Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1925)
- Date
- 1925-05-07
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 10 ©eitr 3 v; li Mai 1925 Iisroel stellt dem gegenüber ihr Organisationsprinzip, „Israels Gesamtkörper erfüllt und getragen von seiner mm als organisierender Seele." Daß es viele Misrachisten gibt, die neben dem Wunsch, durch Zugehörigkeit zur zionistischen Or- , gamsation diese mit dem - Geist der Thora zu durchdringen, die Tatsache einer selbständigen Organisierung der Thoratreuen zur Lösung aller Aufgaben, wie in barv' ps so im übrigen Golus, freudig begrüßen, und durch ihre Mitgliedschaft zu ihr faktisch fördern, ist Tatsache. Gäbe es sie nicht, so wäre der § 4 des Agudastatuts überflüssig, die um ihn s. Zt. entstandene wütende Polemik ein Unsinn gewesen. Ebenso ist aber Tatsache, daß viele Misrachisten —: und das ist wohl die größere Zahl von ihnen — sich Agudas Iisroel nicht anschließen; die Gründe hierfür sind klar. Von agudistischer Seite mag man sie bedauern, kann sie aber, wenn auch nicht gutheißen, so doch verstehen. Wenn aber Agudüs Iisroel aus all den Aufgaben, die ihr obliegen, und von denen sich viele nur in der Auseinandersetzung mit dem anders gerichteten Organisationsprinzip des Zionismus ausführen lassest, eine Verpflichtung, die allen auf dem Boden der Thora Stehenden in gleichem Maße obliegt, wenn Agudas Iisroel ein Uebriges tut und das Selbstverständliche auch noch ausdrücklich erklärt, daß die Verteilung aller vom Keren Hathora gesammelten Gelder ausschließlich unter dem Gesichtspunkt der sachlichen Notwendigkeit, niemals unter dem parteipolitischer Erwägung erfolgt, dann sollte man meinen, daß jeder gesetzestreue Jude freudig und mit aller Kraft mitarbeitet. Was geschieht statt dessen? Während ein bekannter misrachistischer deutscher Rabbiner sich an die Kpitze des Keren Hathora- Kommisfariats seines Bezirks stellt, weil er in seinem beruflichen Wirken die unparteiische, sachliche Thoräaufbauarbeit des Keren Hathora täglich beobachtet, während ein im Dienst des Misrachi bewährter Mann und Führer, der schon auf der Kattowitzer Tagung (siehe Protokoll Seite 92) sich als begeisterter Fürsprecher des Misrachi erwiesen, sich mit uns in dem Bestreben trifft, die Thora über die Partei zu stellen, lehnen die „Offiziellen" eine Förderung des Keren Hathora durch Misrachisten ab und bedauern und bekritteln den Eintritt eines Parteigenossen in das Landesdirektorium und sprechen ihm den Rang einer offiziellen Persönlichkeit ab. Warum das? Keren Hathora ist ein Fonds der Agudas Iisroel, seine Zentrale besteht aus 14 Mitgliedern der Agudas Iisroel, von denen sieben rabbinische durch den Rabbinischen Rat der Agudas Iisroel, sieben Laienmitglieder durch den Geschäftsführenden Ausschuß ernannt werden. Rach den gleichen Grundsätzen werden die Landesdirektorien gebildet. Eine Einschränkung im Sinne des oben zitierten § 4 der Agudasatzung existiert nicht! Und daß eine stillschweigende Abmachung nach dieser Richtung nicht existiert, beweist die schon mehrfach erwähnte Wahl des Herrn. Dr. F. in das deutsche Landesdirektorium. Allerdings, das soll hier ganz offen und unzweideutig ausgesprochen werden, als Misrachist hat man Herrn Dr. F. nicht gewählt: er wurde gewählt, weil sein warmes Interesse für alle thorasördernden Bestrebungen ihn dazu prädestinierte, mitzuarbeiten „an der systematischen Sammlung.und Bereitstellung aller in Betracht kommenden Mittel, die zur dauernden Verbreitung und intensiven Pflege von mm und ns-r in allen Volkskreisen ohne Unterschied erforderlich sind." Denn das ist die einzige und ausschließliche »Ausgabe des Keren Hathora (§ 1 des Statuts). In diesem Gremium mit seiner ausschließlich thorazentrischen Tätigkeit hat der Misrachist mit seiner als Misrachist einseitig palästinazentrischen Interessiertheit, mit seiner das zionistische Organifationsprinzip bekennenden politischen Einstellung als solcher keine .Stätte. Und auch der Misrachist nicht, der Kontrolleur, sein sollte, ob Keren Hathora wirklich seine Gelder unter dem hohen Gesichtswinkel. unparteiischer Notwendigkeit verteM DieseiKontMorgane braucht-Keren Hathora Der Israelit _Blätter_ nicht. Die an seiner Spitze stehenden Männer sind Persönlichkeiten, denen gegenüber der Verdacht, sie tun anders als sie sprechen und schreiben, Infamie ist: Und schließlich auch der Misrachist nicht, der als „Rattenfänger von Hameln" oder, um den seinerzeitigen ungehörigen Ausdruck ihres Würzburger Korrespondenten heute gleich zu widerlegen, als „Konzessionsschulze" die anderen Misrachisten einfangen soll. Allein und ausschließlich der orthodoxe Jude war es, der mit Herrn Dr. F. ins Landesdirektorium berufen wurde; weder weil, noch obgleich er Misrachist ist. Deshalb ist es uns auch ganz gleichgültig, ob Herr Dr. F. mit „offizieller misrachistischer Prägung" gestempelt wird oder nicht, und wenn wir oben von seiner misrachistifchen Bewährheit sprachen, so geschah das nicht, um seiner Stellung in unserem Kreise eine besondere Rote zu geben, sondern um die Antipathie bestimmter misrachistischer Kreise gegen Keren Hathora zu kennzeichnen, denen seine Zugehörigkeit zum Landesdirektorium des Keren Hathora genügt, seine Bedeutung für den Misrachi zu verkleinern. Also nochmals: Warum das? Warum die Antipathie gegen Keten Hathora, warum feine Förderung durch Misrachisten, d. t). durch gesetzestreue Juden, für die, so wie für uns, gilt: 'QV“d um mm ablehnen? Weil Keren Hathora ein Fonds, ein Organ, wenn auch ein völlig selbständig verwaltetes, der Agudas Iisroel mit ihrem oben umschriebenen Organisationsprinzip i st, deshalb sollen Misrachisten, die das Organifations- 5 Ferienaufenthalt. Me im Vorjahre haben wir auch in diesem Jahre von einer Reihe von Hotels ermäßigte Preise für diejenigen Mitglieder der A. I. I. O. eingeräumk bekommen, die kaufmännische Angestellte sind. Nähere Mitteilungen sind von den Angestelltenausschüssen oder direkt von der Stellenvermittlungszentrale der Agudas Iisroel Jugendorganisation, Frankfurt a. M., Rothschild Allee 38, erhältlich. prinzip des Zionismus zur Durchführung einer ganz bestimmten Einzelausgabe für auch oder allein richtig halten, ihn ablehnen, nicht unterstützen! - So gewiß wie der Aufbau von Erez Iisroel — der Aufbau im Geiste der Tauro — bedeutsam ist, so sicher wie die Errichtung von Gottes Heiligtum auf reinem Boden herrlich und groß ist, darüber steht die Pflicht des Thoralernens, des Thoraförderns. Sie ist größer, noch wichtiger. Und ihr, deren Erfüllung und Vertiefung Keren Hathoras einzige Aufgabe ist, ihr, der sich im Keren Hathora die größten Gedaulim, erfahrene Kaufleute und schlichte Mitarbeiter selbstlos hingeben, ihr entzieht man sich, ihre Betätigung in dem Maße, wie es bei Mitwirkung Aller möglich wäre, beschränkt man, wenn man nur einen einzigen Menschen von seiner Leistung für Keren Hathora zurückhält. Darum wollen diese Ausführungen an das Gewissen jedes Einzelnen appellieren: Mag es noch so viele Ursachen geben, die das jüdische Volk und auch seine gesetzestreuen Teile in Läger teilen, angesichts dieser bergeshohen Aufgabe, für Tauro zu sorgen, sollten alle gesetzestreuen Kreise einig sein: nr>3nn -inw Via rma 2^2 *mx V82 npibn»2i nmisnni sie sollten wie ein Mann für Keren Hathora kämpfen, wie ein Herz für Keren Hathora schlagen-und wenn auch Agudas Iisroel die organisatorische Trägerin dieser Aufgabe ist. Ans der Bewegung. Warschau. Der agudistische Abgeordnete Kirschbraun hatte mit Vizeprämier Thugut eine Unterredung, wobei er Gelegenheit nahm, dem Minister über die Organisierung des Kehillowefens in Polen und den Randgebieten vom Standpunkte der Orthodoxie Aufklärung zu geben. Warschau. Herr Rat Moses Aron Weintraub und Eliahu Scherazki haben im Aufträge der Aguda Landesorganisation für Noten die Städte Czechanow und Planst besucht und eine Kampagne zu Gunsten des Keren Hathora und des Organifationssonds eingeleitet. Anschließend daran begeben sie sick, nach Makow und Umgebung. Warschau. Die Aguda erfaßt von Tag zu Tag neue Kreise. Es wird überall mit großem Elan gearbeitet. In der Pesiachwoche wurden in Warschau allein über zwanzig Masfenoesammlungen abgehalten. Zu einer ganz besonderen Kundgebung gestaltete sich das am 13. April veranstaltete Pro-Palästina-Meeting mit den Herren Kulturat Jakob Trockenheim, I. H. Lewin und A. Z. Friedmann als Redner. Sanofi. Zur Wahl eines Raws und behufs Vornahme von Statutenänderungen wurden hier durch mehrere Wochen mühevolle Verhandlungen geführt, um im Kompromißwege eine vereinigte Liste zur Ergänzung des Kultusvorstandes der statutarisch notwendigen fünfzehn Beisitzenden auszustellen. Da seitens der Misrachisten und Zoinisten keinerlei Entgegenkommen zu erreichen war, beschloß die Orthodoxie selbständig vorzugehen und es gelang ihr, sämtliche fünfzehn Sitze 51t erobern, so daß Zionisten und Misrachisten mit ihren großen Forderungen ganz durchsielen. Wien. Wolf S. Jakobsohn, Mitglied des Landesdirektoriums des Keren Hathora in Deutschland, machte eine Propagandatourne durch Schlesien, Oesterreich und Tschechoslowakai. Er sprach in Massenversammlungen in Beuthen, Gleiwitz, Wien und Bratislawa. Die überaus stark besuchten Meetings brachten dem Redner glänzende Erfolge. Dank seiner hervorragenden organisatorischen Fähigkeiten gelang es ihm in allen drei Gebieten neue Anhänger und gesteigerte Arbeitskraft für den Keren Hathora zu gewinnen. Lublin, Das Damenkomitee der hiesigen Beis Jakob- Schule veranstaltete Montag, den 23. März, einen Blumentag in den Straßen Lublins, welcher siebzehnhundert Zloty einbrachte. Ostraow. Der Sejmdeputierte, Oberrabbiner Meier Schapira, referiete in einem von tausenden Juden besuchten Massenmeeting über die derzeitige Lage der Aguda und unter dem überwältigenden Eindrücke seiner meisterhaften mehrstündigen Rede wurden namhafte Beträge zu Gunsten der Qublinec $&elt\e\d)imol) gespendet. Bialysiock. Unter Vorsitz Dr. L. Niemeewitsch fand eine Hauptversammlung des Komitee „Esrath Iesiau- Mim", das bisher von der Aguda subventioniert worden ist, statt. Im Interesse des religiösen Erziehungswesens forderte der Genannte die Kooptierung zweier Agudisten in den Verwaltungsrat des Waisenhauses, doch würde er niedergestimmt. Hierauf erklärte Dr. Niemeewitsch, daß er der Aguda den Beschluß der Versammlung Mitteilen werde, die aus der Tatsache, daß sie aus die. Führung eines Waisenhauses, das von deren Subvention abhängig ist, keinerlei Einfluß hat, die notwendigen Konsequenzen ziehen wird. Sie wird nicht zugeben, daß die Zöglinge dieses Waisenhauses in jiddischistifchen Schulen erzogen werden. Nach dieser prinzipiellen Erklärung verließ Dr. Niemeewitsch die, Versammlung. Lemberg. Auf Initiative der Lemberger Aguda- Jugendgruppe wurde eine spezielle Aulimgruppe gegründet und Herr Schein zum Präsident gewählt. Sie hat sofort eine großzügige Propagandaaktion zur Durchführung gebracht und einen Keren Hoaulim errichtet. Herr Dr. Landau hat seinen Gutsbesitz in Rotsitz bei Huvnow zur Ausbildung der Aulim zur Verfügung gestellt und die erste Kwuzoh ist bereits dahin abgereist. Die Aulim sind zum größten Teile talmudisch gebildete junge Leute, die mit heißer Begeisterung zur Landarbeit gehen. Wien. Herr A. I. Hornstein, Leiter der Wirtschaftskommission der österreichischen Palästinazentrale der Agudas Iisroel reist in den nächsten Tagen zu mehrwöchentlichem Aufenthalt nach Erez Iisroel. Sögel Die hier seit einem Jahre bestehende Agudagrupppe arbeitet in jeder Sßeife mustergültig. Es werden an jedem Schabbos Schiurim unter Leitung des Herrn Lehrer Speier veranstaltet, die sich eines regen Besuches, besonders von seiten der Jugend, erfreuen, und die die Gewähr bieten, daß das in der Gemeinde Sögel noch nie geschwundene Interesse für das überlieferte Judentum auch den künftigen Generationen erhalten bleibt. 'Derwencfef Stgucfa-dflavfeen ßpfiüfr lieft in allen Ortsgruppen.