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Der Israelit · 1925-04-08 · Heft 15-16 (8.4.1925) · page 28

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 15-16 (8.4.1925)
Date
1925-04-08
Page
– (sequence 28)
Language
German
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Seite 28 Nr. 15/16 Her Israelit 8. April IMS ,’*i; )V; Lr.;. ja a :i-; r. r F f: | l:‘ l5 £'■ if-j :(■ - jV{ Ir i:' &L Chad Gadjo. Der Erklärungen zu Chadgadjo gibt es eine ungezählte Menge, und je kuysttvoller sie aufgebaut sind, um so mehr verlieren sie an Wahrscheinlichkeit, nicht selten finden sich Deutungen, die ein ganz geringes Alter des Liedchens zugrunde legen, eine Vermutung, die irrig sein dürfte, wie auch der Chasam Sauser in seiner Einlenung zum Lied bemerkt. Die aramäische Sprachweise läßt ihn vermuten, daß die Entstehung in die Zeit nach dem Verlust der staatlichen Selbstständigkeit fällt, und der Inhalt eine kurze geschichtliche Reminiszenz homiletischen Cha rakters geben will. In demselben Sinne äußert sich ein anderer Erklärer etwa folgendermaßen: Auf zwei trugen stand die wahre Gotteserkenntnis, als Abraham lebte, auf zwei Augen, solange Iizchot die Ideen seines Vaters der Welt : vermittelte, aber zwölf Söhne lebten in Jakauws Hause, Träger der Gottesidee sie alle, leuchtend wie die Gestirne des Himmels; leuchtender als alle der zehnte, (da Lewi später ausschaltete) Josef, sein Gestirn das des zehnten Monats, des ^ewes, das Lamm. Ein gewirkter Rock im Werte von zwei Sela dokumentierte, vor aller Welt die Liebe des Vaters zu seinem Sohne, dem das Recht des Erstgeborenen, zwei Anteile des Erbes zu nehmen, gegeben war, dem die Pflicht des Erstgeborenen, doppelt das Verantwortlichkeitsgefühl in sich erstarken zu lassen, oblag! denn doppelte Anzahl der Jahre hatte Jaakauw dienen müssen um seines Weibes willen, nur Labans Betrug verhinderte, daß er auch leiblich sein Erstgeborener wurde. Die zwei Sela brachten den Stein ins Rollen, das Wort Gottes, zu Abraham gesprochen, reifte seiner Erfüllung entgegen; der Leidensweg des jüdischen Volkes begann, vermittelt durch Jsmaelitische Karawanen, durch Nachkommen jenes Mannes, der, im abrahamitischen Geiste erzogen, dennoch hintertückisch — freundlich wie eine Katze, den Dürstenden leere Schläuche bot, leer von Wein, mit vernichtender Luft gefüllt, berechnet, die müden Wanderer zu vernichten. Böse verfuhr mit der Katze der Hund, die Segnungen, die Josefs Anwesenheit mit sich brachte, um schnöden Mammons willen preisgegeben, erfüllten und füllten Aegyptens Fluren, aber hündische Gier ließ Aegypten in sein Unglück rennen, Arbeit über Arbeit, schlimmer, als man dem Hund sie zumuten würde, legte der Hund dem Lämmchen auf, ohne Ruhe, ohne Rast. Unerträglch steigerten sich die Leiden. Ein Land, das nur Selbstvergötterung kannte, dessen König keine Macht achtete als die des materiellen Segen bringenden Niles allein, mußte an sich erfahren die Macht des Stabes, der Segen wird zum Fluch, der erhobene Stab in Mausches Hand wird zur unerbittlichen Zuchtrute, zur Gottesgeißel und damit zum Wegweiser der Gotteserkenntnis. guten Worte deiner treuen Schwester, meinen Boten, schenktest du nicht Glauben, du verdientest nicht das herrliche Land." Bitterlich weinte jetzt der Sohn, er erkannte seine Schuld. „Jetzt stößt du mich hinaus unter die Fremden, jetzt werde ich ganz zu Grunde gehen. „Nein, mein lieber Sohn, das wirst du nicht. Zwei getreue Freunde begleiten dich in die Verbannung, die dich nie verlassen werden: deine treue Schwester, die Prinzessin Thora, und der Ruhetag, der Schabbos. Und wenn du in den Sorgen der Woche, unter den Verfolgungen der Feinde der Knechte elendester zu sein glaubst, dann kommt der Schabbos, an dem du wieder Fürst bist, so königlich, wie du es im Prachtgewande des eigenen Landes kaum warst, und treu zur Seite steht dir deine Schwester." „Und wie lange, mein Vater, lebe ich in der Verbannung?" „So lange, bis du gelernt hast, die Gebote deiner Schwester zu halten, als köstlichstes Eigentum und den Völkern, unter denen du lebst, zu zeigen, daß nur Gehorsam gegen ihre Gesetze die Menschen gut und glücklich macht. Dann führen sie dich selbst zurück in dein Land, das du dann nie wieder verlieren wirst!" Stark ist die Macht des Stabes, ein Volk, kaum der Sklaverei entronnen, folgt mutig dem ausgestreckten Wegzeichen, ganz Gottes Volk. Bis die verzehrende, alles beherrschende Leidenschaft des ans Irdische gefesselten Menschen sich Bahn bricht, und das Feuer-geschaffene Kalb die Macht des Stabes zuschanden macht. Am Fuße des Gottesberges, der die Macht nud den Willen des Weltenlenkers im Feuer offenbart, steht oer treue Führer, seiner Hand ist das Kostbarste entsunken, das Gott seinem treuen, unbeirrt dem Hirtenstab folgenden Lamm zu bieten hatte, die Tafeln des Bundes, kraftlos gebrochen der Stab; Gottes Stimme gebietet: laß ab, oatz ich der Vernichtung die Bahn öffne, die Untreue zu strafen, die der Ehebrecherin gebührt. Doch der Führer verzagt nicht: das Kalb wird vernichtet, die Sünde getilgt, der Gottesname, der allem Leben Gnade verheer, der das Fundament der Welt erhielt, da oie Elemente tosend dem Bau des Heiligtums widersetzen wollten, ausgestreut auf me Wasser der Bitterkeit, sühnt den Frevel. Doch von neuem regt sich die menschliche Schwäche, zögernd schon standen sie am Schilfmeer, in ihrer Mitte das Standbild des Micha, Apisverehrung, wie sie es in Aegypten gesehen; war das Kalb nicht Führer, sollte des Ochsen ungezähmte Kraft Rettung bringen aus der Wüste Gefahren! Und wieder wütete der unerbitterliche Tod in ihren Reihen, Aharons Eingreifen erst gebietet Einhalt, bannt das Verderben, setzt den Engel des Todes wieder ein in feine Rechte. Aber Gottes Erbarmen ist rege, schwach ist des Menschen Herz, leicht dahingegeben der Sünde, da tätet Gott den Semael, daß ein Funke des Göttlichen auch der schlechten Tat innewohnen könne, auf daß der Funke erwache, emporlodere zur Flamme der Gesetzeserfüllung, auf daß dieser Funke brenne in der Brust eines jeden Jehudi, leuchtend in der Nacht des Golus. Wehen Herzens sitzen wir beim Sederabend, entschwundene Zeiten des Glanzes und des Glücks steigen auf vor unserem Auge, müde sind wir der Wanderschaft, all zu schwer lastet auf uns die endlose Leidensnacht. Wächter der Nacht, Weltenlenker, künde uns die Stunde der Erlösung. Und die Antwort klingt trostverheißend, es kommt der Morgen wie die Nacht gekommen, so Ihr das Lämmchen Gottes seid, folgend seinem Rufe, unbeirrt, hin zu ihm, dem Gott des Sinai, dem Gott, der aus finsterer Knechtschaft, dem Glutofen Aegyptens uns herausgeführt hat auf die Höhe des Ziontempels, da morgens und abends das Lämmchen ihm dargebracht wurde, ihm zu künden, fein Volk zu sein, des Einzigen Lämmchen, Chad Gadjo. A. I. Hallet am Sederabend. Von Willy Wolf, in Köln. „Das Lied wird Euch bleiben wie die zum Feste geheiligte Nacht!" (Jefaia 30,29.) Wie diese Nacht die alte Weihe, die sie durch die erste Pessachfeier in Aegypten anfing, in alljährlicher Folge bewahrt, so bleibt auch das gottbegeisterte Land Israel im Wechsel der Zeiten erhalten. In der Sedernacht treffen sie beide zusammen: Die Nacht der Befreiung und das Lied der Erlösung! Ist sie doch die einzige Nacht des ganzen Jahres, in welcher das Hallel-Lied erschallt, und ist doch Halle! an diesem Abende so wichtig, daß die beiden ersten Psalmen vor dem Genüsse der Mazzoh und des Moraurs gesprochen werden, so daß auch die schlafbedürftigen Kleinen noch an der Sedertafel zugegen sind. Der Inhalt des Hallel-Liedes sind ja die Gedanken, die das Leben des Einzelnen und der Gesamtheit bis zum Erscheinen der messianischen Zeit zur Entfaltung bringen, und daher kann er nicht früh genug als geistige Saat ins Herz der Jugend dringen. ' Die heilige Literatur weist gar manches Lied der Gotteshuldigung auf, und in ihrer herrlichen Kette ist Hallet ziemlich das letzte. Sie alle klingen wie ein Echo des Sanges, den Israel am Gestade des Schilfmeeres zur Verherrlichung der Wundertaten Gottes anstimmte,, und wir möchten wohl glauben, ein Lied wie dieses habe unser Prophetenwort im Sine. Einen Keim der Zuversicht will es in das Herz Israels für die Dauer des Golus legen, indem es ihm die Sedernacht als Beispiel vor Augen hält. Und so spricht es zu Israel: Siehe! Die Nacht, die einst durch den Genuß des Pessachopfers zum Feste geheiligt war, hat den Tempel überdauert, und zieht alljährlich mit ihrer unvergleichlichen Weihe in Deinen Kreis, bis sie einst Dank dem Wiedererstehen des Tempels und des Opferdienstes ihre ursprüngliche Vollkommenheit erlangt. So wird Dir auch das Lied, dessen Schwingen Dich zum ersten Male an den Fluten des Meeres zur Gotteserkenntnis emportrugen, erhalten bleiben, bis Dir einst die volle Erlösung zuteil wird und Du Dich dann zu einem neuen Sange der Gotteshuldigung emporhebst. Als Gott in der Pesiachnacht den Auszug aus Aegypten vorbereitete, leistete er ein Werk, das vornehmlich der körperlichen Freiheit Israels galt. Als aber Israel am siebenten Tage Gottes Walten am Schilfmeere schaute, erstieg es eine geistige Höhe, die sich in den begeisterten Worten eines erhabenen Liedes ausprägte. In diesem Sinne wird uns das Pesiachfest zu einem bedeutsamen Erlebnisse, welches sinnbildlich den Weg zur Höhe unserer jüdischen Lebensaufgabe in Kürze zusammenfaßt. Es beginnt dieser Weg mit der Befreiung aus Aegypten, die ja die Grundlage unfeeres gesamten jüdischen Seins darstellt, und er gipfelt in dem Bekenntnisse, das wir am Schilfmeere in Sangeswort kleideten: „Dies ist mein Gott, und ich will Ihm Stätte sein!" Und als sollte aus diesem Liede, dem Ausdrucke unseres jüdischen Lebenszieles, dessen geistige Errungenschaft erst am siebenten Tage des Festes reift, das Vorgefühl froher Erwartung solch geistiger Höhe sich schon am Sederabend äußern, singen wir in der Pesiachnacht Halle!, das Israels Einzel- und Gesamtleben bis zum Völkermorgen feiert. Wie tief dieser Gedanke, welcher sich im ideellen Zusammenhänge der Sedernacht und des siebenten Pesiachtages ausspricht, im alltäglichen Leben des jüdischen Mannes wurzelt, zeigt die' Schlußbemerkung Raschis zum Abschnitte der Ziziß: „und die acht Fäden entsprechen den acht Tagen, welche Israel vom Auszuge aus Aegypten verlebte, bis es das Lied am Meere sang." Wenn das Gewand, seinem höheren Begriffe gemäß, den Menschen an seine sittliche Bestimmung erinnert, so weisen die Ziziß darüber hinaus auf die jüdische Lebensaufgabe unserer Persönlichkeit hin, die sich, wie erwähnt, symbolisch in dem Zeiträume von der Pesiachnacht bis zum siebenten Tage des Festes darstellt. Die Vermutung liegt nicht fern, daß Raschi diese Beziehung der Zizzis zum Pesiachfeste aus dem Schlußworte des Zizzisabschnittes selbst heraus empfunden. „Der ich Euch herausgeführt — eingeleitet in der aus dem Lande Aegypten" Pesiachnacht" „um Euch zum Gotte zu — durch Israel ansein." erkannt im Liede des siebenten Tages: Dis ist mein Gott, ich will Ihm Stätte sein! Und wenn nach der trefflichen Erklärung des am Ende von cnnvs diese acht Tage des Festes sich durch die Zugehörigkeit der damaligen Pesiachnacht zum voraufgegangenen Erew-Pesiach ergeben, so gewinnen wir daraus den lehrreichen Gedanken, daß die Wurzel der Gotteshuldigung des siebenten Tages die Darbringung des Pessachopfers bildete, die unfern rückhaltslosen Gehorsam durch die Tat bezeugte. Eine solch vollendete Durchdringung nuferes ganzen Wesens mit diesem Gedanken unserer Lebensaufgabe ist die Wirkung der Lehre unserer Weisen, die im Pessachfeste diese Aufgabe per sinnbildlicht sehen, und schon am Beginne de-: Festes im Hallel-Liede die geistige Saat aus streuen, deren Frucht uns der Hochgesang de- Schlußtages bringt.

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