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Der Israelit · 1925-11-26 · Heft 48 (26.11.1925) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 48 (26.11.1925)
Date
1925-11-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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26 November 1925 Nr. 48 Seite 7 59 Jahren plötzlich verschieden. Henry Straus Quixauo Henriques war einer der bekanntesten britischen Rechtsgelehrten. Er war Mitglied des Ausschusses des Internationalen Juristenvereins und der Grotius-Gesellschaft. Im Jahre 1921 erhielt er den Titel Königlicher Rat. Bon seinen Publikationen sind zu erwähnen „Fremdengesetz und Naturalisation", „Die Juden und die englische Jurisprudenz", „Jüdische Ehen nach englischem Recht", ^,Die Rückkehr der Juden nach England" u. a. m. Eine Fremdendedatte im englischen Unterhaus. London, 18. November. Eine bewegte Debatte im englischen Unterhaus rief der Antrag des Abgeordneten der Arbeiterpartei John S c u r r hervor, der sich für eine sofortige Aufhebung der Einschränkungen gegen die Fremden, die im Gesetz vom Oktober 1919 sestgelegt wurden, einsetzte. In der Begründung feines Antrags führte Mr. Scurr aus, man habe es hier noch mit einem Gesetzesakt der Kriegszeit zu tun. Dieses Gesetz wirkt sich besonders gegen die Aermsten und Schwächsten aus: gegen die heimatlosen Juden. Es ist aber eine bekannte Tatsache, daß die Masse der Juden in London-Cast End ein gutes bürgerliches Element stellt. Die Juden East Ends haben neue Industrien eingeführt und sie gehören zu den willigsten und Len größten Steuerzahlern. Es sei schon an der Zeit, daß der Innenminister Sir William Johnson-Hicks seine Pose, als ob er duch seine fremoenfeindnchen Gesetze das Vaterland gerettet hat, endlich aufgebe. Seine ganze Fremdenpolitik mar falsch und grausam. Unterhausmitglied Samuel F i n b u r g h , der der konservativen Fraktion angehört und Mitglied des Board of Deputies ist, unterstützte den Antrag Mr. Scurrs. Innenminister Sir William Johnson-Hicks griff selbst in die Debatte ein und verwahrte sich insbesondere dagegen, daß ihm antisemitische Absichten untergeschoben werden. Er habe, sagte er, sich vor der Formulierung des Fremdengesetzes mit jüdischen Glaubensgenossen von Mr. Finburgh in Verbindung gesetzt. Auch diese jüdischen Führer haben im Hinblick auf die drohende Arbeitslosigkeit den Beschränkungen gegen die Fremden zugestimmt. Personen, die 20 Jahre in England wohnen, und deren Söhne für Großbritannien ihr Leben Hingaben, werden den Beschränkungen nicht unterworfen. Er, der Minister selbst, habe zahlreiche Naturalisalionsakte, die Juden betrafen, unterzeichnet. Es war etwas unfreundlich von Mr. Finburgh, der ja der Fraktion des Ministers angehört, hier im Parlament uoer die Auswirkungen des Fremdengesetzes zu sprechen, ohne sich mit ihm, dem Minister, vorher ins Benehmen zu setzen. Er möchte bitten, daß man ihm ein einziges Beispiel dafür erbringt, daß er in Verbindung mit Naturalisationsakten eine antijudische Gesinnung betätigt habe. Mr. Finburgh: Ich nehme die Aufforderung zur Kenntnis! Sir William Johnson-Hicks: Wenn mein Fraktionsfreund meine Aufforderung akzeptiert hat, so habe ich zu diesem Punkte nichts mehr zu sagen; es ist jetzt seine Sache, für seine Behauptung Veweismaterial zu erbringen. Der Antrag Scurrs wurde abgelehnt. Brief aus Italien. Rom, 18. Nov. König Victor Emanuel empfing in seiner Herbstresidenz San Rossore die Vorsteher der jüdischen Gemeinden von Pisa und Livorno in einer längeren Audienz. Der König bewies großes Interesse für die allgemeine Lage der italienischen Judenheit und erkundigte sich genau über die Verhältnisse der Rabbinersominarien und der übrigen jüdisch-kulturellen Institute in Italien. Der König schilderte in lebhaften Farben die Eindrücke aus seiner 1865 unternommenen Palästinareise und erinnerte daran, daß sein Urgroßvater Amadeo VI. den Juden seines Landes große Privilegien gemährte. Zum Schluß des Gespräches sagte der König, er sei der patriotischen Haltung der italienischen Juden gewiß und bitte, ihnen seine Grüße zu übermitteln. Dieser Tage wurde in Rom der fünfte Kongreß der jüdischen Gemeinden Italiens abgehalten, auf dem 40 jüdische Gemeinden Italiens vertreten waren. Die aktuellen Fragen der italienischen Judenheit wurden auf breiter Grundlage erörtert, es wurden Maßnahmen beraten, wie dem Mangel an Rabbinern und Lehrern Der Israelit obzuhelfen wäre. Es wurde nach einer lebhaften Debatte beschlossen, daß die Einzelgemeinden verpflichtet seien, st> schnell als möglich und mit allen Mitteln die verwaisten Rabbinatsstellen zu besetzen, sei es auch mit Kandidaten aus anderen Ländern. Eine ausgedehnte Debatte fand über die Frage des Schulwesens statt. Senator Prof. P o l a c c o und oer Oberrabviner von Rom, Prof. Angela S a c e r d o t i, wiesen auf die große Gefahr hin, der ^ce jüdischen Kinder in den katholischen Schulen ausgesetzt sind, da nach dem neuen Gesetz der gesamte Unterricht dem katholischen Einfluß ausgesetzt ist und die jüdischen Kinder mit der Zeit diesem Einfluß unterliegen müssen. Die bisherigen Interventionen bei den Behörden waren ohne nennenswerte Wirkung. Der Kongreß beschloß, eine ausgedehnte Aufklärungsarbeit unter der jüdischen Bevölkerung in Angriff zu nehmen und überall für die Schaffung jüdischer Elementarschulen einzutreten. — In einer weiteren Resolution wurde beschlossen, Vertreter der italienischen Judenheit in die Jewish Agency zu entsenden. Zum Vorsitzenden des Exekutio-Komitees der jüdischen Gemeinden Italiens wurde für weitere drei Jahre Advokat Angelo S e r e n i, der Präsident der römischen Gemeinde, gewählt. Der Klub für jüdische Kultur arrangierte eine Ausstellung der Werke Hermann Strucks. Die große italienische Presse rühmt das hohe Künstlertum Strucks und hebt insbesondere die Porträts Einsteins und Nansens hervor. ftalaftin«. Brief aus Jerusalem. Jerusalem, 25. November. Eine Feuersbrunft im Bucharenviertel richtete viel Schaden an. Der Brand brach am Freitagabend infolge der Explosion einer Stehlampe im Haufe einer sephardischen Familie aus. Um den Sabbat nicht zu entweihen, ließ man die Flamme eine zeitlang gewähren .und als man nachher die arabischen Nachbarn zum Löschen herbeiries, war es bereits zu spät. Chaluzim leisteten tapfere Hilfe, während unter den Bewohnern des Viertels die ausbrechende Panik jede Hilfeleistung verhinderte. Viele warfen ihre Möbelstücke oder sprangen selbst vom Oberstock in die Menge, wodurch es Verwundete gab. Die offizielle Feuerwehr erschien mit ihren Löschapparaten nachdem einige Häuser bis auf den Grund abgebrannt waren, und weitere Gefahr schon vorüber war. Die W a s s e r n o t hält an und führt zu weiteren Verstimmungen. Von jüdischer Seite wird darüber geklagt, daß den jüdischen Ansprüchen nicht Genüge geleistet wird und jüdische Vertreter zu den Beratungen nicht zugezogen werden. Wohl waren jüdische Vertreter in die Wasserkommission abgeordnet, sie erfuhren aber bei den Sitzungen eine solch unwürdige Behandlung, daß sie es ablehnten, sich noch weiter an den Beratungen zu beteiligen. Der W a a d H a i r tritt mit einer öffentlichen Erklärung hervor, die schwere Anklagen gegen die Stadtverwaltung enthält. Der Grandrabbi Israel L e v y aus Paris dementiert in einer Zuschrift an den „Doar Hajom" die ihm in den Mund gelegten (auch von uns gebrachten) Aeußerungen über die Hebräische Universität. Insbesondere verwahrt er sich dagegen, von der „Protektionswirtschaft" im Sinne oes angeblichen Jnterwios gesprochen zu haben. Er könne schon deswegen das Wort nicht gebraucht haben, da andere Professoren, wie Gutmann, Klein und Margulies, auf Protektion von Paris und London ihre Aemter erhielten. Auch stimme die angebliche Aeußerung über Klausner nicht ganz. Er habe nur bestätigt, was er Herrn Klausner selbst ins Gesicht gesagt habe, nämlich, daß seine historische Lehrmethode nicht als die richtige befunden werde. Rabbi Levy verwahrt sich ferner ganz em,cyieden dagegen, eine abfällige Aeußerung gegen M a g n e s getan zu haben, für den er höchste Verehrung habe. Man weiß nach diesem Dementi nicht mehr, was vom Interview noch übrig bleibt, da der Korrespondent des „Doar Hajom" eine Aufklärung schuldig bleibt. Der Obersekretär der Palästina-Regierung hatte eine längere Besprechung mit dem Präsidium des W a a d l e u m i, das dem Obersekretär ein Memorandum über das Gemeindegesetz und das Erziehungsbudget überreichte. Die Ausführungen über das Gemeindegesetz sind im Sinne der bisherigen Verhandlungen mit dem früheren Oberkommissar gehalten. Es wird darauf hingewiesen, oaß solche- Organisationen heute überall bestehen und daß die Steuergelder für religiöse und Kehillazwecke verwendet werden. Es wird noch kurz die Geschichte des Geme-noctzesetzes gestreift und gesagt, daß „widrige umstände" bis jetzt die Bestätigung des Gesetzes verzögert hatten. (Die „widrigen Umstände" sind die verzweifelte Gegenwehr der Gesetzestreuen gegen den geplanten religiösen und Gewissenszwang, und die sind heute weniger überwunden denn js. Die Red.) Der zweite Punkt betrifft die S ch u l f r a g e. Das Memorandum schätzt die Zahl der Schulkinder auf 23 000 und verlangt, daß die Zuschüsse dementsprechend und nach dem Verhältnis der den arabischen Schulen bewilligten Subventionen sein müßten. Der Obersekretär zeigte eine große Vertrautheit mit den jüdischen Fragen und sagte, daß sow..hl er wie der Oberkommissar z. Zt. mit dem Studium all dieser Dinge beschäftigt find. Er sprach sich auch sehr befriedigt über die letzte Einwanderung aus, die wertvolle Elemente und produktive Arbeit ins Land gebracht hat. In einer gemeinsamen Sitzung des Misrachi mit den Mitgliedern des Oberrabbinats wurde über das Kultusbudget des Misrachi beraten. Auf dem letzten Zionistenkongreß ist von der Forderung des Misrachi (6000 ägypt. Pfund) nur ein Teil bewilligt worden, wovon ein Drittel noch abgestrichen wird. Cs bleiben ungefähr 3000 Pfuno, die nicht zur Hälfte ausreichen. Es sei daher, so sagte Herr Berlin, Pflicht der Oberrabbiner, die nötigen Mittel zu beschaffen. Die nächsten Aufgaben erstrecken sich aus Errichtung von Mikwoaus, Talmudkursen, Koscherküchen für Arbeiter und auf den Schissen, die von und nach Palästina verkehren, Anschaffung von Seforim und Förderung aller religiösen Angelegenheiten. Es wurde beschlossen, mit Hilfe von guten Rednern eine eifrige Propaganda im ganzen Lande zu eröffnen, um die nötigen Gelder, mindestens 9000 Pfund, aufzubringen. Die HKrnpfe an der Grenze Palästinas. Jerusalem, 17. November. Am 17. November besetzten die Drusen den Ort Klya, der nur wenige Meilen nordöstlich der palästinensisch-jüdischen Kolonie M e t u l l a h gelegen ist. Auch hier ergriffen die christlich-»^. Araber die Flucht. Weitere Tausenoe Flüchtlinge sind üoer die palästinensische Grenze gekommen. In Merullah selbst macht sich eine gewisse Besorgnis bemerkbar. Einige Juden hielten es für ratsam, ihre Frauen und Kinder in Sicherheit zu bringen. Solomon ffestorven. New Port, 17 November. Am Montag, den 16. November ist in New Park Herr Solomon Rosenbloom, der Schatzmeister der Pale st ine Development League (Brandeis- Gruppe) gestorben. Mr. Rosenbloom war eine prominente Persönlichkeit unter den amerikanischen Juden und ein warmherziger Förderer des Palästina-Aufbauwerks. Vor einigen Monaten weilte er mit feiner Familie in Palästina und spendete bei dieser Gelegenheit ansehnliche Beträge für die Palästina-Institutionen. Personalien. Afchbach (Oberfranken), 17. Nov. Unsere Gemeinde ja der ganze Ort wurde in große Trauer versetzt durch den Tod der Frau Regine Wechsler, Gattin unseres hochverehrten Oberlehrer Wechsler. Jäh und schnell schied sie von ihren Lieben und ihren vielen Freunden — eine tiefe, tiefe r-ücke hintcrlassend. Ein V>n im wahren Sinne des Wortes, lichtverbreitend in ihrem Zelte, liebevoll und bescheiden gegen jeden Menschen. Liebe und Frömmigkeit bildeten den^Kern ihres Wesens. Ihr Haus stand jedem offen, gastfreundlich gegen jedermann besonders aber geaen Arme und Bedürftige, welche niemals ungesättigt ihr Haus verließen. — Zu einer imposanten Kundgebung der Trauer gestaltete sich die allgemeine Beteiligung an ihrer "i*» es gab wohl kein Haus in unserem Dorfe, aus welchem nicht zum mindesten einer ihrer Rahre folgte. Am Grabe sprach Herr Dlstriktsrabbiner Dr. Wohlgemut! '"3' Kitzingen in ergreifender Weife über die vortrefflichen Eigenschaften der Verblichenen, über ihre tiefernste Frömmigkeit, welche sich in ihrem ganzen Wesen zeigte lind sie zu einem echtjüdischen Weibe stempelte. In rührender, tiestrgreifender Weise nahm der tiefgeprüfte Gatte, Herr Oberlehrer Wechsler, von ihr Abschied ihr den letzten Dank für ihre reiche Liebe und Gilt? bekundend, die rauhe Hand des Todes beklagend, welcher iein Heiligtum zerstört. In rührenden Worten schilderte

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