Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1925)
- Date
- 1925-05-28
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450337-2450358--72232-2529593- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 22 Seite 23 28. Mai 1925_ hält die Auswirkung des Sabbat, der kein „Ruhetag" im Sinne des dolci far niente ist, sondern ein Tag, an dem die Abwendung von jeder Berufspflicht und jeder äußeren Förderung die Ferien vom Ich dem Menschen eine geistige, sittliche Erhebng gestatten sollen. Er soll an diesem Tage der erlebten Leitung der Menschenwelt durch Gott gedenken, wie dieser Tag Gott auch als Schöpfer der Natur in Erinnerung bringt, p tor darum — um an diesem Tag solchen Gedanken nachzuhängen, so daß diese Gedanken nimmer völlig vergessen werden, hat Gott den Sabbat der nTW der Enthaltung von jedem Werk, eingesetzt. •px wxv V. 12 ist aus dem Grunde hinzugesetzt, weil die Begründung des Sabbat hier fehlt. (Abravanal.) Bei dem Gebot der Elternverehrung unterscheidet sichV. 5,16 in zwei Punkten vonll. 20,12, nämlich durch die Hmzufügung von “px wrrp und 3v" spvbi- Ersteres weist wie bei Sabbat auf den Befehl in Maroh hin und schreibt beide Gebote als Zweck und Mittel der Erwählung Israels über das Portal seines Eintritts in die Weltgeschichte. Aber zudem wird ntr' psb gefügt, um der Verheißung eines langen Lebens einen Inhalt zu geben. Freudloses langes Leben ist mehr Strafe als Lohn. Die Stelle B.—K. 54 b-55 a bezieht der Verfasser von na’a»* min zu V. 5,16 und na*w min hier übereinstimmend auf das Wort im Midrasch Rabb. zu maw 47, iz, wonach Moses, als er die mündliche Lehre empfing, die Verse Psalm 119, 71 und 72 gesprochen haben soll. Nur steht nicht fest, ob er auch V. 72 bei den ersten Tafeln gesagt hat, weil dieser Vers sich auf das schriftliche Gesetz bezieht und die ersten Tafeln doch zerorochen würden, zerbrochen, weil — wie nachgerade das goldene Kalb bewies — Israel viel zu viel Geld besaß. Schon beim Auszug aus Mizrajim hat Moses sich nicht zum Gold und Silber gewandt, sondern hob den Sarg Josephs — wie denn Gott ihn zwei Mal förmlich bitten mußte, dem Volke Befehl zu erteilen, Gold und Silber sich zu leihen II. 3, 22 und II. 11, 2. ^yr Gold ward ihnen zum Verderben. Daß er in Joseph die Vorfahren geehrt, brachte seinem Volke dauernden Gewinn. Darauf werden sie vor Eintritt ins Land eindringlich nochmals hingewiesen. 13. Daß die nun folgenden Verbote \i V. 5,17 durch Wow copul. verbunden sind, daß ferner dort niV durch ->pV hier ersetzt wird, siehe bei Hirsch V.5,17. 14. Daß hier das Haus vor der Frau genannt wird, umgekehrt wie V. . 18 ist wohl so zu begründen, daß dasjenige, was jemand nicht besitzt, am begehrenswertesten erscheint. Es mag z. B. auch in der Wüste bei den Korachiden IV. 16,32 Leute gegeben haben, — nicht alle (V. 27: pva und e.T^nxa) die Häuser hatten. Sie warum darum beneidet. Im Lande besaß jeder ein Haus; da steht die Frau an erster Stelle. Die Hinzufügung inw V. \ 18 ergibt sich von selbst; für die Wüste ist es il 20,14 ausgelassen. Nur der Unterschied bei wz zwischen nann hier und nixnn V. 18 bleibt noch zu erklären. Im Lande kann jeder ein Haus haben. Er kann eins kaufen und bauen und einrichten. Es kostet nur Geld. Der andere kann sich für das Geld ein neues erwerben. In der Wüste gibt es keinen Ersatz. Drum für die Wüste die Warnung: nann nb Selbst für Geld darfst du Der Israelit dich nicht in den Besitz eines anderen setzen wollen. Für das Land: obwohl der andere keinen Nachteil, vielleicht einen Vorteil von der Abtretung des Besitzes hat, sollst du dich nicht gewöhnen (Hitpael) im Herzen zu begehren. Das Begehren ist um seiner selbst willen Unrecht. Weil in der zweiten Hälfte in V. 5,18 ein anderes Wort stehen sollte, darum wird das Gebot in zwei Teile getrennt und daher steht auch hier zwei Mal nb Schließlich steht hier vwv V. 5,18 rm ohne Wow. Wo die Reihe mit wx anfängt, d. h. wo der Sinn auf Sinnlichkeit gerichtet ist, da hört die Begehrlichkeit mit wax aus. Da will man nur ungestört und bequem mit der um ihrer äußeren Vorzügen willen gewählten Früu leben. Der Besitz steht da auf einem anderen Blatt. Er ist vw ohne Wow «synthetisch mit dem Vorausgehenden verbunden. Wo die Reihe aber, wie in lirv' mit dem Besitze anfängt, da ist überhaupt die Begehrlichkeit nach der Frau des Nächsten — mehr Parenthese (lann rrb zeigt diese mit - an) und da ist vwi mit Wow geschrieben. Wer sinnlich veranlagt ist, ist kein kalter, berechnender Geldjäger, und umgekehrt. Was nun die Zählung des Dekalogs betrifft, so zählt der Targ. Är und die Mechilto zu V. 13 dieselben. Somit gilt V. 2 raax als das erste Gebot, V. 3 ,t,t x1? V. 4 nwxm xb V. 5 mnnwn xb bis V. 6 *mxa' das zweite 'Xwn xb das dritte, Sabbat das vierte, Elternehre das fünfte, Mord das sechste, Ehebruch das siebente, Diebstahl das achte, myn xb das neunte, nann xbdas zehnte, indem beide nann xb zusammengelesen werden, da das zweite nur Parenthese ist. Nichtsdestoweniger ist zwischen beiden eine nainv Dagegen fehlt die nainv nach dem ersten Gebot. Infolgedessen stellt sich uns die Zählung nach der Maffora anders dar: das erste Gebot reicht von ’3JX bis ■wxa Das-zweite ist xem x^ Nach diesen beiden die Gottesfurcht behandelnden Geboten ist eine nmns Das dritte ist Sabbat usw. bis lann x1? dann geteilt wird. So werden auch die Gebote durch den p’bsrn dvo im öffentlichen Bortrag markiert. Zwischen Heidenheim im wain xip py und unserem Gebrauch ist eine Differenz. Wir lesen den Satz vhk als (Bebot für sich abgeschlossen, mit pivs qiv- Die Mechilto bringt die sich auf den beiden Tafeln gegenüberstehenden Gebote in wechselseitige Beziehung und läßt dadurch deutlich erkennen, daß sie als autoritative Interpretin des Schriftworts vi>. ■oax bis ma fünf Gebote zählt und infolgedessen beide iann xb als ein Gebot faßt. 15. Die Frage, ob sich die hier gegebene Schilderung auf die Zeit vor der Verkündung des Dekalogs oder nachher bezieht, entscheidet sich durch das Particip q’Xvi. Würde von der Zeit nach nun jn» die Rede sein, dann würde es ixti als temp. hist, heißen. So aber knüpft tvxn an 19,16 ff an und bezieht sich auf die Zeit während der Verkündigung, da das erste und zweite Gebot von Gott in der zweiteen Person, von da ab in der dritten redet. Uebrigens beweist auch diese allgemein übliche Annahme, daß zwei Gebote von Gott selbst zum Volke ge: sprochen seien, daß ■»aax ein selbständiges Gebot ist. Vor allen Dingen ist zu merken, daß die Wahl des Ausdrucks £r>xn immer wieder das persönliche Erleben der Offenbarung seitens des ganzen Volkes betont. Wir haben eine historische Ueberlieferung von sinnlich wahrgenommenen, erlebten Tatsachen und Ereignissen und besitzen statt eines Glaubens ein bestimmtes Wissen, das seitdem in der Weltgeschichte durch die Tatsache unseres Ueberlebens und Daseins vielfach bestätigt ist und sich täglich im Erleben bewahrheitet. Schewuoth. Von Willy Wolf in Köln. „-und dis Freude des Herzens (wird Euch zuteil werden) wie dem mit dem Flötenspiel Dahinziehenden, zu kommen — aus dem Berge Gottes — zum Fels Israels!" (Jesaia 30,29.) Am Schewuothfeste gelangten zwei Weizenbrote der Volksgesamtheit als Erstlingsgabe in den Tempel, und von diesem Zeitpunkte an konnten auch die Einzelnen ihre Erstlingsfrüchte in der vorgeschriebenen Weise in den Tempel bringen. Dem Geiste dieser bedeutsamen Mizwoh entsprechend, versammelten sich die Einwohner der Städte, die hinsichtlich der Tempelordnung zur gleichen Abteilung gehörten, um gemeinsam in großer Schar die Früchte ins Gotteshaus hinaufzutragen, und auf dem ganzen Wege zog ihnen die Flöte mit lieblichem Spiel voraus. Auf die innige Mizwohfreude, die aus den weithin schallenden Tönen hervorklang, weist die angeführte Stelle aus Jesaias hin. Dem ersten Teile des Verses haben wir in der vorigen Nummer des „Jüdischen Volksfreundes" eine Betrachtung gewidmet. Er lautet: „Das Lied wird Euch zuteil werden wie in der zum Feste geheiligten Nacht" und bezieht sich demgemäß auf das P e ß a ch fest. Die zweite Hälfte des Satzes stimmt mit dem Gedanken des Schewuoth festes als dem „Tage der Erstlingsfrüchte" zusammen und sind daher in unserm Verse die beiden Momente, Peßach und Schewuoth, vereinigt. Peßach und Schewuoth! Wie eng sind sie durch eine ununterbrochene Kette von Tagen und Wochen verbunden, und wie verschiedenartig stellt sich hier, wie uns scheint, ihre innere Bedeutung dar! Zunächst das Peßachfest. Es erinnert an die Wundertaten, durch welche Gott Seine Allmacht über das Weltall zeigte, und dem Erlebnisse der Wunder entspricht das gottbegeisterte Lied. Dann aber entrollt der Prophet vor unserm geistigen Auge das Bild der Zeit, welche beim Bestände des Tempels mit dem Schewuoth- Feste beginnt. Auch diese Zeit lenkt unsern Blick zu Gott empor. Indes bietet kein übernatürliches Geschehen dazu Anlaß, sondern der Segen, den Gott in natürlicher Entwicklung den Fluren gespendet, und der Dank für den Segen ist die tiefe Freude, mit welcher die göttliche Vorschrift, die Erstlingsfrüchte ins Heiligtum hinaufzutragen, zur Verwirklichung gelangt. Bezeichnenderweise schildert der Prophet hier nicht etwa die Empfindung, die den jüdischen Mann beseelte, wenn er mit den Früchten bereits beim Siftdoflveft des 3üdiscficrt 'Uoffesfreuttdes, ICöln am Stftein. Wir offerieren: 2KT 'JV/Tlä Bemerkungen zum Pentateuch von Rabbiner Wolf yxi Preis 2 mk. mmn by Übersetzung und fortlausender (Lommentar zum Pentateuch. preis des Linzeiheftes 0.60 Mk. i1