Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 15-16 (8.4.1925)
- Date
- 1925-04-08
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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'¥■ D fri;|’T \}i.; ui Seite 26 Nr. IS/16 Der Israelit 8. April 1925 legen den Hochmut der stofflichen Kraft im häuslichen Kreise der Familie und des Einzellebens, im kastengespaltenen Gesellschaftsleben sodann, bis hinauf zum staatengründenden Prinzip: aus daß die Vielheit und die Gesamtheit ein Lichtmeer geworden, alles Irdische durchgeistigend, durchleuchtend, daß rein und lauter der Menschengeist als Gotteslicht erstrahle. Dann dürfen wir mit Jesajas rufen: Erhebe Dich mein Licht, denn aufgegangen ist Gotteslicht über die Erde! Auszug aus der Bibliothek des jüdischen Volksfreundes: Speisegesctze 2. Teil. Das Thoraverbot, Chomez zu essen und zu besitzen, tritt am Rüsttag zu Pessach mit Mittag ein, weil nach 5. 16,3 beim Pessach, sobald die Zeit der Schlachtung des Opferlamms beginnt, das Chomez-Verbot statt hat. Die Weisen haben die Zeit des Chomez-Verbotes zwei Stunden früher angesetzt, so daß man nach Ablauf des ersten Tagdrittels (d. i. nach vier Stunden nach Tagesbeginn, für die Zeit, in der Tag und Nacht gleich lang sind) aufhört, Chomez zu essen und zu trinken. In der darauffolgenden Stunde kann man noch durch Verkaufen oder Verschenken des Chomez Vorteil aus demselben ziehen und mit demselben auch noch Tiere füttern. Man muß aber darauf achten, daß das Tier nichts davon verscharrt oder beiseite schafft, damit sich nicht am Pessach in jüdischem Besitz Chomez findet. Mit Beginn der sechsten Tagesstunde darf man keinerlei Vorteil mehr von Chomez haben. Wenn allerdings ym Crew Pessach nach Beginn der sechsten Stunde bis zum Eintritt der Nacht sich Chomez mit anderen Speisen vermischt, dann unterliegt diese Mischung nicht der sonst für Chomez am Pessach geltenden erschwerenden Beurteilung, sondern es wird diese Mischung wie eine solche einer anderen verbotenen Speise angeehen. Vom Eintritt der Nacht an hat aber die; e r i n g st e Vermischung von Chomez in Speien die Wirkung, daß diese Speise und alle diejenigen, die damit in Berührung kommen und alle Geschirre geradezu für den Gebrauch zunächst wertlos werden, da sie nicht nur nicht mehr zu Speisen, sondern auch zu keinerlei Nutznießung mehr dienen können, also auch nicht verschenkt werden dürfen. Geschirre werden, falls deren Herstellungsmaterial das zuläßt, nach den Festtagen durch entsprechende Kascher-Behandlung wieder benutzungsfähig gemacht. Auch solches Chomez,, das über Pessach in jüdischem Besitz war, bleibt auch nach Pessach zu jeglicher Nutznießung verboten. Jede Speise, die von den fünf Getreidearten hergestellt' ist, aus deren Mehl Mazzoh bereitet werden kann, kann Chomez werden. Diese fünf Arten sind: Weizen, Gerste, Roggen, Hafer, Spelt. Die geringste Menge, die sich hiervon in feuchtem oder feucht gewesenem Zustand in oder auf einer Speise befindet, bewirkt, daß dieselbe als Chomez angesehen werden muß. Man hat im Gegensatz zu anderen verbotenen Speisen eine Grenze des Mischungsverhältnisses, ein Verschwinden des Chomez in der größeren (60fachen) Menge der anderen Zutaten nicht zugelassen. Man hat vielmehr bestimmt, daß das geringste Atom, das sich in einer Speise befindet, die Speise und die für sie benutzten Gefäße wertlos macht. Ja, wenn ein kleiner Teil einer so unbrauchbar gewordenen Speise unter eine andere kommt, ist auch diese ganz dem Gebrauch entzogen. Man führte bei Chomez darum so strenge Maßregeln ein, weil dasselbe das ganze Jahr für den Genuß nicht nur erlaubt ist, sondern Chomez-Brot unsere eigentliche und wesentliche Ernährung bildet, und man sich daher am Pessach sehr leicht irren könnte. Selbst wenn man mit einem Messer, das zu Chomez-Speisen gebraucht wurde, eine Speise zu Pessach geschnitten hat, so genießt man dieselbe nicht gekocht. Auch die Erleichterung, die ein „abgestandener" Geschmack manchmal bewirkt, fällt bei Chomez am Pessach fort. Man gießt nicht aus einem sonst im Jahre benutzten Gefäß ein heißes Getränk in ein für Pessach bestimmtes Geschirr. Eine Mazzoh, die Brot berührt hat, verwertet man nicht am Pessach. Geschirre, die das Jahr über für die Chomez-Küche dienen, benutzt man am Pessach nicht; Man darf dieselben freilich nach gehöriger Reinigung im Hause behalten. Man stelle dieselben aber so außerhalb des Bereiches der Hand, daß man sie nicht irrtümlich verwendet. Die Speisen, die in solchen Gefäßen am Pessach gekocht werden, sind nicht zu verwerten. An dieser Stelle ist daran zu erinnern, daß Bratröhren, Röhren in Zimmeröfen, die sonst für Chomez benutzt werden, entweder zu Pessach zu glühen oder, wenn sie nicht benutzt werden sollen, zuzubinden sind, damit man nicht irrtümlicherweise am Pessach etwas hineinstelle. In vielen Herden befindet sich ein Wasserschiff. Falls dieses nicht gekaschert werden kann — wenn es nämlich nicht aus einem Stück besteht — und man zu Pessach kein anderes anschaffen will. nehme man das Schiff heraus und bedecke die Oeffnung mit einem Blech. Nebenbei sei bemerkt, daß man in diesem Schiff, falls man es — ohne zu kaschern — im Ofen beläßt und es nur zubindet, am Jomtauw kein Wasser nachfüllen darf, weil man das Wasser doch nicht benutzen kann. An den Mittelfeiertagen kann man es dann aufbinden, Wasser nachfüllen und wieder zubinden. Zum Nachsüllen nehme man ein Gefäß, das man am Pessach für andere Zwecke nicht benutzt und achte darauf, daß kein Wasser aus dem Schiff auf den Herd oder andere Gefäße spritzt; die Nachfüllung nehme man vor, wenn Schiff und Herd kalt sind.' Speisen, die vor Pessach in Gefäßen gekocht oder eingemacht wurden, die früher zu Chomez verwendet wurden, in denen sich aber jetzt keine noch so kleine Beimischung befindet, dürfen aufbewahrt werden, wenngleich man sie am Pessach nicht genießen kann. Sie müssen natürlich an einem Orte aufbewahrt werden, an dem eine Verwechselung mit Pessach-Speisen ausgeschlossen ist. Cognac, Essig und Rum, die vielfach zum Einmachen verwendet werden, sind als Chomez anzusehen, wenn sie nicht besonders für Pessach hergestellt sind. Eine Oblade, die auf eingemachte Früchte gelegt wird, ist bekanntlich als solche schon Chomez. Sacharin ist in Tabletten-Form, wie alle Heilmittel in Tablettenform, als Chomez zu bezeichnen. Es gibt aber solches, das am Pessach gebraucht werden darf, wenn es nur kristallisiert ist. Odol oder anderes Mundwasser, Essenzen, flüssige Farbstoffe, die zu Speisezwecken verwandt werden, sind als Chomez zu betrachten. Es können diese Mittel freilich auch ohne Chomez hergestellt werden, aber die im Handel befindlichen Chemikalien sind meistens nicht ohne Beimischung von Chomez hergestellt. Conserven, die in sogenannten Golddosen sich befinden, dürfen am Pessach nicht gebraucht werden, da im Goldlack Chomez enthalten ist. Tischwäsche, an der Stärke klebt, pflegt man am Pessach nicht zu benutzen. Wenn auf der Tapete, die innerhalb der letzten 30 Tage vor Pessach geklebt wurde, von außen Reste von Kleister haften, so entferne man dieselben. Wenn solche sich auf einer Tapete finden, die schon vor 30 Tagen vor Pessach.aufgehängt wurde, so braucht man dem keine Beachtung zu schenken. Denn jede Speise, dei sich in einem solchen Zustande befindet, daß sie ein Hund verschmähen würde, braucht man nicht zu entfernen. Medikamente zu äußerlichem Gebrauch, die auch nicht von einem Tier getrunken werden können, Toilettemittel, Farbstoffe, Putzmittel, Feuilleton. Die Geschichte vom Prinzen Amsegulloh Ein mächtiger König hatte viele Söhne, die er alle zärtlich liebte. Als sie herangewachsen waren, beschloß er, ihnen Teile seines Reiches zu geben. Er hatte ein einziges Töchterchen, das der Liebling aller war. „Nun,- zu welchem Bruder möchtest du nun gehen, liebes Kind?" fragte der Vater. Der Prinzessin fiel die Entscheidung schwer. Die Brüder waren wild und ungebärdig; bisher im Vaterhause halten sie sich dem Willen des Vaters fügen müssen; wie mochte es jetzt m der Selbständigkeit werden. „Ich gehe mit dem, der so lebt, wie ich es wünsche," entschied sie. Nun kam jeder der Brüder, die auch die Schwester innig liebten, und versprach ihr köstliche Kleider, Schmuck, Süßigkeiten, kurz, was ein Mädchenherz erfreuen konnte. „Nein, nein, ihr Brüder, damit gewinnt ihr mich nicht!" „Was willst du denn, »Prinzeßchen?" fragten die Brüder. „Ihr sollt fromm und gut leben, wie ihr es im Vaterhause gesehen habt, euren Vater ehren, seine Gebote halten, Frieden suchen, nicht töten, nicht stehlen . . ." „Nein, nein," schrieen die Brüder. .Meinst du, wir wollen weiter am Gängelband gehen, jetzt sind wir selbständig und tun, was wir wollen." Traurig blickte die Schwester auf. „So müssen sich unsre Wege trennen!" Einer nach dem andern verließ das Vaterhaus, das Prinzeßchen weinte bitterlich. Da legte sich eine Hand auf ihre Schulter, sie blickte auf. Da stand ihr jüngster Bruder vor ihr, fast noch ein Knabe. „Weine nicht, Schwesterchen," sagte er, „komm du mit mir, ich will gern all deine Wünsche erfüllen, wenn du mit mir gehen willst." Sie lächelte ihn froh an. „So bleiben wir zusammen: gern will ich dich alles lehren, dann leben wir glücklich zusammen." Amsegulloh, so hieß der Prinz, führte die Prinzessin, deren Name Thora war, zu den Freunden, die ihn in das vom Vater zugewiesene Land begleiten wollten. Sie bauten ihr ein wunderschönes Zelt, das mit kostbaren Teppichen und goldgestickten Vorhängen geschmückt war. Es war ein weiter und beschwerlicher Weg in das ferne Land. Doch am siebenten Tage mußten sie ausruhen, dieser Tag war bestimmt zur Ruhe für alle, Mensch und Tier; da gab es keine Arbeit, nur frohes Sinnen über alles Gute, was ihre Seele befriedigte. Oesters gab es auch Murren und Klagen, wenn die Schwierigkeiten der Reise gar so groß wurden, wenn das Wasser knapp schien und die Eintönigkeit der Nahrung auf die Gemüter drückte. Aber immer gelang es der Prinzessin wieder, die Herzen zu besänftigen. Besonders die Frommen fügten sich gern allen Anforderungen der treuen Führerin, sie fühlten bald, daß alles zum Guten war, und so ermunterte sie auch die Kinder zum Gehorsam. Nach langen, langen Jahren erreichten die Wanderer ihr Ziel, ein herrliches Land lag vor ihnen ausgebreitet, fließend von Milch und .Honig. Jedoch die Besitznahme erforderte noch manche Mühe; die Einwohner wollten sich den neuen Gesetzen nicht fügen. Cs waren ruchlose Menschen, die nichts im Sinne hatten als Mord und Zwietracht. Ihr ganzes Sinnen war nach Gold und Silber. Speise wtb_ Trank, Schmuck und Kleidung gerichtet, ein Menschenleben wurde für nichts ge achtet. So vernichteten sie einander allmählich selbst, und Amsegulloh konnte den Rest au^ seinem Lande vertreiben. Das war ein Jubel, als er endlich' Herr des köstlichen Landes war. Sein erstes Bemühen