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Der Israelit · 1925-05-14 · Heft 20 (14.5.1925) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 20 (14.5.1925)
Date
1925-05-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Öet’e 4 Nr. 20 14. Mai 1925 Danzig eine beutfdje Siabi ist. Neben Deutschland kommen nach Ansicht der einzelnen Wissenschaftler und Experten zwei Länder Europas in Frage: die Schweiz und die Tschecho-Slorvakei, wogegen die romanischen und angelsächsischen Sprachgebiete ausschalten. Immerhin gibt mir das spanische Projekt, das in der Kommission „Intellektuell" erörtert wurde, zu denken. Da sicherlich die ineisten Absolventen der jüdischen Universität in ihre Heimatländer zurückkehren werden, so wird ihnen zweifellos die deutschsprachige Ausbildung für ihr Fortkommen am förderlichsten sein. Mit der Stellungnahine für Mitteleuropa wollen wir noch nicht das Sprachenproblem gelöst haben, das bei jedem kulturellen Beginnen aufzuwerfen, zur Tragik Europas gehört. Der alte Streit zwischen Hebräisch und Jüdisch braucht nicht neu entfacht zu werden: denn keine dieser beiden Sprachen kommt ernstlich als Unterrichtssprache in Betracht, (z. B. ein Vortrag Einsteins über die Relativitätstheorie würde in beiden Sprachen vorerst sicher nicht zu halten sein.) Für eine hebräische Universität sind wohl sehr viele Lehrkräfte vorhanden, die Wenigen, die aber im Hebräischen perfekt sind, müssen unbedingt für die Jerusalemer Universität verwandt werden. Was das Jüdische anbetrifft, so sehe ich, daß selbst im jüdischen Sprachgebiet die erforderlichen Lehrkräfte nicht immer vorhanden sind. Es käme daher als eventuelle Unterrichtssprache Deutsch oder Französisch in Frage. Im übrigen jedoch mükte sich die jüdische Universität in Europa auch im Punkte der Sprachenfrage auf dem Grundsätze weitester Freiheit aufbauen und sowohl dem Hebräischen wie dem Jüdischen alle Entfaltungsmöglichkeiten bieten. Selbstverständlich wissen alle Mitarbeiter dieses Planes, daß eine jüdische Universität in Europa, die, soll sie lebensfähig sein, vor allem über gut fundierte medizinische, naturwissenschaftliche und technische Abteilungen verfügen muß, gewaltige Mittel erfordert. Dagegen glauben wir niemals, daß eine jüdische Universität in Europa der im Werden begriffenen hebräischen Universität in Jerusalem Abbruch tun könnte. Nicht-Jerusalem oder Europa, sondern Jerusalem und Europa heißt'die Parole. Hat das jüdische Volk nach langen Qualen und Mühen eine hebräische Universität in Jerusalem geschaffen, so wird es auch die Mittel für eine zweite in Europa aufbringen. Neue Aufgaben pflegen die Mittel zu mehren. Dazu soll nicht vergessen werden, daß nicht jeder jüdische Geldgeber sich für den Aufbau einer jüdisch-nationalen Heimstätte begeistern kann, dagegen genug guter Jude ist, um für eine jüdische Universität in Europa zu arbeiten. Zu diesem Plan wird auch der Der Israelit Völkerbund noch nicht das letzte Wort gesprochen haben. Gewiß, das Problem der jüdjschen Universität in Europa ist keine leicht zu lösende Aufgabe, aber gerade deshalb muß sich die öffentliche Meinung ernstlich mit dieser Frage befassen. Die antisemitischen Verfolgungen an den einzelnen Hochschulen und Universitäten in den verschiedenen Ländern mit dem sogenannten numerus clausus nehmen in letzter Zeit wieder Dimensionen an, die kaum glaubhaft erscheinen. Die Notrufe der einzelnen Akademiker und jüdischen Intellektuellen find erschütternd. Der Kampf, den diese tüchtigen jungen Menschen, die die geistige Elite des jüdischen Volkes bilden, führen, ist für die Geschichte ein heroischer Kampf. Das jüdische Volk aber und die Westvölker müssen ihnen tatkräftig und stützend zur Seite stehen, da sonst auch diese Kräfte erlahmen könnten. Werden die Träger dieser Idee der jüdischen Universität sehen, daß die Judenheit ihrem Plan ehrliches Interesse entgegenbringt, so werden sie mit der größten Intensität weiter arbeiten und propagieren, aber die jüdischen Massen müssen aktiv Helsen, dieses von den größten Wissenschaftlern und Gelehrten gutdurchdachte Projekt in die Wirklichkeit umzusetzen. Korrespondenzen « Dacbricbten Dctttfcbc* Eine Hitler-Fraktion im Reichstag. Berlin, 1. Mai. Die der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterparteiangehörenden Reichstagsabgeordneten haben sich als eigene Gruppe im Reichstag zusammengeschlossen. Diese Gruppe untersteht der Führung Adolf Hitlers, während die Fraktion der Völkischen Freiheitsparte! den Weisungen Ludendorffs gehorcht. Ein Werk des Keren Hathora in Dortmund. Berlin, 8. Mai. Vor kurzem fand in Dortmund die feierliche Eröffnung der vom deutschen Keren Hathora ins Leben gerufenen Talmud-Thora, der ersten größeren Gründung des deutschen Keren Hathora, statt. Am Eröffnungstage lagen bereits über 150 Anmeldungen vor. Der Unterricht erfolgt in sechs Klassen in von der städttschen Behörde in Dortmund zur Verfügung gestellten Räumen. Zur Eröffnungsfeier waren auch Ehrengäste aus Gelsenkirchen, Duisburg und Köln erschienen. Herr Jos. Wolf, Dortmund, begrüßte die Gäste, Herr Rabb. Dr. L i ch t i g, Hamburg, rabb. Mitglied des Landesdirektoriums des Keren Hathora, überbrachte die Grüße des deutschen Keren Hathora und entwickelte ein Bild von der Bedeutung einer Anstalt wie die Talmud-Thora in einem Milieu wie das Dortmunder. Herr Dr. Max Meyer, Gelsenkirchen, erklärte alsdann die Schule für eröffnet, worauf der Lehrer für Talmud, Herr M. H. Knoblowicz, das Pogramm der Schule entwickelte. Nach einer Ansprache des Herrn Wolf S. Jacobson, Hamburg, schloß die eindrucksvolle Feier. Wieder Anschläge gegen Synagogen und Friedhöfe in Deutschland. Berlin, 10. Mai. Aus S ch l o ch a u wird gemeldet: Nach einer Hindenburg-Feier in Schlochaü zogen Deutschvölkische zur Synagoge und warfen mit Steinen sämtliche Fensterscheiben ein. Aus Breslau wird mitgeteilt: Von einem unglaublichen Roheitsakt einiger Stahlhelmleute am Tage vor der Präsidentenwahl werden erst jetzt Einzelheiten bekannt. Auf einer Straße an der Peripherie von Breslau begegnete einem- Stahlhelmauto ein jüdischer Leichenwagen. Die Stahlhelmleute begannen, als sie den Wagen erblickten, mit den übelsten Pöbeleien, bespülten den Leichenwagen und bedrohten das Personal mit ihren Knüppeln. Ermittlungen sind noch nicht eingeleiier worden. Aus Köthen berichtete das „Jsr. Familienblatt": Eine unerhörte Rohheit verübte der Gärtnerlehrling K. Auf dem neuen Gemeindefriedhof und dem an diesen grenzenden israelitischen Friedhofe beschädigte er etwa 30 Gräber durch Umstürzen und Zertrümmern der Grabdenkmäler. Dann entfernte sich der Bursche aus feiner Lehrstelle und ist seitdem verschwunden. Verband Posener heimatvereine in Berlin. V e r l i n, 10. Mai. Vor kurzem traten 13 der in Berlin bestehenden Posener Heimatvereine mit über 2000 Mitgliedern zu einem Verbände zusammen. Der Verband will die landsmannfchaftliche Zusammengehörigkeit der aus ihrer Posener Heimat vertriebenen Posener und die Treue zur Heimat pflegen, einheitliche Fürsorgetätigkeit für bedürftige Landsleute durchführen, eine Auskunftsstelle für rechtliche und wirtschaftliche Angelegenheiten der Heimatprooinz Posen begründen, einen heimatlichen Nachrichtendienst und endlich einen Fonds schaffen, der zur Unterstützung der Heimatsgemeinden bei der Erhaltung der jüdischen Kulistätten, Friedhöfe und Wohlsahrtseinrichtungen verwendet werden soll. Zum ersten Vorsitzenden wurde Rechtsanwalt L. Friedmann, zum Vorsitzenden des Verwaltungsrates Sanitätsrat Dr. Rothmann gewählt. Da auch noch andere hier bestehende Emigranten zur Nachtarbeit antreten. Es sind die aiten bekannten russischen Emigrantengestalten im abgerissenen Kleid, mit der gedrückten Seeleund müde, fast ausgelöschte Augen in eingefallenen Gesichtern. Es sind nicht allein Juden, es ist auch manch Hoher Regierungsbeamter aus der Zarenzeit mit dabei. Offiziere und Studenten. Und Hand in Hand, Schulter an Schulter stehen hier in der Fron der Nachtarbeit die Menschen, die sich vielleicht in der Heimat mieden, haßten, drangsalierten. Regierungsbeamte und jüdische Studenten, denen erstere den Weg zu den Hallen der Wissenschaft versperrt, Offiziere und ausgemergelte Juden, auf die einst die gleichen Offiziere ihre Pogromhorden gehetzt. Sie alle finden '.sich hier in der Sorge um den Tag, in der französischen Nacht der Fremde und der Arbeit. (Die Aibek — das verörettelste Auch auf der Wett). Die Londoner Bibelgesellschaft veröffentlicht in ihrem letzten Berichte einige interessante Daten über die Verbreitung der Bibel, vornehmlich des Alten Testamentes. in allen Weltteilen. Im vorigen Jahre verkaufte die Bibelgesellschaft nicht weniger als dehn Millionen B ibeleremplar e in allen zenkbaren Sprachen. Das größte Absatzgebiet für die Bibel ist zur Zeit China, das allein 4.200.000 Exemplare bezog. Dieselben waren in den verschiedensten chinesischen Dialekten gehalten. Die Ziffern in Europa lauten dagegen weniger günstig. Am ungünstigsten steht es in Rußland, wo die Sowjet- Regierung die Einfuhr und die Verbreitung der Bibel verboten har. Wohl hat der Bildungs- Kommissar Lu taschars ki im Prinzip nichts gegen die Bibel, er wünschte nur eine Bearbeitung und Ausnutzung der Bibel im sozialistischen, bezw. I kommunistischen Geiste (weiter nichts. Red). Die Bibelgesellschaft, konnte aber bisher mit keinem von ihr eingereichten Manuskript die hohen Herren, die in Rußland über die Bibel zu Gerichte saßen, befriedigen. Nichtsdestoweniger war die Nachfrage in Rußland nach den eingeschmuggelten Bibeln sehr groß, obwohl der Preis enorm hoch war. Mancher Bauer verkaufte ein Pferd oder eine Kuh, um sich das heilige Buch als Besitzstand seiner Bauernhütte zu sichern. Der Vertreter der Sowjetregierung in London gab aus Anfrage zu. daß das Einfuhr-Verbot für die Bibel in Rußland, wo auch keine Bibelbücher gedruckt werden dürfen, einem vollkommenen Leseverbot gleichkomme. Der Absatz in der Türkei hat sich wesentlich vergrößert. Dort sind im Jahre 1924 hunderttausend Exemplare unter das Volk gebracht worden. "b(Ein^ jüdisch sprechendes Aauerndorf in Hakizren). In Westgälizien befindet sich das Städtchen Miel e c, in dem eine große Anzahl deutscher Kolonisten wohnen. Es sind gesunde, kräftige Bauern, die durch Fleiß und Arbeit eine musterhafte Wirtschaft aufgebaut haben. Ihre Ansiedlung erfolgte zur Zeit des Kaiser Joses IL zum Zwecke der Germanisterung der Oesterreich zugefallenen Gebiete. Sie sind aber von der polnischen Bevölkerung majoristert worden und beherrschen durchwegs die polnische Sprache so gut wie die Polen, unterscheiden sich aber von diesen zunächst durch ihren deutschen Familiennamen, aber auch darin, daß sie perfekt Jüdisch sprechen; so perfekt, daß Uneingeweihte glauben, sie haben Juden vor sich. Nicht allein die Ausdrücke, auch Aussprache, Akzent und Geste der Juden haben sie sich vollkommen angeeignet. Die Tatsache, daß Andersgläubige unter Juden deren Sprache angenommen haben, und zwar ein ganzer Bevölkerungsteil, dürfte einzig dastehen. Im Allgemeinen erlebt man überall das Gegenteil. Wochenkalender. 16.-23. Mai 1825. | 22.-29. Jjar 5685. nvso ... . . Samstag Mai 16 NN2 22 37 'n pna Sonntag 17 ’fipm 23 38 Montag 18 24 39 Dienstag 19 25 40 Mittwoch 20 26 41 Donnerstag 21 27 42 pj? ->122 Dl’ Freitag 22 28 43 '1 plD. Rausch-Chaud. samstao 23 29 44 benschen. . Maulcd Samstag vorm. 12^ RonnefeldfsTee JUL seit lOO Jahren bewährt »von Millionen getrunken.; Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuillew- S. 8chachnowitz;Jnseratei.B.:S. Schachnowitz, [ämtltä itt Frankfurt a. M.; Pädagogische Beilage: Lehrer I. Spir§ in Fulda. — Verlag „Israelit", T. m. b. H.. Frankfurt a. N. Druck: Hermon Verlags-Aktiengesellschaft, Frankfurt a. M.

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