Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1925)
- Date
- 1925-04-23
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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23. April 1925 Nr. 9 Seite 3 Eia Schreiben des „Chosez Chajim" zur Universitätseröffnung. Wilna, 15. April. Der Chofez Chajim veröffentlicht folgende Kundgebung: „Es ist von ewigher bekannt, daß Jerusalem, die heilige Stadt ist, die Gott auserwählt hat, um seine Schechina dort erstrahlen zu lassen. So war die Stadt stets angefüllt von Thora und Gottesdienst und in ihr erhob sich der Heilige Tempel zu Ehren Gottes, wie es allen Bewohnern der Welt bekannt ist und klar niedergeschrieben ist in den Propheten und Heiligen Schriften. Aus dem Heiligen Tempel wurde der Glaube an Gott und seine Thora der Welt verkündet, und ganz Israel harrt der Zeit, da der dritte Tempel erbaut wird, wie Er uns durch den Mund seiner Propheten verheißen hat. Heute aber gibt es Leute, die ohne Wissen und Vernunft die von ihnen errichtete Universität in Jerusalem als „dritten Tempel" und „Zentrum der Lehre" bezeichnen und diesen Gedanken in der Mitte der jüdischen Gesamtheit verbreiten. Cs ist dieses eine Entweihung unseres Heiligen Hauses und unserer heiligen Thora, wie sie die Welt noch nicht erlebt hat. Wehe den Ohren, die solches vernehmen! Ich sehe mich verpflichtet, es vor der jüdischen Gemeinschaft auszüsprechen, daß alle, die derartiges verbreiten und ihm zustimmen, willens sind, die ganze Thora mitsamt ihren Geboten aufzuheben und daß esverboteni st, i n i h r e n Wegen zu wandeln. Alle Gläubigen, die an der Gotteslehre festhalten, sind verpflichtet, ihre warnende Stimme gegen eine solche Entweihung des Heiligtums zu erheben. Israel Meier Hakohen, Verfasser von Chofez Chajim und Mischna Verura. N. S. Ich weiß wohl, daß sich Männer jener Kreise finden, die meiner Worte spotten werden, und daß ich keine Ehrungen damit ernten werde. Allein, .sagten es doch schon unsere Weisen: Hell dem, der seine Ehre für die Ehre Gottes preis Gegen die Universität. Jerusalem, 18. April. Am Tage der Universitätseinweihung wurde ein Aufruf vom Besdin des Oberrabbiner Sonnenfeld in den Lehr- und Bethäusern verteilt, der u. a. folgende Stellen enthält: „Alle Herzen sind erschüttert ob des geistigen Niederganges, in dem das heilige Land begriffen ist und der in den Vorgängen der letzten Tage seinen traurigen Ausdruck findet. Das Herz krampst sich zusammen bei dem Gedanken, daß nach der Goluswanderung von Jahrtausenden, nachdem unseres Volkes Helden in allen Perioden tausendfachen Tod für die Thora auf sich genommen haben und zusammen mit den heiligen Rollen ins Feuer gegangen sind, um von Gott und seinem Heiligtum nicht zu lassen; daß nach dieser opferschweren Zeit jetzt, kaum daß ein Lichtschimmer mit dem freundlichen Verhalten der englischen Weltmacht ins Land dringt, der dazu dienen sollte, unser Leben in Ruhe in in Frieden mit uns und unserem Gotte zu sichern, dieser benutzt wird, um dem Abfall und der Gottesleugnung Stätten und Denkmäler zu errichten. Eine Gruppe freigesinnter Juden, die sich anmaßen, im Namen Erez Jisroels zu sprechen und Jerusalem als Fahne zu schwingen, breiten, statt Thora und Glauben in der Stadt der Thora und des Heiligtums zu fördern, das Netz der Gottesleugnung und der Unsitte aus, in dessen Maschen sich Tausende der jungen Seelen verfangen, mit Schulen, die darauf abzielen, die Göttlichkeit der Thora zu negieren und das jüdische Volk den anderen Völkern gleichzustellen. Diese Schulen stehen viel tiefer als die freigesinnten Schulen der vergangenen Epoche, die die Geonim und Führer des früheren Jahrhunderts bis ans Ende der Zeiten mit dem Banne belegt haben. Nun soll dieses Treiben seine Krönung finden mit der Errichtung einer Universität. Es genügt der Hinweis auf die Initiatoren und die Väter der Idee, um die Gefahren zu erkennen, die aus dieser Hochschule für das Heilige Land drohen. Es zittert unser Herz um die reinen Seelen, die diesem Hause verfallen sollen und wir beben im Bewußtsein, daß solche Arbeit die wahre Erlösung hinausschieben und den Aufbau des Landes und des Heiligtums, nach dem unsere Augen gerichtet sind, stören. Erlebt doch jedes Zeitalter, in dem das Heiligtum nicht aufgebaut wird, die Zerstörung desselben von neuem. Die Vorgänge hätten es gerechtfertigt, daß zum Zeichen der Trauer und des Protestes ein allgemeiner F a ft t a g angesetzt werde ohne Rücksicht auf den Nissanmonat, was sich aber aus dem Grunde nicht empfiehlt, weil die Frommen erst wegen des Regenmangels vielfach gefastet haben. Es schließt aber dieses nicht aus, daß sich einzelne Fromme finden werden, die am Tage der Eröffnung für ihre Person mit Trauern und Fasten auf den Vorgang reagieren. Auf alle Fälle werden alle, deren Seele noch im Glauben an Gott und seine Thora wurzelt, an den drei Eröffnungstagen sich Trauer auferlegen über die Zerstörung des Tempels, dessen Wieder- Hanauer Landstraße 17 sucht für einige junge Leute folgende Stellen: Volontärsteile i.d.Lederbranclie (3jähr. Handelsschulbesuch) Volontärsteile i.d.Metallbranche Volontärstelle i.d.TextilbranGhe (Beherrschung der engl., ital. u. arab. Sprache) Korrespondentenstelle in der Metallbranche (Beherrschung der franz., englu. span. Sprache) Bäckerlehrstefle Packer oder Auslaoferstelle Wit bitten um gell. Meldung von Vakanzen errichtung durch solche Vorgänge wieder hinausgeschoben wird und die für „Tikun Chazos" vorgeschriebenen Psalmen beten, auf daß sich Gott erbarme, fremden Kult aus unserer Mitte entferne, seine Gesalbten schickt und das Haus unseres Heiligtums errichte auf der Berge höchstem, und wir für würdig befunden werden, Gottes: opfer darzubringen und Israel geruhsam wohne auf seinem Boden. Amen.-" Der Aufruf trägt die Namen der drei Dajanim der Aschkenasingemende: Mordechai Löb Rubin, Jizchok Frenkel, Doo Zwi Krellstein. Ein kurzes Nachwort des Oberrabbiners, Rabbi Chaim Sonnenfeld, der den Aufruf selbst nicht unterzeichnet, empfiehlt die aus tiefstem jüdischen Herzen kommenden Worte zur Beachtung. Die Tagung der holländischen Ägudas Jisroel. (Schluß.) Danach wurde die Delegiertentagung geschlossen und Rabb. Sarlouis eröffnete um halb 9 Uhr die offizielle Abendoersammlung, zu der auch Gäste zugelassen waren. Inzwischen hatte sich das Versammlungslokal fast bis zum letzten Platz gefüllt. Der Vorsitzende erteilte Herrn Oberrabbiner Hirsch, Zwolle, zu seinem Referat über Arbeit und Aufgaben der A g u d o h das Wort. Wir möchten hier vorwegnehmen, daß dieses Referat in seinen klaren, inhaltsvollen Ausführungen, "bie von dem Redner in prägnanter Weise vorgetragen wurden, besonders im zweiten Teile eine fesselnde, begeisternde Wirkung auf die Zuhörenden ausübte, so daß dasselbe bei den Besuchern der Tagung den größten Eindruck als Höhepunkt der Tagung hinterließ. Das Referat, das eigentlich verdiente, in vollständigem Wortlaut veröffentlicht zu werden, leitete Redner mit den Worrtcn Jesajas: *]p>m *]i*p2p die der Midrasj auf Parsjas ats>r) zitiert, ein. Redner schilderte daran anknüpfend die seelischen und körperlichen Leiden, in denen die Orthodoxie in Ost und West sich in den Vorkriegsjahren befand und die bei der Tagung in Kattowitz zum Plan der Gründung der orthodoxen Weltorganisation der A. I. führten. Man war sich damals eben darüber klar geworden, daß es in Zeiten der Rot nicht damit genug ist. daß nur der Einzelne auf seinem Posten seine Pflicht tut, sondern daß dann ein Zusammenschluß unter Hmtanstellung persönlicher Bedenken zu gunsten des Kela! Jisroel nottut. Von diesem Gedanken waren die Führer getragen, als sie zur Errichtung vom A. I. schritten. Als hauptsächliches Programm hatte sich A. I. die Aufrechterhaltung und Förderung des Thorastudiums gesetzt, und wo die Thora in Not gerät, da greift A. I. der Arewuspflicht gemäß helfend ein. So stützt sie die Ieschiwos im Osten und lenkt vor allem ihr Augenmerk auf die Erziehung der Jugend zu Thorajuden, d. h. zu Menschen, die sowohl durch Lernen als auch im praktischen Leben die Thora verwirklichen. Für den Westen, insbesondere für Holland, betonte Redner besonders die Notwendigkeit, daß sich die Jugend viel intensiver wie bisher mit dem Studium der Lehre befasse und verwies hierbei auf die seit dem Kriege in Deutschland gemachten Anfänge und bereits erzielten Erfolge. Es sei auch in Holland zur Forderung zu erheben, daß jeder Schüler nach Beendigung der Schulzeit, einerlei in welcher Schule, sei es H. V. S. oder Gymnasium und einerlei, welchen Beruf er zu ergreifen gedenkt, mindestens 1 Jahr sich ganz dem Thorastudium widmet. Weiter eingehend auf die bisher geleistete Arbeit der A. I. wies Redner auf die von der A. I. bei den Staaten unternommenen politischen Aktionen, wie z. B. die Aktion für den Schabbos bei der drohenden Kalenderreform in Genf sowie die Kolonisationsarbeit in Erez Ji'wel die zur Zeit durch die Auswanderung in den Vordergrund gerückt ist. sowie auf die Allion, die bei der englischen Negierung wegen Berücksichtigung der Wünsche der orthodoren Juden bei Abfassung des Gemeindegesetzes in Palästina, unternommen ist. Ferner verwies Redner noch auf die A.beit, die A. I. leistet durch die Unterstützung und Errichtung orthodoxer Knaben- und Mädchenschulen in Erez Jisroel sowie auf dis Errichtung und Unterhaltung der Kriegswaisenhäuser im Osten. Mit den Worten der Thora: »sun fiDon die der Midrasj mna mn:> wj interpretiert, schloß Oberrabbiner Hirsch seine flammende, zur Begeisterung aufrufende Rede unter Applaus der Versammlung, die dem Redner mit einem begeisterten Lechaiemrufe für seine eindrucksvollen Worte dankte. 9673