Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1925)
- Date
- 1925-05-28
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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Was uns von unserer Umwelt scheidet, tH der W e g, das Ziel ist allen Menschen gemeinsam. Dieser besondere Weg, vorbereitet von Gott durch die Geschichte unserer Ahnen, wurde am Sinai unseren Vätern offenbart. Wir haben demnach in der Thauro die Säule der Welt, in ihrer Befolgung die Fortexistenz des Weltalls liegend. Eine Gefährdung des Lebensweges tritt, abgesehen vom Abweichen von der Thauro, schon dann ein, — für alle Menschen — wenn er das Kl barste mißbraucht, das ihm vom Schöpfer verliehen wurde, die Fähigkeit, seinen Gedanken und Vorstellungen durch die Sprache Ausdruck zu verleihen. Was das Auge sieht, was das Herz denkt, ist toterst die Sprache, der Austauschvon Mensch zu Mensch, weckt Leben. Daher gilt es, die Zunge zu wahren. Unsere Weisen stellen ihren Mißbrauch auf die gleiche Stufe mit den drei Kardinalsünden: Abgötterei, Unzucht und Mord, vernichtend wie diese Folgen der drei Untugenden: Hochmut, Gier und Ehrsucht. Wer die Beweglichkeit der hebräischen Sprache kennt, der weiß, daß es vielleicht beabsichtigte Wahrheit ist, die unsere Weisen finden, wenn sie die drei Buchstaben des Wortes Odom erklären zu tn *isx meruth, darin die drei zum Untergang führenden Untugenden erblicken, und wenn in mm nun nrmourtö mn uns das Gegengift gereicht wird. Für den jüdischen Menschen gibt uns die Thauro. als. Strafe der durch den Mißbrauch der Zunge dokumentierten Herzensfehler die drei auffteigenden Stufen, des Aussatzes: Der Körper, die den Menschen nach außen repräsentierende Kleidung und das Haus gehen zu Grunde; soll Heilung erfolgen, soll die Tötung des Aussatzes zur Heiligung führen: mezauro, achare maus kedauschim, so muß die gestürzte Säule der Welt wieder aufgerichtet werden, die uns in den Sprüchen der Väter mit den Worten bezeichnet wird: Auf drei Säulen ruht die Welt: auf Recht, Wahrheit und Frieden. Sie seien in Folgendem einer kurzen Betrachtung unterzogen. Recht wird gehandhabt, Recht wird gesprochen, Richterstühle stehen in jedem Land des weiten Erdenrundes, aber das absolute Recht, frei von menschlichem Irren, kann nur ausgehen vom einzig wahren, absoluten, unbestechlichen Richter, von Gott. Rur e i n Volk besitzt dieses autonome Recht, niedergelegt im Gotteswort: w i v. Auch im jüdischen Leben standen Thron und Altar eng nebeneinander, aber der Thron ein Diener des Altars. Für den jüdischen dichter galt und gilt uneingeschränkt der Satz: Noblesse oblige. Auf den sechs Stufen des Thrones standen ehern eingemeißelt die Richtlinien: beuge nicht das Recht, kenne keine Partei, nimm nicht Bestechung, pflanze Dir keine Astarte, richte nicht Dir ein Standbild auf, opfere nicht Deinem Gott ein Fehlerhaftes. Ueber.der Krone des Königs steht die der Thauro. Die Lippen des Priesters künden wahre Erkenntnis, Thauro suche man aus seinem Munde, denn ein Bote Gottes der Scharen ist er. So und nur so kann und muß das Recht Zeuge und Kämpfer sein für die Wahrheit. Wundersam bildet die heilige Sprache, die Sprache mit der Gott die Welt ins Dasein rief, ihre Begriffe. Kein anderer Mund formt Mann und Männin V'X isch und nvrr ischoh aus dem Gottesnamen, dessen Strahlungen derNatur ihren Fortbestand sichern, kein anderes Volk legt hinein in diese Worte, die Grundlage allen Menschendaseins, so klar und eindeutig die Pflicht, Menschen zu zeugen, Nachbildner unseres eigenen Lebens zu gebären in gegenseitigem, an gottgebotenem Pslichtenleben gemessenem Wirken von Mann und Weib — wie wir. rivxemeth, die Wahrheit, unerschütterliche undehnbar, umfassend den Anfang, die Mitte und den Schluß unseres Alphabets, einschließend den jüdischen Menschen von dem Tage, da Gott in seinen geheiligten Körper die heilige Seele goß, bis zu dem Augenblick, da der Schöpfer dem reinen Körper die reine Seele wieder nimmt. - Darum ist es heiligstes Gebot, der Wahrheit zu dienen; 'angefangen im zartesten Kindesalter, zarte Kinderseelen hinzuführen zur Lehre Gottes. Ist der Weg des Irrtums einmal begonnen, gibt es keine Rückkehr mehr, ungehört verhallt die Klage des Propheten: Zwiefachen Frevel beging mein Volk, verlassen haben sie mich, den Quell lebendigen Wassers, sich selbst Brunnen zu graben, — Burrus, Brachfelder pflügten sie — zerbrochene Zisternen waren es, die kein Wasser halten. Darum muß unangetastet und uneingeschränkt das Recht der Geistesfürsten unseres Volkes bleiben, Bildner stammelnder Kinderlippen zu sein, darum kann nie zu teuer erkauft sein die Möglichkeit, jüdische Kinder in einer jüdischen Schule von jüdischen Lehrern erziehen zu lassen. Auf den Mund stammelnder Säuglinge hast Du Deine Macht gegründet. Wehe den Eltern, wehe dem Lehrer, die vergessen könnten, wie nahe dem geraden Weg der Abgrund lauert. Wundersam hat das die hebräische Sprache durch einen kleinen Punkt, das Dages, zum Ausdruck gebracht: olal in seinem schwachen Säuseln, im Stammeln der Schwachen, kündet Gottes Macht, menschliche Schwäche, stark sich dünkend, reißt den Prachtbau ein zum Verderben, zur stürmenden aliloh, und umgekehrt —: stark kündet das Dages in jeder Form das Verbum tznp Kaddesch, die heiligende Kraft der Gottesdienerschaft, ein einziges Mal nur schreit der Prophet in Qual der Seele auf: und ich bringe die Hefe der Völker, und sie reißen an sich ihre Häuser, ich mache ein Ende dem Stolz der Selbstbewußten, und entweiht werden, die entweihten, statt zu heiligen — und da fehlt das Dages, kraftlos sinkt der Bau, der Gott künden sollte, unter allen Völkern, entweiht durch Menschenwerk. Jüdische Eltern, scheut kein Opfer, so es die Seele Eurer Kinder gilt. Der Midrasch erzählt: Als Haman den Galgen an der Türe seines Hauses aufgestellt, da dachter er dre Vorfreude seines Triumphes zu genießen und maß sich an demselben. Eine Stimme ertönt: Schön ist der Galgen, Dir bereitgestellt seit den Tagen der Schöpfung. Haman, in Verkennung des Warnrufes eilt zum Lehrhause, dor trifft er Mordechai, tausende von Kindern sitzen da, ihre Bücher vor sich, andchtig lauschend dem Wort ihres Meisters. Jäh wird die weihevolle Stimmung unterbrochen, das Leuchten der Kinderaugen weicht tödlichem Erbleichen, amalekitische Rachgier fesselt die Kleinen, als erste Opfer seines unbeherrschten Triebes sollen sie fallen. Und das Weinen der Kinder steigt hinaus zum Richterstuh; des Allerbarmers, öffnet die Pforten des Himmels: in jener Nacht wich der Schlaf des Königs aller Könige, Rettung kam uns, erzwungen vor Gott von jüdischen Kindern. Mochten die Alten des Todes schuldig sein, um der Kinder willen