Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1925)
- Date
- 1925-05-07
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 10 die Jugendorganisation der Mühe der Einkassierung der Gelder enthoben wird, ist nicht einzusehen, da doch wohl die neue Gesamtleitung nicht mehr Einfluß aus die Gruppen haben wird als der O. V. Lassenwir daher lieber die althergebrachte Trennung bestehen und versuchen wenigstens die Jugendgruppen lebenskräftig zu erhalten, als daß wir diese durch Verbindung mit den Ortsgruppen der Assimilation an deren Unfähigkeit preisgeben. Dies selbst aus die Gefahr hin, daß die Bezeichnung „Orts" und „Jügendgruppe", wie Goldschmidt nachweist, ein Nonsens ist. Der Weg zum Erfolg des deutschen Keren Hathora. Von Lehrer und Prediger Hermann Umkower in Lauenburg (Pommern). In Nr. 9 des „Israelit" bezeichnet Rabb. Dr. Ph. Frankel in Halberstadt als Aufgabe der K. H.-Leitung, die geeigneten Wege zu suchen, wie sie die Allgemeinheit für das große Werk interessieren und erwärmen kann. tiel ist ihm in seinem Artikel die Aufbringung materieller eistungen. Und als die geeigneten Wege betrachtet er mit Recht „die Wege zu den Herzen und zu den Köpfen der deutschen Judenheit." Das ist ihm Vorbedingung für die Fortdauer des auf Grund der Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Tiv'ipn umw Damit zeigt Rabbiner Dr. Frankel, daß zur Erlangung der materiellen Mittel für die Ausgabe des Keren Hathora notwendig ist, die Verbundenheit des jüdischen Volkes mit wrrpn um zu gewährleisten. Was nützen auch die reichsten Mittel, wenn der Weg nicht zum Ziele, nicht zu den Herzen und Köpfen führt. Wie die Verbundenheit des jüdischen Volkes mit ran-nr. ncmpn zu erreichen ist, darüber mutz man sich erst einmal im klaren sein. Mit der Aufrollung dieser Frage ist es nicht getan. Es gilt, sie zu beantworten. Aber mehr und mehr gewinnt man den Eindruck, als ob man gerade in den Kreisen der Hüter unserer Religion dieser Frage bewutzt aus dem Wege geht. Zwar hält man die Pflege der Religion in Fortbildungs- und Hochschulunterricht für notwendig; aber wie man an die Kinder in der Schule Thora heranbringt, darüber geht man mit sich nicht zu Rate, obwohl jenes ohne dieses nicht denkbar ist. Man will nicht sehen, datz der Schulunterricht in Religion, wie er im allgemeinen erteilt zu werden pflegt, zur Ergebnislosigkeit von vornherein verdammt ist. Nur zu leicht ist man geneigt, seinen Scheinerfolg als ein Resultat zu buchen, da^ in Wirklichkeit keines ist. Wieviel Selbsttäuschung bei. Lehrern und Schülern enthält nicht dieser vermeintliche Unterrichtserfolg! Sehen wir sie uns doch an, die Unterrichtsprodukte von Schülern, die unsere Sorge erwecken und uns den Keren Hathora gründen hießen und fördern heißen: Gleichgültigkeit, ja Widerwillen gegen das Judentum, wenn nicht gar Verachtung, bieten sich uns als Früchte dar — Dornen und Disteln statt der Früchte vom Baume wahren Lebens, -nir •/■>? statt der Erzeugnisse vom - ~? Ist denn nun auf methodischem Gebiete nach dieser Richtung nichts geschehen? Hilft uns nichts heraus aus dieser dunklen Zelle methodischen Gesangenseins? — Dank dem Allgütigen, daß er es an der erlösenden Idee nicht hat ermangeln lassen! Ich hatte in jüngster Zeit bei einem Untersuchungsgefangenen das Seelsorgeamt zu versehen. Nachdem ich des öfteren ihn besucht hatte, und ihm durch milden Zuspruch sein Los zu erleichtern bestrebt gewesen war, kam ich am Pessachfest wieder zu ihm und konnte ihm die Botschaft überbringen, datz sein Utttersuchungsverfahren eine günstige Wendung genommen habe und mit seiner baldigen Befreiung aus der Haft zu rechnen fei. Er wollte es mir einfach nicht glauben; zu verzweifelt hatte feine Sache ausgesehen. Stünde es nicht ähnlich mit den verzweifelten Anstrengungen zur Wiederbelebung des Judentums, man hätte das Erscheinen der Lehrbücher tr-ra!» pv!- bei dem Suchen nach geeigneten Mitteln hierzu nicht übersehen können. Liegen in diesen Büchern doch Leistungen vor, wie sie oft kaum in einer Arbeit von Generationen bei hochstehender Kultur Zustandekommen! Voll banger Sorge fragt sich der Lehrer, welcher um diese Errungenschaft weiß: Wie ist es nur möglich, daß man diese Bücher ignorieren konnte? Wer es wirklich ernst mit der Neubelebung des Judentums meint, muß sich doch eingestehen, daß er mit der Ignorierung dieser Bücher der heiligen Sache den größten Schaden und der Jugend ein nie wieder gutzumachendes Unrecht zufügt. Wo sollen Männer, wie der Verfasser dieser Bücher, Dr. Daniel Fink, den Mut hernehmen, dem Judentum und seiner Erhaltung in schwierigster, selbstloser Arbeit zu dienen, wenn diejenigen, für die sie geleistet wird, keine Notiz von ihr nehmen? Möchten diese Zeilen Dazu beitragen, den Blick aller, die sich für den Erfolg des Keren Hathora verantwortlich fühlen/ auf Die Finkjchen Lehrbücher*) zu lenken. Aus ihrer praktischen Anwendung weiß ich, daß das Judentum auf dem darin oorgezeichneten Wege rasch und sicher geführt wird in die Herzen und in die Köpfe der *) Im Selbstverläge des Verfassers, Berlin-Wilmersdorf, Güntzelstrahe 44. Judenheit; ohne diesen Weg zu beschreiten, haben rwch so viel Geldopfer keinen Zweck. Im Gegenteil: Der Unterrichtserfolg wird auf diesem Wege so unzweifelhaft erreicht, daß sich besondere finanzielle Opfer erübrigen. Ortsgruppen und Jugendaruppen. Der Aufsatz unseres bewährten Vorkämpfers Gottfried Goldschmidt in Nr. 7 der Blätter wird die volle Aufmerksamkeit aller deutschen Aguda- Freunde gefunden haben, denn er hat mit vielem was er sagte, den Nagel auf den Kopf getroffen; wenn Mancher auch manchem nicht beipflichten wird. Es ist zweifellos richtig, daß die gesetzestreue Judenheit Deutschlands an einem Ueberfluß an Organisation und Organisationen leidet, und das viele Nebeneinander und Uebereinander voll Gruppen, Verbänden und Vereinigungen fördert nicht, sondern erschwert und hemmt die Intensität der nötig zu leistenden Arbeit. Dazu kommen noch die die Arbeit erschwerenden Kompetenzkonflikte und Reibungen persönlicher Art. Aus den von G. angegebenen Gründen wäre es ja sehr zu begrüßen, wenn eine Zusammenlegung der Ortsgruppen und Jugendgruppen ftattfände. Ob damit aber die Stoßkraft der vereinigten Gruppe in allen Fällen gebessert würde, wäre doch sehr die Frage. Zweck dieser Zeilen ist, darauf hinzuweisen, daß es manche Jugendgruppe gibt, die im Nahmen des ihr nach Menschenmaterral (sowohl hinsichtlich Dozenten wie der Mitglieder) Möglichen ganz annehmbare Arbeit leistet. Wie nun aber, wenn eine solche Jugendgruppe in eine Ortsgruppe eingegliedert wird, die nicht nur nichts leistet, sondern auch nach dem Willen ihres Vorstandes nichts leisten soll? Wäre es da nicht besser, man ließe der Jugendgruppe ihre Selbständigkeit und Unabhängigkeit? .Wir kennen Ortsgruppen, deren Vorstand „von Ewigkeit zu Ewigkeit", der etwa aus lokalen Gründen nicht als absetzbar gilt, der Betätigung der Jugend nicht gerade hold gesinnt ist; diese würden nun wahrscheinlich'der Jugendarbeit einfach em Wege sein. Es ist doch notorisch, daß leider die meisten Ortsgruppen absolut nichts leisten, manche sogar noch nicht einmal Beiträge erheben und abführen, da wäre es doch Pflicht, von Fall zu Fall zu entscheiden, ob durch Eingliederung der Jugendgruppen diese Verhältnisse gebessert werden können, oder ob Gefahr besteht, daß das Leben in der bisherigen Jugendgruppe durch Unterstellung unter die Ortsgruppe erstickt wird. Man würde u. E. also gut tun, die Anregung einer Vereinigung der Gruppen wohl zu geben, es aber jeder Gruppe zu überlassen, ob sie nach Lage der lokalen Verhältnisse eine Verschmelzung der Gruppen für ratsam hält, und es könnte etwa eine Kommission aus Mitgliedern der Ortsgruppe und der Jugendgruppe darüber beraten. Da jede Organisationsänderung doch nur dem Ziele der Leistungsverbesserung zu dienen hat, würde der Goldfchmidtsche Vorschlag unter den vorerwähnten Gesichtspunkten zu überprüfen, sein. Vom Leben der Afludas Jisroel in der Schweiz Zürich, 2. Mai. Die Anwesenheit des Direktors der Keren Hathora-Zentrale, Dr. Leo Deutschländer, während des Peffachfestes in der Schweiz hat neue Impulse für die Tätigkeit der Aguda in der Schweiz gegeben. Montag, den 13. April, fand in der Züricher Stadthalle ein sehr gut besuchter öffentlicher Vortragsabend der Züricher Agudagruppen.statt, an welchem Dr. L e o D e u t schlau d e r über praktische Agudaarbeit in Erez Jisroel und Rabbiner S. Brom, Luzern, über jüdische Politik sprach. Beide Vorträge haben eine ausgezeichnete Aufnahme gesunden und auch schönen materiellen Erfolg erzielt. Auch die Agudajugend nützte die Anwesenheit des Herrn Dr. Deutschländer in Zürich aus und veranstaltete eine gemeinsame Aussprache, an der etwa 80 Mit- 7. Mai 1825 glieder teilnahmen. Dr. Deutschländer' referierte über die Aufgabe der Jugend innerhalb der Aguda und rief mit seinen Ausführungen große Begeisterung bei der Jugend hervor. Auch fanden zwischen dem Geschäftsführenden Ausschuß der schweizerischen Landesorganisation sowie den Vorständen der hiesigen Orts-. und. Jugendgruppen die Anwesenheit weiterer Persönlichkeitev der hiesigen Ortsgruppen mehrere Konferenzen statt. Es wurden hierbei mehrere Resolutionen angenommen. Am letzten Pessachtage referierte Dr. Leo Deutschländer in einer Versammlung über die derzeitigen Verhältnisse in Erez Jisroel und orientierte seine zahlreichen Zuhörer über die Projekte der Aguda in Bezug auf den religiösnationalen Aufbau des heiligen Landes. In Basel tagte am 19. April unter dem Vorsitze des Präsidenten N. Sternbuch die Generalversammlung der Agudas Jisroel Ortsgruppe Basel. Nach Verlesung des Protokolls der letzten Hauptversammlung durch Herrn Emil Heymann und Erteilung der Charge erstatteten die Herren M. Schwarz und S t e r n b u ch den Jahresbericht. Gleichzeitig wurde eine Aguda Jugendgruppe gegründet.. Am 19. April fand in der Synagoge des Schomrei Schabbos Vereines vor geladenen Gästen ein Vortrag Dr. Leo Deütschlünders über Zweck und Ziel des Keren Hathora statt. Der Redner, der vermied, graue Theorien zu entwickeln, verstand es, den Stoff dadurch lebendig und eindrucksvoll zu gestalten, daß er durch eine Reihe gutgewählter plastisch anschaulicher Bilder aus dem Leben und -Treiben des Jeschiwaus im Osten, jener wahren „jüdischen Universitäten", die er aus eigener Anschauung kennt, Mne Zuhörer im Geiste an jene Thorastätten führte, in denen trotz Not und Leid, Armut und Elend, Thorageist gelehrt, gehegt und gepflegt wird. Auf diese Weise gelang es dem Redner leicht Verständnis für den Keren Hathora auch in Bafel zu wecken und er hatte die Genugtuung, daß unter dem Eindruck seiner Ausführungen die Jugendgrüppe sich für seine sofortige Aufnahme der Sammeltätigkeit bereit erklärte. Keren Hathora und Misrachi. Von Woks K. Jacobson in Kamvnrg. Die Tatsache, daß ein führender deutscher Misrachist auf dem Delegiertentag des Misrachi in Berlin die Unterstützung des Keren Hathora durch Misrachisten abzulehnen empfohlen hat in den Wiesbadener Fraktionsbefprechungen wurde noch erklärt, daß die Misrachiorganisation als solche offiziell keine Stellung zum Keren Hathora nehme und ihren Mitgliedern diesbezüglich volle Freiheit des Entschlüsse lasse — der Umstand ferner, daß der Eintritt eines bekannten Misrachisten in das Direktorium des deutschen Keren Hathora seitens der Leitung des Misrachi scharf kritisiert wurde, gibt Veranlassung zu einer kurzen Erörterung dieses Problems. Was will Keren Hathora und was will Misrachi? Misrachi erstrebt „Erez Jisroel für das jüdische Volk im Geist der Thora" aufzubauen. Dieses Ziel hofft er verwirklichen zu können, indem er, der zionistischen Organisation angeschlossen, in dieser Einfluß, entscheidenden Einfluß, zu erlangen hofft. Die zionistische Organisation erscheint ihm als Rahmen; daß das in ihn zu spannende Bild die Züge, ausschließlich die Züge des gesetzestreuen Judentums trägt, dafür wirbt, dafür kämpft er. Er will also, das ist von Niemanden, und gewiß nicht von seiner Seite, bestritten, eine Erstarkung des thoratreuen Judentums— in Palästina, aber darum gewiß nicht minder im übrigen Golus. Im anzustrebenden Ziel sind sich Misrachi und Aguda also völlig einig; geteilter Meinung sind sie nur in Bezug aus den Weg, das zu erreichen, d. h. m Bezug aus das Orgamsatwnsprinzip: Misrachi hält das Organisationsprinzip des Zionismus für das wahre und rechte Organisationsprinzip" des jüdifWn Volkes, AgUdas