Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1925)
- Date
- 1925-05-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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66. Jahrgang. Frankfurt a. ZU., den . 28. Mai 1925 5. Siwan 5685 Nr. 22 Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Januar 1824: Deutschland 1 Goldmart monatlich; Ausland: Viertel» iahryreife (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Ver» sandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.-; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; Frankreich 15 Fr.; Belgien 1b Fr.; Holland 2 fl.; Italien 20 Lire; Jugoslawien 70 Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien 200 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 5 Zloty; Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowakei L5 Kronen; Ungarn 70000Kronen; Dänemark 5 Kronen; Norwegen 5 Kronen; Schweden 8.60 Kronen. Einzelnummer dreißig Goldpfennige. v Der Israeli» erscheint jeden Donnerstag. Inserate 40 Goldpf. für die stedengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Famtlienanzeigen nur 30 Pf. Dte 75 mm breite Retlamezeileletzte Textseite 1.60 M!., vorletzte Textseite 2.— Mt.; Ehiffregebühr in Höbe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Inserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Inferatenannahme durch de« Berlag des Israelit D. m. b. tz., Franks, a. M., Gr. Eschenheimer Straße SS, Tel. Hansa 6842 sow. durch sämtl. Annoncen-Exoed. des In- und Auslands. Alleinige Inseraten«»», für Franks. Geschäftsanzeigen: Int. Schmidt, Langestraße 7, II. Platzvorfchrtften ohne Verbindlichkeit. Zahlungen direkt an den Verlag aus Postscheckkonti) Fronksurl iMatn) Nr. 18802. — Außerdem an: Poftsparkaste Wien Nr. 78606 — Poftsparkastenamt Budapest Nr. 18424 — Postscheckkonto Warschau Nr 199767. - Postscheckamt Zürich Nr. VIII7264 —Inkasso-Bank Rotterdam - Postscheckamt Amsterdam Nr. 24868 —Böhmische Unionbank in Prag -Lau«-» Marmarosch Blank & Co. i» Bukarest — Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. Von Rabbiner Dr. Herman klein in Berlin. nm ora dnxa paa brrTw' ’aa mxh 'w^n tnina TaTa irra „Im dritten Monate nach dem Auszuge der Kinder' Israels aus dem Lande Mizrajim, an diesem Tage kamen sie in die Wüste Sinai." Wie die Erde aus dem Meere der Urgewässer sich abhebt, so hebt sich dieser Tag aus dem Meere der ewig wechselnden und vergänglichen Zeiten und Geschlechter ab. Es ist ein Tag, der eine neue Welt begründen will, .iw'*» anm «m-* Es heißt nicht nT'a sondern 'V'bw.T waina' das soll andeuten, daß Gott etwas ganz Neuartiges, Einzigartiges schaffen wollte. Er will die Welt der Sittlichkeit begründen. Es ist der Anbruch der aus finsterer Nacht sich losringenden Sonne der Wahrheit. Er ist das' erste starke Atemholen des neugeborenen Lebens des Geistes und der Menschenseele. Und fragen wir uns: Worin besteht das Neuartige, Einzigartige und Originelle der sinaitischen Offenbarung, so gibt uns ein Wort der Weisen Aufschluß, obiyn dk rrnpn rrTawa swy n pn nur« DTK '22*? )IU pKNI 'li OTO D'ÖWn TQK1 TTä iVy» trjinnnn Taxi ruwin .TT'N nVaa nTinn 'w V’nnan 'ixi D'zmmib m» D^r^m D'a^y^ 'Tn Tax nwa -Vxi a?r>ai rro Tn ^x n tti -; ... -nw.pn T^x . „Was Gott will, das tut er. Als Gott die Welt erschuf, da bestimmte er, daß der Himmel Gottes Himmel sei und die Erde gab er den Menschensöhnen, als er aber im Begriffe stand, die Thora zu geben, da wurde der erste Beschluß aufgehoben und er sprach, die Irdischen mögen zu den Himmlischen emporsteigen und "die Himmlischen zu den Irdischen sich hinablassen, und Ich Dill den Anfang machen, denn.so heißt es: Gott ließ sich hinab auf den Berg Sinai und dann erst stieg Moses empor, daher das Wort: Was Gott will, da tut-er." Taxa-onax Nach der Schöpfung sollten Himmel und Erde Aneinander getrennt sein, eine reinliche Scheidung Zwischen dem Reiche des Geistes und der Welt der Materie sollte nach dem ursprünglichen Plane Gottes Platz greifen^ Es war dies eine NTN' ein. Verhängnis, denn es raubte den Staubst eborenen.jede Möglichkeit seelischen Aufschwungs und geistiger Erhebung. Die Erdbewohner bewegten sich ewig in einem Kreise, aus dem es kein Entrinnen gab. Sie mühten sich ab, um ihr Leben zu fristen und sie fristeten ein kümmerliches Dasein, um sich aufs neue mühen zu können. Und die Menschen schufen sich selbst Götter, die ihren Ursprung zum Teil in dem Ohnmachtsgefühl der Menschen hatten, die sich von der ihnen unbekannten Umgebung bedrückt fühlten, zum Teil aber auch in der Sehnsucht, aus diesem unentrinnbaren Kreise zu entkommen. Die Menschen sahen, daß in der Welt Kräfte wirksam sind, deren Ursprung ihnen unbekannt war, deren Umfang sie nicht zu überschauen vermochten, deren scheinbar willkürlichem Walten sie schutzlos preisgegeben waren, und so entstanden die Götter der Urzeit, mx Götter, deren Schöpfer die Menschen waren. Es ist selbstverständlich, daß diese Götter, deren Schöpfer' Menschen waren, nichts anderes sein konnten als ins Riesenhafte und Gigantische gesteigerte Menschen. Alle Eigenschaften, die ihnen beigelegt wurden, waren menschliche Eigenschaften, dem Kreis menschlicher Vorstellungen entnommen. Die nnn' das böse Verhängnis, die die Menschen vom Himmel ausschloß, hatte damit nicht aufgehört. Die Bezeichnung der ins Riesenhafte gesteigerten Menschen mit dem Namen Gott, oder die Personifikation der den Menschen sich offenbarenden, aber von ihnen nicht erforschten Naturkräfte der Gottheiten bedeuteten keine Bereicherung der menschlichen Seele, gewährten dem menschlichen Geiste keine Möglichkeit des Höhenflugs, da ja die Götter ihr Werk waren und daher über keine Eigenschaften verfügen konnten, die die^ Vorstellungskraft und die Kenntnisse der Menschen überschritten. Die Menschheit. löste sich die unzähligen Rätsel, die ihr ihre Umwelt zu lösen aufgab, indem sie dievielen Rätsel in ein einziges — Gott — oder in wenige — Götter — zusammenfaßte, und kam der Lösung um keinen Schritt näher. — Da erbarmte sich der Schöpfer endlich seiner Geschöpfe, mwih' rnn nban» und das Verhängnis wurde aufgehoben. Der Sinai ward der vbv, die Leiter, die Himmel und Erde miteinander verband, und Gott sprach:, D'H'bvni D'ar^ ibv. D'nrmnn trnnnn1? ITT'- Mögen nun endlich die Erdenbewohner? den Weg zur, Höhe finden u. z. in der Weise, daß die Himmlischen sich' zur- Erde hinablassen. Der Weg, den die Menschheil bislDr wandelte, war zur Unfruchtbarkeit verdammt und konnte keine Resultate zeitigen, dtk ib D'jp^K* Kein Mensch ist im Stande, sich einen Gott zu erschaffen. Sich selbst malt der Mensch in seinen Göttern. Die Verbindung kann nur hergestellt werden b'nnan xin 'zxi, wenn I ch den Anfang mache. Das war das D’Taa wiT'N' das Neuartige, das Originelle und Einzigartige der sinaitischen Offenbarung. Nicht der Mensch sollte sich seinen Gott schaffen, sondern sein Gott trat ihm entgegen, offenbarte sich ihm, uyl ihn aufs Neue nach seinem Ebenbilde zu schaffen. Die Menschen hatten bisher ihre Götter zu sich hinuntergezogen, der Gott, der am Sinai sich offenbarte, stieg zu den Menschen herab, um den Menschen zu sich emporzuheben. Tn bx 'T tt?i nVsr Tax nwa bxi - -»rot Gott steigt zum Sinai hinab, damit endlich Moses zu ihm emporsteigen kann. Bisher war ein Aufstieg unmöglich. Das Denken des Menschen konnte in die Breite, aber nicht in die Höhe gehen. Hatte die Menschheit sich bis jetzt ihre Götter nach ihrem Ebenbilde erschaffen, so beginnt mit NTin Da die Schöpfung des Menschen, des geistigen und sittlichen Menschen D'pbx absa nach dem Ebenbilde Gottes. Gott hatte sich offenbart und hat den Menschen ihres Daseins Sinn und Zweck verkündet, und dieses Ziel heißt: Gottähnlichkeit. Zu hoch war das Ziel gesteckt, und zu schwer war die Idee. Das Volk fiel bald in seinen Wahn zurück. Die ganze Geschichte des jüdischen Volkes ist nichts anderes als ttnipa ^a 'bp riia'bn. die Entwicklung und Entfaltung des reinen Gottesgedankens, der sich trotz aller Krisen, die ihm beschieden waren und trotz aller Hindernisse, die ihm im Wege stehen, durchsetzen wird. Und unsere Aufgabe? In wenigen Worten, die unsere Weisen an einen Vers der am Feste der Offenbarung verlesenen niT n^a knüpfen, ist sie gekennzeichnet, inx nwa vij?bb 'abn brr ma -M1TV2 Dp ppaTn nai nra 'Tiavri rrb an „Meine Tochter," so spricht Boas zu Ruth; „gehe nicht sammeln auf dem Felde anderer und gehe nicht von hier weg und so schließe dich meinen Mädchen an." Hierzu bemerken die Weisen: inx brrb. .Tinnen xb inx mara vipbb 'abn brr -ppann .Tai iniirri 'bp nr w "v nra -'Tiaiin rrb an va'pbrr nh D'pann djixi>v>*$ 'rvnjn oy .Di'n Daba „Meine Tochter, sammle nicht auf andren Feldern, das heißt, diene nicht fremden Göttern! Wesensfremd sind euch die fremden Götter , und sollen es auch bleiben. Die Ueberlieferung lehrt, daß der Buchstabe n in Tnrr n 12'pbx n bxTV' pairrgroß geschrieben sein muß und? ebenso, das /t in dem Satze inx bxb ninntrm rrb: Bücke dich keinem fremden Gott. Zum Verwechseln ähnlich sind die beiden Buchstaben, nur daß das 'T rund und das '1 eckig ist. Die Lüge ist geschmeidig, kann sich in alle Verhältnisse schicken, kann sich überall ein-