Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1925)
- Date
- 1925-05-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 20 Seite 5 14. Mai 1925 __ Ofener Heimatvereine ihren Beitritt in Aussicht gestellt haben, wird der Verband in absehbarer Zeit etwa 4000 Witalieder zählen. I Landeskasse. n D Dresden, 8. Mai. , D Am Sonntag, den 3. Mar d. Js., fand in Dresden t. MMe Sitzung aller jüdischen Gemeinden Sachsens statt, z, >Iie Versammlung hat auf Grund eines Referates des i- I Vertreters der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge ]t l.unb Arbeitsnachweise, Herrn Dr. Kreutzberge,r, M beschlossen, eine Landeskasse für den Freistaat Mvachsen zu gründen. Die Landeskässe hat die Aufgabe, i- Mden gesamten Durchwandererverkehr Sachsens zu zen- Mtralifieren. Als Sitz der Landeskasse wurde Leipzig be- »stimmt. Die Landeskasse Leipzig wurde verpflichtet, die I Durchwanderer auf möglichst weite Strecken zu befördern,!- Mas Meldewesen gut zu organisieren und der Schaffung n Demes Arbeitsnachweises näherzutreten. Die der Landes- Dkasse angeschlossenen Gemeinden (Annaberg, Bautzen, - D Chemnitz, Dresden, Leipzig, Plauen, Zittau, Zwickau) r Dverpflichten sich, vorläufig 2 Prozent ihres Steuersolls - Dan die Landeskasse abzuführen. II i D Endgültiger Freispruch der Esongrader Mörder. D B u d a p e st, 10. Mai. k D Vom 30. April bis 2. Mai fand vor der Königlichen D Tafel zu Budapest die Berufungsverhandlung gegen die ° D Csongrader Bombenwerfer statt. Der Szelnoker Gerichts- - DHof hatte die Attentäter, die am 2. Weihnachtstag des ’ «Jahres 1923 eine Bombe in den Saal des Hotels „König 1 Dvon Ungarn" in Csongrad, wo der jüdische Frauenhilfs- ' D verein gerade einen Gesellschaftsabend abhielt, geworfen ' D haben, durch welche drei Personen getötet und 25 schwer D verwundet wurden, in erster Instanz freigesprochen. DLie Staatsanwaltschaft legte gegen den Freispruch Be- D cufung ein und die Königliche Tafel ordnete die Crgän- Dzung der Untersuchung an, welche wieder vom Szelnoker D Gerichtshof durchgeführt wurde. Die Königliche Tafel hat Dnun in ihrem am 2. Mai verkündeten Urteil das frei- D sprechende Urteil der ersten. Instanz mit der Begründung Dbestätigt, daß auch im Ergänzungsverfahren die Ein- D vernähme der Zeugen den Beweis erbracht habe, daß das D Geständnis der Angeklagten erzwungen worden sei. Humanien» Lebenslängliches Zuchthaus für Iakob Reinih. K l a u s e n b u r g, 7. Mai. Der Gerichtshof in S z a t m a r hat Jakob R e i n i tz! des Mordes an Hermann Groß schuldig befunden unü ihn zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurteilt. Bezüglich sder anderen sieben Morde in den Szatmarer Wäldern 'bleibt das Dunkel bestehen. Auch der Indizienbeweis im Falle Groß ist nicht lückenlos gelungen. Jakob Reinitz beteuerte bis zum Augenblick der Urteilsverkündung seine völlige Unschuld und nahm das Urteil mit apathischer Ruhe entgegen. Der Gerichtshof hatte auf das Höchstmaß der Strafe erkannt; das rumänische Gesetz schließt die Todesstrafe aus. Der Verteidiger meldete die Berufung an, über welche die Gerichtstasel in Großwardein Oradea Mare) zu verhandeln haben wird. Bu($a victt. Jüdische Opfer bei der Zerstörung der Kalhedrale in Sofia. Sofia, 7. Mai. Unter den Opfern der Zerstörung der Kathedrale in ^ofic, befindet sich, wie jetzt bekannt wird, auch eine Anzahl Juden, die als Gäste der Trauerfeier für die ^pfer der kommunistischen Terrorakte beiwohnten. Ges wurden: Rosa Tadjer, Albert Israel, Moise ^wy, die vierzehnjährige Rosa Deutsch und Frau Buca Primo. Alle wurden auf dem jüdischen Friedas zu Sofia mit großen Ehren bestattet. Außerdem )ählt die jüdische Gemeinde zahlreiche Verwundete. Der Gedächtnisfeier für die Toten in der Synagoge wohnte ein Vertreter des Königs sowie Mitglieder der Regierung i>ei. König Boris sprach, der jüdischen Gemeinde in einem Schreiben den Dank für ihren Glückwunsch zu leiner Errettung aus. Der I st a e 11 t geleit. Eine orthodoxe Erziehungskonferenz. W a r s ch a u, 30. April. Von Aguda-Kreisen wird in Warschau eine E r - ziehungskonferenz vorbereitet. Eine Aufforderung im Warschauer „Jud" richtet sich an alle Schulen und Erziehungsanstalten in Polen, dem Eknberufungskomitee genaue Mitteilung über Struktur, Programm, Lehrplan, Etat der betreffenden Schule zu machen. Man fetzt auf die Konferenz große Hoffnungen für die Hebung der vom jüdischen Geiste geleiteten Schulen in Polen. j Der polnische Sejm lehnt alle jüdischen Anträge zum Erziehungsbudget ab. Warschau, 3. Mai. Während der letzten Erziehungsdebatte im polnischen Sejm traten der jüdische Deputierte P r i l u tz k i. (Jüdische Volkspartei) und die Mitglieder des Jüdischen Parlamentsklubs I. Grünbaum und Rabbiner Löwin mit jüdischen Anträgen hervor. Abg. P r i l u tz k i wandte sich scharf gegen die Regierung, die nur mit den extremen orthodoxen Juden eine Verständigung sucht, weil diese in den nichtjüdischen Fächern polnisch als Unterrichtssprache wünschen. Im Namen der jüdischen Demokratie protestierte er gegen die Ignorierung des jüdischen Schulwesens und gegen die Begünstigung des klerikalen Cheder. Prilutzki begründete hierauf seine Anträge zu Gunsten der Jiddischisten-Schulen. Abg. Grünbaum sagte, es sei unerhört, daß die Regierung die jüdische Bevölkerung allein für die Erziehung der Jugend "sorgen läßt, wobei die Juden wie alle anderen Bürger Steuern zahlen. Für die drei Millionen Juden in Polen hätte die Regierung 38 Millionen Zloty zu Erziehungszwecken ausgeben müssen, in der Wirklichkeit gibt sie nicht einmal 21 Millionen aus. Die Regierung.läßt im Auslande verbreiten, daß an den Hochschulen'ein numerus clausus nicht besteht und daß die jüdischen Studenten 25 Prozent der Gesamthörerschaft ausmachen. Das trifft zum Teil auf die philosophischen und juristischen Fakultäten zu, dagegen besteht an den medizinischen und technischen Fakultäten ein strenger numerus clausus. An der Warschauer medizinischen Fakultät wurden im Jahre 1924 im ganzen 19 Juden ausgenommen, das ist noch viel weniger als zu den Zeiten des Zarismus. Der Redner beantragte die Einstellung von 2 500 000 Zloty für jüdische Schulen und 220 000 Zloty für jüdische Lehrerbildungsanstalten in das Budget. Abg. Rabbiner L e w i n verteidigte die Institution des Cheder, auf die die Orthodoxen nicht verzichten können. In Polen existieren 2000 Chedarim, in welchen mehr, als 100 000 Kinder unterrichtet werden. Für die jüdischen Lehrfächer sorgen wir selber, wir wollen aber, daß unsere Kinder die polnische Sprache und die polnische Geschichte lernen. Die Ausgaben hierfür müsse uns die Negierung erstatten. Der Redner stellte eine Reihe Anträge betreffend die Neligionslehre an den staatlichen Schulen. In der Sejm-Sitzung vom 29. April, in welcher über das Budget abgestimmt wurde, wurden sämtliche Anträge der jüdischen Abgeordneten abgelehnt. Gegen die Anträge 'timmten auch die Sozialdemokraten. Maifeier in Marschau. Wars ch a u , 3. Mai. Zum ersten Male seit mehreren Jahren verlief die Maifeier in Warschau ohne schwere antisemitische Störungen. Die polnische sozialistische Partei beging ihre Maifeier, ohne daß sich Juden an ihr beteiligten. Es ist noch in aller Erinnerung, daß am 1. Mai v. I. die jüdischen Teilnehmer an dem Demonstrationszuge von den Faszisten aus dem Zuge herausgeholt und schwer mißhandelt wurden, ohne daß die christliche Arbeiterschaft sich ihrer angenommen hätte. Diesmal veranstalteten der jüdische Sozialisten-Bund, die linken und die rechten Poale-Zion je eine eigens Maifeier. Die. Losung des „Bund" lautete: jiddische Sprache, jiddische Schulen, bürgerliche Gleichberechtigung der Juden; die Losung der linken Poale Zion lautete: jiddische Sprache, jiddische. Schulen, es lebe das arbeitende Palästina. Die Demontrationen verliefen ohne Störung. Unter den demonstrierenden Kommunisten wurden aber mehrere Juden und Christen verhaftet. Einige hundert saszistische Akademiker veranstalteten eine Gegen-Demonstration mit den Losungen: Nieder mit den Juden-Kommunisten, nieder Palästina, es leben die Araber! Als die Demonstranten versuchten, in das jüdische Viertel einzudringen, stellte sich ihnen Polizei entgegen und zerstreute sie. (I. T. A.) Kein polizeilicher Schuh für die jüdische Bevölkerung in Polen. Warschau, 7. Mai. Während der Beratung über den Etat des Innenministeriums im polnischen Sejm hielt der jüdische Deputierte Grünbaum eine groß angelegte Rede, in welcher er durch Aufzählung von Tatsachen nachwies, daß die angegriffene jüdische Bevölkerung in Polen meist bei der Polizei keinen Schutz findet, im Gegenteil, oft unternimmt die Polizei provokatorische Maßnahmen wie Haussuchungen nach kommunistischer Literatur bei Rabbinern, die geeignet sind, die christliche Bveölkerung gegen die Juden aufzuhetzen. Während der antijüdischen Exzesse in Lodz und in Grszybow am 2. Februar war Polizeifchutz überhaupt nicht zu erlangen. Pogromhetzer, wie Jasza Ehomicc, dem Unterschlagung von Parteigeldern nachgewiesen wurde, dürfen sich ungestört betätigen. Das Verbot der jiddischen Sprache in öffentlichen Versammlungen verstößt gegen die Verfassung. Die Anordnungen, daß Wochen- und Jahrmärkte an Sabbat- Tagen stattzufinden haben, ist ein Attentat gegen die wirtschaftliche Existenz der Judenschaft. Der Kamps gegen die jüdischen Kaufleute und Kleinhändler hak dem Lande keinen Nutzen gebracht, der Bauer wird durch die Ausschaltung des jüdischen Handels geschädigt. Dep. Grünbaum erklärte, die jüdischen Deputierten werden gegen den Etat stimmen. (I. T. A.) Die Palästina-Wanderbewegung in Polen. Warschau, 10. Mai. Zahlreiche Juden richteten eine Petition an das Palästina-Amt, sie in die Kategorie der bemittelten Palästina- Wanderer einzutragen und ihnen als solche Visa zu erteilen, da ihre amerikanischen Verwandten die Verpflichtung übernehmen, für sie in Palästina zu sorgen. Der englische Einwanderungskontrolleur in Warschau schlug diese Bitten ab und gab den Rat, die betreffenden amerikanischen Verwandten mögen ihrerseits beim englischen Konsul in Washington intervenieren und die verlangten Sicherungen geben, worauf die Palästina-Regierung wahrscheinlich die Ausgabe der Visa verfügen werde. & (Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesehtichen Charakters auf ihr, Zuverlässigkeit zu prüfen. *Jhif€fcmJfarfu>(f£Un. ,,3$as3&eic/)Cn.tJlesQttid<s’ machen ein Zimmer vornehm und zugleich behaglich. Sie behalten ihren Wert und sind deshalb außerdom eine gute Kapitalanlage. — preiswert und geschmackvoll ANTIKE MOEBEL