Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 15-16 (8.4.1925)
- Date
- 1925-04-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Der Israelit 'de; c 4 3lt. io 16 8. April 1925 übertriebene Vorliebe für die Orthodoxie aller Konfessionen gewiß nicht vorwerfen kann. Es heißt da: „Doch richtig, beinahe hätten wir die U n i v e r f i t ä t vergessen. Das ist doch ohne Zweifel bereits eine Leistung neuer jüdischer Kultur? Aber sie ist das nicht; denn es ist eine ganz moderne europäisch-amerikanische Universität, verpflanzt in ein Gebiet, dem sie wesensfremd ist, in ein Gebiet, das erst selber einmal einen Geist entwickeln müßte, um dann aus ihm heraus eine Hochschule zu errichten, die nicht abendländisch, sondern morgenländisch wäre und daraus Eigenes zu geben hätte. Die Errichtung der Jerusalemer Universität ist vielleicht der Beweis, daß die Zionisten mit dem europäischen Wissenschaftsbetriebe so umzugehen verstehen, wie mit amerikanischen Ackermaschinen, und das ist ja wohl auch die Gemütsverfassung, aus. der diese Universität entstanden ist. Ueberal! sieht man die Angleichung an die europäisch-amerikanische Moderne. Jüdische Kultur ist das nicht. Was zur Anerkennung übrig bleibt, das ist die Energie, mit der die Zionisten ihre Arbeit leisten." Hier wird mit großer Treffsicherheit die ganze Künstlichkeit, der aller natürlichen, originalen Entwicklung entbehrende Charakter der zionistischen Kulturpolitik hervorgehbben, die den Unioerfitätsgedanken in seiner jetzigen Form geboren und großgezogen hat. Wir verkennen nicht, daß uoerall dort, wo es sich um die Erforschung der äußeren Erscheinungswelt handelt, die Methoden der Wahrheitsfindung mehr oder minder überall die gleichen, durch die Natur des Objektes und des menschlichen Erkenntnisvermögens bestimmten sein müssen; und es gibt keine jüdische Physik und Chemie, keine jüdische Medizin und keine jüdische Technik, deren Charakter durch Anpassung gefährdet werden könnte. Ganz anders auf dem Gebiete der höchsten meta-physischen Erkenntnis, zu deren Bewahrer für die Menschheit das jüdische Volk bestellt ist; ganz anders vor allem be^ dem furchtbaren geistigen Ringkampfe um das „Ja" oder „Nein" der Gottesoffenbarung, deren historisches Zeugnis von der Wissenschaft naturgemäß als Objekt freiester kritischer Beurteilung, als B e st a n d - teil der Erscheinungswelt wie jedes literarische Denkmal vor das Tribunal des souveränen Menschengeistes gezogen, von der jüdischen Nation dagegen nun einmal seit Jahrtausenden als übersinnliche Quelle und Inspiration alles Forschens im Diesseits und Jenseits anerkannt worden ist. Hier prallen die Gegensätze auf einander und an der Entscheidung hängt Leben u n d T o d. Wo aber das Zünglein der Menschheitswage um Leben und Vernichtung zittert, da führen nur Kinder und Narren — Jubeltänze auf. . Selbst der englische Oberrabbiner, Dr. H e r tz, der als offizieller Geistlicher dem Festakt auf dem Skopusberg die Weihe gab und der sich zu diesem Zwecke natürlich beide Augen vor dem, was droht, zubinden mußte,' hat in seiner oratorisch meisterhaften Rede etwas von Sorge durchblicken lassen, wenn er meinte: „Es versteht sich von selbst, daß, wenn der Student hier den jüdischen Ausblick gewinnen soll, die Lehrer diesen Ausblick haben müssen. Sie müssen die Ueberzeugung in sich tragen, daß das neue Juda der direkte Nachkomme des alten Juda ist, und daß es die Mission der Juden, ob alt ob jung, ist, Juden zu sein, mit anderen Worten: es darf nicht ihr Ziel sein, einen fremden Kulturtypus in Crez Jisroel nachzuahmen. Sonst würde die hebräische Universität eine Zitadelle der Assimilation werden. Die Professoren dieses Instituts müssen freie Menschen sein und keiner moralischen Vormundschaft untertan. Unsere Rabbiner sagten uns, daß die Erbauer eines Volkes seine Gelehrten sind. Wir sehen daher in den Männern, die hier ihr Leben dem Studium der geistig-göttlichen Offenbarung weihen wollen, um so die hebräische Universität zu einem Heiligtum des jüdischen Genius zu machen, einen Brennpunkt der Seele von Klal Israel, ein Zentrum jüdischen Denkens, glühend von jüdischer Leidenschaft für Recht und Sittlichkeit, ein Zentrum, das Zion einst wieder zur Mutterstadt eines wiedergeborenen Menimentums machen wird. Dann wird dieser Tag der Eröffnung einer hebräischen Universität in Jerusalem mit feurigen Buchstaben in den Tafeln der Geschichte Israels geschrieben sein." Im Interesse des inneren Friedens hätten wir gewünscht, daß die geistliche Einsegnung der Universität ganz dem Chief-Rabbi von England überlassen geblieben wäre; leider ist Rabbi Abraham K u k dem zweifellos ungeheuren Druck, den man von oben auf ihn ausübte, diesmal erlegen und hat auch seinerseits dem neuartigen „Nertomid" im Heiligtum des Menschengeistes die priesterliche Weihe erteilt. Vielleicht glaubte er durch sein Fernbleiben von der Einweihung des jud aistischen Instituts, genügend demonstriert zu haben — wie dem auch sei, es kann jedenfalls nicht ausbleiben, daß mit diesem Akte die schmerzliche Kluft noch mehr sich vertieft, die das offizielle Oberrabbinat von der ungeheuren Mehrheit der nmn •’b'm der ganzen Welt und von der im Kerne gesunden orthodoxen Masse des jüdischen Volkes trennt. Geht es so weiter, dann wird das „Oberrabbinat" bald nichts anderes sein wie das Office eines Kronbeamten, das, dem Herzen des schlichten jüdischen Mannes fern und fremd, jedes moralischen Einflusses entbehrt. Wenn etwas im Angesichte all dieser schmerzlichen inneren Widersprüche zu versöhnen vermag, so ist es die edle menschlich ergreifend wirkende Persönlichkeit des greisen V a l f o u r und seine Rede, die von wahrhafter Ehrfurcht vor der gegeschichtlichen Größe und Unsterblichkeit des jüdischen Volkes erfüllt war. Der nichtjüdische- Denker und Staatsmann kann nicht ahnen, daß das Geheimnis dieser Unsterblichkeit nicht auf dem Scopusberge unter Schaugepränge und Jubelhymnen gehütet wird, sondern in den Räumen des unscheinbarsten annan r>'2 in dem die Jüngerder ewigen Lehre die Nächte ihrem Studium weihen. Nach der ersten Wahlschlacht Der Ausgang der ersten R e i ch s p r ä s i - dentenwähl bestätigt die von den letzten Reichstagswahlen bereits gezeitigte Tatsache, daß die extreme Reakuon unter dem. Zeichen des Hakenkreuzes gründlich abgewirtschaftet hat. Der 29. März brachte eine völlige Absage an Ludendörsf. Hitler und alles, was sich an diese Namen knüpft. Die auf sie entfallenen Stimmen wirken prozentual geradezu grotesk. Die Rechte auf der mittleren Linie um I a r r e s hat aber die meisten Summen auf ihren Kam didalen vereinigt und steht, wie nach den letzten Reichstagswahlen, groß und mächtig da, wenn ihr auch nicht gelungen ist, eine absolute Mehrheit gegenüber den bisher getrennt marschierenden republikanischen Parteien zu erringen. Die Aussichten des zweiten und letzten Wahlkampfes am 26. April sind noch in Dunkel gehüllt. Es hängt alles davon ab, ob und wie die Parteien um Hellpach, Marx und Braun ihre Interessen. Zusammenlegen und eine Einheitsfront nach rechtsbilden. Es geht in diesem Falle um die Kandidatur Marx. Wer rein zahlenmäßig den ersten Ausgang wertet, rechnet bei einem-. Zusammengehen der Republikaner den sicheren Sieg ihres Einheitskandidaten gegen den des Reichsblocks heraus. Dennoch kann auch bei aller Einigung die zweite Schlacht Ueber> raschungen bringen, die alle Rechenexempel durchkreuzen. Den Rechtsparteien sei aber jetzt noch einmal in Erinnerung gerufen, was ihnen bereits nach den Reichstagswahlen an dieser Stelle gesagt worden ist. Sie danken ihren Gewinn an Stimmen in erster Reihe dem Umstande, daß weite Kreise der monarchisch Gesinnten sich unsäglich angewidert vom Treiben des Münchener Antisemitismus fühlen und sich daher vom ex- Irwinen Flügel zu den Deutschnationalen schlugen, von denen sie eine wohl konservative, aber in ruhigen Bahnen sich bewegende Politik erwarten- Ihr Zuwachs bedeutet ein Brechen mit der Haß- und Radaupolilik, mit der ein paar unreife Köpfe das geschlagene Deutschland retten zu können hätte. Um diesem Einwand zu begegnen, werden daher die Megitzot än den drei Feiertagen vor pa r«, d. h. vor Beendigung des mim?-Gebetes vorgelesen, da sonst die Megillot nicht anders plaziert werden können. Soweit die Antwort in der genannten Broschüre ,-m Vip' die etwas gezwungen klingt. Vielleicht ist einer der Leser des „Israelit" in der Lage, die hier aufgeworfene Frage besser zu beantworten. Der Dank des Schreibers dieser Zeilen ist ihm sicher. kleines Feuilleton. ♦mpThatp Der Ausdruck n?*r> irw ist wohl das bekannteste Zitat aus der Pessach-Hagadoh. Sein Sinn ist klar. Er entspricht etwa dem deutschen „wie Kraut und Rüben durcheinander". Jedenfalls beweist er, wie im Volke ny-p irre? aufgefaßt wird. In diesem Sinne wird es auch, soweit ich sehen konnte, ausnahmslos in den Hagadoh-Ausgaben übersetzt: „allerlei Kräuter", „verschiedene Kräuter" und ähnlich. Wollten wir aber nach dieser Uebersetzung den Sinn der Frage erfassen, so stoßen wir auf Schmierigkeiten. Die erste Frage der rumu na ist klar: Warum essen wir heute nur ns» und nicht wie sonst auch p»n Es läge nun nahe, dementsprechend diese zweite Frage also zu verstehen: Warum essen wir sonst alle möglichen Kräuter, heute nur -ma* Das stimmt aber weder sachlich: denn eben ist ja ein anderes Kraut (dsto) gegessen worden, noch sprachlich: es heißt nicht — wie mta iVn — hier •ma i, 12 (daß es jo nicht heißen kann, begründe: 'X r-op ">nvs 'Bcnri mit dem pvrrn Jn Wirklichkeit ist aber die geläufige Uebersetzung an sich falsch. Wo in aller Welt heißt ->xv noch „allerlei" oder „verschieden"? Ueberall heißt es vielmehr (die) „übrigen", (die) „andern". So rnr-rn is® (Esth. 9,12), unendlich oft im späteren Schrifttum z. B. ppvan w irw (Schabb. 8,1) (ib. 14,1) n^n « is® (Sack. 4,2). Uebersetzen wir hier also: „Sonst essen wir (die) andere(n) Kräuter", heute in» Der Sinn der Frage: Warum heute den -ma, den wir sonst nicht essen. Man könnte nun einwenden, daß dies sachlich nicht zutreffe, da wir ja auch sonst Kopfsalat und Meeretig genießen. Der Einwand ist aber nicht stichhaltig. Wenn wir diese Kräuter sonst essen, so sind sie zubereitet mit Essig und dergleichen. Dann hören sie aber auf m» zu sein, denn ma dsd Das Schaare Zedek-Hospitat zu Jerusalem im Bilde. Ein hübsches Bilderhestchen widmet das Schaare Zedek-Hospital zu Jerusalem seinen Freunden zu Pessach. (Buchdruckerei Kornsand, Frankfut a. M.) Die Kunstblätter zeigen den Hauptbau, gewähren Einblick in die inneren Abteilungen, die Apotheke, den Kindersaal, die Poliklinik ufw. und geben eine deutliche Vorstellung vom Leben und Treiben in der Heilanstalt. Saubere, lachende Kinder spielen im Garten. Eine freundliche Schwester betreut ein im Jsolierraum vereinsamtes Kind. In einem großen Saal und auch im Garten sitzen Rekonvaleszenten in Lektüre vertieft, auch würdige Männer vor aufgeschlagenen Folianten. Wir werfen einen Blick in die Synagoge der Anstalt, wo gerade eine „Jahrzeit" abgehalten wird. In der Meierei ein halbes Dutzend Kühe, die wohl nicht zu bewegensind, freundlich in den Photographieapparat zu schauen. . . . Alles in allem ein schönes Büchlein der jüdischen Liebe, und man sollte über der Freude an den Bildern, nicht auch den einliegenden Zettel übersehen, mit der Angabe des Postscheckkontos7 Franksurt a. M. 5 58 7. VW x- 5: Die Omer«Tabelle finden unsere Leser auf Sexte 34 dieser Nummer, Wochenkalender. 11.-18. April 1225. I 17.-21. Nissan 6685. n-pso vamstag April 1l mrt 17 [DU 2 vonntag 12 18 3 < ijnan *>w Nontag 13 19 4 Dienstag 14 20 5 l Nittwoch 15 21 6 nös ynavr Donnerstag 16 22 7 noa ji-mx Freitag Zamstao 17 18 23 24 8 9 an invrr Rausch-Thandesch benschen. Mauled 'K pia Dynnerstg. mtg. 12**