Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1925)
- Date
- 1925-05-21
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 Seite 3 21. Mai 1925 mußte es Israel, bücken müßte sich danach der Mensch, und zubereitet wollte es sein wie jede Frucht, mit welcher der Boden den menschlichen Fleiß lohnt. So auch die Jeschiwaus. Sie leben vom göttlichen Wunder. Menschlicher Berechnung folgend wären sie längst den Unbilden der Zeit erlegew Aber-Gott selbst, sein Geist, seiner heiligen Diener Feuereifer vollbringt das Wunder. Was will nun der Keren Hathora noch? Er will uns an diesem Wunder einen Anteil geben. Er will uns lehren, das Manna auch aufzusammeln. Er wm uns von dem Tau, der unter und über dem Manna mit herabfällt, etwas mitbenetzen. Er will uns, wie der „am Türdrücker des Gewürzkrämers Vorbeiftreichende" selber würzt, auwer al kappaus hamanul, m i L mesackeh sein, mitbeglücken, mitsegnen mit v»em Stolze, dabei gewesen zu sein, als die Jeichiwaus gerettet wurden; er will uns, deutlicher gesagt, vor der Schande bewahren, keinen Anteil daran zib haben, -sondern müßig am Blute Israels, am Quelle der Thora bei seinem Wiederaufbrechen gestanden zu haben. Auch bei der Meeresspaltung mußte eines Menschen Hand erhoben werden, — und beim Jeschiwaus-Wunder sollten alle Hände ruhen? Und wenn nun schon bei jenem Wunder der Unsterblichkeit der Thora und ihrer Lehrstätten keiner, auch der Geringste nicht fehlen darf, wie notwenoig erst muß die Anspannung aller Kräfte, wie notwendig selbst der größte Bittul seman selbst der „amharazischste" Vereinsabend fern, wenn es gilt, hier in unserem eigenen Lande auf den kleinen Orten die Jüdischkeit wachzuhalten, — besser: zu neuem Leben zu erwecken! Denn dort draußen handelt es sich nicht mehr um fremoe Jöeale, die uns etwa unsere besten Köpfe, blenden und rauben, sondern krasseste Jdeallosigkeit, Materialismus und Vergnügungssucht haben dort in den Kriegs- und Nachkriegsjahren die vorher stellenweise blühenden Gemeinden veröden gemacht. Wird ein gleich dem Tau sich unhörbar senkender Thora-Segen jemals dorthin gelangen können? Ist nicht gleich dem Felsenboden 0er Wnpe versteinert das Herz derer, die mit angesehen haben, wie dem Götzen Mammon zuerst der Lehrer sich mehr oder minder notgedrungen hingeopsert, dann die unschuldigen Kinderherzen mgegeben worden sind? Gewiß erfreulich zu lesen, wenn einzelne jüdische Gemeinden ihre Lehranstalten ausbauen und ihre Lehrkräfte vermehren. Nur wird man nicht recht solcher Siege froh, wenn man berechnet, wieviele kleinere Gemeinden zu gleicher Zeit, oft ebendadurch, ihres ohnedies dürftigen jüdischen Wissens letzten Queu verlieren. Hier lautet vie Frage, nicht: Wozu? Hier lautet üe: W i e will der Keren Hathora mit menschlichen Mitteln Hilfe bringen? Aber er bringt sie. RE projektiert, sondern in vollem Gange ist me Wanderlehraktwn, die nichts Geringeres zum Ziele hat als den Wiederaufbau des alt-jüdisch-deutschen Landlebens, den Talmud bauern im Golus. Wir wollen nicht an solchen Hochzielen und ihrem Glanze unser Äuge berauschen. Wir wollen vielmehr die mühselige und kostspielige Arbeit der Keren Hathora-Kommissariate betrachten, welche die Wanderlehrer, Vezirkssekretäre und sonstigen Funktionäre derjenigen orthodoxen Vereinigungen erhalten, die sich mit diesem Problem, befassen. Da ziehen wirklich Beauftragte der Freien Vereinigung, des Aguda-Gruppenverbandes und des gesetzestreuen Gemeindeverbandes und etliche, die von ihrem eigenen Herzen angetrieben sind, von Dorf zu Dorf und rufen Jung und Alt zu ihren Schiurim und Vorträgen zusammen. Viele haben auch Dauerarbeit geleistet und dafür gesorgt, daß auch während ihrer Äbwesenheit auf den kleinen Orten weiter gelernt wird. Böse Hindernisse mußten überwunden, blöde Vorurteile widerlegt, träge Köpfe auf den Weg gestoßen werden, bevor auch nur das gelang. Viele entmutigende Erfahrungen mußten verbissen, .mancher, persönliche Aerger vergessen, manche förmliche Beleidigung verschluckt werden, Der Jsraeiit __ B 1 8 t t e r _ bevor das Ganze in Schwung kam. Und wir wollten untätig zusehen, wie diesen Granit-Äehauern die Mittel knapp werden? Sollte etwa nickt jeder dieser Pioniere reichlich mit den zu solchem Wanderleben notwendigen Mitteln versehen sein? Soll etwa einer von diesen, die für die Zukunft der deutschen Judenheit Tage und Nächte opfern, dabei in Sorge um das Ergehen seines Hauses oangen? Unsere verdammte Dankespflicht und Schmoigkeit, und nichts mehr als das, tun wir, wenn wir den Keren Hathora so stellen,' daß es ihnen an nichts zum Leben und an nickts.zum Streben fehle. Und mag die Sorge um diese Kämpfer unsere Tage und Näckte ersuuen, so haben wir ihnen immer noch nicht mehr gegeben als sie uns. — Die gelinde Jahreszeit hat begonnen. Auf die kleinen Orte hinaus strebt unser ruheverlangender üinn. Unteres Unrecht und ^rewiffensunruhe muß uns jedoch erfüllen, wenn wir nicht für die jüdischen Bewohner jener verlorenen Posten etwas geleistet, nicht nach Kräften dazu beigetsteuert Haben, daß auch dort „die Summe der Turteltaube" gehört, die „ersten Sprossen" des zu Gott heimführenden Monats sichtbar und der Schritt der herannahenden Ert^jungszeit dem empfindsamen Ohre vernehmbar werde. „Aufleben werden deine Toten, erstehen die nur Abgestorbenen: denn Tau der Erleuchtungen ist dein ^.au und zur Erde wirst der Schwachheit Geister du stürzen." — 1 % Postscheck-Konto der Landesnrganisatien: Gruppenverband der „Agudas Jisroel“ in Deutschland, Halberstadt: Nr. 18901 Berlin. Die Eröffnung der Talmud Thora des Keren Haihora in Dortmund. Sonntag,' den 2. Jjar, fand in Dortmund de feierliche Eröffnung der vom deutschen Keren Hathora ins Leben gerufenen Talmud Thora, der ersten größeren Gründung des deutschen Keren Hathora, statt. Diese Talmud Thora, an der drei Lehrkräfte hauptamtlich unterrichten, entspricht einem seit langem empfundenen, dringenden Bedürfnis; das beweist auch die Tatsache, daß am Eröffnungstage für diese Schule bereits über 150 Anmeldungen Vorlagen. Der Unterricht erfolgt in sechs Klaffen, in von der städtischen Behörde Dortmund freundlichst zur Verfügung gestellten Rämnen und erstreckt sich vom Anfangsunterricht in hebräisch Lesen bis zum selbständigen Lernen von-.Kias mit ’an und nisviri. Zur Eröffnung waren neben weitesten Kreisen der Dortmunder jüdischen Bevölkerung, Ehrengäste aus Gelsenkirchen, Duisburg und Cöln erschienen, die sich in den Räumen der jüdischen Volksschule nachmittags 5 Uhr zusammenfanden. Herr Jos. Wolf, Dortmund, der Vorsitzende des Keren Hathora Kommissariats Dortmund, der sich mit den Herren Neufeld, Stern und' Locker um das Zustandekommen des Unternehmens besonders verdient gemacht hatte, begrüßte die Gäste, die Vertreter des Landesdirektoriums, die Eltern und die Kinder und führte in feinen Worten aus, daß die Gründung dieser Schule,' die die Kinder zu frommen Je- .v hudim, Trägern neuen, echt jüdischen Lebens in Westfalen heranziehen solle, nur durch das große Entgegenkommen des deutschen Keren Hathora ermöglicht worden sei, der dem Ruf der Dortmunder ein williges Ohr geliehen und — ungeachtet der schweren wirtschaftlichen Verhältnisse — diese Schule ins Leben gerufen. H e r r R a b b. D r. L i ch t i g, H a m b u r g, rabbinisches Mitglied des Landesdirektoriums des Keren Hathora, der vor einigen Monaten schon die verschiedenen Städte Westfalens im Aufträge des Keren Hathora bereist' und die einzelnen Chadorim visitiert hatte, überbrachte alsdann die Grüße des deutschen Keren Hathora und entwickelte unter Zugrundelegung geistvoller Auslegung talmudischer und midraschischer Stellen ein Bild von der Bedeutung echt jüdischen Limuds gerade in einem Milieu wie dem Dortmunder, stellte die Lehrer vor und ermahnte Eltern wie Schüler, in ihnen stets die Träger und Verkünder des höchsten jüdischen Gutes, der nnn zu erblicken und ihnen darum Liebe und Verehrung entgegenzubringen Herr Dr. Max Meyer, Gelsenkirchen, welcher sich in liebenswürdigster Weise bereit erklärt hatte, als bevollmächtigter Vertreter des Landesdirektoriums das Direktorat dieser Schule zu übernehmen, erklärte alsdann, nach nochmaligen, vom Geist wahrer Hingabe an die heutige Sache durchglühten Worten die Schule als eröffnet. Herr M. H. Knoblowicz, der Lehrer für Talmud, entwickelte sodann in kurzen Worten sein Programm: es gilt, unsere Jugend das Judentum nicht nur zu lehren, sondern erleben zu lassen, ihr zu zeigen, daß alles, was die Moderne uns an moralischer und ethischer Lehre bietet, seine Wurzel im Talmud hat; er wandte sich sodann mit besonders innigen Worten an die Mütter, von denen es in erster Reihe abhängt, ob unsere Kinder Fortträger der großen, heiligen Traditionen werden und bleiben. Nachdem Herr Wolf S. Jacobson, Hamburg, nochmals Worte herzlicher Begrüßung an die Anwesenden, insbesondere an die Jugend gerichtet hatte, schloß der Vorsitzende um 6X> Uhr die erhebende Feier. — Die große Begeisterung, die diese Feier in allen Kreisen auslöste, das gute Gelingen der ersten Unterrichtsstunden, der schnell zwischen Lehrern und Schülern gefundene Connex berechtigen zu der frohen Hoffnung, daß diese Talmud Thora in der Tat in schönster Weise dazu beitragen wird:ii'n rrmr^v Bezirkstaguilg der A. I. Jugendorganisation in Ostfriesland. A u r i ch, 10. Mai. Am Sonntag, den 3. Mai d. I., fand hier unter großer Beteiligung eine Bezirkstagung der Agudas Jisroel Jugendorganisation Ostfriesland-Emsland-Oldenburg statt. Eine zahlreiche Versammlung von über 200 Personen Hatto sich in Brems Garten eingesunden, außer den Mitgliedern der Gemeinde zahlreiche Gäste aus den benachbarten Gemeinden Norden, Emden, Witmund und Esens. Auch eine Anzahl anderer Gemeinden aus den Regierungsbezirken Aurich und Osnabrück war vertreten. Es galt vor Allem auch, das goldene Amtsjubiläum des verdienten Lehrers Herrn B. Wolfs in Aurich zu begehen, des Nestors der jüdischen Lehrerschaft im Bezirke. Die Tagung begann mit einem wundervoll ausgeführten Boruch habboh, gesungen von einem Chor, bestehend aus den Schülern und mehreren Herren aus Aurich unter Leitung des Herrn Lehrers Goldschmidt. Der Bezirkssekretär der Jugendorganisation, Herr S. Bo ley, begrüßte die Versammlung. Darauf nahm Herr-, Landrabbiner Blum -Emden das Wort und hieß die Anwesenden willkommen. Sodann würdigte er eingehend mit Thoraworten das Wesen und die Verdienste oes Jubilars, des hervorragenden Thorakenners und Thoraforschers, der in seiner fünfzigjährigen Tätigkeit hingebend für das Heil seiner Gemeinde gewirkt und zahlreiche Schülergenerationen in der Thora und Gottesfurcht herangsbildet hat. Daran schloß sich eine Ansprache des Vorstehers Herr van D y k -Aurich, der den Dank seiner Gemeinde, der Herr Wolfs entsprossen und. der er so lange gedient, der er als geistiger Führer vorangeleuchtet, zum Ausdruck brachte. Er wies mit Stolz, daraus hin, daß es gerade auch dem Wirken des Jubilars zu danken fei, wenn in Aurich der Schabbos