Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1925)
- Date
- 1925-06-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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D e r Israelit Nr 24 Seite 5 11. Juni 1925 daß es der jüdischen Gesamtheit weiterhin die Kräfte zusüyren wird, deren sie bedarf, bürgt die Persönlichkeit seines derzeitigen Leiters, Herrn Studiendirektors Dr. E. Carlebach, bürgen seine bewährten Mitarbeiter, Herr Seminarstudienrat Gut, die Herren Seminaroberlehrer Dr. Harth, Stern und Dr. Schlesinger. Begeistert stimmten wir M das Hoch aus die Kölner Lehrerbildungsstätle der Zukunft ein, die unserer tatkräftigen Förderung allezeit gewiß sein kann. Unter jubelnder Zustimmung aller Kollegen wurde die „Gemeinschaft ehemaliger Kölner" gegründet, die alle Kollegen ümfassen soll, denen die Entwicklung ihrer Ausbildungsstätte am Herzen liegt. Kollege Apt-Pattensen (Hannover) wurde zum Vorsitzenden gewählt. An alle ehemaligen Kölner ergeht die Bitte, umgehend durch Mitteilung an ihn ihren Beitritt zur „Gemeinschaft" zu vollziehen. Das Bild, das uns «lle am Portal des Seminars zeigt, wird den Kollegen eine schöne Erinnerung an die herrlichen Stunden bleiben. Bis jetzt haben sich der „Gemeinschaft ehemaliger Kölner" nachfolgende Kollegen angeschlossen: Oberlehrer Schönbach-Holzminden, Falkenstein-Landshut, Berlinger- Tiier, Frohmann-Geilenkirchen, Seminarstudienrat Gut- Köln, Apt-Pattensen, Baum-Bonn, Seelig-Nordhausen, Rektor Abraham-Essen, May-Calcar, Konrektor Speyer- Frankfurt a. M., Meyer-K^m, Feldmann-München- Gladbach, Seminaroberlehrer Dr. Harth-Köln, Kallmcinn Levi-Hochst a. M., Seminaroberlehrer Stern- Köln, Hermann Levi-Äoln, Ullmann-Castrop, Oskar Simons-noln, Levy-Berlin, Simon-Neumagen, Hans Grünewald-Köln, Oberkantor Soffe-Köln, Adolf Levy- Koln, Kanthal-Köln, Günsberg-Bonn-Poppelsdorf, Herziiuin. Ans Werk! Sammelt Euch, ehemalige Kölner, in Erinnerung gemeinsamer Studienjahre und bekundet Euren Willen, verbunden zu sein mit der Vergangenheit und Zukunft Eurer alma mater! — Gg. — Die Annahme des antijüdischen Konzessionsgefehes im polnischen Sejm. W a r s ch a u, 8. Juni. Wie schon mitgeteilt, hat der polnische Sejm den ^egierungsentwurf über die Revidierung der Konzessionsverleihungen mit großer Mehrheit angenommen. Danach werden 25 000 jüdische Familien mit etwa 150 000 Seelen, die bisher Inhaber von Konzessionen für den Verkauf von Monopolwaren gewesen sind, ohne jede Entschädigung brotlos gemacht. Die Mitglieoer des jüdischen Parlamentsklubs hatten zum Zeichen des Protestes vor der Abstimmung den Saal verlassen. Vorher verlas Dep. Hausner die folgende Protesterklärung im Namen des /tauschen Parlamentsklubs: „Angesichts des klar manifestierten Verlangens, entgegen den klaren Bestimmungen der Verfassung und des Gesetzes einen Gewaltstreich zu begehen und Zehntausenden jüdischen Familien das tägliche Brot zu entziehen, sprechen wir jüdischen Abgeordnete von der Tribüne des Sejm unseren feierlichen und energischen Prolest aus. Diese Gewalttat ist ein neuer Ring in der Kette der antiseminschen Versolgungspolitik gegenüber der jüdischen Bevölkerung. Wir erkennen das volle Recht der Invaliden auf eine Versorgung durch den Staat m vollem Maße an; diese Versorgung darf aber nicht arg Rechnung einer ökonomisch schwachen jüdischen Gruppe, sondern auf Rechnung der gesamten Gesellschaft geschehen. Zum Zeichen des Protestes verlassen wir den Saal." Die Annahme des Konzessionsgesetzes hat auf die jüdische Oeffentlichkeit in Polen einen niederschmetternden Eindruck gemacht. In jüdischen Parlamentskreisen wird zum Ausdruck gebracht, das Ergebnis der Abstimmung im Parlament sei ein Symptom dafür, daß es den regierenden Parteien in Polen um eine Verständigung »eit der jüdischen Minderheit nicht Ernst ist. Ganz gewiß w rd dieses Ergebnis auf die Verständigungsverhand- E ngen zwischen der Regierung und den jüdischen Berti Kern störend einwirken. tncien Wolffs Verhandlungen mit jüdischen Politikern. Warschau, 8. Juni. Der hier weilende englisch-jüdische Politiker Mr. Lucten Wolfs verhandelte mehrere Stunden lang.mit d-n Führern des jüdischen Parlamentsklubs Dr. Leon Eoich und Dr. I: Thon, ebenso mit Führern der „Agudas >usroel". Wolfs erklärte, er wolle sich den jüdischen Depu- Eerten für eine Vermittlungstätigkeit zur Verfügung stellen: bisher habe er nur mit dem Außenminister Skrzynski gesprochen. Er beklagte sich darüber, daß ihn die jüdische Presse so kühl behandelt. £it«*ucn. Die Folgen des Zwangsfonntagsruhegesetzes in Litauen. K o w n o, 5. Juni. Die trotz der Proteste der gesamten jüdischen Bevölkerung in Litauen eingeführte Zwangssonntagsruhe hat zur Folge gehabt, daß eine Anzahl jüdischer Geschäftsleute, um den Wirtschaftskampf bestehen zu können, die Geschäfte an jüdischen Feiertagen offen hält. Im Hinblick darauf, daß an den letzten Schewuoth-Tagen 16 jüdische Geschäftsleute ihre Läden offen hielten, wurde eine Protestversammlung abgehalten, der mehrere hundert jüdische Einwohner Kownos beiwohnten. Es wurde beschlossen, eine Abordnung zu den 16 jüdischen Kaufleuten, die an den Festtagen die Läden offen hielten, zu entsenden, und sie aufzufordern, in Zukunft die jüdischen Festtage zu beachten» da sonst allerlei Repressalien religiöser Natur, wie Verweigerung des Eintritts in die Synagoge, Verweigerung der religiösen Trauzeremonie, gegen sie ergriffen werden würden. Das neue rumänische Schulgesetz. Bukarest, 4. Juni. Das neue Schulgesetz, das starke Erregung in der jüdischen Bevölkerung Rumäniens hervorgerufen hat, ist vom Senat bereits angenommen worden und dürfte wohl auch in der Deputiertenkammer keinen sehr starken Widerstand finden. Es ist grundsätzlich antizionistisch, läßt die hebräische Sprache als Unterrichtssprache nicht zu, sondern nur als Lehrgegenstand, soweit es sich um das Studium der religiösen Quellenschriften handelt. Schlimmer ist, daß das Gesetz ein Staatsmonopol für die Errichtung höherer Lehranstalten begründet und damit den Gemeinden auch die Errichtung von Lehrerseminaren oder, von höheren Lehranstalten mit ausgedehntem Religionsunterricht unmöglich macht. Oberrabbiner Zirelsohn hat dem Gesetz scharf opponiert, konnte aber im Senat nicht durchdringen. Die neue britische Palästina-Politik. London, 5. Juni. Der Abgeordnete Kennworthy, einer der wärmsten Freunde der nationalen Heimstätte in Palästina, äußerte sich in einem Interview über die Lage. Es fei klar, daß die Tendenz des konservativen Kabinetts einer weitherzigen Verwirklichung der Balfourerklärung nicht günstig sei. Auf der anderen Seite jedoch spreche die neue Gefahr, die in Transjordanien von Jbn Saud drohe, auch bei den Militaristen entschieden dafür, in Palästina eine starke und zuverlässige jüdische Bevölkerung mit guten militärischen Qualitäten zu schaffen, die an der Verteidigung des Landes teilnehmen können. Personalien. Joseph 217. Goldfchmidk Kopenhagen, 8. Juni. Im Alter von 70 Jahren ist Joseph M. Goldschmidt, einer der frömmsten und edelsten Juden Kopenhagens p"v, nach kurzer Krankheit, gestorben. Erew Peüach hat er noch sehr eifrig an rram emp teilgenommen. Ein Freund der Thora, hat ihr Josepb Goldschmidt nicyt allein platonische Liebe erwiesen, er lernte selbst mehrere Stunden täglich. Allseitig wurde der Verblichene wegen seines lauteren und geraden Charakters in seinem geschäftlichen und privaten Wirkungskreis geschätzt. Zweiundfünfzig Jahre war er in der großen „Landmannsbank" als Buchhalter beschäftigt, wollte aber nicht zum Direktor avancieren, weil er natürlich nicht am Schabbos in die Bank gehen wollte. Gleichzeitig war er 45 Jahre im Bureau der Gemeinde angestellt, die letzten 10 Jahre als Bureauchef. Er hat es verstanden, durch sein bescheidenes Wesen die Liebe und Achtung aller Mitmenschen, obne Unterschied der Konfession, sich zu erwerben. In 36 Jahren wirkte er im Vorstand der Chewra Kadischa, und in dem Verein mm p, den er vor 47 Jahren gegründet hat, hat er in all den Jahren als Vorsitzender jeden Schabbas ubw mit Raschi- Erklärungen vorgelernt. Letzten Chanuka hat er zum fünften Mal die o’ann ausgelernt und fand dann eine große Sijumfeier statt. Außerdem war er Vorsitzender der vwi und der jüdischen Religionsschule, und seit 1872 hat er den einzigen dänischen Luach ausgegeben. - In d.er vollgefüllten Halle des Friedhofes sprach Herr Oberrabbiner Dr. M. Friediger und brachte in warm empfundenen Worten den Schmerz der Gemeinde, die eine ihrer stärksten Stützen verloren hat, zum Ausdruck. -rt"2S3n Trepkow a. R.. 7. Juni. Herr Prediger Lion W o l f f in Tempelburg, Pommern, feiert am Sonnabend, den 13. Juni d. I., seinen achtzigsten Geburtstag. Der in den weitesten Kreisen, auch als Schriftsteller bekannte Jubilar ist im verwegensten Sinne des Wortes ein Selfmademan, denn er selbst bekennt in seinen „Lebenserinnerungen", die vor zirka 5 Jahren erschienen sind, daß er fast ein Analphabet war. Seit 1869 hat er restlos an sich gearbeitet und ist nicht allein ein ausgezeichneter, fähiger Lehrer, ein begeisterter Verkünder des Gotteswortes, ein energischer und markanter Verteidiger seines Glaubens und geistvoller Schriftsteller, sondern ein More lemaurim geworden. Ueber 50 Werke: Hand- und Lehrbücher, Predigtsämmlungen, Kulturbilder usw. sind aus seiner Feder geflossen und haben Verbreitung in allen Ländern gefunden, wo die deutsche Sprache bei unseren Brüdern verstanden wird. — Daß er in allen Provinzen, wo er gewirkt, mit Antisemiten und ihren Organen gekämpft, dürfte bei den Lesern der jüdischen Zeitungen bekannt sein. Möge dem wackeren Jubilar noch ein langer, sonniger Lebensabend beschieden sein. Briefkasten. M. N. S. Frs. 60.— für Abonnement eingegangen. Rabbiner M. C. Es wäre wenig zeitgemäß, die Midraschbemerkung zu maiy zu bringen. Besten Dank. A. B. in M. und viele Andere. In allen Angelegenheiten, die das Israelitische Al ännerh e im betreffen, wenden Sie sich an Herrn Liebmann Baer, Frankfurt a. M.. Eschersheimerlandstr. 107, der zur Zeit an der Spitze der Verwaltung steht. tfv Gr. ilnterliriöuu. R. Meier von Rothenburg ist vermutlich 1215 (genau steht Geburtsjahr nicht fest) in Worms geboren und narb am 19. Jjar l293 in der Festung zu Ensisheim im Elsaß. Zu “Dp kam er erst 13 Jahre später. 4. Jjar 1306 in Worms. Schach verein „Hatikwah". Unser Vereins- Kalender mutz ausschließlich den Lern vereinen dienen und kann Anzeigen über Spiel und Sport nicht ausnehmen. Sprechsaal. Lehrer-Nachwuchs. Aus sattsam bekannten Ursachen mußten im Laufe der letzten 10 Jahre die jüdischen Lehrerseminare ihre Pforten schließen, nur zwei konnten sich mühsam in unsere Tage hinüberretten. Aber auch diese wenigen führen einen verzweifelten Existenzkampf. Um sie über Wasser halten zu können, sind ihre Anstaltsvorstände und Lehrer, hervorragende Pädagogen und Zierden des Judentums, gezwungen, statt mit voller Kraft dem erhabenen Berufe zu dienen, mit der Almosenbüchse in der Hand, in Stadt und Dorf, von Haus zu Haus zu gehen. „Hat man je gesehen, daß der Rektor einer Universität sich um die materiellen Bedürfnisse der ihm unterstellten Anstalt bemühen muß? Ist es nicht selbstverständlich für jedes Kulturvolk, daß es die Bedürfnisse seiner geistigen J. Gi sch I er, Elektrische Anlagen Elebtr. Bügeleisen, Heizu. Kocltapparale Ye n t i I a toren Große Bockenheimerstr. 52-56 Telefon Hansa 5079 Telefon Hansa 5079 MORIAH Monatsschrift für den Aufbau vonErezJisroel Nr. 3/4 soeben erschienen. Aus dem Inhalt; Deutscher Teil: Palästina-Chronik — Wege nach Palästina von Davis Trietsch-Berlin — Wanderungen nach Erez Jisroel in früherer Zeit, von Rabb. Dr. Ph. Frankl-Halberstadt — Palästina-Probleme von Dr. Isaac Breuer. — Wirtschafts-Nachrichten aus Palästina — Zeitstimmen: Zur Ankunft von Davis Trietsch, Studium oder Stadium — Rundschau — Zu unseren Bildern — Feuilleton: Die falsche Adresse, von S. Schachnowitz. Hebräischer Ttil: '*i a"in nas P2 — pvnin "310 22N 'viispBs m’yi — iv"i2 PN8' fr>2n — ppn1»’? Vttj?rn,> — 3'2v» — fXS? p"23X X’lV -n •» ,MS'X H?3y xV DX N21M2 '^2N1 ’rmnn 1VV» — N22X21 ^Xiv'-px — p tx» ,1^>V Y>n»m minn 'S bv npvtsrn •s -2 >•> /Dnaon oVa-p D'rnx Preis des Heftes Mk. 1.—. Zu beziehen durch die Palästina-Centrale, Frankfurt a. M., Töngesgasse 18 oder durch die Hermon Verlags-A.-G., Frankfurt a. M.