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Der Israelit · 1925-05-21 · Heft 21 (21.5.1925) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 21 (21.5.1925)
Date
1925-05-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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, ..- «h— -v i 21. Mai 192?* Der Israelit 9tr 21 Seite 3 alle Parteien, auch an die Arbeiter, eine Einheitsfront gegen die „undeutschen Elemente" zu bilden, die „mit Franzosen und Polen an einem Strange ziehen." Der Typus des undeutschen Elementes ist für v. d. Goltz Rathenau, und er spricht von „dreihundert Nathenaus. . . Ein paar Rathenaus — es müßten nicht gleich dreihundert sein — täten freilich dem deutschen Reiche jetzt sehr not. Hindenburg hatte bei der Ansprache nach der Vereidigung von Ehrlichkeit und feinem Takte eingegebene schöne Worte für E b er i und dessen Keifer in Deutschlands schwerer Stunde. . Er dürfte dabei nicht zuletzt auch an Rathenau gedacht und den stillen Wunsch gehegt haben, daß ihm der Himmel ebenfalls einen solchen Rathenau — egal welchen Blutes und Glaubens — als. Berater zur Seite stellt^ Cs hieße hen ehrlichen graben. Charakter Hindenburgs verkennen, wollte man an dessen Manneswort nach völkischem Muster drehen und deuteln und den Befürchtungen, v. d. Goltz und Konsorten. könnten recht behalten, nur einen Moment Raum geben. Nach dem Sabbat die Schule. Das Sonntagsruhegesetz in Litauen, bewußt gegen den jüdischen Sabbat gerichtet, hat nur insofern seinen Zweck erreicht, als es den Juden wirtschaftlich das Leben noch mehr erschwerte. Das Hauptziel, den Sabbat zu vernichten, blieb Gottlob unerrei cht. Es hat den.Juden nur einen zweiten Ruhetag aufgezwungen, und das litauische Judentum nahm das Opfer mit vielen anderen willig auf sich. Nun geht-es an die Schule. Das neue Schulgesetz will das Litauische als Unterrichtssprache für alle Schulen und alle Fächer einführen. Das würde zwar so wenig den Ruin des Cheder bedeuten wie das Sonntagsruhegesetz dem Sabbat etwas antun konnte. Indes zu einer Quelle ewigen Aergers und unabsehbarer Beamtenschikanen kann auch dieses Gesetz für die Juden Litauens werden und ihre wirtschaftlichen und politischen Nöte noch um eine geistige Not vermehren. Als der allgemeine Schulzwang in Litauen eingeführt wurde, half sich die jüdische Bevölkerung, in der der Schulzwang des anaan “paaV ein Analphabetentum nie aufkommen ließ, damit, daß man einige Chedarim ausbaute und für sie durch Erweiterung des profanen Lehrplanes öffentliche Rechte erwirkte. Die Aufnahme der litauischen Landessprache unter die obligatorischen Disziplinen verstand sich von selbst. Die jenseits des orthodoxen Lebens stehenden Kreise Diese Ausführungen, so will es uns scheinen, find geeignet, den Pflichtenkreis des gesetzestreuen Judentums unter diesem Gesichtspunkt uns werten zu lassen. Der ..höhere Standpunkt", für den es lange an einem geeigneten Ausdruck fehlte, ist ganzeigentlich der Standpunkt der von Gott gebotenen jüdischen Pflichtbetätigung, nsnn Vy “pa1? ms avn (mam 'oa 5,9) nman hv “pnaw ava „Der Mensch ist verpflichtet, Gott für das Leid zu danken so wie er für das Glück Ihm dankt", so lautet die unvergleichlich kurze Formel jüdischer Herzenspflicht, die Pessimismus und Optimismus „verbindet und überwindet". Für das Leid auch als eine Schickung der Allgüte und Allweisheit Gottes, die nur des Menschen Bestes erstrebt, wenn er es auch nicht zu begreifen vermag; Gott zu danken, wenn das Herz auch blutet und das Auge weint, Gott zu segnen und zu loben, Seinem Erziehungsplan Segen und Förderung zu erwirken in den Wegen, die Er dem Menschen vorgezeichnet, diese Seelengrötze schafft dem Juden die granitne Grundlage, aus der sich der jüdische Aktivismus ragend erhebt. „Pflichterfüllung um der Pflicht willen", diese Worte lassen uns. nicht nur der Ueberfetzung gemäß, mxa ahnen, die — Vim ist, wenn sie, auf Der- „um der Pflicht willen' getan, reinste Lauterkeit atmet. Während der Optimismus glaubt, der Tat entraten zu können, und Pessimismus sie verzweifelnd für zwecklos hält, wird der Aktivismus der jüdischen mxa zum aufrecht hallenden Pfeiler, dre Freud und Leid überbrückt. Sie wird uns zu einer Philosophie der Tat, von der Daihingers Worte gelten: „Wo der ethische Idealismus nicht bloß in Worten, sondern in Taten bewirkten das Gleiche für ihre hebräischen und jidischistischen Schulen. Litauisch als Unterricht s spräche für eine Chederschule, die die Thorafächer im Zentrum ihres Lehrbetriebes hat, ist schlechthin undenkbar, technisch gar nicht durchführbar. Das Gesetz würde für diese Schule seine praktische Bedeutung verlieren, aber stark genug sein, der Entrechtungspolitik, die in Litauen sehr erfinderisch ist, neue Türen zu öffnen. Es ist kein Wunder darum, daß die litauische Judenheit auch in diesem Gesetz einen Angriff auf ihre heiligen Rechte wie auf die verbürgten Rechte der Minoritätsvölker sieht und dagegen Protest erhebt. Interessant ist es, daß die Vertreter der litauischen Lehrerschaft, die als des Landes Kulturträger über den Verdacht des Philofemitismus erhaben sind, sich in ihrer Gesamtheit einmütig und rückhaltlos gegen das Gesetz aussprachen. In einer Protestentschließ u n g bezeichnet der Verband der litauischen Lehrervereine den mit diesem Gesetz unternommenen Versuch, die Kinder der nationalen Minderheiten in der ihnen fremden litauischen Sprache unterrichten zu lassen, als allen Grundsätzen der Pädagogik widersprechend und sieht in diesem Gesetz „eine nationalistisch-klerikale Unterhöhlung des Schulwesens". Die Lehrervereinigung hat ihren Vorstand beauftragt, die Protestaktion der nationalen Minderheiten zu unterstützen. Man darf hoffen, daß die litauische Regierung diese kompetente Stimme nicht überhört und dem Moloch des blinden Chauvinismus, dem so vieles hingegeben wurde, nicht auch die heiligsten Kulturgüter ihrer Bürger opfert. Das „Notarikon" des »aus« (Zum N1!?12V-Feste.) Don Rabb. Ahikipp Discher in Sarospatak (Ungarn). N2W2 •'Vs: r»rr »mk *ins pni’ "1 . naviä naw sns»b vmn 'ivrri r»'« man' .(rrp rp ,nav) . . -n'ivä pasä nxa -jmsa mm fp •»rpjn n^an bsh „Jeglichem Streben habe ich ein Ende gesehen, Dein Gebot aber ist ungemein umfassend," heißt es im heiligen Psalmbuche. (Kap. 119.) „Vergänglichkeit!" — dies ist die Signatur alles Irdischen. „Auch die Berge werden weichen und die Hügel wankend werden." (Jes. 54,10.) „Die Himmel werden wie der Rauch vergehen und die Erde wie ein Kleid altern." (Jes. 51, 6.) „Es wird erbleichen der Mond und sich schämen die Sonne." (Jes. 24, 23.) „Es wird hinschwinden das ganze Himmelsheer, wie ein Buch werden die Himmel zum Durchbruck kommt, da ist das Erhabene wirklich und dieses Erhabene ist auch das Erhebende, das was uns über alles Unvollkommene, Mangelhafte, Ueble. Schlechte hinaushebt zu dem im ethischen Handeln unmittelbar erscheinenden Göttlichen und Ewigen . . . Von diesem Standpunkt aus, vom Standpunkt der Philosophie der Tat aus, verschwinden Optimismus und Pessimismus von selbst als einseitige. Auffassungsweisen. Die^ jüdische mxa, der die Forderung der unbedingten Pflichterfüllung, ohne Rücksicht daraus, ob die Vernunft den Zweck ersaßt, zu Grunde liegt, sie ist ethischer Aktivismus. Wie verblassen hinter einer solchen jüdischen Philosophie der Tat alle Wahnvorstellungen, die in den nnxa nur Ceremonieen, gedankenleer und gedankenlos erblicken und daraus folgern zu dürfen glauben, über diese erhaben zu sein. Taumelnd zwischen Optimismus und Pessimismus erkennen sie nicht das Kleinod der jüdischen mxa, vor der jene als .einseitige Auffassungsweisen" verschwinden, erkennen sie nicht, wenn sie in unfruchtbaren Erörterungen sich verlieren, daß über diesen steht die Erdenleid und Erdenfreude überwindende Philosophie der jüdischen Tat. Die Tragödie einer untergehenden Sekte. In entlegenen Gegenden Polens und Südrußlands leben noch größere und kleinere Reste der Karaiten, die noch vor wenigen Jahrhunderten, besonders im Orient eine große Rolle spielten. Ihre sonderbaren Bräuche, die angeblich aus dem Wortzusammengerollt, und ihr ganzes Heer wird hinwelken." (Jef. 34, 4.) So lauten die erschütternden Aeußerungen des Propheten über die Vergänglichkeit alles Irdischen. Aber schon früher rief Hiob klagend aus: „Aber auch ein fallender Berg verfällt, selbst ein Fels rückt fort von seiner Stelle. Steine reibt das Wasser ab, sein Gefälle schwemmt der Erde Staub fort: so vernichtest Du der Erde Hoffnung." (19,19.) Ja, auch des Menschen Hoffnung wird vereitelt! In srühsommerlicher Pracht glühet jetzt Gottes freie Natur draußen. Einem irdischen Eden gleich erscheint uns jetzt Wald und Flur, da nun des Frühsommers allgewaltige Zaubermacht sie mit schönstem grünen Schmucke bekleidete. Und bei solchem Anblicke frühlingt es auch in des Menschen Brust, erwacht auch in seinem Herzen blühender Lenz. Aber ach! Diesem duftenden Grüne gleich werden einst auch die hochschwellenden Hoffnungen des armen Menschenkindes durch den rauhen Hauch der Wirklichkeit vereitelt. Nicht umsonst bricht der Dichter in die tränenfeuchte Klage aus: Das Leben ist ein langsames Sterben! Wie dieser Gedanke auch in den pessimistisch angehauchten Worten des Koheleth seinen Wwerhall findet: nbw ai’a man er. ,,^-er Todestag beginnt von dem Geburtstage an." Ja, nichts hält stille in der Erscheinungen rasenoer Flucht. Twa *]mxa narrn- Nur Dein Gebot, Dein geheiligtes Wort o Gott! ist der unwandelbare Pol in der Erscheinungen Flucht. Nur das göttliche Wort bleibt der hochemporragende Felsen iummitten des ewigen Wellenspiels der wechselnden Erscheinungen in der Natur und der Gesckichte. Nur es umspannt die entlegensten Zeitenfernen. laipaa pnsr*» mxi bin' bsn nn. Fürwahr, auch der Berg schwanket und welket, auch der Fels wird seinem Orte entrissen. Jedoch der Berg 'i'v' worauf sich vor Jahrtausenden Gott seinem Volke offenbarte, — er schwanket und wanket nimmer! Auch noch heutigen Tages ragt der Berg »ra in einem jeden jüdischen Gotteshause empor, wo am rnviav-Feste die mw nimm, die Zehn Worte verlesen werden. Auch noch heutigen Tages, raget em;^r der Berge 'ra in einem jeden jüdischen Hause und Familienkreise, wo lamm jna av> der Tag der Thoraoffenbarung in seiner weltgeschichtlichen Bedeutung voll und ganz gewürdigt wird. Ja, auch noch heutigen Tages raget empor der Berg *a*b in jedweder jüdischen Brust, die noch treu und warm fühlt für das altgeheiligte Vätererbe. niKa *jmxa ,mmv Und es widerhallt noch heutigen Tages gar gewaltig in unserem Inneren das Wort: '.n raax- „Ich bin der Ewige, dein Gottp Diese Worte sind geradezu ragenoe laute der sch-istlichen Lehre fußen und ihre eigenen Gebete trennen sie von der jüdischen Gesamtheit der Diaspora vollkommen, setzen sie in scharfen Gegensatz zu derselben. In Ostgalizien hatten die Karaiten ihr Zentrum in der Stadt Halicz. Es ist eine alle Stadt, die zur Slavenzeit Landeshauptstadt war und dem ganzen Land seinen Namen gab (Galizien auch Haliczien). Heute ist Halicz ein kleines schmutziges, weltvergessenes Nest, und vergessen und weltentlegen leben dort auch die Karaiten ihr eigenes Leben, hüten ihre eigenen Traditionen und sehen mit Hatz und Verachtung auf die Talmudjuden, wie sie uns nennen. Die strenge Absperrung nach der jüdischen Front hat aber nicht verhindert, daß von den Karäern ein großer Teil den Anschluß an die andere Seite gesunden hat und im Christentume uniergegangen ist, und das ist die Tragödie der karaittschen Sekte, für die sehr typisch ein Einzelsall ist, die Tragödie eines karaittschen Mädchens, der Tochter des Chacham von Halicz. Es ist bekannt, daß in den letzten Jahren, viele Strömungen im Judentum und auch manche junge Karaiten ebenfalls von der Liebe zu Palästina ersaßt wurden. Zu diesen jungen Leuten gehörte auch Deborah Martkowitsch, die einzige Tochter des karaittschen Chacham von Halicz. Im Jahre 1922 ging sie nach Lemberg, um sich dort sortzubilden und fand dort den Anschluß an die jungzionistischen Kreise. Ein junger Jude namens Leon Kratnitz verliebte sich in das Mädchen, das von aller Well für eine Volljüdin gehalten wurde, und das junge Paar beabsichtigte nach der Hochzeit nach Palästina auszuwandern. Der Vater aber, der Chacham von Halicz, verweigerte seine Einwilligung. Eher hätte er sich mit den Begriff der jüdischen ,im$n mixa - wertvoller pflichtung geübt, nur nmh

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