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Der Israelit · 1925-04-30 · Heft 18 (30.4.1925) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 18 (30.4.1925)
Date
1925-04-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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3Q. April 1925__ den greisen Thoräfürsten zu sehen und zu sprechen. Rabbi CH. I- Sonnenfeld, der seit seiner Jugend, selbst trotz der großen Kriegsgefahren, Erez Jisroel nicht verlassen hat. ist unablässig bemüht, jedem Fremden ein Stück von seiner großen Liebe zum heiligen Lande in die Seele zu pflanzen und er verabschiedet, jeden Gast mit den Worten: Uree betuw jeruscholajim kaul jeme chajecho! („Sieh nur Gutes in Jerusalem alle Tage Deines Lebens!") Am ersten Tag Pessach begegnete Sir Herbert Samuel dem Oberrabbiner Sonnenfeld auf der Straße, eilte auf ihn zu, um ihm den Festtagsgruß zu entbieten. Er verweilte etwa eine Viertelstunde in angeregtem Gespräche mit ihm. Dieses Ereignis verursachte so große Menschenansammlungen, daß die Polizei zur Aufrechterhaltung der Ordnung Kordons ziehen mußte. Eine bedeutsame Erklärung des britischen Kolonialministers an den »Waad leumi". Jerusalem, 27. April. Die Palästina Regierung veröffentlicht soeben den offiziellen Text der Erklärungen, die der Kolonieminister, Mr. L. S. Amery, beim Empfang der Abordnung der vereinigten arabischen Parteien und der Abordnung des Nationalrats der palästinensischen Juden iWaad leumi) abgegeben hat. Der Text hat mehr als tausend Zeilen Umfang. In seiner Erwiderung auf die Beschwerden der arabischen Abordnung gegen die zionistische Politik in Palästina sägte Mr. Amery, die Regierung habe nichts für die jüdische Siedlungstätigkeit beigesteuert, dagegen aber hat sie die Siedlungstätigkeit der Araber sehr unterstützt. Die Regierung hat den Arabern große Staatsländereien in Baisam übergeben und für sie dort mehr als 600 Kilometer Landstraßen gebaut. Diese Kommunikationen kommen zum weitaus größten Teile den Arabern zu nutze. Die Juden haben ihr Ansiedlungswerk stets aus eigenen Kräften entwickelt. Ich habe nicht allein in den jüdischen Kolonien, sondern auch in allen Teilen des Landes beobachtet, daß die allgemeine Wohlfahrt gestiegen und im weiteren Steigen begriffen ist. Nicht allein die Zahl der jüdischen, sondern auch die Zahl der Gesamtbevölkerung ist gestiegen. Gegenwärtig leben in, Palästina 800 000 Araber und 108 000 Juden. Das Wachsen des Wohlstandes der Araber ist zu einem erheblichen Teil dem Kapital und der Arbeit der ins Land gekommenenen Juden zuzuschreiben. Alle britischen Kolonien wünschen, daß mehr Kapital und mehr Arbeitskräfte ins Land kommen. Warum soll es hier anders fein? Die Juden bringen Euch Kapital und Arbeitskräfte ins Land, zwei sehr geschätzte Dinge. Eure Zukunft, schloß Mr. Amery, wird nicht dadurch gesichert, daß Ihr euch müßigen Befürchtungen hingebt, sondern darauf, daß Ihr die Kräfte Eures Volkes im Sinne von dessen Erziehung und Fortschritt entwickelt. In seiner Erwiderung auf die Darlegungen der Mitglieder des zionistischen Nationalrates führte Mr. Amery aus, die Juden sollten sich vergegenwärtigen, daß die Araber immer das zahlreichere Element in der Bevölkerung Palästinas sein werden. Das jüdische Nationalheim muß neben einem arabischen Nationalheim bestehen und mit diesem Zusammenleben. Beide müßten sich zu einer gemeinsamen palästinensischen Nationalität und Patriotismus verstehen. Mit Bezug auf die Forderung der Abordnung, die palästinensische jüdische Gemeindeordnung schnell zu ratifizieren. sagte Mr. Amery, er inüsse die Forderungen der Agudas Jisroel prüfen. Die Regierung ist ihrerseits nicht in der Lage, eine Uebereinstimmung unter allen Schichten der jüdisch n Bevölkerung zu erzwingen, sie will aber alles tun, um eine solche Uebereinstimmung zu fördern. Eine Kundgebung für Herbert Samuel in einer Jerusalemer Synagoge. - Jerusalem, 17. April. Während des Feiertagsgottesdienstes kam es in Jerusalem in der Synagoge Churba schel Rabbi Jehuda Haschassid zu großen Kundgebungen für Herbert Samuel. Als dieser aus der Haphtorah den Satz oorlas: .Al kiffo lo jeschew sor" (auf seinen Thron soll sich kein Fremder setzen), standen alle Anwesenden mit Oberrabbiner Kuk und Chiefrabbi Hertz an der Spitze auf und wiederholten laut diesen Satz. Oberrabbiner Kuk wies auch in seiner Predigt auf die große Wichtigkeit hin, Samuel zu bewegen, als High Commissioner in Palästina Der' Israelit zu verbleiben. Beim Frühstück nach dem Gottesdienste dankte Herbert Samuel für die Kundgebung und stellte in Aussicht, daß er auf jeden Fall, also eventuell auch Nicht als High Commissioner, in Palästina bleiben und für das nationale Heim arbeiten werde. Seine Erklärung löste große Begeisterung aus. Personalien. Leopold Roller München, 20. April. Am Montag, 5. April, verstarb der erste Kantor und Religionslehrer der orthodoxen Gemeinde, Ohel Jaakauw Leopold Rotier, plötzlich infolge eines Schlaganfalls im Alter von erst 56 Jahren, nachdem er mehr als ein Vierteljahrhundert zum Segen der Gemeinde gewirkt hatte. Er war als Kantor wie als Lehrer und aan -r-aVn gleich hochgeschätzt und ist die Gemeinde in tiefste Trauer versetzt. Von einem Freunde des Verstorbenen geht uns folgende Würdigung zu: „Und Er sprach: Ich lasse oorüberziehen all Meine Güte an Deinem Angesicht und Ich rufe an im Namen des Ewigen vor Dir und Ich begnadige, wen Ich begnadige, und Ich erbarme Mich, über wen Ich Mich erbarme." Wenn am 'tu ^3-Abend der unvergleichliche tos n^v selbst im Innersten erschüttert, und die Gemeinde aufs Tiefste erschütternd, diese Offenbarung rezitierte, dann dachte der Verklärte wohl nicht daran, daß die Gemeinde, dankerfüllt, diese Waltungsweise des Allgütigen auch auf ihren mit dem sie begnadet war, bezog. Denn nicht nur die eigene Gemeinde führte der geliebte Lehrer an den a’x-iu nw in Reue und Umkehr zurück, sondern in den schweren hinter uns liegenden Jahren, da Esaus grimmige Hände mit furchtbarem Drohen an die Pforten des Münchener Jacobzeltes pochten, da ergriff er in herrlicher Weife das Handwerk unserer Väter. Und wer auch nur einmal am 'tu So- Abend die rrrpy von ihm hörte, wie sich da bei den Worten av'-rmv ,,nv» nun a^na anua t> nmam ron ,NV'!>S TOV 117 p« 1733 der Schmerz von Jahrtausenden zusammenkrampfte und mit der klaren Erkenntnis vereinte von der furchtbaren Gefahr, die „in jener Nacht" durch ein Wunder im plötzlichen Zusammenbruch des Putfches abgewandt wurde, der erlebte in voller Realität, daß noch heute, wenn 'n Vn an»i» ipss aSo alle flehen und ihr Gebet gelangt ZUM Ewigen, jnp’i nson ns i?> rrinpa ’.ti der König Israels die bereits gefertigte Urteilsschrift noch zerreißt. Und wie der so war auch der Lehrer geschmückt durch die glückliche Vereinigung von scharfem Verstand mit tiefem Gefühl. Am meisten lag ihm beim Unterricht wohl an seinem treuen Herzen, daß die jüngsten seiner Schüler zunächst die anaav nun in aller Gründlichkeit lebendig und genau kennen lernten. Durch das anspornende Fragen nach Thorastellen wurde stets das Interesse gesteigert. Doch verstand er es, seine Schüler ebenso zu gewinnen für die Schwierigkeiten einer Talmudstelle, wie für die ewigen Wahrheiten und dichterischen Schönheiten des run- Nun ist der Lehrer viel zu früh geschieden. Aber in diesen Nissantagen, jetzt, wo gerade die ärgsten Stürme der Kriegs- und Nachkriegszeit oorübergebraust sind, da sich die ersten Blüten neuen friedlichen Lebens zeigen, da wollen wir nicht klagen, daß 'n ihm zugerufen: ■jV '2k>i ms' ’msn ■>mp, Mache Dich auf, Mein Trauter, Mein Schöner und gehe hinweg. Das wäre nicht nach seinem Sinn. Unsere Weisen fragen, wieso nwn noch nach dem Tod noch rn -737 genannt werde. Und sie geben zur Antwort, daß unser Lehrer Moses noch in der Welt der Wahrheit den Dienst des Ewigen verrichtet. Denn, wie a'2^» bemerkt, beim Einzelindividium hört die religiöse und sittliche Weiterentwicklung mit dem Tode auf, aber bei einem Manne, dessen Wirken nicht auf die Vollendung des eigenen Charakters beschränkt, sondern auch auf die Erziehung kommender Geschlechter gerichtet war, wirkt der Dienst in den Schülern weiter. Und so wollen wir, seine Schüler und Schülerinnen, fürs Erste uns vornehmen, bis zum ersten Jahrzeitstage ein "ma aus -pn oder eine anao» aus o"v> in kleinen Tagesrationen, aber recht gründlich, zu lernen. Nicht mit Worten des Schmerzes wollen wir von Dir, geliebter, edler Lehrer Abschied nehmen, sondern mit Worten vom Tag des Höhepunktes fynagogaler Heiterkeit, die Du uns jetzt aus himmlischen Höhen zuzurufen scheinst: um np» na 'n ’s Py nw 56 na nva- Und jetzt trauert nicht tatenlos um mid), sondern: nrnn nnat?a iVui w'v Freut Euch und jubelt mit der 'nmnV 1133 um Freude an der mm» in die ich Euch eingeführt und gebet im Lernen und Leben Ehre der mm! C. F. Schweinfurt, 19. April. Vor kurzem wurde uns Frau Jette Kurzmann im Alter von 75 Jahren entrissen. Aus alt-jüdischer Familie stammend, mit den Tugenden tiefinnerster Zufriedenheit und wahrer Herzensfrömmigkeit ausgestattet, war sie in ihrem reichen Leben eine Heldin der Arbeit, kannte sie nichts als Pflichterfüllung im Dienste ihrer Familie und der Gesamtheit. Ihr echtes Gottvertrauen, das ihr in manch sorgenvollen Stunden Halt und Festigkeit gab, erfüllte ihr ganzes __Nr. 18 Seite 7 Wesen mit einer Heiterkeit, die die reine üuelle einer herZlich-innigeN Wohltätigkeit und einer echt-jüdischen Gastfreundschaft war. So erntete sie auch Achtung und Ehrerbietung im weiten Kreise ihrer Lebenstätigkeit: Anhänglichkeit und wohlverdiente Liebe im Kreise ihrer Kinder und Enkel verschönten ihren Lebensabend. Am Grabe gab Herr Distr.-Rabb. Dr. Stein den schmerzlichen Empfindungen ob des Verlustes einer solch tugendhaften, frommen Frau Ausdruck, die die ganze Gemeinde erfüllen. Wie ihre Lebensarbeit eine gesegnete gewesen, so wird auch ihr Andenken ein gesegnetes sein und das fei ein Trost für den allein zurückgebliebenen Gatten, für die Kinder und Enkel. massn Schlüchtern, 17. April. Von einem schweren Schicksalsschlage wurde die hier allgemein geachtete und geehrte Familie des Herrn Bäcker Karl Rothschild betroffen. Im Blütenalter von 24 Jahren wurde ihr ein lieber, hoffnungsvoller Sohn und Bruder, die Stütze des Geschäftes, infolge eines heimtückischen Leidens entrissen. Nach einem mit großer Geduld ertragenem schwerem Krankenlager hauchte dieser gutmütige, brave Jüngling am 1. Tagea-mn - seine Seele aus. Wie beliebt und geachtet der Verstorbene war, zeigte die überaus große Beteiligung an der Beerdigung. Der Turnverein sowie die freiwillige Feuerwehr gaben ihrem treuen Mitgliede das letzte Geleite und ehrten ihn mit Worten treuen Gedenkens. Herr Lehrer Berlinger gedachte in tiefempfundenen Worten des großen Schmerzes der Hinterbliebenen, sowie der Beliebtheit, Geradheit und Gutmütigkeit des Verblichenen, seiner vorbildlichen Liebe und Achtung gegen Eltern und Geschwister. Allgemeine Teilnahme wendet sich der schwergeprüften Familie zu. masan Breslau, 19. April. In der Nacht zum 12. d. Mts. ist Rentier Eduard Sachs in fast vollendetem 91. Lebensjahre verstorben. Mit ihm ist eine allseitig bekannte und hochgeachtete Persönlichkeit, die ein arbeits- und erfolgreiches Leben hinter sich hatte, dahin geschieden. Geboren 1834 in Lissa, Provinz Posen, kam Eduard Sachs schon als 4jähriger Knabe nach Breslau und hier wirkte und schaffte er unermüdlich bis zu feinem Tode, so daß. man wohl Breslau als feine Vaterstadt bezeichnen kann. Seit 1877 der Repräsentantenversammlung, seit 1891 dem Vorstande der hiesigen Synagogengemeinde angehörend, darunter die letzten 13 Jahre als Vorsitzender, hat der Dahingeschiedene vermöge seiner hervorragenden Geisteskräfte und seiner Energie im Interesse der hiesigen jüdischen Gemeinde Außerordentliches geleistet. Den Bau des großen Gemeindehause, Wallstraße 5-7, die Anlage des neuen Friedhofes Cosel, sowie die Erweiterung des Friedhofes Lohestraße hat er in erfolgreicher Weise zur Durchführung gebracht. Durch Krankheit und Altersbeschwerden genötigt, schied er erst vor einigen Monaten aus dem Gemeindevorstande aus und wurde durch gemeinsamen Beschluß des Vorstandes und der Repräsentantenversammlung zum Gemeindeältesten mit dem Recht, auch weiterhin an allen Beratungen des Vorstandes teilzunehmen, ernannt. Seine Haupttätigkeit hat der Dahingeschiedene aber stets auf dem Gebiete der Wohltätigkeitspflege gefunden. Seit 1879, also seit 46 Jahren, dem Vorstände der Israelitischen Krankenverpflegungsanstalt. angehörend, hat er seit 30 Jahren die Verwaltung dieser humanitären Gesellschaft als ihr Vorsitzender in erfolgreichster Weise geleitet. Seiner rastlosen Schaffenskraft und seiner überragenden Persönlichkeit gelang es, mit Hilfe edler Menschenfreunde durch den Bau des Israelitischen Krankenhauses an der Hohenzollerstraße, der Israelitischen Altersoersorgungsanstalt an der Kirschalle und Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesehlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. „2>as3£klcf)Cfides QUlcKs“ rj^'e fände, Wer diesen Sommer bei verhältnismäßig geringen Kosten und guter, streng rtueller Verpflegung seine Gesundheit aufrichten will, gehe nach Bad Mergentheim und nehme Aufenthalt im Hotel Fechenbach (Frau Miltenberg).

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