Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1925)
- Date
- 1925-05-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sette 6 Nr. 22 Forderung seiner Kehillo nach seinem ganzen Charakter sy erfüllen wie Herr Dr. Munk. Man hat ihm — und gegnerische Urteile sind oft die treffendsten, — in uns entfremdeten Kreisen einmal das Urteil gesprochen: Gewählt sind an diesem Manne die Gedanken, schlicht die Worte. Wir wissen auch alle, daß sein Feierverbot nicht nur ernst gemeint war, sondern auch, datz wir ihm auch gar keine andere Freude machen können, als die, ihm zu geloben, daß wir weiterhin, ein Jeder auf seinem Posten innerhalb der Adaß-Jisroel, seinem durch ein Menschenalter bewährtes Wirken durch unser Scherflein von Mitarbeit einen Widerhall zu geben. In den Synagogen seiner Gemeinde wollte er sich nicht gefeiert sehen; desto mehr ist er es in den Herzen der Beter seiner Synagogen. Die Wünsche, die aus diesen zum Allgütigen aufsteigen, klingen darin zusammen, daß Zeiten wie die, welche er bisher der Adaß-Jisroel zu überstehen geholfen, ihm und uns .ewig erspart, und daß ihm im Leben seiner Familie und seiner Gemeinde die idealen Früchte seines aufopfernden Wirkens reisen zu sehen und zu genießen vergönnt sein möge. Die großen Schulfragen in Polen. iVvn unserem Korrespondenten). Die jüdischen Parteien im Sejm. — Priluzki als Verräter. — Fortschritts-Manie. - Thugutt gegen den Cheder? — Zwischen Hammer und Ambos. Warschau, 14. Mai. In der seit zwei Wochen andauernden Budgetdebatte kamen während der Diskussion über die Budgetpreliminarien des Kultus- und Bildungsministeriums sämtliche jüdische Richtungen zum Wort: die orthodoxe, die zionistische und die sogenannte „völkische". Im Namen der ersteren: Rabbiner Lewin, der letzteren: Deputierter Prylucki und der zionistischen: Deputierter Grü rill a u m. Herr Grünbaum hat diesesmal eine sachliche Rede gehalten. An Hand von statistischem Material wie es nach, daß die jüdische Bevölkerung Polens durch direkte und indirekte Steuern mit einer Summe von zirka 36 Millionen Zloty zur Erhaltung der verschiedenen Staatsschulen beiträgt, während die Unkosten der Ausbildung der in den Reichsschulen studierenden jüdischen Jugend sich ungefähr auf 31 Millionen. Zloty beläuft. Es ergibt sich demnach ein Ueberschuß der Einnahmen gegenüber den Ausgaben in der Höhe von zirka 15 Millionen Zloty, ein Ueberschuß, der nur dem Numerus clausus oder anderen mehr oder weniger maskierten Begrenzungen der Aufnahme der jüdischen Schüler in die öffentlichen Schulen, teilweise auch durch deren im Verhältnis zum Bedarf ungenügenden Zahl zu verdanken ist. Dem Mangel, der Rot und obendrein den illegalen Beschränkungen steuern die von den Juden selbständig gegründeten Schulen entgegen. Cs wäre daher recht und billig, daß die Regierung das aus jüdischer Tasche fließende Geld für die jüdischen Schulen verwendet. Diese gerechte Forderung blieb nicht ohne Antwort seitens des Referenten der Budgetvorlage, wobei er nicht sowohl die Billigkeit der Forderung als ihre Begründung in Zweifel zog. Er sagte, daß man von einem Vertreter eines kaufmännischen Volkes, wie im Geschäftsverkehr von jedem anständigen Kausmanne, in er,rer Linie solide Ware und solide Berechnung zu erwarten hat. Die von Grünbaum vorgelegte Rechnung;ei aber nicht solid. Mit einer spitzfindigen haarspaltenden Kasuistik — die wiederum einem rassenreinen Arier nicht gut zusteht — versuchte der Referent zu beweisen, daß die Eingänge jüdischen Ursprungs mit den Ausgaben für die Schulbildung der jüdischen Jugend genau bis auf den Groschen gedeckt werden. Als zweiter Vertreter des jüdischen Sejm-Klubs sprach Rabbiner L e w i n. Er erklärte gleich am Eingang, daß er das Wort im Namen der orthodoxen Fraktion des jüdischen Klubs ergriffen habe und daher ausschließlich über das die Orthodoxie interessierende religiöse Schulwesen sprechen werde. In beredten Warten schilderte Rabbiner Lewin. die Bedeutung dieser uralten traditionellen Schule für die Pflege des Glaubens und die Förderung der reinen von unnatürlichen Anflügen und wuchernden Auswüchsen freien Kultur. Cr wies auch die von allen jüdischen wie nichtjüdischen Seiten kommenden Angriffe gegen die Cheder-Schule mit Entschiedenheit zurück. Schließlich forderte er Subvention seitens der Regierung zur Deckunc der Ausgaben für den Unterricht der profanen Gegenstände. Der Israelit Zur Festsetzung einer gerechten Norm für die zu gewährende Subvention käme nach Ansicht des Redne:s folgende Erwägung in Betracht: die Regierung fei verpflichtet, allen Kindern ohne Unterschied von Konfession und' Ration; die vom Gesetz vvrgeschriebene Schulbildung zu geben. Die jüdischen religiösen Schulen haben durch die Ausnahme der profanen Schulgegenstände in chr Programm die Regierung von der Erfüllung ihrer Pflicht einer gewissen Zahl von Kindern im Schulalter gegenüber befreit. Es ist demnach Pflicht uno Schuldigkeit der Regierung, das den Schulen zurückzuerstalten, was sie: sich durch die, zwar freiwillige, Uebsrnahme der ihr obliegenden Aufgaben seitens der genannten Schulen erspart. Die Regierung braucht keine Almosen und soll auch niemanden exploitieren, wiederholte Rabbiner Lewin das Wort eines bekannten Staatsmannes. Rabvmer Lewin behandelte auch ausführlich die Frage des Religionsunterrichtes in den staatlichen Volks- und Mittelschulen. Er schilderte in kurzen aber prägnanten Strichen die Verwahrlosung, die auf diesem Gebiete herrscht. Es existiert überhaupt kein Lehrprogramm, das für' die Religionslehrer bindend wäre. Jeder lehrt nach seinem eigenen Gutdünken, Was aber das allerschlimmste ist: es bestehe zwischen dem, was die Lehrer den Kindern zu sagen hätten und ihren persönlichen Anschauungen sowie ihrer Lebensweise so ein abgrundtiefer Kontrast, daß es ganz unmöglich sei, auch nur den geringsten Erfolg vom Religionsunterricht zu erwarten. Vom pädagogischen Standpunkte ist die Liebe des Lehrers zu dem von ihm vorgstragenen Gegenstand eine conditio sine qua non. Hier ist aber von Vorliebe gar keine Rede. Im Gegenteil. Der Lehrer steht oft mit Haß und Verachtung der Religion gegenüber. Dieser Zustand ist ganz unhaltbar. Es Muß darin eine Wandlung erfolgen. Auch der dritte Redner,-,.derjenige der „Volkisten", widmete einen großen Teil seiner Rede — — — der Cheder-Schule. Was er da sagte, waren Gemeinplätze, abgeschmackte und schon x-mal wiederholte Vorwürfe, die auch niemanden mehr interessieren würden, hätte er sie nicht von einer Tribüne heruntergeleiert, von der jedes vom jüdischen Munde gegen jüdisches Wesen fallende Wort sich zur zweischneidigen Waffe, die den äußeren Gegnern in die Hand gepiekt wird, gestalten muß. Trotzdem betrachtete es keine einzige jüdische Zeitung — außer natürlich den orthodoxen Organen — für ihre Pflicht, . Einspruch gegen diesen Verrat an der jüdischen Gemeinschaft zu erheben: (Schluß folgt.) Der Nachfolger Herbert Samuels. Jerusalem, 24. Mai. Zum Oberkommissar für Palästina ist an Stelle Herbert Samuels, dessen Amtszeit am 30. Juni endet, der Feldmarschall Lord P l u m e r, bisher Gouverneur von Malta, ernannt worden. Berlin, 25. Mai. Die „Vosiische Zeitung" meldet aus London: In englischen militärischen Kreisen hat man mit lebhafter Besorgnis das Truppenaufgebot von 120 000 Mann, das die Türken angeblich zur Niederschlagung des Kurdenaufstandes vorgenommen hatten, verfolgt, und hat darauf gedrungen, daß einer der hervorragenden Heerührer im Kriege, wie- Lord Plumer, an eine Stelle im Orient gebracht wird, von der aus er, ohne gerade zu Kriegsrüstungen zu treiben, doch alle militärischen Vorsichtsmaßnahmen vorbereiten kann, die nach englischer Auffassung notwendig sind, um unliebsame Ueberraschungen an der Rordgrenzo des Irak zu vermeiden. Da Lord Plumer bereits im 68. Lebensjahre steht, stellt die Uebernahme dieses Postens ein schweres Opfer des alten Herrn dar, das er anscheinend nur auf nachdrückliches Drängen des Königs und des Ministerpräsidenten übernommen hat, nachdem Lord Allenby, der Eroberer von Palästina, es wegen seiner politischen Differenzen mit dem Kabinett in der ägyptischen Frage abgelehnt hat, Kairo mit Jerusalem zu vertauschen. Waad leumi contra Zionistische Executive. - Jerusalem, 15. Mai. Der Nationalrat der palästinensischen Juden (Waad leumi) hat den Vorschlag Dr. Weizmanns, einen Ver- 23. Mar 1925 treter zum 14. Zionisten-Kongreß, der in der zweiten Augusthälfte in Wien stattfindet, zu entsenden abgelehnt. Der Vorschlag Dr. Weizmanns ging dahin, daß der Vertreter des Waad leumi auf dem 14. Zionisten--Köngreß den Standpunkt seiner Körperschaft in der Frage der jüdischen Gemeindeordnung in Palästina im Zusammenhang mit den von Dr. Weizmann und anderen zionistischen Repräsentanten mit Vertretern der Aguöas Jisroel in London geführten Verhandlungen vertreten solle. Der Waad leumi stellte sich aber-auf den Standpunkt, daß die. Frage der palästinensischen jüdischen Gemeindeordnung eine innere Ayge legenheit der palästinensischen Judenh e i t i st und nur in Palästina ausgetragen werden muß. (I. T. A.) Personalien. Rabbiner Dr. Ludwig A. Rosenlhal. Berlin, 26. Mai. Am ersten Schewuostage rwiIv 'k feiert in Berlin Rabbiner Dr. Ludwig A. Rosenthal seinen 70. Geburtstag. Er ist der bekannte Talmudgelchrte, dem man das dreibändige Werk „Ueber den Zusammenhang, die Quellen und die Entstehung der Mischna", womit eine Anzahl weiterer mischnischer Arbeiten verbunden ist, verdankt. In der Bibelwissenschaft hat er „Joel, Rahum, Habakuk" als Vergleich geboten. Der Philosophie ist er gleichfalls nicht fern geblieben. Von ihm ist erschienen: „Die monistische Philosophie" und „Lazarus Geiger". Als Herausgeber des „Jüdischen Literaturblattes" hat er viele wichtige Arbeiten in Bibelwissenschasi, Talmudforschung, wie in vergleichender Literaturgeschichte, ganz besonders viele Besprechungen in all den Gebieten geboten. Lange Jahre war Dr. Rosenthal mit seinen Vorträgen eine Hauptstütze des Verbandes der Literaturoereine. Auch weiterhin hoffen wir seinen Leistungen zu begegnen. Markelsheim bei Mergentheim, 20. Mai. In tiefe Trauer wurde unsere kleine Gemeinde versetzt durch den Heimgang ihres allseits beliebten und angesehenen Gemeindemitgliedes Hermann Strauß, welcher nach nur' zweitägigem Krankenlager einem tückischen Leiden erlag. Im ganzen Orte herrschte Trauer und Bestürzung, denn der erst 46jährige Mann erfeute sich infolge seiner frommen Denkungsart, seiner Humanität, und besonders ob seiner peinlichsten Gewissenhaftigkeit und Reellität allgemeiner Hochachtung und Wertschätzung. Vor dem Trauerhause schilderte Herr 'Lehrer O t t e n |d serin ergreifenden Worten den schweren Verlust, welchen sowohl die Familie als auch die ganze Gemeinde duch den Tod dieses Ehrenmannes erlitten hat, und richtete herzliche Worte des Trostes an die schwergeprüfte, betagte Mutter, und an die tief trauernden Geschwister, deren Leben nach dem Worte des Psalmisten: tms mp MN nm ain nn piT’ dä, sich in harmonischer Weise vollzog. Möge n"2p den Hinterbliebenen baldige nvni senden. Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Änseratentei enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstig« Angaben religionsgesetzlichen Charakters auf ihre Znoer Unsere allseitig bekannte Spezialität: Herren-, Knaben- und Varmizwob - Kleidung in streng n b? 3 Verarbeitnng CARSCH Liebfrauenstr, 8-10 Neue Krame 27 CAFE HANSELMANN KAISERGARTEN gegenüber dem Opernhaus K ü nst 1 e r-Kon z er t e 4 —12 U h r