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Der Israelit · 1925-04-08 · Heft 15-16 (8.4.1925) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 15-16 (8.4.1925)
Date
1925-04-08
Page
– (sequence 27)
Language
German
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8. April 1826 . __ denaturierter Brennspiritus usw. dürfen aufbewahrt werden. Man gebrauche sie aber nicht am Pessach. War das in diesen Mischungen vorhandene Chomez aber schon verhärtet oder sonst wie ungenießbar, als es ihnen zugesetzt wurde, so darf man diese Mischungen am Pessach benutzen. Man darf z. B. an den Mittelfeiertagen mit Tinte schreiben, die Spiritus oder Vier enthält, wenn diese Mischung vor Pessach ‘ vorgenommen wurde. Am Pessach selbst setze man sich nicht in den Besitz von Stoffen, die Chomez enthalten, selbst wenn sie ungenießbar sind. Dinge, die man in der Regel nicht genießt, die man aber zu sich nehmen kan, wie Eau de cölogne und andere wohlriechende Essenzen,' die zum mindesten ein Tier genießen kann, darf man nicht im Hause behalten. Bei Medikamenten erkundige man sich, ob sie Mehl, Stärke oder Alkohol enthalten. Alkohol kann nämlich ganz oder teilweise aus Getreide hergestellt sein, und jedes' aus Getreide ge-, wonnene Produkt ist als Chomez zu betrachten, solange eine kundige und zuverlässige Aufsichtsführung nicht das Gegenteil bezeugt. In jedem zweifelhaften Fall (z. B. Präparate, deren Zusammensetzung geheimgehalten wird) lasse man Vorsicht obwalten und betrachte den Gegenstand als Chomez. Konserven, besonders Fleischkonserven sind als Chomez zu beurteilen, solange das rabbinatliche Attest nicht anders besagt. Syrup und Stärke haben als Chomez zu gelten. Auch Kunsthonig, solange kein Rabbinatszeugnis vorliegt, das die Abwesenheit von Chomez gewährleistet. Konservensalz ist Chomez. Reis, Mais, Hirse und Hilsenfrüchte pflegen wir am Pessach. nicht zu essen. (Die Portugiesen essen Reis.) Man darf diese Früchte aber über Pellach aufbewahren und die Tiere damit füttern. Es ist überhaupt weniger bekannt, wie man am Pessach mit der Fütterung der Tiere zu verfahren hat. Eben so wenig wie Chomez in den Wohnräumen vorhanden» sein darf, ist erlaubt, daß im ganzen Besitz sich Chomez befindet und daß man irgend welchen Vorteil von Chomez hat. Dabei ist es gleichgültig, ob man selbst mit dem Chomez umgeht, oder ob man das durch einen ^cichtjuden tun läßt. Zunächst füttere man Harum Tere nicht mit Chomez. Hühnern gebe man Mais und Mazzokrumen, Hülsenfrüchte, die zwar zu essen verboten, zu benützen aber erlaubt sind, — oder Kartoffeln. Kühe füttere man mit Heu. Kühe, die sonst mit Kleie gefüttert werden, desgleichen Pferde, die Hafer bekommen, müssen daher vor Pessach an einen Nichtjuden, ver- ___ Der Israelit__ kauft, und der Stall, in welchem sie sich befinden, an denselben vermietet werden. Auch darf natürlich Chomez, das für diese Tiere etwa gekocht werden müßte, nicht in Gefäßen oder auf Oefen, die dem Juden gehören, zuoereitet werden. Man muß sich den Nichtjuden, an dem man die Tiere verkauft hat, als Eigentümer betrachten lassen. Er hat z. B. auf seinen Namen alle Vorkehrungen zu treffen, wenn dem Tiere während, der Pessachtage ein Unfall zustößt, dessen Heilung zu bewirken ist. In diesem Falle kann der Jude nicht etwa als Beauftragter des Nichtjuden Heilmittel kaufen, die Chomez sind, selbst wenn der Nichtjude ihm das Geld dafür gibt. Milch darf man nur dann vom Juden am Pesfack kaufen, wenn derselbe seine Tiere nicht mit Chomez füttert. Es ist nicht nur darauf zu achten, daß in den Gefäßen, in die die Milch gemolken wird, sich kein Ehomez befindet. Man darf zu seinen nichtjüdischen Dienstboten am Pessach sagen: Hier hast Du Geld, kaufe Dir etwas zu essen. Man darf aber zu niemanden, auch Angestellten, nicht sagen: Hier hast Du Geld und kaufe Dir Chomez (Brot und dergl.) dafür, da der Jude selbst für sich auch am Pellach kein Chomez kaufen darf. Wohl aber darf man zu einem Nichtjuden und selbst den eigenen nichtjüdischen Dienstboten sagen, sie sollen sich am Pessach etwas zu essen (man nenne nicht Backwerk, das Chomez ist) kaufen und man, der Jude, wird es nach Pessach dem Lieferanten bezahlen. Man gebe aber nicht dem Lieferanten vor Pessach Geld, damit derselbe dem Nichtjuden dafür während Pessach Chomez verabreiche. Ein kleines Kind, das man Chomez essen lassen muß, bringe man zum nichtjüdischen Bäcker. Man bezahle das Geld (an den Mittelfeiertagen) erst, nachdem der Nichtjude dem Kind bas Chomez in die Hand gegeben hat. Der Jude selbst reiche dem Kinde das Chomez jedenfalls nicht. Man darf für ein Kind oder einen Kranken im Falle der Lebens-Gefahr Chomez im Haufe haben, man lege es aber so weg und stülpe möglichst ein Gefäß darüber, daß niemand daran kommen und sich irren kann, es zu essen oder es in den Haushalt, in Gefäße oder dergl. zu bringen. An den besten Mazzoth können sich Stellen befinden, die Chomez sind; nämlich diejenigen Stellen, an welchem die Mazzoh „umgeschlagen" ist und infolgedessen doppelt liegt. Solche Teile müssen vor Pessach ausgebrochen werden. Man sehe daher jede Mazzoh sobald die Mazzoh von der Fabrik angeliefert werden, einzeln durch und lege die als gut befundenen an den Nr. 15'10 Seite 27 Aufbewahrungsort. Die angebrochenen Stücke verwerte man vor Pessach. Auch die Stellen, an denen eine große Luftblase sich befindet, breche man aus. Der Teig har an der betreffenden Stelle gespalten und ist nicht durchgebacken, sondern getrocknet und daher Chomez geworden. Dasselbe gilt oft von ganzen, nicht dünn genug gewalzten Mazzoh oder solchen, die bei abnehmender Hitze oes Ofens oder bei schlechter Einrichtung desselben in demselben waren. Man erkennt solche getrockneten Mazzos an der weißen Farbe, man sieht von innen, — meistens am Rande — den noch rohen Teig. Auch dieses Gebäck ist Chomez. Besonders achte man auf die Stücke, die zu Mazzothmehl vermahlen werden sollen, daß sich an ihnen keine Stelle befinde, die Chomez ist. Sollte man am Pessach eine solche doppelt liegende Mazzoh finden, so verbrenne man sie, wenn es an den Mittelfeiertagen — nicht am raff — war. Findet man sie am mtror» oder am raff so lasse man sie weglegen, damit sie nicht aus Versehen gegessen wird oder man bedecke sie am Fundort selbst mit einem Gegenstand und verbrenne sie an den Mittelfeiertagen beziehungsweise nach Pessach. Dieses Verbrennen darf nicht in einem Öfen geschehen, der zum Kochen oder Heizen in der Küche oder einem Zimmer brennt, damit man durch das Verbrennen auch nicht den geringsten Genuß habe. Daß beim Salzen des Fleisches und bei Geflügel ein kleines Getreidekörnchen, das sich am Pessach dabei findet, zu weitgehenden Unannehmlichkeiten und Unkosten Anlaß geben kann, muß noch erwähnt werden. Nach dem Minhag mancher Orte ißt man darum am Pessach kein Geflügel. Daß man am Pessach keine Häringe ißt, weiß jedermann. Ueberhaupt alles, was nicht unter zuverlässiger Leitung eingesalzen, eingemacht, geräuchert oder gebacken ist, genießt man nicht. Selbst Rohprodukte, wie getrocknete Früchte, Salz, Kaffee — wenn er nicht unter besonderer Aufsicht bereits gebrannt ist — besieht man vor Pessach, mindestens vor dem Gebrauch. Man benutze nicht nur keine Kochtöpfe oder sonstige Geschirre, sondern auch weder Mörser noch Reibeisen oder sonstige Geräte, die das Jahr über in der Küche verwandt werden, zur Bereitung von Pessach-Speisen; es sei denn, daß diese Geräte einer Kascher-Behandlung unterworfen wurden. Da bei der geringsten Unregelmäßigkeit die am Pessach im Haushalt eintritt, eine n^rrff bei einem gesetzestreuen Gesetzeskundigen vorzulegen ist, so braucht auf die Einzelheiten, die Vorkommen können, nicht eingegangen zu werden. war, der Schwester ein prächtiges Haus zu errichten. Sie wollte es nicht. „Hallen wir uns, fern von der Ueppigkeit bctr früheren Bewohner des Landes," mahnte sie. „Bleibt bescheiden, bebauet euer Land, und benützet eure Mußestunden, euch in die Gesetze zu vertiefen, die euch bisher gut gemacht haben. Besonders jetzt gedenket des Ruhetages. Ihr faßt Boden in diesem schönen Land. Laßt nicht das Verlangen nach Besitz Herr über euch werden!" „Nachdem wir gesehen haben, daß deine Gesetze uns geholfen haben, werden wir sie doch nicht verlassen," antwortete der Prinz. Das Haus wurde gebaut. es war ein Prachtbau; von nah und fern kamen die Leute, es zu bewundern. Dann errichtete der Prinz für sich einen Palast, seine Großen folgten dem Beispiel; die Hauptstadt wurde zu einem Weltwunder. Vornehme Gäste erschienen, um den Prinzen kennen zu lernen; sie brachten ihre Dienerschaft mit, und bald erfüllte ein Lärmen der Fremden die Straßen der Stadt. 'Vergebens mahnte die Prinzessin ihren Bruder, das Treiben zu stören und zur ursprünglichen Einfachheit zurückzukehren; er wollte die Gefahr nicht sehen. Fürsten und Könige waren feine täglichen Gäste, die er in ihrer eigenen Weise bewirten ließ. Seine Untertanen folgten dem Beispiele des Hofes, sie waren stolz aus die Bewunderung der Fremden, deren Sitten nachzuahmen ihr eifriges Bestreben war. Wer beschreibt das Cnlsstzen der Prinzessin, als Amsegullah ihr eines Tages mitteilte,. daß. er eine fremde Königstochter als Gemahlin heimführen werde. Nichts halfen ihre Einwendungen. Der Prinz ließ für seine Gemahlin ein herrliches Haus bauen, in dem sie ganz nach den Sitten oder vielmehr Unsitten ihrer Heimat leben konnte. Bald unterschied sich Amsegullahs Hof kaum mehr von dem der verjagten Könige des Landes. Die Prinzessin zog sich mehr und mehr zurück von ihrem Bruder. Unter den einfachen Leuten des Landes hatte sie noch gute Freunde. Die kamen in ihren Freistunden gern zu ihr. um sich belehren zu lassen. Und am siebenten Tage trafen sich all ihre treuen Freunde bei der Prinzessin Thora, da lernten sie zusammen und freuten sich des Ruhetages. Höhnisch verspotteten die Hofleute die einfachen Freuden dieser Frommen, sie hatten ja längst die Lehren der Prinzessin verworfen und begingen den Ruhetag Mit Tanz und Iubel, wie es bei den fremden Völkern geschah. Sorgenvoll sah die Prinzessin, wie das üppige Treiben an ihres Bruders Hof den Wohlstand des Landes verschlang und die Sitten des Volkes untergrub. Keine Mahnung half, der Prinz lauschte nur den Worten der Schmeichler. Bald zogen seine neuen fürstlichen Freunde ihn in Bündnisse herein, die ihm viele Feinde schafften. Bald kamen die Nöte des Kriegs über das Land mit Mord und Hunger und Krankheit. Aber selbst jetzt sah Amsegullah nicht seine Schuld ein, selbst als sein königlicher Vater ihm Boten schickte, die ihm ernste Ermahnung brachten. Der Prinz war geblendet durch die süßen Worte seiner sogenannten Freunde. Wieder kamen Voten des Vaters mit noch ernsteren Worten: er werde das Land verlieren, wenn er sich auf die falschen Versprechungen der Fremden stütze, statt den Geboten der Schwester zu folgen. Amsegullah blieb taub. Er traute den Worten seiner Verbündeten mehr als der treuen Schwester. Nun kam es zum Zusammenbruch. Ein heftiger Kampf entspann sich zwischen seinem Bundesgenossen und dessen mäch.igem Gegner. Amsegullah wollte dem Freunde zu Hilfe eilen, aber der Feind war zu stark und vernichtete sein ganzes Heer und nahm das Land ein. Ietzt wandte sich. Amsegullah an den Vater. Aber dieser wies ihn zurück. „Du verlierst dein Land durch eigne Schuld. Du hörtest nicht auf die

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