Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1925)
- Date
- 1925-11-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 48 Seite 3 D er 3 s r o e 1 t f 28. Nooemoer 1925 obersten Regierungsbeamten erniedrigen und es fertig bringen, daß man den Unterricht in unseren Chedorim stört und dort den Unterricht in der russischen Sprache nicht zuläßt. So ß, B. tonnen wir auf die Mitteilung in der Zeitung Hameliz von — — — Hinweisen, wonach am 5. jenes Monats 5 Melamdim bestraft wurden, welche das Recht hatten, solche Ehedaiim zu unterhalten, weil sie Lehrer für die russische Sprache angestellt hatten, die kein Lehrbefähigungszeugnis besaßen. Deshalb, gnädige Herren, wenden wir uns an Sie mit der Bitte, sich unserer heiligen Lehre zu erbarmen, unserer heiligen Ahnen zu gedenken, die für die Gebote ins Feuer gegangen und ihr Blut vergossen haben. Nehmt, euch ihrer vor der hohen Regierung an, die gerecht und gut handeln will. Bittet um die Gnade, daß die Eltern das Recht behalten, ihre Kinder den Melamdim . zum Unterricht zu übergeben, und den letzteren gestattet wird, ungestört in den Chedarim nach Wunsch und entsprechend der Anschauung der Ellern und dem Verständnis der Schüler zu unterrichten. Erwirkt den Melamdim die Erlaubnis, Lehrer zu halten, die das Zotige Befähigungszeugnis besitzen, zum Unterricht in der russischen Sprache für Knaben von 10 Jahren an entsprechend dem Programm der einstufigen Schulen im Cheder selbst oder in einem Nebengebäude. Erfüllet ■ ihr diesen Wunsch und erreicht ihr es bei der Negierung, dann wisset, daß euer Name für immer geehrt und gesegnet bleiben wird. Wir aber bitten zu Gott, daß er uns segne und helfe. Gehör zu finden bei unserem großen Kaiser — Gott erhalte ihn — und bei Seinen Ministern gutes Verständnis und Einvernehmen für Israel und euch! Dann möge Gott euch langes Leben schenken, eure Taten segnen und Erfüllung werden lassen euren Wünschen und den Wünschen der Unterzeichneten. Dienstag, 5. Adar 5647 nach der Weltfchöpfung. Iizchok Elchvnon Spek or, Rabbiner v. Kowno. Josef Bär Soloweitschik. Naftoli Hirsch Juda Berlin, Leiter der Jeschiwa v. Woloschin. Clie Chajim Meisel, Rabbiner v. Lodz. Iekufiel Salman Landau, Rabbiner v. Petersburg. Moses Schapiro, Rabbiner v. Riga. Abraham Jecheskel Arlasaroff, Rabbiner von Charkow. Hirsch Rabbinowiisch, Rabbiner von Mitau. Hillel, Sohn des Rabbiner Hirsch, z. Zt. Rabbiner von Leslawitsch. Ionttow Lippmann Kahn, Rabbiner von Mir. st ganz ungeheuer. Er ist von rührender Bescheidenheit und verkehrt mit jedem seiner Chasstdim wie mit einem Bruder. Besondere Aufmerksamkeit fchenkl er der Jugend, die in dem Karliner Kreis in jeder Beziehung zur Ehre und zur Geltung kommt. Die Liebe zu Israel steht als erster Punkt auf dem Programm des Karliner Chassidismus. Die Anwesenheit des Rabbi in Jerusalem war ein ununterbrochenes wochenlanges fteff für afle Chasstdim. Es wurden gemeinsame Mahlzeiten abgehalten, es gab Gesänge und Belehrungen und ein jüdisches Leben entwickelte sich, das auch aus die Fernstehenden den größten Eindruck machte. Auch in praktischer Beziehung hat der Besuch des Karliner Rebbe dem gesetzestreuen Jischuw sehr viel genützt. Der „Messias" gegen die Religionsverfolgung in Rußland. Die Redaktion des jüdischen kommunistischen Blattes Stern" in Charkow erhielt ein Schreiben, unterzeichnet von„Moschiach", in dem mit schärfsten Worten gegen die Jüdische Sektion und ihre antireligiösen Unternehmungen protestiert wird. Das Blatt hat die Stirn, den Brief abzudrucken, und wir entnehmen ihm folgende Sätze: „Wie könnt Ihr euch anmatzen, unablässig im Blute zu baden von Juden, die für Lehre und Glauben und für Heiligung des göttlichen Namens ihr Leben hingeopfert haben? Ihr Frevler und Bösewichte erlaubt Euch, die Seele des Arbeiter zu vergiften mit Euerer „roten Tekiah", an Eueren roten hohen Feiertagen" und mit Eueren Menschenschlachtungen. Ihr seid schlimmer als die grimmigsten Antisemiten überall. Iizchok Olschwanger, Rabbiner v. Petersburg. Chajim Berlin, Rabbiner v. Moskau. Iizchok Jakob Reines, Rabbiner v. Lida." Die Furcht der Rabbiner vor dem Lehrer des Russischen, der als F.eidenker — dem Typus des damaligen Maskil entsprechend — dazu neigte, die ihm anvertraute Jugend der Religion zu entfremden, sie war es, die die Furcht vor der russischen Sprache zur Folge hatte. Interessant ist auch die Ansicht eines der hervorragendsten Jeschiwaleiier über die Bildungsfrage, des Neziw, Leiters der Woloschiner Jeschiwa, der das obige Schriftstück mitunterzeichnet chat. Wir wollen sie in einem nächsten Artikel folgen lassen. lVochenrundschau. Schul-Jntoleranz in Sachsen. Mit Beschluß vom 24. Juni 1925 hat das sächsische Ministerium für Volksbildung entschieden, daß jüdische Schüler am Sabbat und jüdischen Feiertagen — mit Ausnahme des Neujah.es und Versöhnungstages — die Schule besuchen müssen. Diese Verordnung bedeutet schon einen Fortschritt im Vergleich zur Entscheidung des früheren sozialdemokratischen Kultusmin sters F l e i ß n e r, nach welchem die Juden verpflichtet waren, ihre Kinder sogar am Versöhnungslage in die Schule zu schicken und diese dort an diesem Tage wie an jedem Sabbat schreiben zu lassen. Herr Rabbiner Dr. Goldmann in Leipzig spricht sich in der „E. V.-Zeitung" über diese Intoleranz sehr bitter aus und vergleicht sie mit der Re'igionsfrei eit im monarchischen Preußen zur Zeit von Friedrich Wilhelm IV., der im Jahre 1859 mit einer Verordnung jüdische Kinder von der Teilnahme am Unterrichte am Sabbat befreite. Zu dieser Höhe der Toleranz tonnte sich der republikanische Freistaat Sachsen im Jahre 1925 nicht emporschwingen, obwohl ein Artikel der Weimarer Verfassung es in aller Klarheit ausspricht, daß die ungestörte Religio ns Übung durch die Verfassung gewäh rleistet ist und unter staatlichem Schutze steht. Herr Rabbiner Dr. Goldmann hat die Quelle des Uebels vollkommen erfaßt, wenn er sagt, es sei ein Fehler im Gleichberechtigungs- Jene wollen unsere körverliche Vernichtung, Ihr auch unsere geistige, indem ihr daraus ausgehet uns die künftige Weit zu nehmen". Zum Schluß bemerkt der Einsender, daß er trotz seiner Unterschrift ein einfacher Jude fei, dessen Gedukdsaden reißen mutzte beim Lesen der jiddisch Kommunistischen Blätter, die an den Hohen Feiertagen erschienen sind. Die Jüdische Sektion stellte sofort eine peinliche Untersuchung an und entdeckte den Briefschreiber in einem Juden aus Odessa, namen« Mosche Chajimowitsch, der übrigens im Pseudonym .Moschiach" anyedeutet ist. . . Demnächst wird man nun in Rußland einen großen Prozeß gegen „Moschiach" erleben. (Denkmal für einen Lebenden.) Unter großen Feierlichkeiten wurde in der Stadt Peterson in der Union Amerikas ein bronzenes Monument für den früheren jüdischen Bürgermeister der Stadt, Mr. R«tthan Barnes, enthüllt. Fast die gesamte Bevölkerung der Stodt wohnte dem Enthüllungsakt bei, Mr. Barnes selbst, jetzt ein ko jähriger Greis, war bei der Enthüllung zugegen. Mr. Barnes war Jahrzehntekana Bürgermeister der Stadt und hat durch seine Arbeit und OpserwilliaKeit ungeheuer viel zu ihrer Entwicklung beigelrugen. (Gesellschaft für jüdische Familienforschung.) Am 12. November wurde die Onsgruope München der Gesellscbatt für jüdische Familiensorschnng gegründet. Die Familiensorschnng bei den Juden ist als notwendig anerkannt, wesbalb auch bekannte Persönlichkeiten bereits Mitglieder d?r Ortsgruppe München geworden sind. Vorllufia können auch außerhalb Münchens wohnende Interessenten der Ortsgruppe mit den gleichen Rechten beitreten, und wird bei gekampfe der Juden, daß man ihn nicht von Urbeginn an auf das Recht der jüdischen Religionsgemeinschaft ausgedehnt hat. Der Grundirrtum der deutschen Judenemanzipation liegt darin, daß sie lediglich auf das bürgerliche und staatsbürgerliche Recht des Individuums blickte und nicht auch für die Religion gleiches Recht und damit Ansehen erstrebte. Das ist ein Fehler, fügen wir hinzu, der sich heute auch in den Ost- und Randstaaten bitter rächt, wo man das bürgerliche und staatsbürgerliche wohl zum Rationalitätenrechte gesteigert hat, aber die Religion dabei noch leerer ausgehen ließ. In Sachsen ist die Aera Fleißner überwunden. Die Regierung besteht dort heute aus Demokraten und Volksparteilern neben Sozialdemokraten. Der Ruck nach der Richtung der Toleranz blieb aber unansehnlich. Die rein sozialdemokralische Regierung nahm den jüdischen Kindern auch den Jom Kippur. Die gemischte Regierung von heute hat den Kampf gegen den Jom Kippur — der übrigens vergebens geführt wurde — aufgegeben, geht aber gegen den Sabbat und die anderen Feiertage mit der Schärfe yvn früher vor. Die Frage der Gründung eigener jüdischer Konsessionsschulen, wo die Möglichkeit und die Bedingungen dazu in irgend einer Form gegeben sind, sollte unter btefen Umständen in Sachsen wie im ganzen Reich keine Frage mehr sein. Das Wahlresultat in der Tschecho-Slovakei. Der Ausgang der Parlamentswahlen in der Tschecho-Slovakei hat insofern unsere Ausführungen an dieser Stelle in Nr. 45 bestätigt, als die Juden dabei vollkommen leer ausgingen. Infolge des Widerstreites zwischen den Zionisten auf der einen und der orthodoren „Jüdischen Wirtschaftsparsei" auf der anderen Seite, nicht zuletzt aber durch eine auch mit Gewaltmitteln und Einschüchterungen arbeitende Wahlpoli ik der chauvinistischen tschecho-slovakischen Parteien konnte die gesetzliche Mindestzahl von 20000 Stimmen auf einen jüdischen Kandidaten nicht vereinigt werden. Die orthodoxen Wähler haben sich nichts vorzuwerfen. Wären sie mtter den von den national'üdischen Parteien gestellten Bedingungen mit diesen vereint an die Wahlurne gegangen, so wäre für sie dabei gewiß fein größerer Gewinn heraus gef ommen. Die jüdischen S'tze hätten dann die Zionisten eingenommen, und die Orthodoxie hätte da mit eigener Hand Männer zu ihren Wortführern, nügender Beteiligung eine Landesgruvpe Bayern gearündet. Alle Mitglieder erhalten die von der Gesellschaft herausgegetreuen, sehr lehrreiche Aufsätze enthaltenden Mitittlungen kostenlos. Anmeldungen erdeten an Herrn Eduard S ch ö p f l i ch, München, Peru fast ratze 2. Wochenkalender. vom 28. Nov. bis 8 Dez. 1828. ' vom 11.—18. Ktslew 8888 Samstag Nov. 28 11 1>V2 Sonntag 29 12 Montag 30 13 Dienstag Dez. 1 14 r Mittwoch 2 15 Donnerstag 3 16 Freitag 4 17 Ab 8. Dez. zu myn wird im Samstag 5 rHV'1 18 Debet nvvi bv jni eingeschaltet. 3üdifcfie grauen. Stellt in Euren Häusern wieder die alle bekannte rote Chaffo - *Dücfife auf und werft jeden Freitag, nach dem Vorbild Eurer Mütter und Großmütter, einen kleinen Betrag hinein. Verlangt noch heute die alte Challo-Büchse bei der Deutsch-Holl. Palästina-Verwaltung, Gr. Gschenheimerstr. 23, Frankfurt a. ITC., Tel. Hansa 5842.