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Der Israelit · 1925-05-21 · Heft 21 (21.5.1925) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 21 (21.5.1925)
Date
1925-05-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Der Israelit 21. Mai 1925 Setre 2 Nr. 21 Der heutigen Nummer liegt Vogen 2 [ der Bu chb ei l a g e für unsere Leser: L Rambam, ksilchoth Teschuwa! (Die Lehren über die Rückkehr). i Ueberseht von B. Jacobson? bei. S und Weise jeder Tiertötung, selb st der Fische, kümmern wollen. Gilt doch im Judentum selbst der schon als Rohling und Sünder, der nutzlos Pflanzen abreißt oder sonstige Dinge verdirbt. Es gibt noch genug und übergenug der Felder, auf denen sich der Tierschutz ideal betätigen kann. Man braucht nur um die Zeit des November bis etwa Ende Februar in die Dörfer und Kleinstädtchen zu gehen. Man kann dort das Schreien gestochener Schweine oft 5—7 Minuten lang vernehmen. Die Jugend ahmt es nach. Wir beobachteten schon oft, wie man die Stichwunde mit dem Finger in die Höhe hob, dann drei- bis viermal nachstach, wobei das Tier noch schnaufte, mit den Augen blinzelte, stöhnte, mit den Beinen strampelte, während ein Gehilfe das obere Vorderbein hin- und herbewegt, damit das Blut besser laufe. Wenn so etwas beim Schächten vorkäme! Obwohl jeder aus Erfahrung weiß und es einwandfrei feststeht, daß ein Stich unvergleichlich schmerzhafter ist als ein Querschnitt mit haarscharfem Instrument, sticht man ohne Betäubung Ziegen „hinter den Ohren" durch, sticht ebenso Geißchen, Schafe usw. Das ist eine grausame Tötungsart, und Tierfreunde sehen sie jahraus, jahrein mit an. Vielleicht bemüht sich Herr Dr. Einhauser in München hier einmal nach dem Rechten zu sehen. Wie der Schächtschnitt im Vergleich zum Stiche wirkt, kann jeder selbst beobachten. Während beim Stich momentan ein Aufzucken und Zusammenfahren des Tieres erfolgt, kann man beobachten, wie der Schächter oft 3—4 Querschnitte ausführt und hernach, wenn er schon weggeht, das Tier erst reagiert. Es gibt also für den Tierfreund ganz andere Dinge noch zu erledigen, als Schächtverbote anzustreben, die auf den fürchterlichsten Gewissenszwang hinauslaufen würden und obendrein die vorliegenden wissenschaftlichen Gutachten zu ignorieren suchen. Der Anblick des Schlachtens gehört in keinem Falle zu Schaubelustigungen, soll auch nie als Schauspiel dienen. Wir glauben aber sagen zu Bemerkungen zu nrnüs <s* Don Rabbiner Ar. Winkler in Kopenhagen. I. 3, 3, 4: Dvntmi pnx na niaw nVxi pa'i an1? v>n xh v'iai .'in xin'axi an nv'i nwVx „Dies sind die Namen der Söhne Ährons, der gesalbten Priester.-Nadab und Abihu starben. — Söhne aber hatten sie nicht, — da wurden Eleasar und Jtamar Priester". — Hat doch die Schrift schon so oft vom Tode Nadabs und Abihus berichtet, ohne daraus hingewiesen zu haben, daß sie keine Nachkommen hinterließen! Warum dies gerade hier? Die Bemerkung des Midrasch *po imaa): Hätten sie aberSöh ne gehabt, wären diese Eleasar und Jtamar in der Priesterwürde vorangegangen", befriedigt auch nicht ganz, da es selbstverständlich ist, daß Söhne vor Brüdern den Vorzug haben. Allein im Koheletrabba Kap. 7 wird zu dem Schristwort (I Kön. 11.25): „als Hadad hörte, daß David sich zu seinen Vätern gelegt und daß Ioab gestorben sei", gefragt, warum es von David „sich gelegt" und von Joab „gestorben" heiße, und geantwortet, der Ausdruck „sterben" werde bei einem gesalbten Haupt, und, nach Talm. b. (^"2' dürfen, daß man im Schlachthofe niemals seitens des Schächters einen rohen Scherz oder einen rauhen, lieblosen Ausdruck gegenüber dem Schlachttier vernehmen wird, wie das nicht selten durch Fleischergehilfen geschieht. Ernst und würdevoll geht er an seine Funktion, im Innern belastet und beschwert durch die vielen peniblen Vorschriften der Religion, geführt durch die laut tönende Stimme des Gewissens. Will man sie zu ersticken suchen? Tut man dies im Interesse von Kultur und Fortschritt? Wir p r o - testieren dagegen gerade von diesemStandpunkteaus. Wirsprechen gerade der Gegenwart das- Recht ab,unter der Flag g e von Tierschutz Menschentrutz zu üben, in einer Zeit, wo man Gifte und Gase und Luftflotten herstellt, die in kürze st erZeitnichtnurHeere,sondern friedliche Me nschenin Städten und Dörfern vernichten. Ganz lächerlich klingt für den Kenner die kindische Behauptung, das Tier, namentlich das zu schächtende, wisse von Todesangst. Es mutet geradezu mittelalterlich an, zu glauben, ein Ochse verstehe nur dann kein Deutsch, wenn der Fleischer seinem Gesellen die Anweisung gibt, zum Schlagen den Kopf in Bereitschaft zu halten, ihn nach oben, nach rechts, nach links mehr zu drehen, damit der Hammer sicherer trifft. Wir glauben, daß das Tier ebenso wenig weiß, was ein Messer bedeutet, wie es den Zweck des Schlagbeils ahnt. Und die Vorbereitungen des Feffelns und Niederlegens sind genau so zu bewerten. Das Tier sträubt sich lediglich gegen seine Freiheitsberaubung und Freiheitsbeschränkung. Diese exakten Vorbereitungen erinnern an die Maßnahmen, die ein gewissenhafter Operateur trifft, ehe er den Schnitt wagt. Blind und roh zugreifen darf er nicht. Das gefchächtete Tier würde nicht mit dem gejagten tauschen, dem das Geschoß bald in die Beine, bald in den Leib, in die Weichteile, in den Rücken, ja in den Aster geht. Hasen hüpfen oft unter Schreien noch hoch auf, angeschossene Beute schleppt sich oft noch weit fort. Was nützen da Hifthorn, Jägerhut mit Hahnenfeder, Jägerlieder und all die Waldromantik und Jagdpoesie? Beim Abziehen des Felles kann man sich überzeugen, wohin man getroffen. Von Betäubung keine Spur. Wir meinen aber, daß man in einer Zeit der Ozeanflüge und Radiowellen auch Mittel und Wege fände, ein Iagdtier einzufangen und regulär zu töten. Die Tierschützler haben auch noch keine Antwort aüs die Frage gefunden, warum man die „Wohltat" der Betäubung mit dem Hammer nich' bei Einem, der, wie David, einen ebenbürtigen Sohn hinterlätzt, nicht gern angewendet. Hiernach ist unsere Stelle so aufzufasfen: Nachdem — nv'i trauen ri:- „die gesalbten Söhne Ahrons, Nadab und Abihu, starben", daß man sich nicht wundre. wieso hier von gesalbten Häuptern der Ausdruck „sterben" gebraucht werde und daß man nicht etwa aus diesem Umstand schließen sollte, daß sie unebenbürtige Söhne hinterlassen haben, bemerkt der Poßuk: anV rn xV D’jm. Wenn von Nadab und Abihu, obgleich sie gesalbt waren, „sie starben" gesagt wird, so geschieht es allein deswegen, weil siekeine Söhne hinterlietzen. Hätten sie aber solche gehabt, so wären sie sicherlich würdig gewesen, die Stelle einzunehmen, die Eleasar und Jtamar nun innehaben. Vgl. t"s Y'nj?^ w» '38- II. 8, 17: anx WTpn •/wi *1*02 '2 ..Denn Mir gehört jeder Erstgeborene unter den Kindern Israel, — Ich heiligte sie Mir". — „Israels wegen änderte Ich eine bestehende Ordnung ab. Meine Tauro lasse Ich sagen : mpa msn narr "ivsi „den erstgeborenen Esel sollst du loskausen um ein Lamm"; Ich aber tat nicht also, sondern kaufte ein Lamm (nämlich Israel, nach Ierem. 50) um einen Esel (Aegypten, nach Ezech. 23) los. Die Erstgeborenen Aegyptens erschlug ich, und die Erstgeborenen Israels heiligte Ich Mir". Midrasch y'B aaaaa 'a "v xainarn. auch dem armen Delinquenten zukommen läßt. Es ist doch immerhin ein Mensch, ein armseliger und bedauernswerter. Sollte man und konnte man ihm nicht die Seelenqual der Vorbereitung auf den Hinrichtungstod durch Betäubung ersparen oder doch lindern? Es ist doch immerhin ein Mensch! Uns scheint aber, daß man hier doch zugeben muß, der Kopfschlag ist keine Wohltat, ist keine sanfte Narkose, sondern ein harter, rauher Eingriff in die Lebensfunktion. Physiologisch ist die Parallele nicht von der Hand zu weisen, mag man auch noch so viele andere Momente und Gesichtspunkte als Gegenargumente ins Treffen führen. Wer von der „Wohltat" der Betäubung spricht, mutz auch diese Konsequenz zu ziehen wissen. Hoffen wir, daß die Zeit kommt, in der man die rechten Werturteile über unsere hl. Schechita institution mcht verdunkelt und verdüstert durch vorgefaßte Meinungen und falsche Begriffe. Wochenrundschau. P/Z Tie Dreihundert. Die Eidesleistung des neuen Reichspräsidenten v. Hindenburg war von Umständen und Ansprachen begleitet, die die gleich nach dessen Wahl ausgesprochenen Hoffnungen auf ein Einlenken Hindenburgs in die Wege der Verfassung nur bestärken konnten. Was er in diesem Belange sagte, waren doch im Munde eines auf Wort und Pflicht haltenden alten Soldaten mehr denn leere Phrasen oder konventionelle Redensarten aus Staatsraison. Der völkische F l ü g e l der Deutschnationalen verwertet es freilich anders, und frommer Wunsch diktiert ihnen Hoffnungen in die Feder, vor deren Erfüllung uns und das schwer genug geschlagene deutsche Volk der Himmel behüten mag. Typisch für das Bestreben, Hindenburg als Häuptling der völkischen Hetzgarde zu reklamieren, ist ein Artikel des bekannten Grafen v. d. G o l tz in der „Deutschen Zeitung", wo in Anspielung an die blöde Mär von den „Weisen von Zion" andauernd von den „Dreihundert" gesprochen wird, deren Gewaltherrschaft ein Ende zu bereiten Hindenburgs erste Aufgabe sei. Der Baltikum-Führer wagt es, Hindenburgs MahnungzurEinigkeitso zu interpretieren, als sei sie ein Sammelruf an kleines Feuilleton. Jüdischer Aktivismus. Von Rabd. Dr. Michalslri in Karlsruhe. Im Hinblick auf den Geburtstag Kants ging in diesen Tagen ein Arttkel von Hans Vaihinger*) durch die Presse, in dem er aus feinen Iubiläumsaussatz „Neue Kant-Perspektiven" verwies und aus diesem nachstehende Zeilen ansührte. „Kant selbst hat vielmehr Optimismus und Pessimismus von einem höheren Standpunkt aus als Gegensätze überholt und überwunden. Für diesen höheren Standpunkt fehlte es lange an einem geeigneten Ausdruck, den wir erst vor kurzer Zeit bekommen haben, und zwar durch Eucken. Er hat in seinen „Grundlinien einer neuen Lebensanschauung" zuerst den Ausdruck Aktivismus geprägt. Kant selbst ist in seiner kritischen Zeit weder Optimist noch Pessimist, sondern Akttvist im Euckenschen Sinne. Kant kann nicht mehr dem Optimismus huldigen, seitdem sich ihm die Fülle der physischen und moralischen Hebel so überzeugend aufgedrängt hat. Aber eben so wenig huldigt er einseitig, trotz aller pessimistischen Aeutzerungen im einzelnen, im großen und ganzen dem Pessimismus, sondern er verbindet und überwindet beide Richtungen aus seinem Standpunkt der Pflichterfüllung um der Pflicht willen. Dies eben ist Kants Aktivismus". *) Hans Vaihinger: Kants Mtivismus und feine Philosophie der Tat. Badische Presse vom 6. Mai 1925.

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