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Der Israelit · 1925-04-23 · Heft 17 (23.4.1925) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 17 (23.4.1925)
Date
1925-04-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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66. Jahrgang. Frankfurt a. AI., den 23. April 1925 29. Nissan 5685 Nr. 17 Oer Israeli flR[]| Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum |(ö| k III Dearündet von Dr. SeKmonn in Main». V11 J Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Januar 1834: Deutschland 1 Goldmark monatlich; Ausland: Viertel» jahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Ver» sandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.-; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; Frankreich 18 Fr.; Belgien 18 Fr.; Hollands fl.; Italien 80 Lire; Jugoslawien 70 Din.; Litauen 7.80 Lit.; Rumänien 800 Lei; Pole« 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 6 Zloty; Schweiz 6 Fr.; Tschecho-Slowakei 28 Kronen; Ungarn 70000Kronen; Dänemark 8Kronen; Norwegen 8 Krone«; Schweden 8.80 Kronen. Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 40 Toldpf. für die fiebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzetgen nur 30 Pf. Die 78 mm breite Reklamezeile: letzte Tertfette 1.60 Mk., vorletzte Textseite 8.— Mk.; Thiffregebühr in Höbe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Jnserataufträgen tartfm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit D. m. b. H., Franks, a. SW., Er. Eschenheimer Straße 88, Tel. Hansa 8848 sow. durch siimtl. Annoncen-Exped. des Ln- und Auslands. Alleinige Inseraten«»». für Franks. Geschäftsanzeigen: Jul. Schmidt, Langestraße 7, ll. Platzvorschrtften ohne Verbindlichkeit. en direkt an de» Verlagaus Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 10808. — Außerdem an; Postsparkasse Wien Nr. 78Ü08 — Postsparkasfeuamt Budapest Nr. 18434 — Postscheckkonto ~ ~ " rt Amsterdam Nr. 24 869 — Böhmische Nnionbank in Prag — B»nca Marmarosch Blank & Co. in arschau Nr 190787. Postscheckamt Zürich Nr. VM 7884 — Inkasso-Bank Rotterdam — Postscheckamt Amsterdam! Bukarest — Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. Blüten. Von Dr. Benno Cohen in Berlin. •fHO H03 In den jüdischen Schulen Deutschlands erlebt man heute mancherlei. Bei Besprechungen über die Zeiteinteilung für meine im Sommer zu haltenden Schiurim wurde ein solcher von vier Wochenstunden erwähnt, woraufhin die Bemerkung aus dem Hintergründe erklang: „Davon soll man fett werden?" Deutlicher als alle lange Erörterung kennzeichnet' dieser Zwischenruf die brennende Sehnsucht, die in unserem Lande die Jugend der ansässigen Orthodoxie erfüllt und ausschließlich auf Verbreiterung und Vertiefung der Thorakenntnis gerichtet ist. Wir haben im Augenblick n i ch t die Absicht, zu untersuchen, inwiefern die bestehenden Bildungsanstalten diesem idealen Fluge eines Teiles ihrer Schülerschaft folgen können und dürfen. Es liegt vielmehr im Sinne des Thora- Ideals, auch gelegentlich uns zu einer kurzen Dankesstimmung vor dem Allgütigen zu sammeln. Der Dank, der den Freund der Thora an den Pessachfesten dieser Jahre erfüllt, ist verursacht durch das mächtige Freiheitsbewußtsein, das uns aus dem Herzen der Jugend sichtbar wird: frei ist die heutige jüdische Jugend von der Last des heillosen Respekts vor der Kultur der Umwelt, der nock auf de^ vorigen Menschenalters jungen Herzen sich zentnerschwer und niederbrechend gelagert und die Gradheit des jüdischen Denkens und Empfindens nur zu oft in ihr Gegenteil verwandelt hatte. Es ist gerade bei uns im Westen jetzt nach Ausgleich der extremen Strömungen deutlich sichtbar geworden, daß die eigentlich deutsche Judenheit den blendenden Glanz der Kultur, den Anprall der Abtrünnigkeit überstanden bat. Nicht nur der Niederbruch des Militarismus hat solchen Heim-Flug gezeitigt; nein, schon die Tatsache, daß die Zivilisation zur selbstverständlichen Lebensatmosphäre geworden ist, hat genügt, um ihren Zauber verfliegen zu lassen. Weil unsere Jugend sieht, daß die Zivilisation kein Kunststück mehr ist, hat sie aufgehört, ihr mehr Aufmerksamkeit zu schenken als der überlieferten Lehre. Und doch ist keine bloße Abwechselungssucht im Spiele. Eine solche hat ja, soweit noch vorhanden, noch genügend Nahrung an den Erfindungen und Errungenschaften neuester Technik, und auch diese haben im genannten Telle unserer Jugend wenige Freunderes handelt sich vielmehr umein Uebersattheitsgefühl gegenüber der ganzen Zivilisation als solcher. Und diese Empfindung ist tief und fest in den Seelen der Jugend verankert. Es mußte durchaus nicht erst die Selbstverhöhnung der ganzen europäischen Gesittung durch den Krieg kommen, um die Stimmung zu erzeugen. An vielen Orten vielmehr ist die Rückkehr zur Gesetzestreue schon seit fast zwei Jahrzehnten im Gange, und nur ihr Tempo wurde durch die äußeren Ereignisse beschleunigt. Ganz verfehlt wäre es, diese Gottlob günstige Strömung durch die Einwanderung aus östlichen Ländern erklären zu wollen. Erstens nämlich wird bekanntlich die Gesamtzahl der letzteren immer überschätzt. Außerdem aber kommen doch sehr viele Einwanderer aus Ländern, in welchen noch keine Spur eines solchen Kulturbedürfnisses, desto mehr blindes Hinflattern zum Irrlichts des Europäismus zu beobachten ist. Wir dürfen uns doch keine Illusionen über den Zustand der Jüdischkeit jener Gegenden machen, in welchen man noch sich geniert, die Zugehörigkeit zum gesetzestreuen Judentum bei irgendwelcher Gelegenheit öffentlich einzugestehen, und in welchen die gegenwärtige Jugend ihre Ideale ganz abseits der Thora sucht. Die Intellektuellen jener Länder stehen, wie die Aufklärer der deutschen Biedermeierzeit, im offenen Kampfe gegen jedweden Offenbarungsglauben: sie bilden einen kleinen, aber bewußt sich von der thoratreuen,' Volksmenge lossagenden Kreis. Ihnen folgt aber Anhängerschaft aus allen Volksschichten, insbesondere aber aus denen, die nach dem Westen abwandern, und die hier dann ganz wenig Festigkeit ihrer jüdischen Seele bewahren. Die Apathie, zu der sie slawischer Druck verurteilt hatte, eine Grundeigenschaft slawischer Volksseele, eine Assimilationserscheinung also, — richtet sich hier gegen ihre und ihrer Kinder eigene Seele; noch hier verliert Israel, das Leidensvolk, die Seelen seiner Teuersten, seiner Kinder, an den Zaren, an d e n Zaren, der sich schreibt: Materialismus und Leichtsinn. An anderer Stelle werden wir untersuchen, ob und inwieweit die deutsche orthodoxe Judenheit das ihrige getan hat, um diese Seelen in den Gegenden ihrer Herkunft für das „Frommbleiben" zu gewinnen, nämlich in den Kleingemeinden Deutschlands und in den Thorazentren des Ostens; augenblicklich haben wir nur die Feststellung zu machen, daß nicht diese Zuwanderer die Veranlasser des religiösen Zuges unserer Jugend sein können, daß vielmehr eine göttliche Erlösungsaktion sich u n m i t t e l b a r an unserer Jugend vollzieht. Wie danken wir Gott für diese Wohltat? — Der Auszug aus Aegypten lehrt uns als erstes sichtbares Gebot der Dankbarkeit: „Kaddesch li kol bechaur," weihe mir alles Erstgeborene. Als später der Dienst der Erstgeborenen durch den der Cohanim und Lewijim abgelöst war, erschien zugleich das ganze Volk Israel als Bechaur des Allgütigen; an jeden Einzelnen richtet sich seither die Forderung, sein Erstes und sein Bestes dem Gedanken dieser Auserwählung zu widmen. Das ist der gottgewollte Dank für unsere Errettung aus dem Sterben der Erstgeborenen von Mizrajim; ähnlich muß der Dank sein, den wir dem Allgütigen für die Errettung unserer Jugend aus den Ketten und Fesseln des Materalismus abstatten. Es muß ein Dank der Tat sein, der Weihung fürs ganze Leben. Zweifach ist diese Weihung zu vollziehen. Mit erhobener Hand zogen unsere Väter, zogen, wie wir nach dem Willen unserer Weisen sagen sollen, 'w i r aus Mizrajim. Offenen Herzens bekannten wir, daß wir zu der Kulturwelt, die wir verließen, nicht gehören können. Die gleiche Offenheit und Konsequenz zeigt sich in der Denkweise der heutigen Jugend. In unbesätes Land, erez lo seruo geht auch ihr Sehnen, in die kulturfremde Atmosphäre der östlichen Thorazentren. Wer wird sie daran hindern wollen! Selbst die sorgendsten Mütter finden sich mit diesem Aufwärtsstreben lobenswerter Weise ab. Und offenen Widerstand findet auch das nur'in Häusern, denen das Westlertum noch neu und deshalb erstrebenswert erscheint. Die zweite Bedeutung des Monats der Blüte aber ist Tefillas Tal, das Gebet und der stille Segen des Taus. Wenn der Charakter im Kampfe mit. der Abtrünnigkeit der Umwelt nur gestählt, der Boden des Herzens in harter Kampfeszeit eishart überkrustet gewesen und so vor äußerer Zerstörung bewahrt geblieben ist, soll aus dem so gefestigten Geiste der jüdischen Jugend auch dies stille, kampflose Wachstum einer Welt von Blüten und gottgefälligen Tuns und Dankes ersprießen. Soll aber dieses Wachstum Bestand haben, so darf es nicht durch Uebereilung sich dem Verderbe durch vereinzelt nachkommenden Frost aussetzen. Dieses Gleichnis aber sei eine kleine Warnung an unsere lieben, jungen, geistigen Heimkehrer und ihre Erzieher. „Wecket nicht," wie das Hohelied des Vefremngs-

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