbenen Rabbiners Dr. Kopfstein tritt Herr Landrabbiner Dr. Freund in den Vorstand ein. Generalversammlung des Vereins zur Förderung ritueller Speisehäuser E. V., Hamburg. Hamburg, 16. Juni. Die am gestrigen Abend stattgefundene Generalversammlung des Vereins zur Förderung ritueller Speisehäuser nahm einen überaus stürmischen Verlaus. Die Versammlung, zu der etwa 90 Herren aus allen Teilen des Reiches erschienen waren, wurde von Herrn Direktor Dr. C a r l e b a ch -Hamburg eröffnet. Der Vorsitzende gab zunächst einen Ueberblick über die 25jährige, so erfolgreiche Tätigkeit des Vereins, der zur Zeit 155 Restaurants im Inlands und 66 im Auslande in seinen Listen führe. Dann ging der Redner aus die der Generalversammlung oorausgegangene Pressefehde ein und konstatierte, daß in wichtigen Fragen zuweilen Differenzen innerhalb des Vorstandes bestanden hätten, aber in prinzipiellen Dingen habe es stets nur eine Auffassung gegeben, die des Din. Zum Schluffe wurde noch über die aus drei Hamburger Rabbinen bestehende Kaschruthkommission, der außerordentliche Vollmachten erteilt wurden, berichtet. In der sich anschließenden Generaldebatte kam es stellenweise zu sehr scharfen Auseinandersetzungen zwischen der Opposition, die vornehmlich aus den Herren Hugo Mainz -Hamburg, Willy Guggenhei m - Berlin und Louis Kahn -Frankfurt bestand, mit der Verwaltung. Der Verein habe, so wurde behauptet, viel an Vertrauen eingebüßt. Beschwerden, die man an Sic Verwaltung weitergebe, würden nicht richtig geprüft. Demgegenüber betonte die Verwaltung, daß man die Tätigkeit der neueingesetzten Kaschruthkommission abwarten solle. Den Vorschlag Guggenheims, die Kaschruthkommission durch zwei Delegierte der orthodoxen Rabbineroerbände zu verstärken, hält der Vorsitzende nicht für ' spruchreif. Julius Holländer warnt vor den dauernden Angriffen, die nur dazu dienen, das Vertrauen zum Verein zu erschmiern. Der von allen erstrebte Jöealzustand s.ü nicht so schnell zu erreichen. In gleichem Sinne spricht Herr Rabbiner Dr. de Haas -Oldenburg. Aus der Mitte der Versammlung wird der Antrag gestellt, dem bisherigen Vorstand für seine Mühewaltung ein Vertrauens-Votum auszusprechen, das von der Majorität genehmigt wird. Für die im Laufe des Jahres ausgetretenen Vorstandsmitglieder, die Herren Adolf Stern, Kommerzienrat Siezmund Fränkel, Kommerzienrat Marx und Emil Jfaac werden neugewählt die Herren Rabbiner Dr. Jacobsohn. Santtätsrat Dr. Frank-Altona, Philipp Feist-Frankfurt a. M., Dr. Fränkel-München, Nathan Vamberger- Frankfurt a. M.; von den turnusmäßig ausscheidenden Herren wurde Herr Otto Meyer wiedergewählt. Ihren Austritt aus dem Vorstand-Kollegium erklärten die Herren James Pels, Max Moritz und John Gotthold. Die Tagung des Allgemeinen Jüdischen Lehrervervandes. Köln., 12. Juni. In Köln fand, im Zeichen der Jahrtausendfeier, „.e achte Tagung des Allgemeinen jüdischen Lehrerverbandes von Deutschland statt. Aus ganz Deutschland hatten sich die Vertreter der jüdischen Lehrer eingesunden. Die Eröffnungssitzung fand im großen Festfaal der Rheinland- Loge statt. Rektor C o b l e n z begrüßte Delegierte und Gäste, Bürgermeister Dr. L i n n a r tz erwiderte aus die Grüße und führte aus, es fei ihm als Dezernent des Schulwesens immer eine selbstverständliche Pflicht gewesen, die Belange der jüdischen Volksschule ebenso zu vertreten wie die der anderen Schulen. In der Jahrtausend-Ausstellung erbringen die Räume der jüdischen Altertümer den Beweis, daß auch sie auf eine lange und segensreiche Kultur zurückblicken könne. Der erste Verhandlungstag befaßte sich mit der Frage: Wie läßt sich das Prinzip des Arbeitsunterrichts auf den jüdischen Religionsunterricht übertragen? Das Hauptreferat hielt Dr. Läwenberg-Berlin. Er führte aus: „In vier Punkten ist der Wert der Arbeitsschulpädagogik ür den jüdischen Religionsunterricht zu erblicken: 1. in der Ablehnung des Intellektualismus, 2. in der möglichst elbständigen Erarbeitung des Unterrichtsstoffes"durch den Schüler, 3. im Erlebnisunterricht, 4. in der Pädagogik der Tat. Auch das Judentum, sagte er, lehnt die Ueberchätzung des Intellekts ab, der Diener, aber nicht Führer im Leben und Tun fein soll. Darum kann die Arbeits- ■_18. Juni 1925 schule die der Gefühls- und Willensbildung die gleiche Pflege wie der Verstandesbildung widmet, im Religionsunterricht die besten Helferdienste leisten. Eine Pflegestätte jüdisch-religiösen Lebens kann die jüdische Schule nur dann sein, wenn in ihr die Neligion nicht bloß Unterrichtsprinzip ist, wenn die ganze Schulatmosphäre vx»-n jüdisch-religiösem Geiste erfüllt i st.' Das Korreferat hielt Fräulein Cilli Marx -Köln. Der zweite Verhandlungstag zeitigte folgende Entschließungen: „Der Verband der jüdischen Lehreroereine im Deutschen Reich tritt grundsätzlich für die Gleichheit der Vorbildung aller jüdischen Lehrer einschließlich der Religionslehrer mit der der Volksschullehrer ein. Aus praktischen Gründen müssen jedoch Vorkehrungen getroffen werden, solchen Bewerbern, die sich lediglich als> Religionslehrer und Kantoren ausbilden oder betätigen wollen, eine der Volksschullehrervorbildung in pädagogischer und wissenschaftlicher Beziehung völlig gleichwertige, wenn auch nicht gleichartige Vorbildung zu verschaffen. Der Verband richtet an die Landesverbände der jüdischen Gemeinden das dringende Ersujchen: a) ein den Anschauungen der Gegenwart entsprechendes Beamtenrecht für sämtliche jüdischen Kultusbeamten zu schaffen, b) die Besoldung, die Ruhegehälter und Hinterbliebenenversorgung der Beamten auch in den kleinsteii Gemeinden nach staatlichen Grudnsätzen zu regeln. Der Verband richtet an den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden das Ersuchen, anläßlich der demnächst stattfindenden Landesversammlung ein Referat über Lehrerangelegenheiten auf die Tagesordnung zu setzen und in Uebereinstimmung mit dem Vorstande des Lehrerverbandes einen Lehrer mit dem Referate zu betrauen." — Die Tagung schloß mit einem gemütlichen Beisammensein. Kantorentagung. Köln, 10. Juni. Den vielen Kölner Tagungen gab die Kantorenkonserenz den Auftakt. Etwa 120 Mitglieder sind dem Kantorenverbande angeschlossen. Auf der Konferenz hielt Herr Kantor Zivi, Elberfeld ein Referat über: „Gewerkschaftliche und Besoldungsfragen". Man erfuhr daraus, daß es z. Zt. eine Gewerschaft des Allgemeinen deutschen Kantorenbundes gibt, die dem I ü - dischen Beamtenbunde angehört. Es fei im Interesse aller Kantoren, sich dieser Gewerkschaft anzuchließen. Oberkantor Müller, München sprach über die Eignung des Kantors für seinen Berus. Seine Forderung geht auf die Pflicht eines Qualifikationsnachweises für jeden neu aufzunehmenden Kantor hin. Sehr eingehend behandelte Kantor Levy, Frankfurt a. M. (z. Zt. Vorsitzender des Verbandes) die Ausbildungsfrage. Sowohl im Referate wie in der folgenden Aussprache wurde die Ausbildung von Lehrern und Kantoren in gesonderten Anstalten gewünscht. Es wurden Resolutionen in diesem Sinne angenommen. Abschied vom Rabbiner. Bafel, 10. Juni. Das diesjährige Schowuausfest stand für die Basler Gemeinde im Zeichen des Abschieds, den es von ihrem verehrten Rabbiner zu nehmen galt. Wenn auch Rabbinner Dr. A. Cohn bereits feit seiner Erkrankung in: Vorjahre seine Tätigkeit in der Gemeinde fast völlig einlellen mußte, so wurde doch gerade an diesem Tage der Gemeinde bewußt, daß mit den vollendeten 40 Jahren einer segensreichen Wirksamkeit ein wichtiger Abschnitt und vielleicht der bedeutungsvollste in der israelitischen Gemeinde in Basel seinen Abschluß findet. So fand denn auch der Abschiedsbrief, den der Basler Rabbiner an seine Eemeindemitglieder am Schowuausfeste gerichtet hatte, überall gefühlvolle Aufnahme. Am ersten Tage Schowuaus ließ es sich die C h e w r a K a d i f ch a Basel, die erste Gründung des Basler Rabbiners bald nach seinem Amtsantritt, nicht nehmen, vollzählig im Hause des Rabbiners zu erscheinen, um ihm die herzlichsten Wünsche zu übermitteln. Der verdienstvolle Präsident der Chewra Kadischa, Herr L. Eisemann, hob in seiner Ansprache hervor, daß die Chewra nicht nur ihre Entstehung Herrn Rabbiner Dr. Cohn verdanke, sondern daß er auch, obwohl er als „Cohen" sich an den heiligen Ausgaben der Chewra selbst nicht beteiligen konnte, doch ihr mit seiner