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Der Israelit · 1925-05-28 · Heft 22 (28.5.1925) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 22 (28.5.1925)
Date
1925-05-28
Page
– (sequence 26)
Language
German
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Beite 25 Nr. 22 28. Mai 1925 so vor allem in jenem Kapitel desx"-iiS' das von der bei den Erzvätern erblichen Kalenderbe-- rechnungsgabe spricht. Da wohl nicht eine apriorische Astronomie, eine, wie Hegel sagen würde, höhere Sternkunde nebst allen ihren Blüten hiermit gemeint ist und ein empirisches Wissen jenen Zeiten nicht vorlag. so gelangen wir tatsächlich zur Annahme einer solchen „Natursichtigkeit" der Urzeit; aber eine Heiligkeit, eine Verbindung mit dem Schöpfer haben unsere Weisen darin niemals gesehen, — eher, wenn wir den Gedankengängen Hirschs folgen, das vollendete Gegenteil davon, eine Unreinheit, eine unbewußte Hingabe an Naturmächle, ein Triebdienst, dessen Bekämpfung der Schöpfer in Form der Einsetzung der sichtbaren Neumondweihe snpi nxn ntrmns gesetzlich auferlegt. Nun erst die Ungöttlichkeit der übrigen Triebhaftigkeiten! Unnötig erscheint es uns, die Erinnerung an Menschen mit unspreizbarer Hand als eine midraschische Erinnerung an eine körperliche Tierähnlichkeit der Urmenschen zu erklären (11); die Gestalt der Urmenschen dürfen wir uns nicht abweichend von der höchsten Vollkommenheit oorstellen. Es kann sich ja um Geschicklichkeitsunterfchiede der Zeitalter Händeln, wie sie noch heute gleichzeitig in den Bevölkerungsschichten halbzivilisierter Länder sich beobachten lassen. Würden wir jedoch den „adamitischen" Menschen, der körperlich nach Dacque nur ein ganz tierähnliches Geschöpf war, in jene Urzeit der „nicht erschaffenen 984 Geschlechter" zurückversetzen, die nicht Adams Gottesebenbild als Körpergestalt trugen, sondern vN'QSU 0x32 nur soweit vervollkommnet wurden, wie sie selber wollten, — eine Rückverlegung, die schon A. Markus im „Varsilai" als Hypothese aufgestellt hat, so mag alle? das gelten, was Dacque an den verschiedensten Stellen seiner Schrift andeutet: Der erste Urmensch habe viel Tierisches in und an sich gehabt; im Laufe der Generationen habe sein Stamm das Tierische „aus sich entlassen," bis nach reinster und schärfster Selektion der „apollische" Menschentyp in einer ihm angepaßten Zeit entstanden sei. Dabei mußLetzterer also unser Adam, nicht unbedingt Produkt der vorherigen Menschengenerationen gewesen sein; es genügt, daß die „Mode der Natur", die Typenstufe der Zeit in der Welt vorhanden war, in der ein Adam seinesgleichen an Vollkommenheit bei den Reichen der Schöpfung vorfand und in der „ein Tisch gedeckt war" für Gottes Ebenbild va mwo^ wrff ’T> Die 6 Schöpfungstage aber mutzten in sich fassen, was der — dennoch! — Intellektualist Dacgue nur Iahrbillionen zutraut. Dagegen führt ihn (in der grundlegenden Anm. 30) seine Betrachtung über die Zirbeldrüse und über dessen urzeitlichen Vorläufer, das Stirnauge, sowie über das Großhirn und den Einfluß dieser Organe auf Wuchs, Alter und Geist der Lebewesen zu der erfreulichen Einsicht, daß die große Lebensdauer der ersten Menschen in der Thora eine wahre Erinnerung sind; er hält es für „nicht nötig, an dem Wort „Iahr" allzuviel noch herumzudeuteln." Gern dürfen wir zugeben, daß im Laufe der Zeitalter der Verderbnis der Menschenstamm viel Tierisches in sich wiederausnahm und später wieder ausstoßen mußte. Das dürfen wir aber nicht, wie D. will, im Ein- und Auszuge der Tiere aus der Arche symbolisiert sehen, sondern hören von unsren Weisen, wie in jenen Zeiten Menschen, Tiere und Engel alle zu gleicher Verderbnis sich vermischten. Den Erinnerungen vieler Völker an die „mondlose Urzeit" der Erde stellt Dacque aus unseren Midraschim nur eine Andeutung der Geschichte der Verkleinerung des Mondes zur Seite Das „Eingefangenwerden" des Mondes und sein Kleinerwerden wären dann Zeugen jener. Zeit, als ein. Wellkörper zerstob und ein. Teil davon unser Mond wurde. 'Anzuerkennen ist, daß Dacque, die „Flut des. Enosch", die - partielle Sündslut der Midraschim hiermit nicht in Zu- _ Der Israelit_ sammenhang bringt; sie liegt in seiner Auffassung allerdings zeitlich nach der noachitischen Flut. Letztere erklärt er natürlich nicht ethisch;doch ist Dacque der erste, der sie (vermittels der Hörbigerschen Glazialkosmoponie) als ein Produkt dauernden Regens anerkennt und sie nicht wie die Früheren als bloßes Hervorbrechen unterirdischer Wasserquellen mit partieller Wirkung erklärt. So ist doch wenigstens der Boden für die Annahme der Totalität gegeben, mit der die Sündflut der Thora ausbrach, da sie von einzelnen Lebewesen überdauert wurde, so ist auch die Geschichte von der Arche nicht mehr als bloß symbolische Erzählung, sondern als Notwendigkeit begreiflich. Weshalb danach noch Dacque diesen einfachen Bericht der Thora in der von ihm sonst so als überholt betrachteten allegorischen Weise auslegen muß, bleibt ganz unverständlich. Aus dem einfachen biblischen Berichte, daß Noach die Tiere aus der Arche entließ, macht Dacque die ahnende Erinnerung an ein „Zeitalter, in welchem der Menschenstamm viel Tierisches aus sich entlassen mußte." An ein solches Zeitalter, wie überhaupt an eine seletlionsgemäße Entwicklung der Menschheit haben wir deutlichere . und. eindeutigere Erinnerüngen in unseren Midraschim. Auch das Wunder des Sonnen- und Mondstillstands unter Josua bei Ajalon will Dacque durch gewisse Einwirkungen aus dem Weltenraum (nach der Hörbigerschen'Glazialkosmogonie) erklären. Die traditionell-ethische Auffassung dieses Wunders widerspricht dem nur, wenn wir die bekannte Wündertheorie des Nachmani ablehnen, nach der bei Weltschöpfung die Wunder ins Weltenwerden eingeflochten wurden, um zu geeigneter Stunde als Warnzeichen für die Menschen hervorzutreten. Das Gleiche müßte von dem gelten, was Dacque über den Midrasch sagt, nach welchem vor der Sündflut während mehrerer Wochen die Sonne im Westen aufging. Auch das mag uns mutatis mutandis anheimeln. Eine Art Dacquescher Glcmbensbsstätigung jedoch muß uns als das gerade Gegenteil unserer Denkweise, bewußt bleiben, und das ist seine Vergötterung des nur-intuitiven, des natursichtigen Geistestyps eines Teils der Urmenschheit. Wir mußten schon erwähnen, daß uns dieses Stadium des Menschentums als Unreinheit schlechthin zu gelten hat. Unrein sind für uns „Zeiten und Geistesverfassungen, in denen Beschwörung wirkte, . . . weil des Menschen Wesen ein . . in das Weben der Elemente verflochteneres war und ... daher Zusammenhänge sah, die wir nicht bemerken." Nicht etwa die Erhabenheit solcher Zeiten wird uns aus diesen Worten Dacques klar, sondern die Erhabenheit der strengen Gesetze der Thora gegen den Götzendienst geht uns durch diese Betrachtung auf. . Die anerkannt krankhafter Mönchsphantasie entsprungenen Blutrauschszenen am Ende des Waltharius- und des Nibelungenliedes sind in Dacques Wertung erhabene Verkörperungen „dämonischen" Heldengeistes. Auch die „uralte Dämonie des Menschenopfers" ist eine schön deutliche Ausprägung der Gedankenreihe, zu der uns die Hochbewertung des „Dämonischen" führen kann und muß. Dacque findet.es „ebenso traurig wie folgenschwer, haß dieses Heldentum nirgends heraustrat bei denen, die im Weltkrieg dem Namen nach die Führer der Völker und Heere waren. Keiner von ihnen wußte oder ahnte, daß von ihm, gerade von ihm statt Flucht Heldentod gefordert war, der ungeheure dämonische Kräfte entfesselt hätte, als Völker und Heere in ihrem Heldentum zusammenbrachen. Wären die Führer zuletzt, an der Spitze Allen voran, heldenhaft gefallen, so wäre die uralt lichte Dämonie, die im Opfertod liegt, wieder frei geworden; es wära ein Alle ergreifender großer Glaube.erstanden ..." Das genügt, um uns zu zeigen, daß der Glaube an die Heiligkeit des Dämonischen, den Vernunftwillen Lähmenden, selbst einen ernsten. Forscher zu dem unseligen Wunsche bringen kann, der Krieg hätte noch nicht genügend - Blutopfer I gefordert und hätte durch eine levee en massel einen Selbstmord der Nation beendigt werden müssen. Als dankbare Anerkenner der bcnl Dämonischen ein Ende setzenden göttlichen Ver-.I nunftregierung über die Welt kommen wir durchl Dacques furchtbare Denkweise sogar zu der Ein-I sicht, daß das Ausbleiben solchen Heldentodes Einzelner geradezu eine Gnadenwaltung des M-I gütigen war, der wir alle unser Ueber-I dauern jener Schreckensjahre ve r -! danken. — In gleicher Richtung bewegt sich! auch das, was wir zu Dacques Auffassung neu-I testamentlicher Lehren zu sagen hätten. Daß trotz! der Anklänge an ältere Sonnenmythen diese! Lehren historischen Vorgängen entsprechen, ist auch! unsererseits nie bezweifelt worden. Aber christ-I lichen Lesern des Dacqueschen Buches bleibe es als den Berufeneren überlassen, ob wirklich der! Märtyrertod, der den Kern ihrer Eclösungslehre bildet, ein „Zurückfluten ins un-individuelle Welt-Leben", ein „Abstreifen alles Nicht- Dämonischen" und ein siegloses, wunschloses, menschliches Entwerten bedeuten soll. Im Gegensatz zu Faulhaber stellt zwar Dacque das Opfer! Isaaks jenem Sterben wenigstens als gleich-! wertiges Opfer an die Seite. - In Wirklichkeit i ist hier aber heidnisch-pessimistische „tragische" Weltbetrachtung in die Offenbarungsreligionen hineingesehen, das ist der „Amalgamierungsvorgang", den z. B. auch Brod in seinem „Bekenntnishuch" bei den christlichen Denkern nachzuweisen sucht und dem Brods eigenes Denken stellenweise erliegt. Uns dagegen will es scheinen, daß der gemeinsame Zug der Offenbarungsreligionen in der ewigen Tendenz der Sinaj- Worte liegt: den Menschen über die Wege zu belehren, auf denen er von der Gewalt des Unbewußten loskommen und alle Lebensvorgänge in den lichten Bereich des Deutlich-Beabsichtigten heben kann, auf daß er über alle ethischen Unvollkommenheiten der Welt und des Trieblebens schon im Diesseits machtvoll liege. Dacque, Spengler und andere poetisch veranlagte Denker mögen über die Technisierung des Jahrhunderts und über den undämonischen Charakter des modernen Abendlandes ein Klagelied anstimmen. Uns erscheint dies Abblättern der letzten Tierinstrnkte des menschlichen Geistes als die große Wrltenreinigung und Vorbereitung auf die Zeit, von der wir sagen: .-mx nnx n aw xinn öYa Fern sei es also von uns, einen Teil der von Dacque und Anderen erforschten Tatsachen zu bestreiten: nur bezüglich des Werte n s derselben gehen wir eigene Wege. Max Brod und sein jüdisches Werk. Von Dr. W. Mas in Aürch i. ZS. IV. Die Gnade Gottes, n non in ihrer umwandelnden Wirkung auf den Menschen ist keine christliche Entdeckung, ist vielmehr altjüdischer Begriff, ist Wesenskern unserer Religion, ist. der tieUte Grund für den unzerstörbaren Optimismus unserer Volksseele. Aber die Gnade, die Anfang und Ende des Christentums ist, kennzeichnet sich in dreifacher Hinsicht. Sie läßt von vorneherein dem auf Gnade harrenden Christen die guten Taten und das Streben, im Diesseits Gutes zu tun, überflüssig erscheinen. Es lehrt seine Gläubigen, in Erwartung der Gnade die Hände geruhsam in den Schoß zu legen. Das Judentum drängt aber zu regster Tätigkeit. „Diese Welt ist eine Vorhalle; bearbeite Dich in der Vorhalle, damit Du einziehst ins Gemach!" „Besser eine Sünde in Reue und guten Handlungen in dieser Welt, als die ganze jenseitige Welt." Die Hoffnung auf die Gnade Gottes übt . keinen lähmenden, sondern anspornenden Einfluß aus, denn „der Tag ist kurz, und die Arbeit ist viel." Zweitens aber kennzeichnet sich die christliche Gnade dadurch, daß sie nur durch Vermittlung des Stifters der christlichen-Religion sich über die Gläubigen erMßen kanch./Während dem Juden

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