Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1925)
- Date
- 1925-06-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Selle 4 Nr. 24 Der Israelit 11. Juni 1925 Streiks wird man den Juden Polens keinesfalls Lebensmöglichkeiten erstreiten, vielmehr werden die Juden, wenn es hart auf hart geht, immer den Kürzeren ziehen und schließlich noch erleben müssen, daß sich die Regierung eines Tages auf jüdische Kosten mit den übrigen „Minderheitsnationen" verständigt. Die Ruhigen und Einsichtigen in Polen sollten daher alles tun, um Vermittlungsaktionen wie diejenige des englischen Politikers zu fördern. Die Gesundhelksverhältnifle in Crez Israel. Ueber die gesundheitlichen Verhältnisse in Erez Israel veröffentlicht Dr. med. Leo O l i tz k i in Jerusalem in einer der legten Nummern der „Deutschen medizinischen Wochenschrift" einen zur Zeit besonders aktuellen Aufsatz, dem wir folgendes entnehmen: Die Malaria ist in dauerndem Zurückweichen begriffen. In Jerusalem kann sie als erloschen gelten: einige sporadische Fälle, die in letzter Zeit vorkamen, waren entweder Rezidive, oder es ließ sich eine anderwärts erfolgte Infektion Nachweisen. Bei der Malariabekämpfung beteiligt sich die Regierung zum großen Teile mit Geldmitteln. Sie unterhält zu diesem Zwecke u. a. das Malariaforschungsinftitut in Haifa. Wichtig find hierbei die selbständigen Arbeiten des jüdischen Nationalfonds auf dem ihm gehörigen Gelände sowie die der Jewish Colonisation Association. Die augenblicklich wichtigste Sanierungsarbeit der letzteren ist die Trockenlegung der Kabara-Sümpfe in der Küstenebene. Von lokal begrenzten Krankheitsherden find zu erwähnen die in Jericho und in Artuf auftretenden Hautleishmaniasen, ferner ein auf ein Dörfchen bei Jerusalem sich beschränkender Fleckfieberherd, der vor kurzer Zeit auf Anforderung des Waad Habriuth durch Maßnahmen der Regierung zum Erlöschen gebracht wurde. Geschlechtskrankheiten kommen bei der jüdischen Bevölkerung fast gar nicht, bei der arabischen häufiger vor. Im Süden des Landes sind einige Fellachendörfer, hauptsächlich durch Einquartierung im Kriege, stark mit Syphilis verseucht. Die Krankheit wütet dort noch heute und hat durch extragenitale Uebertragung fast alle Dorfbewohner ergriffen. Von allen im Jerusalemer Laboratorium der Hadassah-Organisation aus dem ganzen Lande zur Untersuchung kommenden Blutproben auf Wa. R. (fast ausschließlich von Juden) sind 90 bis 95 Prozent negativ. Ebenso steht es mit syphilitischen Erkrankungen des Nervensystems. Unter den 60 Insassen der (Der Elricagoer HMl'antrop XL (ö. Wecker). Dieser Tage verstarb in Chicago der bekannte jüdische Finanzmann und Philantrop A. G Becker. Der Verstorbene wandcrte 1865 aus Polen ein und begann seine Laufbahn in Chicago als Laufbursche der Deutschen Nationalbank. 1874 begründete er schon selbst eine Bank und ward bald daraus leitender Direktor einer 'Anzahl großer Industriefirmen wie WZtinahouse Electric, Manufasturtng Company. Saint Louis- und San Francisco Eisenbahn-Gesellscha't. Herr Becker war Mitglied des Amerikanisch- Jüdischen Komitees, Verwaltungsmitglied des Vereinigten Hebräischen Kollegs in Cincmattt. Direktor einer Anzahl jüdischer charitativer Institute und spendete bei jeder Gelegenheit große Summen für jüdische Hilsszwecke. Sern Sohn, James H. Becker, war der erste europäische Direktor des Joint Distri bution Committee. Wochenkalender. 13.-20. Juni 1828. / 2I.-28. Siwan 8885. Samstag Juni i: inVyna 21 p’O 't 'a pns S-nntag 14 22 Montag 15 23 Dienstag 16 24 Mittwoch 17 25 Donnerstag 18 26 Freitag 19 ~bv? 27 Rausch-Ehaudesch benschen Sarnst^Q., 20 28 Mauted Sonntag nachm^k^ : 'n pis ,J Jerusalemer Irrenanstalt sah ich nur 2 Fälle von progressiver Paralyse. Alkoholpsychosen sind hier überhaupt nicht beobachtet worden. Die hauptsächlichste Rolle spielen die Darminfektiortskrankheiten. Bei der Uebertragung sind hauptsächlich Nahrungsmittel (Gemüse, Früchte), die durch Bazillenträger verunreinigt sind, die Ursache; auch der Düngung (der Fellache düngt nur mit Menschenexkrementen) ist ein großer Teil der Erkrankungen zuzuschreiben. Regelmäßig im Herbste vor Eintritt des Regens, wenn der Inhalt der Jauchegruben zur _ Bewässerung und Düngung herhalten muß und andererseits der Regen fehlt, der die Fäkalien rasch wegspült, tritt ein Anstieg der Fälle von Darminferlionen ein. Die Infektion durch Trinkwasser spielt hier in Jerusalem keine Rolle. Bei dem vollkommen undurchlässigen Felsboden ist an eine Verschmutzung der meist in das Gestein gehauenen Zisternen nicht zu denken. Außer den zahlreichen Zisternen steht noch Wasser aus der großen Leitung zur Verfügung, welche die Regierung von den 8 Kilometern entfernten, mitten im Gebirge liegenden „salomonischen Teichen" (drei großen, noch aus dem Altertum stammenden Bassins) hat anlegen lassen. Wassermangel, wie in. früherer Zeit, besteht also nicht mehr*) Die Tuberkulose hat in den Wüstenstädten in letzter Zeit etwas zugenommen; das Klima der Gebirgsstädte wie Jerusalem, Safed wirkt hier entschieden günstiger; eine Bedeutung ist hier sicher der Sonnenbestrahlung Zuzuschreiben. 85 Prozent aller Tage des Jahres sind Sonnentage, nur 18 Tage im Jahre sind völlig sonnenlos. Bei dem raschen Wechsel der Temperatur sowohl innerhalb der einzelnen Tage, als auch in den Uebergangszeiten, z. B. vom Sommer zur Regenzeit, sind hier im Gebirge bei nicht abgehärteten Personen Erkältungskrankheiten häufiger; wer allerdings sich an diese raschen Temperaturstürze gewöhnt hat, der hat damit eine starke Resistenz gegen Erkältungen überhaupt sich erworben. Selten ist das Vorkommen von malignen Tumoren bei der eingeborenen Bevölkerung, desgleichen finden sich wenig Fälle bei Europäern, die hier lange wohnen. Vergleicht man die sanitären Einrichtungen mit der Morbidität, so kommt man zu dem Ergebnis, daß sie für einen großen Teil des Jahres allen Anforderungen genügen, daß hingegen zum Ende des Sommers und beim Beginn des Regens, wenn die Fälle von Darminfektionen und Malaria zunehmen, eine Ueberfüllung der Krankenhäuser stattfindet. Hinzukommt, daß unter den hiesigen Verhältnissen — ein Teil der Arbeiter der jüngsten Siedlungen wohnt in Baracken und Zelten — die Krankenhausaufnahme auch in Fällen leichterer Erkrankung notwendig ist. Wenn die Einwanderung in demselben raschen Tempo sich vollzieht wie in der letzten Zeit (über 2000 Menschen pro Monat), so ist für die nächsten Jahre eine Vergrößerung der sanitären Einrichtungen zu erwarten. Insbesondere ist mit der wirtschaftlichen Entwicklung und dem Bevölkerungszuwachs auch ein starker Ausbau der vom Lande selbst getragenen Einrichtungen zu erwarten. Da in den meisten Fällen für die hier einwandernden Aerzte nicht wirtschaftliche, sondern nationale Motive Vorlagen, so schien noch vor einiger Zeit infolge des dauernden Zustroms an Aerzten kein besonderer Bedarf an privatärztlicher Tätigkeit mehr vorzuliegen; z. B. hatte das Land weit mehr Spezialisten als andere Lander des vorderen Orients, wie Syrien, Aegypten. Jedoch auch hier ist mit der raschen Entwicklung des Landes eine Aenderung eingetreten. Trotz relativ hoher Aerztezahl gibt es hier keine arbeitslosen Aerzte, und im Lause der Entwicklung wird man besonders mit einem Bedürfnis nach gut ausgebildeten Spezialärzten rechnen. *) Dieses Urteil des im Februar geschriebene Artikels ist, wie,d.fe späteren Berichte zesgen, leider ad absu'r ' , J Korrespondenzen « ßacbricbten Reich Die Gründungsversammlung der „Gemeinschaft ehemaliger kölner". Köln, 6. Juni. Dem von den Herren Rektor Abraham-Essen, S e e l i g -Nordhausen, Baum -Bonn und May -Calcar Unterzeichneten Aufruf, sich anläßlich des in Köln stattfindenden achten Verbandstages der jüdischen Lehrerschaft Deutschlands im Seminar zu treffen, leisteten viele ehemalige Kölner gerne Folge. Am Nachmittag des ersten Verhandlungstagso versammelten sich die Kollegen im .Hause ihrer alma mater, um die Stätte ihrer Ausbildung nach Jahren und Jahrzehnten wiederzusehen und Erinnerungen froher Studienjahre auszutauschen. Der Senior der Seminardozenten, Herr Seminarstudienrat Gut, begrüßte die Erschienenen und gab einen kurzen Ueberblick der Geschichte des Seminars. Darnach besichtigten wir unter Führung des Seminaroberlehrers Dr. Harth sämtliche Anstaits-, räume. Die Kollegen gaben ihrem Staunen und ihrer Anerkennung über die Entwicklung des Seminars beredten Ausdruck. Die dreistufige Lehrerbildungsanstalt hat sich in ein reichgegliedertes Schulsystem verwandelt-, sie beherbergt in ihren zahlreichen Räumen heute noch die sechsklassige Uebungsschule „Morijah", das Realgymnasium „Jawne" nebst einem Lyzeum mit insgesamt 29 Lehrkräften. „Jawne" und Lyzeum sind staatlich anerkannt und haben zu Ostern ihre ersten Prüflinge entlassen; die Lehrmittelsammlungen, die Bibliothek, sind nach neuzeitlichen Grundsätzen vervollkommnet, selbst eine Schulspeisung fehlt nicht. Uns Jüngeren wars eine Freude, zu beobachten, wie ergraute Kollegen und Klassengenossen jung wurden bei gemeinsamen Erinnerungen, die sie mit jedem Raume verknüpften. Und als wir dann in der Aula faßen — zwischen der Studienzeit des ältesten und jüngsten Kollegen liegen 52 Jahre —, als wir im Ernst und Scherz Einzelzügen aus dem Wirken der Heimgegangenen Lehrer lauschten, da erstand in uns das Bild starker Lehrerpersönlichkeiten und großer Lehrerbildner. Es war ein weihevoller Augenblick, als wir des ersten Seminardirektors, Dr. Plato f. A. und seines kongenialen Mitarbeiters, des Seminarlehrers M. Schwarzschild s. A. ehrend gedachten. „Die Kraft, die von diesen Männern ausstrahlte, wirkt heute noch in uns," führte Kollege Seelig-Nordhaufen aus. Ihrem Andenken seien wir es schuldig, mit dem Geschick der Anstalt verbunden zu bleiben. Von jüngeren Kollegen wurde dargelegt, daß das Jüdische Lehrerseminar unbedingt erhalten werden müsse; es könne durch die Verbindung mit „Jawne" und der Universität allen Forderungen der jüdischen Lehrerbildung der Zukunft gerecht werden; dafür, Es ist ausschließlich Sache der Leser, die!m Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesehlichen Charakters auf ihrr Zuverlässigkeit zu prüfen. MaüteusJUüUec ' £LTVIILL - '