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Der Israelit · 1925-05-28 · Heft 22 (28.5.1925) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 22 (28.5.1925)
Date
1925-05-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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j Nr. 22 Seite 3 nim- [en ish ine iUt htior erür »lind minrd- Lre in- :rb M, ist »in in, Nd in- »er ns yk m, rrhe lt- »rin ßt en sn. -ch r. 28. Mai 1925_ starkes Befremden hervorgerufen. Zunächst wird die Entscheidung von juristischer Seite einer Prüfung unterzogen, wobei die Verwunderung darüber ausgedrückt wird, daß das Gericht eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit schlechthin verneint hat. Schon die Feststellung des Berichterstatters, es sei in den Akten nichts enthalten über .Rüpeleien, die sich in Borkum, insbesondere im Anschluß an das Absingen des Borkumliedes, ereignet hätten, mutzte befremden. In der Sitzung des preußischen Landtags vom 6. Oktober 1924 ist eine große Anzahl solcher Fälle öffentlich erörtert worden. Ob nun gleich zum Liede der Takt geschlagen wird — auf jüdischen Schädeln, oder ob die herrliche Musik auf solche Weise erst nachher ihre Nach klänge findet, ist doch wohl im Effekte egal. Und nun noch eine andere Art -von offiziellem Antisemitismus. Schon oft wurden in Buchhändler- und Aulorenkreifen Klagen laut, daß das offizielle Fachblatt des Deutschen Buchhandels, das in Leipzig erscheinende „Börsen bl att" einer reaktionär-antisemitischen Richtung huldigt. Gleichsam als Auftakt zur Iahrhundertfeier des Börsenvereins der Buchhändler veröffentlicht das Börsenblatt einen Artikel des Herrn Perschmann in Würzburg über den „Fall Betlauer", in welchem um Sympathie für den Mörder des Wiener Schriftstellers geworben wird. Vettauer, der uns wirklich nichts angeht, war Jude, und darauf kommt es Perschmann .im Börsenblatte an. Er schreibt: „Sehr auffallend ist es, daß bei allem, was an Pornographie offen oder heimlich angeboten wird, der jüdische Ursprung ganz gewaltig überwiegt und in umgekehrtem Verhältnis steht zu der jüdischen Einwohnerzahl Deutschlands. Und bedauerlich ist, daß von jenen ihrer Rassegenossen, von denen der Volksmund spricht, es gäbe „auch anständige darunter", bis heute auch nicht ein Einziger sich berufen gefühlt hat, nachdrücklich diesen Auswurf der Menschheit von sich abzuschütteln." Zufällig bringt das Börsenblatt vorx diesem Artikel einen anderen redaktionellen Angriff gegen ein „Pornographisches Blatt", das von einem unzweifelhaft arischen Verleger herausgegeben wird. Der Inhaber des alten Heine-Verlages Hoffmann und Campe schreibt in der C. D.-Zeitung: „Daß große Teile des Buchhandels mit der Kulturschande des Antisemitismus behaftet sind, zeigt dieser Vorfall leider nicht zum ersten Male. Dieser Haltung entspricht auch, daß das Börsenblatt von der Verurteilung des Verlegers Fritsch zur Zahlung D e r I s r a e l i 1 der Auslobung von 10.000 Papiermark wegen gefälschter Talmudübersetzung noch mit keiner Zeile berichtet hat, während es sonst jedes kleinste Vorkommnis aus dem Buchhandel sofort in Sperrdruck meldet." Das Börsenblatt sollte seine Redaktion nach Borkum verlegen._ ,_ Die Existenz —- unserer jüdischen Anstalten. Von Hermann Seckbach in Frankfurt a. 2R. An die bekannte Anekdote von dem durch die medizinische Wissenschaft für tot erklärten, trotzdem aber merkwürdigerweise weiter lebenden Patienten erinnert die gegenwärtige Lage unserer Wöhlfahrtsanstalten. Materiell sind sie alle — wenigstens unsere Frankfurter Anstalten und solche, die in der Umgebung dazu gehören — schwer krank: „finanztechnisch tot", so lautet leider gar oft das Gutachten der Sachverständigen. Und dennoch, sie leben! — wohl täglich unzählige Male kann man den Einwand hören: „Was wollen Sie, warum klagen Sie, noch existieren ja alle Anstalten — na, es wird auch weiter gehen." Wer aber das Krankheilsbild keimt, der weiß, daß das kein Leben ist, das die Anstalten zu führen gezwungen sind. Es ist hart, bekennen zu müssen, daß die jüdische Allgemeinheit bis jetzt noch verständnislos dem gegenüber steht, denn die Aufgaben der Anstalten können in Wirklichkeit in früherem Sinne längst nicht mehr erfüllt werden. Ich möchte hier auf einen Bericht Hinweisen, den der verdienstvolle Vorsitzende des Verbandes der Frankfurter Krankenanstalten, Herr Sanitätsrat Dr. L. Mehler, veröffentlicht. Es heißt darin: „Ueber die derzeitige Finanzlage der Privat- Anstalten kann man kurz sagen, daß alle ihr Vermögen nahezu oder völlig verloren haben. In geradezu monotoner Weise beantworten die Anstalten die Fragen über ihre finanziellen Verhältnisse. Das gesamte Kapitalvermögen ist verloren, das Stiftungsvermögen völlig verloren, das eigene Vermögen gänzlich entwertet usf. Ein Defizit von irgendwelchem größeren Ausmaß darf nicht entstehen, weil es nicht gedeckt werden kann: denn charitative Zuwendungen fehlen fast völlig. Die Gönner, welche jede Anstalt in mehr oder minder großer Zahl, von größerer oder geringerer materieller Bedeutung, hatte, sind entweder verarmt oder doch wenigstens in ihren Verhältnissen so beengt, daß sie selbst bei gutem Willen für Wohltätigkeit nichts mehr übrig haben: und die wenigen Neureichen, welche an ihre Stelle getreten sind, scheinen noch nicht erkannt zu haben, daß Reichtum Pflichten auferlegt. Die traurige Vermögenslage tritt von Iahr zu Iahr schwerwiegender in Erscheinung, besonders dann, wenn unumgängliche Reparaturen oder Neuanschaffungen vorgenommen werden müssen. Man muß sich darüber klar sein, daß in den Kriegs- und Nachkriegsjahren die Anstalten Raubbau getrieben haben. Selbst die notwendigsten Anschaffungen wurden verschoben in der Hoffnung auf bessere Zeilen. Dieses System rächt sich jetzt schwer, und nur durch Sparmaßnahmen schärfster Art — welche aber, wie ausdrücklich bemerkt werden soll, die Verpflegung und Behandlung der Kranken nicht berühren, wohl aber zum großen Teil die Schwesternschaft — muß es gelingen, den Etat im Gleichgewicht zu hallen. Die Einnahmen bestehen lediglich in Vergütungen für Krankenpflege, da ja, wie erwähnt. Zinsen oder Geschenke so gut wie nicht in Betracht kommen. Der Pflegesatz für die 3. Klasse beträgt zur Zeit Mk. 4,50, wobei fast alles eingeschlossen ist: die Selbstkosten eines Bettes übersteigen pro Tag beträchtlich den Pflegesatz. Der Satz von Mk. 4.50 wird von den Krankenkassen bezahlt; das Krankenhaus muß also jeden Tag auf jedes Bett einen wesentlichen Betrag zulegen. Vor dem Krieg haben die Anstalten dieses soziale Opfer in dem Bewußtsein, dem öffentlichen Volkswohl dienende Anstalten zu sein, gerne getragen. Heute aber erscheint es nicht gerechtfertigt, ein solches Opfer zu verlangen. Es ist nicht einzusehen, warum eine Bevölkerungsschicht. welche natürlich wie alle Volksgenossen zwar auch nicht besser dasteht wie vor dem Krieg, nun Zuwendungen, d. h. ein Geschenk, welches vielleicht Kommune oder Staat sich leisten können, von Anstalten verlangen darf, hinter denen nichts steht, als die Arbeitskraft von Aerzten und Schwestern. Ein Ausgleich ist nur dann zu erwarten, wenn die Kommune oder der Staat gezwungen werden, auch im Krankenhausbetrieb Einnahmen und Ausgak^n gleichzustellen." — So weit aus dem Bericht von Herrn Dr. Mehler. Wenn ich nun hierzu bemerke, daß es jüdische Kranken- (Siechen-) Anstalten gibt, von denen man heute noch verlangt, Kranke wirtschaftlich und medizinisch mit einem Durchschnittssatz von etwas über 2 Mk.!!! pro Tag und Kopf zu versorgen und dabei sämtliche Generalunkosten des Betriebs zu tragen, wird man — nach den Ausführungen des Herrn Sanitätsrat Dr. L. Mehler — die trostlose Lage derselben ermessen können. Kleines Feuilleton. (Die Eröffnung der Jahrtausend-Ausstellung der Rhemlande ln Köln und der Abteilung „Juden und Judentum".) Am 16. Mai, vormittags 11 Uhr, wurde in der großen Halle im Rheinpark zu Köln-Deutz die Jahrtausend-Ausstellung durch einen Festakt eröffnet. Die in den Räumen 36, 37 und 38 untergebrachte Abteilung „Juden und Judentum" fand bei der ersten Führung durch Rabbiner Dr. Kober die ungeteilte Anerkennung der Ehrengäste mit dem Reichskanzler an der Spitze, sowie der Vertreter von Kunst und Wissenschaft. Die Abteilung „Juden und Judentum" ist von den historischen jüdischen Gemeinden des Rheinlands beschickt und gibt in Dokumenten und Urkunden, in Schriftwerken und Abbildungen, besonders aber in Gegenständen des Kultus und religiösen Gebrauchs ein Bild der geschichtlichen und geistigen Entwicklung des rheinischen Judentums im Verlause eines Jahrtausends. Bei dem Festessen im Gürzenichsaal aus Anlaß der. Ausstellungseröffnung, dem neben den in Verwaltung, Handel, Wissenschaft und Gesellschaft führenden Persönlichkeiten des ganzen Rheinlandes der Reichskanzler, der preußische, bayerische, badische und hessische Ministerräsident sowie eine Anzahl anderer Minister beiwohnten, ielt Oberbürgermeister Adenauer eine Ansprache, die als einen iher markantesten Sätze den Hinweis enthielt: „Diese Ausstellung ist das Werk aller Stände, der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, und ebenso aller Bekenntnisse, der Katholiken, Protestanten und Juden." Die Synagogengemeinde Köln war bei den Festveranstaltungen durch die beiden Gemeinderabbiner, Dr. Rosenthal und Dr. Kober, sowie den Vorsitzenden des des Vorstandes, Herrn Emil Blumenau, vertreten. (Ein jüdischer Pavillon der Internationalen Buchausstellung in Rom.) In Florenz wurde dieser Tage in Anwesenheit des Königs, der Mitglieder der Regierung und zahlreicher Vertreter der Gelehrtenwelt die zweite Internationale Buchausstellung feierlich eröffnet. Diese Ausstellung enthält einen besonderen Pavillon für jüdische Literatur-Wissenschaft in allen Sprachen. Vertreten sind eine Reihe von jüdischen Verlagen wie „Israel", Florenz: Verlag für jüdische Kunst und Literatur Rimon", Berlin; „Jewish Publication Society", Philadelphia; „Stibel", Warschau u. v. a. Der König ließ sich in den jüdischen Pavillon führen und verweilte dort längere Zeit. Er bewies ein tieferes Interesse für die Ausstellungsobjekte und ließ sich von dem Organisator des jüdischen Pavillons, Dr. Glas, eingehend informieren. Seine besondere Aufmerksamkeit widmete der König den Büchern und Kunstblättern oes Berliner Verlages „Rimon", über' die er sein Wohlgefallen kund gab. Der König blätterte in den Memoiren Theodor Herzl's und sprach mit seiner Umgebung darüber, daß er vor 20 Jahren mit dem Begründer des modernen Zionismus ein längeres Gespräch hatte, an dessen Einzelheiten er sich noch genau erinnert. Während die Judaica in englischer, deutscher, französischer und italienischer Sprache zahlreich und in Standard-Werken vertreten sind, sind hebräische Bücher nur in kleiner Anzahl und in schlichtem Einbande vertreten. Anscheinend waren die großen hebräischen Verlage über die Ausstellung nicht informiert, denn die wenigen ausgestellten hebräischen Werke stammen aus privatem Besitz. (Ausgrabungen in Palästina.) Die palästinensische Archäologische Gesellschaft "(Palestine Exploration Fund) teilt mit, daß der Schatzmeister der Gesellschaft, Colonel Sir Charles C l o s e und der Sekretär Dr. E. W. Massermann sich dieser Tage nach Palästina begeben haben, um mit dem in Palästina weilenden Rev. Garrow D u n c a n , der als Assistent des Prof. Macal ist er die Ausgrabungen in der Davids-Stadt leitet, über die Arbeit im kommenden Sommer zu beraten. Es besteht der Plan, als Objekt für neue Forschungen die Gegend der westlichen Mauer von Ophel, die an das Tyropoeon-Tal grenzt, zu wählen. Die Linien der nördlichen und der östlichen Mauer aus der vorhebräischen Zeit sind bereits fixiert worden, über die Linie der westlichen Mauer besteht noch Unklarheit, obwohl einige Oberflächen-Zeichen vorhanden sind. Es ist von großer Bedeutung, diesen Punkt aufzuklären. Sollte man im Verlauf der Sommerausgrabungen auf eine starke Jebusiten-Mauer im Westen von Ophel stoßen, so wird das Ergebnis ein befriedigendes genannt werden können. Man hofft, daß die Ergebnisse der neuen Saisonarbeit zu weiteren Unternehmungen ermuntern werden. General Sir Charles Marren, Äer im Aufträge der Palästinensisch-Archäologischen Gesellschaft (Palestine Exploration Fund) in den Jahren 1867 bis 1870 die Ausgrabungen in Palästina leitete und einige archäologische Werke über Palästina, wie „Suroey of Palestine" und „Unterground Jerusalem", veröffentlicht hat, schreibt jetzt in dem Vierteljahrsbericht des „Palestine Exploration Fund" über die Ergebnisse von 60 Jahren archäologischer Arbeit in Palästina. 60 Jahre, so schreibt der greise General Warren, sind in den Abgrund der Zeit gesunken, seitdem die Ausgrabungen in der Ewigen Stadt begonnen wurden. Im Jahre 1865 wurde der erste Spatenstich getan, und was bis heute vollbracht wurde, ist würdig des großen Interesses, welches Palästina, das Land der Bibel, in der Welt findet.

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