Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1925)
- Date
- 1925-05-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sette 2 Nr. 22 Der Israelit 28. Mai 1926 fügen, denn der Lügen gibt es unzählige, aber die Wahrheit ist eckig, kantig, zuweilen schroff und abweisend. Sie kann und soll sich auch nicht den Verhältnissen und jeweiligen Strömungen anpassen, sondern sie soll die Verhältnisse gestalten und formen. Meine Tochter, gehe nicht auf die Felder der andren, für dich blühen dort keine Blumen! Und wenn ihr Duft noch so berauschend lockt, ihr Jnnneres birgt einen Giftkern und ihr Duft betäubt. Du suchst Schönheit; dein Judentum scheint dir ein Kerker, du fühlst dich beengt und eingeschnürt von der Unmenge der Gebote und Verbote, eine jede Lebensfreude scheint dir gelähmt — muxi ’^p ht rrny ma ’nayn xb däv Du brauchst Lebensfreude nicht anderswo zu suchen, niiraa fie1? nxina* an dir liegt es, dir dein Judentum schön zu gestalten. Erfülle in Schönheit deines Gottes Gebote und eine Fülle unendlichen Glückes wird dein Wesen durchströmen. Die Götter, die sich die Menschen gestaltet, sind aus Angst und Bedrängnis geboren, sind D'axy Geschöpfe und Gebilde des Schmerzes und ihr Ursprung drückt sich auch in ihrem Wesen aus. Ein jedes Gefühl löst, wenn es entsteht, ein Unlustgefühl im Menschen aus, bis sich dieses Gefühl den anderen assimiliert oder gar herrschend wird. Angstgefühle haben die Götter erzeugt und diesen Gefühlen haben sich die anderen unterordnet und so sind alle Religionen lebensverneinend. Aber deine nun ist ein Kind Hellen Lichts. Lebe sie und sie erfüllt dich mit Freude! oy ppann nai 'mnyy An die jüdischen Frauen erging zuerst das Gotteswort omi ibx apy mab naxn na* An den jüdischen Frauen liegt es, ihre Häuser zu Stätten jüdischer Schönheit zu gestalten, daß sich die Männer nicht hinaussehnen. Poesieumweht und schönheitumflossen ist das wahrhaft jüdische Haus, in dem eine mx-eine jüdische Frau in hehrer Reinheit ihres schönen Amtes waltet. Aus dem großen Zusammenbruch haben wir nichts als unsere Häuser gerettet. Sie allein bieten die Gewähr für eine schöne große jüdische Zukunft, sie sind die Bausteine, die wir zum ragenden Tempel unserer Zukunft liefern können, brr 'na rnxnwa 'a*?n- Meine XÖdjtev, jüdische Frauen, haltet eure Häuser heilig, lasset keinen fremden Geist in sie dringen, gestaltet sie zu einem irnpaund so suchet Gott, schließet euch ihm an, zerrt der Zukunft, das sich erhebt, aufbaut und zusammensetzt aus den Heiligtümern hier auf Erden. mV» htz? ttnpan rpa “ma piaa n^yn bw iznpan ma oaVa D”n va'pbx 'na 'D'pann anxi dp by ppann nai m'nund so suchet Gott schließet euch ihm an, zerrt Gott nicht zu euch hinab, sondern steiget zu ihm empor, suchet ihm ähnlich zu werden und nur so findet ihr Leben, Glück und Schönheit, und ihr wirket und webet an dem Tempel der Zukunft. der sich ragend auf Zions Höhen erheben wird, um von oort für den Gott zu werben, der zu den Menschen niederstieg, um ihnen den Ausstieg zu ermöglichen. Wochenrundschau. Tie Londoner Konferenz. Die in London tagenden Vertreter der agudistischen und der zionistischen Organisation haben sich gegenseitig das Wort gegeben, über den Inhalt ihrer Verhandlungen nicht mehr in der Presse zu verlautbaren, als in dem veröffentlichten offiziellen Bulletin enthalten war. Das bedeutet feine verwerfliche Geheimdiplomatie, sondern entspringt lediglich ernstem Verantwortlichteitsbewutztsein. Trotzdem hat der zionistische „Haolam" eine kurze Notiz gebracht, in der es heißt, es habe sich herausgestellt, daß „die beiden Seiten in manchen Angelegenheiten zu einer Verständigung gelangen können mit Ausnahme der Beteiligung des Keren hajeßod am Erziehungsbudge t." Es mutz bemerkt werden, datz diese lakonische Notiz irreführend wirkt. Wenn schon etwas gesagt werden sollte, so hätte es heißen müssen: „mit Ausnahme einer Beteiligung der Aguda an der Agency, insbesondere solange diese im Keren hajeßod mit seinen Kulturaufgaben ihr Instrument erblickt." Etwas deutlicher wird die „Jüdische Presse" in Wien, die u. a. folgendes schreibt: In den sogenannten materiellen Fragen, d. h. in Bezug auf Boden und Menschen scheint der Versuch eines Brückenbaus gelungen zu sein. Es wird also in Zukunft häßlicher Konkurrenzkampf bei Bodenkäufen ausgeschlossen bleiben und die Kleinlichkeit der Jntriguen. mit der man bisher Nichtmitglieder der zionistischen Organisationen von den Pforten Palästinas fernzuhalten versuchte, in etwas gemildert sein. Es bleibt abzuwarten, wie sich dieser Versuch auswirkt und erst nach Veröffentlichung der Resolutionen wird man im Stande sein, zu beurteilen, ob dieselben ein taugliches Mittel zum besagten Ziele darstellen. Daß ferner das Gemeindegesetz erneuter gemeinsamer Beratung unterzogen wird, spricht dafür, daß Aussicht vorhanden ist, dem religiösen Grundgedanken seine unveräußerliche Rechtsstellung zu gewinnen. Hingegen muß offen ausgesprochen werden, daß, wie es scheint, der Gedanke an eine gemeinsame Arbeit in der Jewish Agency endgültig begraben wurde, und zwar deshalb, weil er begraben werden mußte. Cs war von vornherein nicht anzunehmen, daß die zionistische Organisation auf die Privilegien, die ihr nun einmal das Mandat gibt, verzichten würde. Das beweist dem Kundigen schon das Bild der geplanten Rekonstruktion der Jewish Agency, in welcher die zionistische Organisation sich eine kompakte Mehrheit gesichert hat, und zwar, wie wir zur Ehre derselben annehmen wollen, nicht nur aus Machtfreude, sondern weil sie dem Gedanken, der sie schon vor Erlangung des Mandats beherrschte, die Vorherrschaft erhalten sehen will. Bei dieser Vorherrschaft wird aber für jene Anschauung, die in unserer heiligen Lehre die konstruktiven Momente auch für den Weg von Mensch, und Volk erblickt, kein Raum sein. Und wenn das Kommuniquee besagt, daß man nach Aussprache über die prinzipiellen Momente übereingekommen war, die Verhandlungen auf einen späteren Zeitpunkt zu vertagen, so wäre dieser Zeitpunkt doch erst dann gekommen, wenn die Prinzipien eine Aenderung erfahren hätten. Aber es wird in Israel immer eine unübersehbar große Gruppe geben, denen die Treue zum Gotteswort alles ist, und für die ist in der jetzigen Konstruktion der Jewish Agency kein Raum. - Wird dieser Gedankengang entsprechend gewürdigt, so dürfte auch in Bezug auf die Londoner Verhandlungen, wie wir oben schon ausgeführt haben, Erwartung und Erfüllung harmonisch einander entsprechen. Zur Frage des Gemeindegesetzes liegt inzwischen die interessante Nachricht vor, daß der „ W a a d leuini" in Jerusalem Weizmanns Aufforderung, einen Vertreter in die gemischte agudistisch-zionistische Kommission zu entsenden, brüsk abgelehnt hat. Das Gesetz sei eine innerpalästinensische Angelegenheit, die die zionistische Exekutive nichts angehe. Man kann nicht behaupten, daß diese Antwort auf ein besonders hohes Maß von Verständigungsbereitschaft schließen läßt; sie wird in beiden Lagern von all denen lebhaft begrüßt werden, die den Kampf um die Gewissensfreiheit in Erez Iisroel nicht durch einen letzten Appell an die freie Einsicht des religiösen und politischen Gegners, sondern mit den Mitteln des rücksichtslosen politischen Kampfes zu Ende führen wollen. Die Entscheidung kann nicht mehr lange auf sich warten lassen. Andere Zeiten — keine anderen Lieder. Noch weiter wird es heißen müssen: „Laß dich auf Borkum nicht nieder. Denn auch böse Menschen haben Lieder". Die Stadtverwaltung auf Borkum hat zur Hebung des Stadtsäckels das Spielen und Singen des „Liedes am Meere" zu Borkum verboten, sintemalen der antisemitische Chor seine Beiträge lieber mit Kehle und Lunge zahlt als mit klingender Münze. Das Preußische Oberverwaltungsgericht hat aber das Verbot au.fgehoben, und so wird auf Borkum weitergesungen ... Selbstverständlich hat dieses Eingreifen des obersten preußischen Verwaltungsgerichtes zu gunsten der Vorkumer Sänger in der Oeffentlichkeit Bemerkungen zu rni nVia Don Rabbiner Fr. Winkler in Kopenhagen. 1, 13: n«yn )nbn »Wolltet ihr euch an sie binden". — Das Wortymsrn faßt das Targum merkwürdigerweise aus, als ob es gleich nawn wäre und also my ..betrübt sein" zum Stamme hätte (pnx ja'iy pan'); ebenso merkwürdig ist die von Raschi vorgeschlagene Ableitung von xw (einkreisen", — einen Stamm ms gibt es nicht), da es demnach hätte heißen müssen. Gänzlich unverständlich aber ist mir Raschis Ablehnung, nuvn auf den Stamm py .einschließen", „zurückhalten", zurückzusühren. Datz der Stamm m? unserem Worte zu Grunde liegt, stellt doch der Talmud (x ma) unbestritten fest! Und woher sonst sollte denn auch die in der rabbinischen Literatur übliche Bezeichnung naiasr hergeleitet werden?! II. 1,17: affi matt 'man nwxa-n^x 'a^>n iwxa napN „Wohin du gehest, gehe auch ich, — wo du stirbst, sterbe auch ich und dort will auch ich begraben werden". Woher die Abweichung im letzten Satz? Warum nicht gleich den vorhergehenden: „Wo du begraben wirst, will auch ich begraben werden?" — .Ich habe einmal folgende Erklärung darüber gehört", so schreibt der npy p'y (der Verfasser des spy pn) zu -2 T"» m»a' '"!?♦* Im Sanhedrin 46 a nämlich heißt es: Der Leichnam des Hingerichteten wurde in ein besonders dazu bestimmtes Grab gelegt, aus dem jedoch nach einer gewissen. Zeit die Gebeine herausgenommen und in das Grab der Väter hinübergeführt wurden. — Rut erklärte sich willig, alle Verpflichtungen auf sich zu nehmen, die das Judentum seinen Bekennern unter Androhung von Strafen mancherlei Art, darunter auch der Todesstrafe, auserlegt, — ein Bekenntnis, das in dem Worte: „Wo du.stirbst, sterbe auch ich", zum Ausdruck kommt, vgl. Raschi. Als geborene Heidin jedoch befaß sie kein Dätergrab im jüdischen Sinne; sie mußte sich daher auch das vor Augen halten, datz gegebenenfalls ihre Gebeine dort (in der Reihe der Verbrecher) begraben und auch für immer verbleiben würden. Daher konnte sie nicht sagen: „Wo du begraben werdest» usw. Denn Noomis Gebeine wären unter gleicher Voraussetzung nicht dort liegen geblieben, sondern „zu den Vätern" gebracht worden. — Mi « Warum wird Ruth (ebenso Schir Haschirim und Kohelet) vor Krias Hatauro verlesen, während es bei Megillas Ester umgekehrt der Fall ist? Diese Frage wurde bereits No. 15'16 des „Israelit" von Herrn Rabbiner Dr. Kanter aufgeworfen. Folgendes, meine ich, war für diese Anordnung bestimmend: Nach y'n N"'O d'lSiv 'Da müssen nämlich beim Ritus Teile aus den maina (Hagiographen), weil deren Verfasser früher als die Propheten lebten, vor den Abschnitten aus den mx'ai rezitiert werden. Am Jomtow also, an dem Krias Hatauro mit einer Hastoro (Prophetenabschnitt) abschlietzt, kann daraus eine der drei Megillos, die doch Teile aus ö'aina sind, nicht zur Vorlesung kommen; Purim hingegen hat keine Hastoro, daher kann dort gut Megillas Ester auf Krias Hatauro folgen. Warum aber nicht auch für Purim die für Jomtow geltende Reihenfolge vorgeschrieben wurde: Erst Megillo und dann Krias Hatauro? Weil nach Talm. Megillo 16 b das Wort mix (in .mix nh'n D'nm'V) die Tauro bedeutet, woraus folgt, daß die Verlesung aus der min, genau so wie mna (gleich pv^) und p^'sn nnra (gleich ap'i), vor der Verlesung der Megillo stattfinden muß. Vgl. auch n m m 'ow pöö mn X"y* mmn "v mix mVivi- — Die angeführte Lösung aus -»Tir^ip dagegen ist durchaus unzutreffend: die dort zitterte Stelle aus Jeruschalmi hat mit unserer Frage ganz und-gar nichts zu tun. U man Aus meiner Beantwortung der Frage betreffend nxnp mix rna' man ist ein wesentlicher Teil aus gelassen worden; ohne dieselben aber bleibt dir Frage noch immer ungelöst. Wo hat man der Schabbos ö'a'.man genannt? In meinem Manuskript betonte rch, daß der fragliche Satz auf der Prophetenworte (Jes. 59, 13) mw nau>^ nxnp be N*an von uns verlangt, daß wir den Schabbos eme Luft nennen sollen und uns dafür 71 w iiynn ix verheißt, so ist ja damit das manxnp mix ma' vollauf begründet! Vgl. mv mnö“ 7» 'x m'p nawi >a. Dr. W.