Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1925)
- Date
- 1925-05-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450337-2450358--72214-2529575- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
9t r. 22 fcoptip 5 28. Mai 1925 umfassenden Lehre nur als Aschenbrödel, bestenfalls als ein Fach unter vielen, vielen anderen behandelt werden kann. Ist es denn selbst bei bestem Willen, den jüdischen Disziplinen den ihnen im Gesamtunterricht des Seminars gebührenden Platz einzuräumen, gelungen, den jungen Abiturienten unserer . Anstalten das an jüdischen Kenntnissen mitzugeben, dessen sie als Lebens- und Berufsausrüstung unumgänglich bedürfen? Wo liegt denn die tiefste Quelle für das Leid, das die Besten unter ihnen am schmerzlichsten in ihrem Amt empfinden, wo anders, als in der Not und dem Zwang ihrer bisherigen Ausbildungsart! In Cassels fanden wir Direktoren der fünf jüdischen Seminare in Preußen vor mehreren Jahren zu einer Konferenz uns zusammen, und alle, ob liberal, konservativ oder orthodvX, waren einig in der Klage um die geringen, in der Struktur unserer Anstalten begründeten Erfolge des von vornherein zur Einstellung auf ein Minimalziel verurteilten jüdischen Unterrichts. Danken wir unserem Schöpfer für den Wandel der Zeiten: überall erhebt Alt und Jung den Ruf nach Lehrern, die tiefer geschürft haben, die jüdisch gebildeter sind, die mehr zu bieten haben, als ehedem: so beschreiten wir mutig und ohne Zagen den einzigen zum Ziele führenden Weg: Das Seminar für jüdische Lehrer! Nicht gleichartig mit dem Studiengang der Volksschullehrer^ aber dem ihren gleich wertig mutz ihre Ausbildung sein. Was demnach bei der Aufnahme an Kenntnissen zu fordern, in der Seminarzeit zu bieten und bei der Entlassung im Eramen nachzuweisen sein wird, das darzulegen ist Aufgabe eines zweiten Artikels. Das Kölner Jüdische Lehrerseminar nun wünscht die dargelegten Gedanken an seinem Teil dergestalt zu verwirklichen, datz es allen Anforderungen, die die künftige Lehrerbildung an es stellt, gerecht werden kann Und plant folgende Einrichtungen: 1. Bis Ostern 1927 werden seine Schüler nach den alten Seminarbestimmungen zur Entlassungsprüfung geführt: 2. es wird denjenigen Schülern, die den Weg über die höhere Schule zum Abiturium gehen wollen, den Besuch der Jüdischen Höheren Schule des Ortes, Iawne, die ein staatlich anerkanntes Reformrealgymnasiüm ist, ermöglichen durch a) Errichtung, eines Schülerheims auf gemeinnütziger Grundlage für auswärtige Knaben, b) Einrichtung von Uebergangstlassen für Volks- oder Mittelschüler zum schnellstmöglichen Eintritt in die ihrem Alter und ihrer Reife entsprechende Iawneklasse. 3. Die Studenten der Pädagogischen Akademie, die, wie ziemlich feststeht, in Anlehnung an unsere Universität in Köln errichtet werden wird, sollen hier den religiösen Wijsensschatz und die methodisch-theoretische und die praktische Ausbildung für den jüdischen Religionsunterricht finden. 4. Es will den'Jünglingen, die ° aAsschlietzlich auf den Religionsunterricht und denGemeindedienst sich vorbereiten, Ausbildungsstätte werden. Doch woher die Mittel für die Realisierung dieses Planes, der wie an keinem zweiten Platz Deutschlands grade in Köln verwirklicht werden kann? Sage niemand: aus derselben Quelle, lVochenkalender. 30. Mat bis 6. Juni 1925. / 7.-14. Siwan 5685. Samstag Mai 30 7 fPO msnntn Sonntag 31 8 antidk . , J. . Montag Juni 1 9 tzienstag 2 10 Mittwoch 3 11 Donnerstag 4 12 Freitag 5 13 Samstag 6 KIM 14 'a'spis ' _ Der 3 sifl elit _ die die Anstalt bisher speiste, auf dem Wege ausgedehnter, großzügiger, privater Sammeltätigkeit. Der Weg ist nicht nur ungangbar geworden infolge des überall herrschenden Mangels und der großen wirtschaftlichen Depression, unter der weite Kreise früher opferbereiter FreUnde seufzen, es ist auch ungerechtfertigt und unnormal, ja geradezu sündhaft, einem Einzelnen, der Gaben, Kraft und Zeit den ideellen Aufgaben der Gesamtheit widmen sollte, die Arbeit und die Sorge der Geldbeschaffung für die Erhaltung eines Instituts aufzubürden, das im Dienste der Gesamtheit steht. Nein, Träger und Erhalter mutz eben diese Gesamtheit und' ihre Organisationen sein! Um allen Richtungen in der Iudenheit Deutschlands gerecht zu werden, bedarf es höchstens dreier solcher Institute, auch zwei genügen vollauf für den gesamten Lehrerhedars im ganzen Reiche. Das eine mutz nicht gerade Köln sein, jeder Ort, an dem die Vorbedingungen gegeben, die Einrichtungen vorhanden sind, mag dazu ausersehen werden. Soll aber Köln auch weiterhin sein jüdisches Lehrerseminar behalten, dann müssen die Landesverbände, voran der Preutzische und der Halberstädter Bund, Gemeinden und Logen, nicht einen winzigen, mühsam erbettelten Obolus zu seiner Erhaltung beisteuern, sondern unter anderen religiösen, kulturellen und sozialen für die Gesamtheit notwendigen Einrichtungen, auch den Stätten der Lehrerbildung weitherzig, großzügig und schnell aus eigenem Antrieb reichen jährlichen Zuschuß gewähren. Nur wenn die deutschen Gemeinden und ihre Verbände sich ihrer Pf.icht gegen Lehrerbildung und Lehrernachwuchs bewußt sind, ist die Hoffnung auf seine Gesundung, auf den Wiederaufbau jüdischen Geisteslebens in den Kehillaus berechtigt. Korrespondenzen « ßacbricbten Deutscher Reich Berliner Notizen. (Bon unserem Korrespondenten.) Berlin, 24. Mai. Die Knospen öffnen sich und werden Blüten; die Projekte wachsen und werden Pläne. Pläne aber sind Larven, die sich nach Schmetterlingsart zuerst — bei Ueberweisung an Kommissionen — einpuppen. Als was sie sich entpuppen, bleibt abzuwarten. Der Mann mit dem klingenden Namen, der gern gehörten Redegewalt und der pädagogischen Autorität ist nun vor den Behörden der Jüdischen Gemeinde aufgetreten und hat statt nichtssagender Probepredigtphrasen immerhin ein Programm rabbinischen Wirkens entfaltet, dessen Gelingen auch von uns als Segen begrüßt werden könnte, wenn in jenem Kreise die Hemmnisse nicht allzu gewaltig wären. Wer ehrlichen Respekt und augenblickliche Begeisterung über seine gewaltigen, von Herzen kommenden Worte bewiesen hat, muß ihm noch nicht Gefolgschaft in Gemeindekämpfen zu leisten bereit sein. Die Hebräische Sprachschule, die schon im Winter heftige Debatten in der Repräsentanz der Jüdischen Gemeinde entfesselt hatte, ist nun ein festes Vertragsverhältnis mit der Gemeinde eingegangen. Ihre Freunde hoffen somit, die nichtzionistische. Gegengründung vorerst außer Sehweite gestellt zu haben. Auch die Schule des privaten Jüdischen Schulv e r eins, die in den Gemeinderäumen in der Fasanenstraße untergebracht ist, macht langsam Fortschritte. Sie erteilt nur. an fünf Tagen Unterricht und erinnert auch durch Schülerschaft, Lehrplan und Richtung an die Leipziger Schule, ohne jedoch deren religiöses Niveau auch nur zu beanspruchen. Allmählich beginnen die Freudenfeste zu verklingen, die in vergangenen Wochen, zu Ehren der Eröffnung der Jerusalemer Universität gefeiert worden waren. Eine große Tagung des R e rchs v e r b a n d e s o st - j«di f cher Onganifati'o«en wurde in den ersten Maitagen abgehalten. Sie hat viel Interessantes über die Rechtslage jüdischer Ausländer an die Oefsenlucyrett gebracht und mancherlei Abhilfe angebahnt. Leider hat sie sich nicht ganz' von Einmischung in innergemeindliche Dinge serngehalten. - Aehnliches muß leider vom Frontbund (R. I. F.') gesagt werden, der als solcher sich offiziell aufs loyalste allen Parteistreitigkerten innerhalb des Judentums ferngehalten hat, dessen Mitglieder aber i n n ä ch st e r N ä h e Berlins, in Prenzlau, auf Grund mißdeuteter Bundesstatuten eine verderbliche Tätigkeit in dortiger jüdischer Gemeinde entfaltet und deren völlige Spaltung provoziert haben. Trotz enormer Etatsanspannung ist in maßgeblichen Kreisen der Adaß-Jisroel keine Meinungsverschiedenheit mehr darüber, daß außer den schon gemeldeten für sofort geplanten Einbauten im Hause Sigmundshof 11 für die Schule dortselbst auch in allernächster Zeit der Bau einer M i k w o h und des zweiten Schulhauses in Angriff genommen werden muß. Auch die Jüdische Gemeinde ist den Mikwoh-Bauplänen für die jetzt ihr gehörige Synagoge Münchener Straße nähergetreten. Im Westen herrscht noch begreifliche Erregung über den Fall Wachtel. Der Schutz gegen antisemitische Anrempelungen ist auch sonst oft nicht ausreichend vorhanden. Was die „Deutsche Zeitung" dem Intellekt ihres Leserkreises zumuten darf, ersieht man aus einer dem „B. T." entnommenen Notiz ihres Morgenblattes vom 8. Mai, wo eine durch Setzmaschinendefekt entstandene Zeile unzusammengehöriger Typen (in einem Berichte über eine demokratische Anwaltstag-Sitzung) als ein „hebräischer F l u ch" bezeichnet wurde. Ern Ehrentag der Adatz Jisroel. (Von unserem Korrespondenten). Berlin, 24. Mai. Die Adaß-Jisroel ist durch deutlich geäußerte Verbote ihres allverehrten Rabbiners, Dr. Esra Munk, verhindert, den Tag der 25. Wiederkehr seiner Amtseinsetzung festlich zu begehen. Aber die Freiheit der Presse wird unser verehrter Rabbiner nicht antasten wollen, und so flüchten denn wir, seine Verehrer und Talmidim, uns an diese Oeffentlichkeit, um zu sagen, was uns diesem Tage innerlich bewegt. Es ziemt uns Jüngeren gewiß nicht, an Zeiten zurückzudenken, die vor unserem geistigen Erleben lagen, und mit Recht kann unser Raw sich das Lob aus dem Munde derer verbittenj die garnicht mehr wissen können, aus welchem kleinen und keimhaften Stadium die Adaß-Jisroel unter dem Sonnenstrahl des ruhigen, doch steten Wirken Rabbiners Dr. Munk zu solcher vielastigen Eiche emporgewachsen ist, als die wir sie heute erkennen. Keine Stadt verträgt schlechter ein posierendes Auftreten, keine besser ein stilles, zielbewußtes Arbeiten in jüdischen Dingen als das dezentralisierte, eigensinnige, hundertwillige Berlin. Und kein Rabbiner konnte diese Ls ist ausschließlich Lache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesehlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. . 3btsdemJbxrftoifiifn, „&as2kfyeridcsCföid<r "‘iS Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleto» S. Sch ach«owitz;Jnferate i. B.:S. Sch achnowitz, sämtlich '» Frankfurt a. M.; Pädagogische Beilage: Lehrer Z. Ep irr t« Fulda. — Verlag „Israelit", D. w. b. $., Fiaakfurt a. SR. Druck Sermon Verlags-Aktiengesellschaft, Frankfurt a. M.