Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1925-05-28 · Heft 22 (28.5.1925) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 22 (28.5.1925)
Date
1925-05-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450337-2450358--72216-2529577
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

28. Mai 1925 Nr. 22 Sette 7 Stratzburg, 18. Mai. Im Alter von 84l% Jahren ist am 20. Jjar der unter dem Namen Feiwel Kähnen weit über die Grenzen seines Heimatlandes bekannte Zadik verschieden. Eine eingehende Würdigung dieses hervorragenden Jchudi folgt wegen Raummangels in nächster Nummer. rraxan* Stratzburg. 11. Mai. Die hiesige Religionsgesellschast hat durch den Tod eines ihrer ältesten Mitglieder, des. Herrn Julius Meyer V't, einen sehr großen Verlust erlitten. Seit über vier Jahrzehnten in Straßburg ansässig, hat der Verstorbene noch an der Gründung der jetzigen Gemeinde cn vv mitgearbeitet und bis vor wenigen Jahren auch ihrem Vorstände angehört. Durch sein freundliches Wesen und sein stets liebenswürdiges Entgegenkommen hat Julius Meyer sich hier einer seltenen Beliebtheit erfreut, und das Hinscheiden des fast 82jährigen Greises hat deshalb bei seinen vielen Freunden rege Teilnahme hervorgerufen. Ganz besonders muß der Gastfreundschaft gedacht werden, die jeder in sein Haus Einkehrende, mag es ein Student der hiesigen Universität oder ein sich nur vorübergehend hier aufhaltender Fremder gewesen sein, genossen hat. Unvergeßlich wird allen sein freiwilliges Amtieren als tsx an den dwh dw und häufig als «np Vya bleiben; noch im vergangenen Jahre hat er es sich nicht nehmen lassen, in gewohnter Weise von dem tio» zu oren. Unter großer Beteiligung fand am letzten Mittwoch das Leichenbegängnis statt. Im Trauerhause gab Herr Rabbiner Brunschwig in längerer Rede ein Bild des edlm Verstorbenen, während am Grabe ein Verwandter, Dr. Max Meyer aus Gelsenkirchen, und das frühere Vorstandsmitglied Herr Ackermann zum Ausdruck brachten, was die Straßburger fromme Gemeinde dem Dahingegangenen zu danken hat. Ein Mitglied des. gegenwärtigen Vorstandes hielt in der Trauerwoche noch einen kurzen ison im.Hause. Der Verstorbene hinterläßt leider keine männlichen Nachkommen; sein einziger Sohn ist im Kriege gefallen. Möge der Allmächtige der trauernden Witwe und ihren Kindern seinen Trost senden. rrasan Kempen in Posen, 18. Mai. Am 1. Juni 1925 begeht Herr Nathan Jawitz das 25jährige Amtsjubiläum als Oberkantor der hiesigen jüdischen Gemeinde. Der kantorale Vortrag des Herrn Jawitz hat stets eine eigene Note, deren Grundton warme Begeisterung und tiefes Verständnis für das Wefen unserer Gebete sind. Sein lauterer Charakter, seine aufrichtige Frömmigkeit und grenzenlose Bescheidenheit sichern ihm die Sympathie und Glückwünsche aller derjenigen, die jemals das Glück hatten, durch diesen echten nax zur heiligen Andacht mitgerissen zu werden. i'mavi i'w Tn«1 'i Bensheim an der Bergstraße, 20. Mai. In tiefe Trauer wurde die hiesige bekannte und allseitig geachtete Familie des Herrn Dr. Felix Lehmann (Sohn des unvergeßlichen Hermann Lehmann, ‘":r Frankfurt a. M.) versetzt. Der 14jährige Sohn des Arztes fuhr auf dem Zweirad und wurde im Momente, da er nahe der elterlichen Wohnung einem Lastauto Platz machen wollte, von diesem erfaßt, zu Fall gebracht und so schwer vorletzt, daß der Tod alsbald eintrat. Eine hoffnungsreiche, vielverheißende Blüte wurde mit diesem liebenswürdigen, besonders frommen und sehr begabten Knaben vernichtet. Der traurige Fall gewinnt noch an Tragik, da die Mutter, einer Kindespflicht genügend, am Krankenbett ihrer Mutter in weiter Ferne weilte. Die Teilnahme in der ganzen Stadt, bei Juden und Nichtjuden, ist eine außerordentliche, und zeigte sich an der ungemein großen Beteiligung bei der Beerdigung. Dem Zuge voran — trotz des Himmelfahrtstages — schritt das ganze Gymnasium, mehrere hundert Schüler mit ihren bunten Mützen, in Begleitung sämtlicher Lehrer. Auch die katholische Geistlichkeit war im Zuge vertreten. An der Bahre sprach nach dem jüdischen Lehrer, der in warmen Worten die Vorzüge des braven, frommen Kindes schilderte, das er seit seiner frühesten Jugend unterrichtete, der Klassenlehrer des Gymnasiums, der des allseitig beliebten, gewissenhaften und fleißigen Schülers gedachte. Möge die Zeit den unsäglichen Schmerz-der tiefgebeugten Eltern lindern, mögen sie Trost an den anderen Kindern finden und möge sie '"am vor weiteren Schicksalsschlägen bewahren. n"axan> Würzburg» 24. Mai. Am Dienstag, den 27. Nissan, verschied nach kurzem Krankenlager Jakob V e r n e y. Als ein iv'i an er« still zurückgezogen lebender Mann lebte und starb er. Er verbat sich jeden ason: doch welche Achtung.er unter seinen Mitbürgern genossen, welchen alv vV er bei ihnen besessen, davon zeugte die überaus große Beteiligung an der Bestattung. Festhaltend an den nur auf mm gegründeten Traditionen. seines Elternhauses, war er stets mit aller Kraft bestrebt, alle ms» genau zu halten und scheute weder Mühe noch Opfer, sich und seinen Angehörigen dies zu ermöglichen. Mit einer wirklichen mxa bv rmm erfüllte er wrnrr 'oaan ms» — er JLJL seif IOO Jahren bewählt *von Millionen getrunken." Hotel Keyl, Staeoingen Unter Aufsicht des Haagschen Rabbinats Erstklassiges Hotel und Restaurant. Der Israelit strahlte förmlich, wenn am aita ai’ und nav Gäste an seinem ^Tische saßen. — Die maio m»'i ninas? waren, soweit es seine angegriffene Gesundheit zuließ, dem Lernen und der Erziehung seiner Kinder gewidmet, die nun leider schon allzufrüh den Ernst des Lebens kennen lernen müssen. Möge der nia»V«'> mnim 'arr 'nbte Hinterbliebenen trösten, den Kindern auf ihrem ferneren Lebenswege beistehen, ihrer lieben Mutter Halt und Stütze zu sein. Sprechsaal. Gegenüber allen irrigen Darstellungen, die über das Wirken und die Leitlinien der Tätigkeit unseres Vereins geflissentlich verbreitet werden, gestattet sich der Unterzeichnete Vorstand, folgende Mitteilungen der breitesten Oeffentlichkeit zu unterbreiten. Es sind für die Beurteilung der Kaschruth-Jnstitutionen, die in der Liste unseres Vereins aufgeführt werden, ganz unverändert dieselben Grundsätze maßgehend, wie in den verflossenen 2 Jahrzehnten unseres Bestehens. Der Verein war als eine absolut neutrale Instanz gedacht, die jenseits aller gemeindepolitischen Gesichtspunkte vorgugehen und eine möglichst große Zahl koscherer Speisegelegenheiten zu fördern und bekanntzugeben hat, damit die reisende jüdische Welt vor den Gefahren des uv'« bewahrt bleibt. Es hat sich dabei infolge der Zerrissenheit des deutschen Judentums und der schwebenden Streitfragen herausgestellt, daß die einzige Basis für die Beurteilung der Institutionen die Person des aufsichtsführenden Rabbiners ist. Sofern ein orthodoxer Rabbiner seinen Namen für die Zuverlässigkeit eines Restaurants einsetzt, hat der Verein solange das Recht und die Pflicht, jedes autorisierte Institut anzuerkennen, als ihm nicht durch genügende Beweise die Unzuverlässigkeit desselben nachgewiesen ist. Nur in Einzelfällen hat der Verein in Städten, wo die Rabbinatsaufficht umstritten ist, mit Hilfe anderer Rabbinen sich des Kaschruth vergewissert und dann im Interesse des Publikums dieselben mit aufgeführt. Für die Anerkennung eines Rabbiners war im allgemeinen die Ansicht des Rabbinerseminars zu Berlin maßgebend, sofern nicht die rabbinische Persönlichkeit sich schon von vornherein allgemeiner höchster Autorität in der Orthodoxie erfreute. Es versteht sich von selbst, daß keine Rücksicht auf Personen oder die Gemeinden den Verein bestimmen kann, irgend welche Restauration zu schützen, wenn begründeter Verdacht ihr Kaschruth in Frage stellt. Aber der Verein ist sich, auch der vollen Verantwortung bewußt, nicht auf Gerede und in der Luft schwebende Anklagen jemand das rrnva npm aberkennen zu dürfen. Alle in unserer Liste genannten Rabbinen, die heute von gewisser Seite angegriffen werden, sind von eben dieser Seite in die Liste ausgenommen worden und in den Tagen von Jonas Bing, Louis Feist, Wolf Möller und Benjamin Hirsch und Hermann Gumpertz und Hugo Mainz geführt worden. Wir haben uns bei ihrer Nennung der Zustimmung zuständiger Kompetenzen vergewissert. Der Vorstand des Vereins hat seine Legitimation durch die in der Generalversammlung erfolgte Wahl erworben und kann sie nicht durch Verunglimpfungen, sondern nur durch dasselbe Forum verlieren. Wer am würdigsten ist, den Verein zu vertreten, bleibe dahingestellt; das zu entscheiden, ist Sache eines höheren Richters. Um aber ganz sicher zu gehen, hat eben dieser Vyrstand beschlossen, die gesamten halachifchen Fragen, die den Verein betreffen, einem Besdin anerkannter hervorragender Autoritäten und Lamdonim, im Schimusch ergraut, zu unterstellen. Ihnen ist absolute Souveränität eingeräumt worden, generelle und spezielle Entscheidungen zu treffen, um die Liste des Vereins dem strengsten Din, aber nur dem Din, zu unterwerfen. Es ist ein rrn pna wenn gleich zu .Anfang ihre Tätigkeit verdächtigt und in Zweifel gezogen wird. Wir richten den Appell an die jüdische Oeffentlichkeit, nicht unkontrollierbaren Gerüchten Gehör zu geben. Jede berechtigte Klage wird von unserer Kaschruth-Kommillion dankbar angenommen und genauestens geprüft werden. Aber es geht nicht an, daß andere als rein halachische Gesichtspunkte uns leiten, daß, statt helfend zu bessern — denn alles Menschliche bedarf ständiger Besserung — man aus dem Hinterhalt unkontrollierbare Verdächtigungen ausspricht und einen Verein, der mann ppniwirken will, schädigt. . Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser e. V., Hamburg. Der Vorstand in Hamburg: Otto Meyer, Dr. Jos. Carlebach, Samson Goldschmidt, John Gotthold, Gabriel Jasfe, Iwan Meyer, Max Moritz, James Pels. Briefkasten. Lehrer L. in H. Gs geziemt sich nicht, solche Privaterlebntsse zu Reklamezwecken auszunutzen. E> St. in H. Trotzdem sie , ersuchten", mutzten einige Aenderungen zur Vermeidung von Wiederholungen vorgenommen werden. Frankfurter Berichte. Das Synagogatkonzert. Die Synagoge, zumal die auf Gesetz und Ueberlieferung haltende Synagoge, legt der Kunst Schranken auf, lehnt sie nicht ab, verlangt aber von ihr, daß sie sich dienend der Andacht und Inbrunst unterordnet, die aber, aus inneren Impulsen geboren, der äußeren Mittel, der künstlichen und künstlerischen, zu ihrer Erzeugung und Vertiefung nicht bedürfen. Was aber die ältere und moderne Synagogenmusik, ungehemmt und unbeschränkt, im Konzertsaal vermag, das zeigte uns der Abend im Saalbau am vergangenen Montag. Max Neümann zeigte sich in der Auswahl und Durchführung des Programmes auf einer schlechthin nicht zu übertreffenden künstlerischen Höhe. Freilich standen ihm Chöre und Solo-Künstler zur Seite, die weit über das Maß des Gewöhnlichen hinausragen. Dazu eine reine, das Ganze beherrschende Instrumentalmusik und ein Publikum, das mit innerem Erleben bis zum letzten Ausklange mitging. Denn es waren Heimatsklänge, von Anfang bis zu Ende, Töne, die alle Saiten des jüdischen Herzens hell erklingen ließen. Unsere Synagogenmelodien, verfeinert, verkünstelt, aber doch immer noch die alte, heilige Sprache unseres Gotteshauses, die gar tief ans jüdische Herz greift. . . . So ehrlich hat selten ein Auditorium Künstlern gedankt, wie das vollbesetzte Haus des großen Saalbaues am Montagabend Max Neumann, seinen Künstlern und Chören. Das Konzert setzte, etwas verspätet, mit einem „Waihi Binsoa" von Naumburg und Psalm 24 von Lewandowski ein. In die mächtigen Chöre fügte sich harmonisch die an diesem Abend zur vollen künstlerischen Auswirkung kommende Solostimme des Herrn Oberkantor Pesiachowitz, der übrigens auch in weiteren Stücken, insbesondere im „Tal" von Berggrün, herrliche Proben seines künstlerisch durchgebildeten Chasonus ablegte. Nummern für musikalische Feinschmecker waren die Cello-Vorträge des Herrn Hans Bottermund, der aus seinem Instrument jüdische Töne heroorzauberte, die als Melodien ohne Worte aller Herzen tief bewegten. Das uns schon bekannte „Socharti loch" von Lewandowski ergoß sich nun, innig und Gottessehnsucht weckend, in einem Doppelquartett aus erwählten Chorsängern und einem Rezitativ des Oberkantors. Was aber echt ö st l i ch e s Chasonus ist, zeigte nun in einem „Rezej" von Love-Sirota Herr Leo M a g i d o mit seinem Meschorarrm-Chore. Der Künstler, dessen Stimmitteln nach oben keine Grenzen gezogen zu sein scheinen, ist nicht nur Meister der italienischen Arie, sondern, und vielleicht in noch höherem Maße, des alten echten jüdischen Chasonus, was er auch noch in den letzten zwei Nummern des Abends, im „Zadik Katomor" und „S'uh Scheorim" zeigte. Es folgten noch Synagogengesänge von Sulzer und Naumburg mit herrlichen Tenor-, Bariton und Bahsoli. (Der prächtige Baß des Herrn Janko Kaufmann wurde allgemein bewundert.) Eine längere Pause wurde mit einer Tombola zu Gunsten der Volksschule ausgefüllt. Das bei solchen Anlässen übliche bewegte Marktleben konnte sich aber in dem Aysmaße nicht entwickeln. Dafür waren die Herzen und Gemüter dr-Äh die Weihe der Darbietungen doch zu ernst gestimmt/ Und schon riefen die Instrumente und stellten sich die Chöre auf der Riesenbühne auf, zum zweiten Teile, der sich dem ersten würdig anreihte. Cs war eine besondere Freude zu sehen, mit welcher Liebe und Begeisterung auch die jüngsten Künstler, die Chorknaben, bei der Sache waren. Das Ganze kann als künstlerischer Erfolg ersten Ranges gebucht werden, und man darf, nach der Beteiligung zu urteilen, hoffen, daß auch der gewünschte materielle Erfolg für die gute Sache, die jüdische Volksschule, nicht ausblieb. Der Wunsch nach öfterer Wiederholung solcher Veranstaltungen wurde allgemein lebhaft geäußert. Die Schewuaus-Woche im Alekor Lhajim. Donnerstag, 28. Mai, abends 11.15 Uhr: Lernen im Vereinslokale. (Vorherige Anmeldung dringend erwünscht.) Freitag, 29. Mai, 1. Tag mvw nachmittags 4% Uhr im Vereinslokale, Langestraße 18: Vortrag des Herrn Rabb. I. Horovicz, Hier, über: Geschichte des rrnip iax Samstag, 30. Mai, 2. Tag maroe* nachmittags 4% Uhr (Langestrahe 18): Vortrag des Herrn Dr. Willy Hofmann: rvn nV»a» (mit anschließendem nna» -Gebet); abends 1 Stunde vor Nacht im Hörsaale der Synagoge Friedb. Anlage: Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Joseph Breuer über: „Das Lebenslied vom Sinai". Verein zur Unterstützung unbemittelter Israel. Wöchnerinnen und zur Uebernahme von Gevakterschafien. rvnn ■»n'vo mnn Dieser Verein zählt zu den ältesten in hiesiger Stadt. Er ist nachweislich um 1740 gegründet, wurde 1835 durch Israel Wallach P"st und BenjaminMiederhofheim ^>"si reorganisiert» von Letzterem bis zu seinem 1885 erfolgten Ableben mit unermüdlicher Hingebung geleitet. Zuletzt war der vor wenigen Jahren Heimgegangene Herr Hermann Zuntz >nund Eduard Feist W lange Jahrzehnte darin führend, bis die Kriegszeit das Arbeitsfeld des Vereins unterband, und die spätere Inflation den Verlust seines mehr als 150 000 Mark betragenden Vermögens herbeiführte, ihn aber auch für diese Periode außer Nachfrage setzte. Die inzwischen eingetretene Verschlechterung der Geschäftsverhältnisse stellt nach und nach größere Anforderungen an unseren Verein und wenn sein bald zwei Generationen währendes, segensreiches Bestehen weiter wirksam erhalten werden soll, brauchen wir neue Mitglieder und laufende Spenden. Zeugnis für die Hilfe, die der Verein brachte, dürfte die Feststellung fein, daß er in den Jahren 1910-14 durchschnittlich mehr als 100

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.