Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1925-05-07 · Heft 19 (7.5.1925) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 19 (7.5.1925)
Date
1925-05-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450337-2450355--72160-2529518
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seile 4 Nr. 19 Der Israelit 7. Mai 1925 kommen die Verlorenen im Lande Aschur und die Verstorbenen im Lande Mizraim, und sie werfen sich vor Gott nieder auf dem heiligen Berge in Jerusalem." Jesajas ist aber nicht nur jüdischer Prophet, sondern ein Sohn für die Völker. Darum ist ihm die Erlösung der Juden noch nicht letztes Ziel der Menschheitsgeschichte. Diese ist an ihrem Höhepunkt angelangt, wenn Zion die Hauptstadt der Menschen und Messias König der Völker geworden ist, „daß sie umschmieden ihre Schwerter zu Sicheln und ihre Lanzen zu Rabenmessern, daß kein Volk mehr die Massen erhebe gegen das andere und Kriegshandwerk nicht mehr pflege." Wie zwischen den Völkern, so soll dann auch unter den Einzelmenschen nur ein Sittengesetz gelten, Brotneid und Eifersucht keine Stätte mehr haben, das Recht des Stärkeren auch in der Natur nicht mehr gelten. Unter dem Zepter des Messias soll der Mensch nur Geschöpf und Diener Gottes sein wie er selbst. „Auf ihm wird ruhen der göttliche Geist." „Sie üben nichts Böses, sie handeln nicht schlecht auf meinem heiligen Berg, denn voll wird sein die Erde der Gotteserkenntnis, wie die Wasser füllen das Meer." Rabbiner Abraham Elia Kaplan Vst* Zur ersten Iahrzeit am 15. 3)ar. — Tage werden Wochen, Wochen Monde, Monde werden ein Jahr — seitdem er mit leichtem Schritt hinübertrat von dieser Welt in jene, H mit dem isv. das noch vor ihm lag, als man sich verzweifelt um ihn mühte, ihn zurückzuhalten suchte, seinen Weg zu gehen. Ost und West klagte um die Sonne, die noch vor Mittag untergegangen. Wie ein Alp lag es auf dem Herzen der Vielen, die ihm nahegekommen, das Unfaßbare, bis die Zeit uns begreifen lehrte und tiefe Trauer uns umfing. Heute, da die Zeit ihn so weit entrückt, erfüllt unsagbares Sehnen all die, die sein liebereiches Antlitz geschaut. Die ihn reden hörten von Thora und den Dingen der Welt, die ihn singen hörten sein reines, sein jüdisches Lied. Und die nicht so glücklich waren, diesen Juden zu kennen, werden aus seinen Schriften sein Thorakönnen ermessen, aus ihnen wie seinen Gedichten und Gesängen in Umrissen erstehen sehen den Reichtum seiner Liebe für Gott und für Volk. Don der Seele, die dort lebt, bleibt hier der, Name und der Mahner, der nun Jahr für j Jahr einkehrt, die Nacht des 15. Jjar. Mit diesem Namen, den er von seinem großen Vater ererbt, nannte ihn eine Welt von, Freunden; ihn erwarb er, Um ihn für immer zu besitzen. In diesem Namen liegt Anfang und Ende, nein, Ewigkeit unseres Volkes. Der erste Jude, der e r - kannte und der jüngste, ewige, der zur Rückkehr ruft, zur Vollendung führt. Erkennen und Erfüllen. Das war's ja, was unseren Meister über Viele erhob, die zu Großem berufen. Er wollte nicht nur bescheiden sein in den Augen anderer, nie zu groß sein, um nicht a n s i ch zu erkennen und zu erfüllen. Nur so hoffte er das zu werden, was er sein wollte, was er wurde: ein treuer Sohn seines geliebten Volkes. Das große Zwischen, zwischen Erkennen und Erfüllen, half ihm M u s s a r überwinden und diesen Weg wollte er seinen Getreuen zeigen, gerade in den letzten Wochen seines Hierseins. Dann wird unser Lehrer nur dann in uns fortwirken, wenn wir erkennen und erfüllen an uns, wenn wir lernen, jeden scheinbar berechtigten Gedanken im Sinne der Thora zu prüfen, wenn wir bestrebt sind, jedes, auch das geringste Tun für Gott und für Volk mit immer neu erworbener Kraft zu , vollführen, tpttrnn Diese Arbeit an uns ist i Arbeit am Volke, -pm nH •pa mpri H* i So lassen wir nicht von Dir, unser Meister, wir können's nicht! Wie unser Urahn werde Du uns zum Segen! Du und Dein Name!; *nana rrn in'H nrnax Hin Korrespondenzen « ßacbricfttei. Deutsche» Heids. Rabbiner-Seminar zu Berlin. Berlin, 28. April. Gestern wurde hier das 104. Semester am Rabbinerseminar eröffnet. Acht Hörer, sämtlich im Besitz des Abiturientenzeugnifses eines humanistischen Gymnasiums oder einer Oberrealschule, - sind neu eingetreten. Die Eröffnungsvorlesung hielt Herr Dozent Dr. S. G r ü n - b e r g. Er sprach über die „Namensbezeichnungen für das jüdische Volk" und berichtete in höchst interessanten Ausführungen auf Grund von grammatisch-exegetischen Belegen und geschichtlichen Nachweisen über die Bedeutung der Namen „Hebräer". „Israeliten" und „Juden" nach ihrer theologischen, kulturhistorischen und politischen Entwicklung. Heute morgen begannen die talmudischen Vorlesungen mit einem großzügigen und weit angelegten halachischen Vortrag des Dozenten Rabb. Dr. Weinberg über eine Reihe von grundlegenden Begriffen über das Wesen des Aktes der Uebergabe eines Scheidebriefes als Einleitung für den Traktat Gittin, der in diesem Semester in beiden Talmudabteilungen behandelt werden soll. Das Mordattentat im Wahllokal. Berlin, 30. April. Ueber ein antisemitisches Mordattentat im Wahllokal Potsdamerstraße 54 teilt der Rechtsbeistand des schwerverletzt im Elisabethenkrankenhaus liegenden Ehepaares Wachtel mit: Die sechs Schüsse, die der Pensionsinhaber Oskar Laube abgegeben hat, verletzten Herrn James Wachtel und feine Ehefrau lebensgefährlich. Der Revolverheld Laube, der bekanntlich einst Sekretär des Radauantisemiten Grafen Pückler war, gab bei seiner Verhaftung an, er habe die Tat aus politischen Motiven begangen. Er sei ein bekannter antisemitischer Schriftsteller und habe an dem Ehepaar Wachtel ein Exempel statuieren wollen. Der Rechtsvertreter ist aber der Ansicht, daß die Tat ein persönlicher Racheakt Laubes gegen das Ehepaar sei. Laube war von i seinem Hauswirt auf Räumung seiner zu einem heimlichen Absteigequartier benutzten Wohnung verklagt Aguda-Jugend in Polen) ihren Weg. Die letzte Nummer bringt eine reiche Fülle von belehrendem, orientierendem und unterhaltendem Material, alles auf Hebung der Geistigkeit und der Jüdifchkeit berechnet. A. S. Friedm a n n referiert über die Lage, in erster Reihe über die Leistungen der Aguda und die Erfolge der Palästinazentralen. Gute feulletonistische Beiträge, schöne Lyrik usw. zeigen, daß die Kunst, dem jüdischen Gedanken den schönsten hebräischen Ausdruck zu verleihen, nicht Domäne der Gegenpartei ist und auch nicht sein soll. Einfach und schlicht, aus der Unkompliziertheit des erst langsam zum Wiedererwachen gelangenden jüdischreligiösen Lebens in Deutschland herausgewachsen, sind die „Jüdischen Jugendblätter" (Herausgegeben von Esra) von denen uns Heft 3 als Peffachnummer vorlkegt. Ein Gedicht C h a r i s i s zu Ehren des Frühlings in guter deutscher Uebersetzung schmückt das Heft zu Anfang. Es folgt eine Betrachtung über das Pesfachfest und darauf eine solche über das jüdische Areiwußgefühl. Die jugendlichen Leser erfahren dann auch einiges über den jüdischen Kalender, und eine Art Aufräumungsecke unter dem Titel „Scheor Jerokous" enthält diverse religiöse Hinweise. Ein Gedicht Jehuda. Halevis, hebräisch und deutsch, exegetische Bemerkungen zu Stellen der Schrift, ein paar talmudische Parabeln, bilden den Abschluß des literarischen Teiles, dem noch Mitteilungen über die ungarischen Jesckiwaus folgen. Im Ganzen ist das Heft wie die vorhergehenden eine schöne Leistung und ein wahrer Lichtstrahl aus dem Westen, wo fast zwei Generationen das jüdische Leben, zumal in den suchenden und vorwärtsstrebenden Kreisen der Jugend, düstere Oede zeigte. ♦dw inan Die Frage des Herrn Dr. Kanter, die der „Israelit" in seiner letzten Nummer brachte, ist, wie ich glaube, schon gelöst: ich darf die Erklärungen der oetr. Stelle hier vortragen. Natürlich sind die Worte fixnp vnx zu man cpd’ zu zählen; aber nmp hat nicht den Sinn „du hast ihn bezeichnet' oder „genannt". sondern, wie schon Baer in seinem Siddur bemerkt, „bestimmt", ähnlich wie Ies. 61,2, also Gott hat den 712V zum herrlichsten der Tage bestimmt (oder ernannt, erwählt). Diese Deutung vervollständigt der nor> py, ein Kommentar im mHnn nxix nno- Er erinnert, daß der Targum Ieruschalmi Va'n im l. B. M. 2,2 mit übersetzt; dos will also sagen: die Sehnsucht der Tage ist der mty; denn das H'i hat dieselbe Bedeutung wie nnH in Ps. 84,3, wo es Raschi mit rmiXfll widergibt und aus II. Sam. 13,39 verweist. So aufgesatzt. wird der besondere Segen des mtp betont, nach dem man bereits während aller Tage der Woche Verlangen hat, um des Segens teilhaftig zu werden, den dieser Tag, nach 1. B. 2,3 gerade erhalten hat. Schon der v'-nivn Ha zu 1. B. M. 2,2 bringt unsere Gebetstelle. Danach könnte man sogar wörtlich übersetzen: du hast ihn die Sehnsucht der Tage genannt; mehr Wahrscheinlichkeit hat steilich die erste Deutung; denn es dürste sich kaum beweisen lassen, daß der Targum I. Einfluß aus die Formulierung unserer Gebete hatte. Rabh. Dr. H. Posner, Kiel. . * « v _ . j, ‘ ■ (Auf diese Stelle im Ha wies, wie uns Herr Dr. Simon Bamberg er, Köln mitteilt, auch NXl.n Professor Dr. Hoffmann Hst hin. Eine große Reihe von Zuschriften ging uns noch zu dieser Frage zu, die, sofern sie Neues enthalten, zur Veröffentlichung gelangen. D. Red.) Wochenkalender. 9.-16. Mai 1988. / 18.-22. Jjar 6683. NN'SV Samstag, Mai 9 *11)38 15 1"8 30 'T p*lÖ Sonntag 10 16 31 Montag 11 17 32 vienstag 12 18 33 nmsra r'h Mittwoch 13 19 34 Donnerstag 14 20 35 Zrettag 15 21 36 Samstag 16 22 37 'fl pID Familiennachrichten. Barmizwo: Leo, Sohn des Herrn Adolf Heß» Frankfurt a. M., Langestraße 37. Synagoge Börnsplatz. Samstag, 9, Mai. niax vs* Berantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleto» S. Schachnowitz;Znseraret.B.:S. Schachnowitz, sämtlich in ^cankfuri <^M.; PädagoAische BetlaAe: Lehrer I. Spiro Druck: Hermon 90

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.