Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1925)
- Date
- 1925-04-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450337-2450353--72122-2529478- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 Nr. 17 D? r Israelit 23. April 1925 festes sagt, „die Liebe, bevor sie will." Noch ist die Abtrünnigkeit nicht in allen Volksschichten überwunden. Noch winden sich Wissenschaft und Jezer Hora immer wieder aus den Fesseln der siegreichen Abwehrkämpfer, um uns gefährlich zu werden. Noch kann immer ein Frost über die jungen Seelen kommen, die sich also noch nicht ganz der Waffe dös Geistes entledigen können. Diese Waffe aber ist:, ein gewisses Mindestmaß an Kenntnis außerjüdischen Denkens und Forschens, an europäischer Gesittung und an gewerblicher Fortbildung. Ohne diese Dinge würden wir die im Osten übliche geistige Wehrlosigkeit zeitigen, in deren Folge die dortige Jugend bei der Berührung mit fremder Zivilisation jedweden Halt zu verlieren pflegt, wie es auch hierzulande vor Hirsch war. Den Segen des „Tal" kann man nicht vorzeitig erzwingen, die Knospen nicht mit dem Messer öffnen; die Liebe Gottes, der Friede der geistigen Höhen kann nur erwartet, der stille Segen des Gedeihens nur durch Bitte zum Allgütigen gefördert werden. Raw Jehudo im Namen von Raw sagt (Jaumo iO a): Erst wenn Malchuth Edom drei Vierteljahre lang die ganze Welt beherrscht hat, kann der Ben David zu unserer Erlösung kommen. Sicher ist dies, im Gegensätze zu den dortselbst vorausgegangenen Aussprüchen der Amoraim, keine zeitgeschichtliche Betrachtung über Römer und Parther, sondern soll bedeuten: Erst wenn jeder Winkel der Welt „d r e i V i e r - tel Jahre lang", das heißt so kurze Zeit wie eben jeder Neuheitsreiz anhält, den Stolz der Zivilisation durchkostet hat, die von den westlichen Staaten herkommt, dann erst sind alle Herzen frei für den einzigen Stolz, der berechtigt ist, für den Stolz auf Erkenntnis des Allgütigen. Dann erst ist die Zeit des Frostes gewichen — dann aber dürfen wir mit unbegrenzter Freude in diesem Lande ausrufen: Hannizzonim niru b o o r e z. lVocbenrundschau. Zum kommenden Wahlsonntag. Wir haben uns gleich nach dem ersten Wahlgange an dieser Stelle dahin ausgesprochen, daß es für die jüdischen Wähler im Falle einer Einigung der republikanischen Parteien eine Stimmzettelfrage nicht mehr geben kann. Inzwischen hat die Entwicklung der Dinge zu einer völligen K l ä r u n g der Situation geführt. Auf der einen Seite ein ehrwürdiger allverehrter Name als Fahne für das alte Regime, dessen Vertreter von heute aber einer Politik der Unduldsamkeit huldigen, die weit über die der Kaiserzeit hinausgeht. Dem Rechtsblock mit dem leuchtenden Aushängeschild gegenüber stehen aber die vereinigten republikanischen Parteien mit einem Manne, der schon durch seinen Namen allein Aufrechterhaltung und Ausbau des Rechtsgedankens als Seele des ganzen Staatswesens gewährleistet. Wir haben dem Zentrum in seiner ihm von W i r t h und Marx gegebenen Richtung schon zu einer Zeit unsere Sympathien und unser Vertrauen zum Ausdruck gebracht, als noch andere Parteien, die auf der Juden Dankbarkeit Anspruch machen könnten, mit ihm im Kampfe um die Führung standen. Heute, da Marx als Mann des Vertrauens des ganzen republikanisch eingestelltenDeutschlandszur Wahl steht, dürfte es kaum einen Juden in Deutschland geben, der sich in diesem Belange nicht mit uns einig fühlte und den noch Zweifelsplagen am Sonntag zur Wahlurne begleiteten. Die ganze Konstellation — der katholische Marx als Sammelkandidat aller bürgerlichen Parteien im vorwiegend evangelischen Deutschland — spricht dafür, daß diese Wahl einzig und allein unter politischen Gesichtspunkten, unter Ausschluß aller konfessionellen Rücksichten, gedacht und durchgeführt wird. Es erübrigt sich nach alldem, an dieser Stelle noch einmal zu sagen, w i e wir am Sonntag wählen sollen. Daß aber jeder Jude wähle, dieses sei noch in letzter Stunde Jedem ans Herz gelegt. Eine Wahlenthaltung aus irgend einem Grunde wäre eine Versündigung gegen den Staat und gegen das deutsche Judentum. Ein beachtenswerter Vorschlag. „Jewish Chronicle" weist in Anknüpfung an die allerdings noch unbestimmte Nachricht, daß in Palästina die Bildung einer neuen arabischen Versöhnungspartei im Zuge sei, auf die Folgerungen hin, die vernünftiger Weise aus dieser Tatsache, wenn sie sich bewahrheitet, vom jüdischen Standpunkte aus gezogen werden sollten. Bekanntlich hatte Herbert Samuel, um den arabischen Beschwerden über die in der Errichtung der Jewish Agency liegende rechtliche Bevorzugung der Juden vor den Arabern abzuhelsen, den Vorschlag gemacht, auch eine arabische Agency zu errichten. Dieser Vorschlag ist lediglich an dem Widerstand von arabischer Seite gescheitert. Gewinnt jedoch eine versöhnliche Auffassung bei den Arabern an Boden, so wäre es, meint „Jewish Chronicle", eine unnötige Komplikation, zwei Agenturen nebeneinander zu errichten, vielmehr sollte als beratendes Organ der palästinensischen Regierung eine gemeinschaftliche jüdisch-arabische Agency ins Leben gerufen werden. Indem wir auf diesen Vorschlag, dessen Vorteile auf der Hand liegen, aufmerksam machen, sind wir uns der Bedenken, die dagegen sprechen, vollkommen bewußt. Es handelt sich bei der Jewish Agency im Sinne des Mandates vor allem darum, die wirtschaftlichen Kräfte der außerpalästinensischenJudenheitin den Dienst des ökonomischen Aufbaus des Landes zu stellen. Gegen ein Organ, das auf diese Funktion im Gesamtinteresse des Landes sich beschränkt, Hai man auch aus arabischer Seite nichts einzuwenden. Es ist lediglich der p o l i t i s ch e Charakter der Agency, den die Araber als eine Herausforderung betrachten. Der Vorschlag des „Jewsih Chrönicle" sollte daher unseres Erachtens dahin definiert und eingeschränkt werden, daß die Agency, soweit sie ein Instrument zur Zusammenfassung jüdischer Kräfte sein soll, vollkommen entpolitisiert wird, während für die politischen und „sonstigen" Aufgaben ein gemeinsames beratendes Organ rein palästinensischen Charakters geschaffen wird. Inwieweit allerdings die ganze Voraussetzung, von der „Jewish Chronicle" ausgeht, begründet ist, läßt sich vorläufig in keiner Weise feststellen. Sabbatruhe oder Sabbatheiligung? Eine Verordnung des Stadtrates von T e l A w i w „betreffend die Sabbatruhe", die jeden öffentlichen Vorstoß gegen den Sabbat mit polizeilicher Strafe bedroht, fand auf amtliche Anfrage eine Interpretation in dem Sinne, daß unter der gesetzlich verbotenen öffentlichen Sabbatentweihung nur Handel, handwerkliche Arbeit und dergleichen mehr zu verstehen sei. Alles Andere, wie Feueranmachen, Rauchen, Fahren, Sportübungen, fallen nicht unter dieses Verbot. Es ist begreiflich, daß diese Auslegung in den gesetzestreuen Kreisen eine starke Aufregung hervorgerufen und auch zu öffentlichen Protesten geführt hat. Eine Protestversammlung in Tel Awiw formulierte ihre Wünsche dahin, daß das Gesetz nicht „die Sabbat ruhe betreffen", sondern sich aus die S a b b a t h e i l i g u n g erstrecken müsse und in den Ausführungsbestimmungen alle Konsequenzen aus letzterem Begriffe zu ziehen hätte; mit anderen Worten: alles, was nach dem Gesetze des Schulchan Aruch als ein Verstoß gegen Anmerkungen zu snixai v'im 's- Don Rabbiner Ir. Winkler in Kopenhagen. I. 13, 17: jmn u ipx NX wxa ..Im Feuer tollst du das verbrennend woran der Ausssatz ist". Raschi: „Du sollst es verbrennen", das ganze Kleid". — Oben D. 54 jedoch leitet Raschi aus demselben Ausdruck mi 13 iVX rw her, daß das ganze Kleid nicht gewaschen zu werden brauchte! Diese Schwierigkeit sucht Maharam Schiff in seinen Anm. Ende Chullin durch den Hinweis darauf zu heben, daß dort auf V. 64 gleich der Vermerk in V. 55: nK 033,1 'inx „Nachdem der Aussatz ausgewaschen worden" folgt, wodurch das Waschen des ganzen Kleides ausgeschlossen wird, während hier, mangels dieser Einschränkung, gerade vnn 13 1VX fix das ganze Kleid bezeichnet. Vgl. auch 3*111 z. St. II. 13, 29: 7»T3 ik ffX13 VU 13 '\T '3 .1VX IX N'Xl „Mannoder Weib, bei dem ein Ausschlag entsteht, am Kops oder am Bart". — Es sollte doch eigentlich LN3 »bei denen", heißen! — Allein die,1117, wollte hier andeuten, daß gleichwie die Vernichtung seines Bartes, so auch die Nichtbedeckung des Kopfhaares seines Weibes 13 an ihm, an dem Manne mit geahndet wird. Vgl. 0'3l fi3 ivV. ui. 14. 21: miya yp pm gm Vt dxi .Wenn er aber arm ist und er es nicht erschwingen kann". — Wozu denn der doppelte Ausdruck? Indes die Möglichkeit ist ja vorhanden, daß er, obzwar arm. doch imstande wäre, anderweitig Kredit zu bekommen, daher mwa it» rxi, auch dazu ist er nicht in der Lage. Zwei Fragen. Von Rabbiner Dr. Felix Kanter in Zrvlttau (Mähren). Ich besitze ein 3psr>Wilnaer Ausgabe (Rom- Verlag) vom Jahre 1895, mit dem Kommentar ütst rms von Rabbi -»k^itx ui- Zur Talmudstelle (Schobuot 9 a) niQ3 am nt iw rnapn iaxbemerkt 'rrbux in seinem genannten oypjr nns, daß es eigentlich auffallend ist, daß wir im Muffafgebete von tznin mi sagen 'in 11133 ’bö naro» 103. Dieses 11133 'sa, meint 'rrbirxkommt sonst in keinem Muffafgebete vor. Es entsteht nun die Frage, warum wir es im Muffafgebete von n*l sagen? Der Verfasser von 0'i»p nns beruft sich dabei auf einen andern ‘pm dessen Erklärnng er wiedergiebt. Nun kommt doch das hoho 11133 'va ausnahmslos in jedem Muffafgebete vor! Sollte es dem Verfasser von mrB rniö und dem andern Gaon, auf den er sich beruft, entgangen sein! Oder gibt es Gebetbücher, wo dieses mehrfach erwähnte 11133 ->33 sonst fef)U imb nur im Muffafgebete von n"l vorkommt? Ein solches Gebetbuch scheint den genannten o'hiii Vorgelegen zu haben- Ist vielleicht einem der Leser ein solches Gebetbuch bekannt? Im Sabbatgebete, sowohl im nnnw als aud) »pia, heißt es ma» man immpi la mm ■»spawm nxip inix. Wo in der ganzen heiligen Schrift ist es angedeutet, daß den (Sabbat als den „lieblichsten der Tage" (o'a'» man) bezeichnet habe? Der Sabbat wird stets nur als ein heiliger Tag, als ein Tag der Ruhe etc. bezeichnet, nie aber als «lieblicher Tag'. Diese Frage las ich vor vielen Jahren in einem Gebetbuche. Der Verfasser berief sich auch aus eine Stelle im und schlug dabei auch folgende Lesart vor: m»n irnrnpi 13 mm ^attMi mwxia iat nxip imx »wm. Die Ueberfetzung würde demnach so lauten: „An dem siebenten Tage hast Du Wohlgefallen gefunden und ihn geheiligt als den bevorzugtesten der Tage; Du hast ihn genannt: „Erinnerung an das Schöpfungswerk". Natürlich ist diese Interpunktion sehr gekünstelt und diese Erklärung sehr gewunden. Wie ist diese Frage sonst zu lösen?