Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 15-16 (8.4.1925)
- Date
- 1925-04-08
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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g=m o—Oll o-o ir^ c) jüdischer Cd ^11 O—6~{( O--O || |=rv Dof ft sfveund $uttt IsFer^lit Organ des Vereins für die jüdifchen3nfereffen «Rheinlands c.D. Vsir R«rL»vinsv Dr». wslf in Lsln a« M a][ö ■ölfö O so- ■o ord- Jahrgang Frankfurt a. M., 8. April ^925 / *5. Nissan 5685 Nr. 2 jE VibtiolKeK des jüdilcfien Doffesfpeundes Noch vorrätig: ix? rfrm Geeignetes Barmizwoh - Geschenk Zu abonnieren: (Penfafcucft Äkevsetzung und Kommentar in Lieferungen Bereits erschienen: jwm m Im Druck *1^ (als Doppelnummer). Zu haben in allen Buchhandlungen und beim Verlag: Köln, Hohenstaufenring 14 Postscheckkonto 50648 Herein für die ifid. Interessen Rheinlands Pflichttat im Lichte der Pessach-Feier. Wo wäre ein zweites Gesetzbuch, das eine Sühne kennt für einen sündhaften Gedanken, wo der Gesetzgeber, der eine solche verlangen könnte? In der Welt der Erscheinungen, deren Teil die Gesellschaft ist, werden Taten geboten und die Welt beurteilt sie. Ob sie stören und verletzen, ob sie schonen und fördern, dazu wirft der Nachbar sich zum Richter auf. Ob sie aber die Seele des Handelnden heiligen oder vergiften — selbst die Möglichkeit, das zu erwägen, liegt dem gewöhnlichen Gedankenkreise fern. Mag immerhin der Nebenmensch in der Gemeinschaft etwas bedeuten, der Mensch als solcher gilt ihr nichts. Wie aber baut man wohl den Menschenverein auf, ohne sein erstes Molekül, den Menschen? Anders, ganz anders die Tauro. Wo überall in ihr ein Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden soll, da ist nicht Vergeltung, nicht einmal, von vier Ausnahmen abgesehen, Abschreckung der Zweck der Zweck der Strafe, sondern Sühne. Auf daß der Verbrecher seine Sünde nicht ins Grab mitnehme, soll ihm hier Sühne werden, um vor dem Allrichter mit reiner Seele zu erscheinen. (Tanchuma zu irr Nr. 2 und Midr. Rabb. 7,3). Das Gedankenbild der Tat muß mit dieser selbst harmonieren. Wie kein Körper ohne Seele, keine Seele auf der Welt ohne Körper vorhanden ist, so muß der Tat die Idee entsprechen, wie jene nur Ausfluß dieser ist. „Einen Hochzeitsbau errichtete der König Salomo aus den Bäumen des Libanon". (Hohes Lied 3, 9.) Was Wunder, wenn der Midrasch dazu erklärt: Ein befruchtender Gedanke p’nsN' eine Pflanzstätte, wird nimmer aus Holz und Gold geschaffen, wenn nicht Geist und Sinn aus alldem reden und lehren soll. Nicht die materielle Gestaltung hierunten zeigt die Vollendung. Sie hat Mißdeutung und Irrlehre bis zur Vernichtung gebracht. Sie will nur treues Abbild unvergänglicher Jdeenlehre sein, zu deren weltbeherrschendem Thron wir emporgerufen werden sollen. — Das ist die Lehre des n^i?' Emporopfers. Des Herzens Irrung soll es zur Reinheit leiten. Das nbip wird für Dann bv euren Gedanken gebracht, wenn ihr sinnet nicht sein zu wollen, was ihr sein sollet. In rührender Vatersorge sehen wir Job für seine Kinder sühnen, denn er fürchtete, in gedankenloser Hingebung an irdische Freuden hätten sie im Gedanken gefehlt. Nur in solcher Gedankenwelt, die den Kreis des irdischen Daseins wohl nicht als Täuschung, aber doch gewissermaßen als Schemen ansieht, ist die Idee das Wahre, ist allein alles was Geist im Menschen und in der Welt ist, das Seiende und Bleibende. Nur im Kreise solcher Anschauung kann und darf auch die Anregung zur Reihe hoher Gedanken als Mizwoh gelten. Hätte man jemals gehört, daß der Großvater verpflichtet sei, dem Enkel von den Kriegen zu erzählen, deren Veteran er ist? — und wir müssen vom Auszug aus Mizraim erzählen! O, jene Gedankenfürsten, die in den hohen Geistessphären lebten, da keine irdische Macht ihr Geistesleben verdunkeln, kein Tyrannenhochmut den Flug ihres Gedankens fesseln konnte, kein irdischer Druck ihre Zuversicht in die Ewigkeit der göttlichen Wahrheit zu lähmen oder zu schwächen vermochte, ihnen wich unbemerkt die Nacht dem Tag, vorbildlich ihrem Volke in mutiger Ausdauer voran, belohnt vom aufjauchzenden Ruf nacheifernder Getreuen: „unsere Lehrer, es ist die Zeit, das Morgen-Schema zu lesen, herangenaht. Im Geistesschatz von objektiver Geschichte und Wahrheitslehre vertieft, blieben sie unempfindlich für das grausame Ungemach harter irdischer Wirklichkeit. — „Der Pflichttreue erfährt kein Leid,' — und, wandelten so und nur so ihrem Volk den Jammer des Erdenwallens zum Paradies des höchsten ethischen Genusses. Die Pflichttat ist zur Läuterung da dessen, der sie übt. Denn wenn sie keinen sittlichen Erziehungswert hat, dann kann es keine Bedeutung haben, an welcher Stelle des Tierkörpers z. B. der Schächtschnitt ausgeführt wird. Drum gehört in unsrem jüdischen Sinnen, die Welt des Geistes aufzurichten, der Wille diesem hehren Ziel. Zwar nicht im Stürmen, Gott und uns zu suchen, stürzen wir in blindem Eifer über alles was uns entgegensteht, dahin. Unser Wille zum Guten ist an dem gegebenen Wahren orientiert. Das ist was uns von jenen anderen scheidet, die im Dunkeln tappen. Drei Stellen sind es, die die Masoroh zusammenstellt: 1, 2, 4: Wir wollen eine Stadt und einen Turm bauen, desseniVXNi Spitze in den Himmel reicht." 28,12: „eine Leiter war zur Erde gestellt, und ihre Spitze reichte an den Himmel." 13,45: „Seine Kleider sollen eingerissen sein hzwti und sein Haupthaar soll wild wachsen." Sie türmen Stein auf Stein nach selbstgefaßten Plänen und wollen von der Erde aus den Himmel durch, fahnden. Wir bleiben unten, legen uns bettend aus Mutter Erde und die Leiter, auf deren Sprossen wir aufwärts klimmen, wird uns gereicht. Vont Himmel steigen die Boten der Wahrheit zu uns nieder, damit wir, von ihnen geführt, die Erde erfolgreich durchwandern. Wir erleben und schauen den Weltbrand, zündenden Mißerfolg derer, die Gott von irdischen Empfindungen aus im Himmel suchen zu sollen vermeinen, und jene die ihn dort zu treffen denken mit den Waffen irdischer Macht der Massen und des Schaffens. Die Gesellschaft, die sie verführt haben, ächtet sie. Ihre Blöße wird aufgedeckt, ihr Aussehen ist verwildert, ihr Mund ist durch sie selbst verschlossen und vor sich warnend, rufen sie selber mit ihrem Sturz rrvv „unrein! unrein!", unser ganzes Sein war rwvr Was aber wir, Israel, besitzen, ist nicht unser Werk; was wir besitzen, ist uns geworden. Drum ist es Maßstab, drum führt es zum sicheren, im voraus gesteckten und gefaßten Ziel, drum ist ihm Sieg und Erfolg unter allen Umständen sicher. Unser Schlagwort heißt „Mizwoh", Gebot, Befehl, Sollen eines großen Heeres, Pflichtdiktat für unseren Willen. Unsere Gedankenrichtung ist geläutert. Mag immerhin auch da in gut gemeintem Pflichtgefühl, im Eifer, das Gute zu wollen, zur Tat werden, daß es keinen Pflichtgerechten gibt, der das Gute tut, ohne Fehler zu begehen. Aber das Pflichtbewußtsein ist erwacht, der Wille zum Guten ist erzogen und beherrschend erstarkt. Mag immerhin im Mittel einmal jemand sich vergreifen: der Beweggrund zeugt für ihn. Irrt er sich auch im Gegenstand, hat er gleichwohl eine Mizwoh geübt, so geht er straffrei aus, weil er zu Unterlassendes Im Eifer, Befohlenes zu üben, gleichzeitig mit ihm ausgeführt. Sein Irren war menschlich. Der Gedanke an die Mizwoh ist es, der den Juden dem Dilemma entreißt und Licht bringt in das Dunkel seines eifrigen Strebens. Der Wille zur Pflicht leuchtet wie ein Licht, das die Welt erhellt. In dem Maße aber, in dem die Welt von dem Licht der Pflichterfüllung widerstrahlt, steht das Menschenleben als Träger des Gottesgeistes festgegründet im Dienste der Wahrheit. Welch andere Gelegenheit lehrt uns deutlicher, eindringlicher diesen Weg zum Menschheitsglück als Pesiach, das besonders im Goluß als Mittelpunkt des Festgedankens die Mazzoh als Vorbild gewissenhafter Erfüllung der Mizwoh sieht. Mit dem Licht der Mizwoh im Sinne der Tauroh suchen wir das Chomez aus allen Winkeln und Fugen und im Prüfen und Suchen und Finden erkennen wir die Aufgabe des Menschen: Mensch zu werden. (Pessach. 4 b.) Möchten wir begreifen die sittliche Größe, wie sie vorgezeichnet ist, und möchten alle Völker mit uns lernen, daß Pflichttat die einzige Rettung bedeutet, den Aufstieg der Menschheit zur Menschheitshöhe, die Erleuchtung der Seele zum Seelenheil des Einzelnen und der Gesamtheit: Abzu-