Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1925)
- Date
- 1925-05-21
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 11 Der Israeirt Blätter 21. Mai 192S am Stabe". Der Honig wird abgeleckt bis auf das letzte Tröpchen, so ist die Weise der Sinneslust und Genußsucht und der bittere Geschmack des Holzes folgt. Solche Erscheinungen, wie man ihnen heutzutage leider fast überall begegnet, als schreiender Kontrast zu -den Taten unserer Ahnen DVN wvrp by dps: •noaw zersetzen das Judentum. Das wußten die Männer, die zu seiner Rettung in Wien zusammenkamen und der Beseitigung dieser Erscheinungen galt ihre Sorge. Von Wien aus ging die Parole: All unser Wirken und Streben und Schaffen 's «ninn und wenn sie darum am heuigen Schowuothfeste an euch herantreten mit der Bitte: Verkündet unser Programm in den Gotteshäusern, spendet beim Ausruf zur heil. Tauroh, sammelt in den Familien, versteigert die einzelnen Funktionen in der Schowuothnacht beim „Lernen", so folget diesem Rufe. Gebe jeder sein Scherflein iimn.i -na^i di pan '•naa1? Zion und der Berg Skopus. Von einem jungen Agudisten. „Das Tagebuch" (herausgegeben von Großmann und Schwarzschild) bringt in seiner Rr. 19 vom 9. Mai 1925 einen Aussatz aus der Feder von S. L. Garvin (London) unter der Ueberschrift „Zion" zur Eröffnung der jüdischen Universität in Jerusalem. „Eine jener geschichtlichen Szenen, deren sich die allgemeine Phantasie der Welt bemächtigt, die darin haften bleiben, eimalig und scharf Umrissen, sicher eines ewigen Gedenkens", nennt der Verfasser dieses Geschehnis. Uns stellen die Dinge sich in anderem Bilde dar. Wir wollen keineswegs den Wert der um ihrer selbst willen, um der Wahrheitserkenntnis willen getriebenen Wissenschaft irgendwie in Zweifel ziehen, nur beiläufig unsere Bedenken erwähnen gegen ihre sogenannte „Voraussetzungslosigkeit", da sie nämlich mehr oder weniger bewußt eine Voraussetzung doch hat: daß das Dasein eines Gottes, eines irman jptfina nvy-o T>.ar> nv baaals zur Evidenz nicht beweisbar gar nicht erst in den Kreis der Erörterungen gezogen zu werden braucht, während die Wissenstest sonst doch jede Art von Theorie und Hypothese gelten läßt. Auch soll hier nicht nochmals davon die Rede sein, welche Befürchtungen an die Tätigkeit des judaistischen Instituts sich knüpfen. Um viel mehr noch scheint es uns zu gehen. Zu dem originalen und originellen Charakter des Judenvolkes gehört als wesentlicher Bestandteil ohne Zweifel der Gedanke, den die min mit den Worten ausspricht: d^-t na^jy-V'rrm onKi t?nj? Darin liegt nicht ein Auftrag, der Israel den anderen Völkern zum aktiv beeinflussenden Führer setzen will, und dennoch eine gewaltige „Mission". Denn mit dieser Begründung gibt Gott dem ninv Dy seine besondere Pflicht, die Verpflichtung durch Priesterdienst am Schöpfer das als B e i s p i e l wirkende, leuchtende Vorbild — D^b -n —zusein. Damit ist der Rahmen einer „Nation" gesprengt. Und in der Tat verlieh diese seine Bestimmung unserem Volke die nur ihm eigentümliche Artung, gab ihm' die nur ihm eignende Struktur. So auch ward für die Menschheit Jerusalem, ward Zion heilig, wuroen sie zur Stadt Gottes, zum Berg Gottes schlechthin. Die alte Stadt überragend, dem Tempelberg gegenüber, stehen auf dem Skopus die Gebäude einer Universität. Ein gewaltiger Apparat der Propaganda hat das Äugenmerk der Oeffentlichkeit auf ihre Eröffnung gelenkt. Und treffend sind die Worte, mit denen Garvin den Eindruck auf die Welt schildert. Nicht zu Unrecht erwartet sie bedeutsame Leistungen jüdischer Intelligenz. Sie zeigt ihren Respekt vor dieser Kulturtat der jüdischen Nation, die wieder lebendig wird, mit beiden Füßen in das Heute sich stellend. Wir aber verwahren uns gegen die Belastung der jüdischen Volksgesamtheit mit der Verantwortung für das Geschehene. Nicht die Tatsache der Universitätsgründung und nicht Befürchtungen für die Zukunft, die der Eröffnung -beigelegte Bedeutung, das Ostentative des Handelns rufen uns auf den Plan. Wir sehen das im? oy in.eine Reihe geftell mit den Völkern des Europäismus, der Mechani sierung und Materialisierung des Denkens, -Wir sehen dokumentiert, daß auch ihm Kultur und Zivilisation der Moderne als Höchstes gelten Des jüdischen Volkes Wesenheit wird hier verfälscht in die eines solchen der heutigen Tage. Es soll vergessen werden und nicht wieder vernehmbar sein die mehrtausendjährige Veieinflussung des Weltdenkens. Der Strom menschlichen Wissens soll vom Skopus ausgehen und überfluten die Unvergänglichkeitswelle, die das Judentum in oie Welt getragen, die Gottesidee, die das Judentum ausgebreitet vor die Welt hingelegt. Naturforscher, Historiker, Philosophen werden so laut aus ihren Instrumenten spielen wollen, daß Gottes Wort übertönt wird, welches der verlassene Berg Zion verkündet., „Von diesem Rücken des Skopus aus," sagt Garvin, „begann, wie Lord Balfour seine Zuhörer erinnerte, Titus die Belagerung, die vom Norden die äußeren und inneren Wälle Jerusalems zertrümmerte und die Zerstreung der Juden übere die ganze Welt beschleunigte."/Von diesem Rücken des Skopus aus wurde jetzt, bei der Rückkehr, von Juden selber Bresche gelegt in den letzten, innersten Wall des Judentums: Das Prestige des Judentums ward eingesetzt und vertan. Cs fehlte diesem Handeln die bewußte Richtung auf gesteigerte Gottesfurcht, Gottesliebe, Gotteserkenntnis. Solchem Wollen aber gebührt das Primat, wo das „Gottesvolk" vor die breiteste Oeffentlichkeit hintritt. Demonstrativ, vor den Augen aller Welt wurde Israels Bestimmung verleugnet. Die Universität in Jerusalem unterscheidet sich in nichts als t y pifch jüdische, von den nationalen wissenschaftlichen Einrichtungen anderer Völker und kann das wohl auch nicht. Aber es ist eben dann auch'kein Ausfluß jüdischen Geistes, was beute der Welt als solcher hingestellt wird. Der Königsmantel gleitet dem Judentum von den Schultern und es kleidet sich in 'des Bettlers armseliges Lumpengewand. Das Herz blutet uns vor Schmerz, und aus Scham möchten wir das Antlitz verhüllen, daß diese Entwürdigung und Entweihung unseres Heiligtums geschehen konnte. Wir werden sie alle verantworten müssen und miteinstehen müssen für die, deren Tat sie war, und die trotz und trotz allem auch — unsere Brüder sind. Ziele und Arbeitsmethoden des Keren Hathora. Von Dr. Benno Cohen in Berlin. Auf den ersten Blick erscheint es wie ein innerer Widerspruch, daß man die Thora, das allumfassende Lebenselement des Judentums, durch einen Keren, einen aus irdischen Machtmitteln erbauten Fonds stützen will. .Daß diesem Fonds eine Organisation mit propagandistischem Aufwands zu nützen hofft, erscheint zunächst als ein weiterer Widersinn, denn von der Thora find wir es gewöhnt, daß sie, gleich dem Tau, ein lautloser Segen, vom Himmel ins Volk strömt, und nur als naußen semiraus b a l o i l o , den „Geber nächtlichen Singens des Thorastudiums" preisen wilden Allgütigen. Um so schwerer muß es uns werden, in eine propagandisttfche, organisatorische Stimmung uns am Anfänge derjenigen Jahreszeit zu versetzen, deren nächtlichen Himmelssegen nicht mehr der machtvoll herniederprasselnde Regen, sondern eben der nächtliche, stille Tau verkörpert. Ganz besonders in unserem Zeitalter, das eine gewisse Uebersättigung im werbenden Vereinswesen empfindet und sehnlichst nur die Beschäftigung mit dem Xau der Thora wünscht. Und doch muß es fein, und doch ist noch dazu nicht die Zeit reif. „Wecket nicht die Liebe Gottes, bis sie will!" Noch ist das Maß des Golus nicht voll, auaj ^es geistigen Golus nicht. Noch können wir nich tms Vethamidrasch uns einschließen und abwarten, bis das Manna unser Gottvertrauen lohnt. Das haben wir noch nicht verdient. Wir sind ein z u r T h o r a heim war t s den Weg suchendes, oft auch findendes Geschlecht; aber wir sind noch nicht daheim. Wir müssen unserem Thora-Lernwillen Zeit abringen, um den Nöten der Thoralehrstätten zu steuern, und unserm Opfer für das eigene Seelenheil müssen wir erst die rechte Weihe verleihen, indem wir ihm ein weiteres Opfer an Leib und Seele für die Lebensnotwendigkeiten anfügen. Klei n e, ständige Gaben verlangt der Keren Hathora, nicht großen, gelegentlichen Loskauf. Nichts ist geschehen, wenn man bei günstigem Zufall einem wohlbegüterten Bekannten eine große Gabe entlockt hat. Da leben wir hier in unserem unjüdischen Milieu und denken uns wunder wie opferwillig, wenn wir zwanzig Mart für einen Estog muwchor oder hundert für eine- Hamelech-Megillo für uns oder unsere Schuld riskiert haben. Daß in Litauen Scharen alter und junger Lamdonim genötigt sind, aus Not wichtige Mizwaus Aßeh.zu unterlassen, — daß in unseren eigenen ländlichen Gegenden die Leute in der nächsten Generation oft nicht mehr eine Ahnung von Sederhalten haben, weil, bei bestem Wiuerr keine Lehrer mehr für die jüdischen Gemeinden auszutreiben sind, — das kommt uns alles nicht, oft zu Bewußtsein. Und es sollte doch nicht aus unserem Bewußtsein schwinden. Alles lernen ste^ unaufhörlich lernen sie im Osten, ihr Leben widmen sie dem Lernen und haben nicht das Rotwenvrgste zum Leben. Das Rotwenvrgste lernen^ bas Notdürftigste vom Judentum wissen wollen unsere „Landjuden", und a l l e s fehlt ihnen dazu.. Und wir in den wenigen aufstrebenden westeuropäischen ^»tadtkehillaus sollten ruhig zusehen? Sind wir damit jauze? Wir haben uns leider gewöhnt, uns als einen kleinen, abgesprengten Zweig der Judenheit zu betrachten, der dazu bestimmt sei, entsprechend seiner Kleinheit, für sich selvlt zu sorgen und das Wohl, vor allem das geistige Wohl der Anderen außer Acht zu lassen. Gewiß, es ist sehr, sehr berechtigt, daß wir nicht gewlut sind, unserer Kinder zur Thora uno Jircr heimstrebenden Geist den Gefahren der Beeinflussung seitens derjenigen auszufetzen, die, entwurzelt aus der Kleinstadt oder aus dem Osten, in unsere sogenannten Kulturzentren strömen und hier, von ^wdesucht verblendet, das Werk der Großen unseres Landes zu zerstören und den v o r - h i r f ch i s ch e n Tiefstand oer Jüdischkeit wieder herzustellen drohen, und sehr, sehr berechtigt ist unsere Abwehrstellung, gegen solche Kreise. Aber damit ist es nicht getan. Wir müssen uns vielmehr fragen, was wir denn eigentlich tun, um den nicht entwurzelten Kleinstädter und um die noch nicht auswandernden polnischen Juden dort/wo sie beide sind, für die Jüdischkeit und suv die Thora zu erhalten. Wir Haben es ja in unserem Hand, zu bestimmen, aus welcher Art von Juden ich der Zuzug unserer Großgemeinden rekru^ ieren soll. Wir können den Wandersturm, wenn nicht vollends beseitigen, so doch erheblich in seiner Wirkung milderü, wenn wir nur die mächtigen,, ihm trotzen wollenden Zedern des Libanon, die in Gestalt unserer Lomdim aus den Jeschiwaus Litauens ragen, in der Wurzel und im Stamme kräftigen. Wohl haoen wir nicht ihren Wuchs und ihre Macht, um wie sie schon jetzt die Welt zu überragen; aber wir können ihren Früchten und Aesten eine Stütze bieten, wenn wir dasunsrige tun. Wohlgemerkt: Nicht um ihre' Rettung handelt es sich; sie sind sturmgewohnt. ir sind es, denen Rettung nottut. Selbst wenn wir hier in unseren Kehillaus für Thora und Mizwoth Opfer bringen, reicht das nicht, um uns stündlich an unsere einzige Bestimmung zu erinnern. Wach bleibt nur dann unser Bewußt- ' ein vom ewigen Dienste des Allgütigen, wenn wir uns entschließen, mit einer minimalen ä g l i ch e n A b g a b e , wie s i e.d e r Keren Hathöra vorschlägt, zum Wunderwerke der Erhaltung der Jeschiwausb eizutragen. Auch das Manna fiel zwar vom Himmel in stiller Stunde des Morgentaues; Aber sammeln: