Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 15-16 (8.4.1925)
- Date
- 1925-04-08
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. g D er Z s r a e i t t Glätter 8. April 1326 BT, f m , e,; S t./I organifation, die sich das historische Judentum gegeben hat, eingeräumt werden! Diese Groteske mitzumachen bedeutet eigentlich für jede Gruppe, die in. der Anbetung des Geldbeutels und des äußeren politischen Erfolges nicht jedes Gefühl für Würde verloren hat, ein hohes Matz von Selbstverleugnung, und man darf sich nicht darüber wundern, daß in den Kreisen der „Agudas Iisroel" starke Strömungen sich geltend machen, die aus der zur Zeit der Breslauer und Wiener Beschlüsse ja noch nicht bekannt gewesenen Konstruktion der Agency mit der Aschenbrödelrolle, die sie Europa und der Orthodorie zuweist, die Unmöglichkeit jeder Diskussion über die Mitarbeit folgern. Demgegenüber wird darauf hinzuweisen sein, datz die Agency weder eine im eigentlichen Sinn repräsentative Behörde der Iudenheit sein soll und kann, datz sie ebensowenig ein beschließendes und exekutives Organ darstellt, sondern nach dem Sinne des Mandates eine beratende und begutachtende Instanz, die der Mandatarmacht bei der Aufrichtung des »national Korne» zur Seite steht. Darüber hinaus käme sie allerdings weiter als selbständige Konzessionsträgerin für wirtschaftliche Unternehmungen umfassenden Charakters in Betracht. Werden diese Voraussetzungen als richtig zugegeben — und ihre Richtigkeit müßte durch authentische Interpretation des Mandaltertes, eventuell durch Aenderungen oder Zusätze, die ja ohnedies durch die Neugestaltung erforderlich werden, fichergestellt werden —, dann ist die numerische Stärke der einzelnen Gruppen zwar noch immer von prinzipieller, aber nicht von entscheidender praktischer Bedeutung. Denn es steht ja dann nach allgemeinen parlamentarischen Grundsätzen, einer überstimmten Minderheit immer frei, dem Gutachten der Mehrheit ein Minoritätsvotum gegenüberzustellen. Dieser Gesichtspunkt führt zu einer Betrachtung des Punktes 2 b der Breslauer Resolution. Die Erstattung von Minderheitsgutachten ist natürlich kein taugliches Mittel zur Entlastung des Gewissens und Wahrung der Verantwortlichkeit, sobald es sich nicht mehr um Beratung eines Dritten, sondern um_ die Ausführung eigener Beschlüsse, beispielsweise bei der Durchführung wirtschaftlicher Unternehmungen handelt. , Wenn die Iewish Agency die Elektrifizierung der palästinensischen Wasserkräfte übernimmt und dabei etwa unter dem angeblichen Zwange der Notwendigkeit den Sabbat außer Kurs setzte, so könnte nichts in der Welt, kein Protest und kein Minderheilsvolum, die gesetzestreuen Agency-Mitglieder von ihrer Mitverantwortung befreien. Das Verlangen, das in 2 b gestellt wird, ist daher — grade mit Rücksicht auf die Doppelfunkiion der Agency— auch für diejenigen Agudakreise eine coriclitio sine qua npn, die trotz allem in der offiziellen Mitarbeit der Aguda eine Pflicht gegenüber dem Aufbau des heiligen Landes erblicken. Diesem Verlangen Rechnung zu tragen, hängt ausschließlich von dem guten Willen aller Beteiligten ab) denn auch die äußerste Linke sollte darüber klar sein, datz die Liebe der rabbinischen Führer der „Agudas Iisroel" zum heiligen Lande und, ihr Wunsch, es zur Stätte aufblühenden jüdijHen Lebens zu machen, diese Männer niemals zu unberechtigten und übertriebenen Erschwerungen führen wird. Wo aber dennoch der unabänderliche Wille des göttlichen Gesetzes irgend einer Lebensäutzerung in der Tat Einhalt gebietet, da kann diese dem jüdischen Volke nimmermehr zum dauernden Heile gereichen. Man möchte glauben, datz die geschichtliche Erfahrung, diesem Gedanken weit über die Kreise der „Agudas Iisroel" hinaus auch in Amerika Anerkennung verschafft haben sollte. Wir sind bei unsrer Betrachtung bisher von der Annahme .ausgegangen, daß der in dem Mandatteit umschriebene Aufgabenkreis der Iewish Agency („wirtschaftliche, soziale und andre Angelegenheiten") in Verbindung mit den späteren Paragraphen dahin auszul?Dn ist^ Latz religiöse und kulturelle FMM also das ganze Gebiet des Geistes.- außerhalb der Kompetenz dieses Organes liegt. Nur unter dieser Voraussetzung hat es einen Sinn, einer etwaigen orthodoren Minder heit in der Agency das in Breslau geforderte religiöse Vetorecht zuzugestehn. Denn man kann dann, und nur dann von der Mehrheit verlangen; sich in den wahrscheinlich seltenen' Ausnahmefällen, die in Betracht kommen werden, dem für sie lästigen Diktat des Gesetzes zu fügen. Völlig verändert wäre die Lage, wenn ein Satz in dem vorige Woche veröffentlichten Weißbuch läßt leider darauf schließen — Man datarmacht und Völkerbund der Meinung sein sollten, daß beispielsweise auch das Schulwesen der Juden in den Aufgabenbereich der Agency fiele oder wenn die Agency etwa, wie in Amerika erwogen ward, den Keren hajessod mit seinem Schulbudget übernehmen wollte. Man kann unsresErachtens den Geist nicht reglementieren. Will aÜch die erweiterte Agency fortfahren, die „nationale Erziehung" zur Leugnung und Entwurzelung tfer überlieferten jüdischen Wahrheit im Stile der Mossinsohn, Lurie und Konsorten unmittelbar oder mittelbar zu fördern, so schließt sie damit die Teilnahme der ihrer Prinzipien bewußten überlieferungstreuen Iudenheit unter allen Umständen aus. Wo in Frage kommt, nützt kein Veto und nützen keine Minderheitsrechte, nützt überhaupt kein äußerer Zwang, sondern nur reinliche Scheidung. Wir haben diese Selbstverständlichkeit erwähnt, weil Klarheit über diesen Punkt Vorbedingung für jede weitere Verhandlung ist. An und für sich wüßten wir nicht, warum die Agency mit kulturellen und religiösen Angelegenheiten überhaupt befaßt werden müßte. Ihre Bestimmung ist ja offensichtlich die Unterstützung der Mandatarmacht beim Aufbau des »national Home« in denjenigen Punkten, in denen die Mitwirkung der autzerpalästinensischen Iudenheit unentbehrlich i st. Das aber ist bei der ungeheuren Pionierarbeit des wirtschaftlichen Wiederaufbaus eines seit Jahrtausenden verwahrlosten Landes der Fall. Dagegen geht es wahrlich nicht über die Steuerkraft und die organisatorische Fähigkeit des Landes hinaus, sich ein Schulwerk zu schaffen, und solange die Steuerkraft dennoch nicht reicht, wird die freiwillige Teilnahme aller Länder die Mittel schaffen, während für die Organisation die Regierung mit den Organen. der Selbstverwaltung zu sorgen hat. Was geht es schließlich die amerikanischen, deutschen oder polnischen Juden an, nach welchem System ihre palästinensischen Brüder ihre Kinder erziehen wollen? Das sollte man ruhig ,wie in der ganzen Welt, der Negierung und den religiösen Gemeinschaften des Landes überlassen. Die Einbeziehung kultureller Angelegenheiten in die Kompetenz der Agency wirkt völlig unorganisch und sollte ein für allemal unmöglich gemacht werden. Geschähe das wider Erwarten nicht, so müßten wir leider der Ausgestaltung der Agency mit starkem Pessimismus entgegensetzen. Betont sei, daß diese Aeußerungen keinerlei offiziellen oder offiziösen Charakter tragen und die Agudaorgane als solche in keiner Weise binden. Wir hielten uns nur für verpflichtet, die Meinung einflußreicher, versöhnlich denkender agudistischer Kreise rechtzeitig bekanntzugeben. Die polnische Agudas Iisroel zur Ageney-Frage. Warschau, 25. März. Die Leitung der polnischen Landesorganisation der „Agudas Iisroel" ist ,wie bereits kurz gemeldet, von der zionistischen Organisation Polens zu - einer allgemeinen Palästinakonferenz eingeladen worden, in der die Wahl von elf Vertretern der polnischen Iudenheit in die Iewish. A g e n c y in die Wege geleitet werden sollte. Das Zentralkomitee hat darauf nach eingehender Beratung folgende Resolution gefaßt: 1- In Erwägung, daß die Msgabe der Konferenz, im wesentlichen darin besteht, Vertreter des polnischen Judentums in die Iewish Agency zu . wählen, 2. in Erwägung, daß keine Garantie dafür vorhanden ist, daß in der Iewish Agency die religiösen Angelegenheiten nach der Forderung der Kenessio Gedaulo von Majoritätsabstimmungen ausgeschlossen'bleiben. 3. in Erwägung, daß die Zusammensetzung der Iewish Agency diese zu einem zionistischen Organ macht, in dem sich die Zionisten die Hälfte der Mandate und den Vorsitz gesichert haben, wogegen das polnische Judentum, von dem Me zionistische Partei nur einen kleinen Teil darsteNt, elf Mandate unter hundertsechzig erhalten soll, so datz es nicht auf den geringsten Einfluß im Rate der Agency zu rechnen hat, 4. in Erwägung, daß die Zusammenarbeit der Agudas Iisroel mit der zionistischen Organisation in Erez Iisroelangelegenheiten eine allgemeine und prinzipielle Frage ist, deren Lösung nicht in der Kompetenz.' der Landesorganisation, sondern, ausschließlich in derjenigen der all* weltlichen Agudas Iisroel und ihres rabbinischen Rates liegt; In Erwägung aller dieser Umstände kann die in Agudas Iisroel organisierte polnische Orthodorie an der Pro-Palästina-Konferenz keinen Anteil nehmen. Sie betrachtet diese Konferenz als eine zionistische Zusammenkunft, deren Beschlüsse für die Orthodorie keinerlei verpflichtende Bedeutung haben. Die Tagung der holländischen Agudas Iisroel. Die holländische Landesorganisation der Agudas Iisroel hat anr 12. Adar d. 2. ihren ersten Delegiertentag abgehalten und esdarf' mit Freuden konstatiert werden, daß diese Tagung für die Sache der A. I. in Niederland einen schönen Erfolg bedeutet und die Verbreitung der Ideen der A. I. um ein schönes. Stück vorwärts gebracht hat. Zu der Tagung hatten alle in Holland bestehenden Ortsgruppen, d. i. Amsterdam, Rotterdam, den Haag und Groningen außer den Delegierten noch eine große Anzahl Mitglieder, auch aus anderen Orten Hollands entsendet. Die Bedeutung der Tagung trat schon dadurch zu Tage, daß zu der Tagung der rabbinische Rat, der Sitz und Stimme in dem Vorsitz der Landeszentrale hat, u. zw. die Herren Oberrabbiner Onderwyzer, Amsterdam, Oberrabbiner Hirsch, Zwolle und Rabb. Saarl o u i s, Amsterdam, erschienen waren-. Ferner wohnten der Tagung Herr Oberrabbiner Vredenburg, Arnhem und Herr Rabb. P e r e i r a von der sefardischen Gemeinde im Haag als Gäste bei. Schon dadurch war der würdige Verlauf der Tagung im äußeren Nahmen gesichert. Die Delegierten waren zum größten Teil in gemeinsamer Fahrt zur Tagung nach Amsterdam gekommen und hatten sich teilweise unterwegs kennen gelernt und auch über die schwebenden Fragen ausgesprochen, so daß die meisten bereits in gehobener Stimmung zur Versammlung kamen. Es darf hier ruhig ausgesprochen werden, daß in den letzten Jahren nach der Arbeit der Zentrale und Landesorganisation der A. I. die Idee der A. I. in weite Kreise gedrungen ist und zwar besonders auch bei dem jüngeren Geichlecht, was besonders bei der noch Zungen Ortsgruppe des Haag ins Auge sprang, Anklang gefunden hat.