Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 15-16 (8.4.1925)
- Date
- 1925-04-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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zrAe 2 M. 15/16 D e,i I s r a e 11 t B.GpM ISW Herrn W.verschafft, verdient es, daß es durchbohrt werde." . Gibt es nun eine glühendere Apotheose der Freiheit als 'jtjiefe Gesetzesmotivierung des R. Iochanan ben Sakkai?! And ähnlich klingt auch jener andere Ausspruch: mm^n nnnx^x ftnn ’ipa Vx tote eine Hymne auf die Freiheit: Dreiheit wird auf, den Tafeln des Gesetzes verÄndet! Das Gesetz der Thora fordert Freiheit für.den Menschen. Daher ist der Freiheitsraub, den man am; Menschen begeht, gleichsam auch ein Freiheitsraub an der göttlichen Majestät. Die Tyrannei, die Menschenkinder knechtet, unterdrückt hiermit auch die ..nrnip die Gottesmajestät, die den Menschen mit Freiheitsrechten ausgestattet hat. In dem seiner .pon-Mtt verbrieften Freiheitsrechte beraubten MenMWwiich gleichsam auchHielGotteMäfestät D«Hhnt, indech ihr Wille inft Mmeii"ÄetrMn Wird. 'Darum: h>xiV’v» svr V2P xsi» mix ]n»9".ftiäshttMa nrsw an2»wa lautet ein Ausspruch der Weisen: „Du findest, daß während der ganzen Zeit, da Israel geknechtet wird, auch die Gottesmajestät unterdrückt ist." * Hrwähnter Ausspruch, hat aber auch npch einen anderen, tieferen SW. AÄ'.-Wn 121 px „Denn siehe, DiWernis bedeckt Erde..und -MoMyWter-,-M'MMoWA" Ome Eine Jahrtausende 'ümspannende geistige Gin-' sternis. Geflohen war von der Erde die wahre- Eotteserkenntnis. Verstummt .waren hie dey wah'rdn' Gott lobpreisenden Lynchen. Falsche Götter hatten hje Sippe herMepschen in. Bande heMagen. 'Fälschen Leöenszielen weihten die Mepschen ihre Lebenskräfte und Tage. Endlich aber war zufolge des göttlichen Erziehungsplanes das zum Völkerpriestertume auserkorene Israel auf der Schaubühne der Weltgeschichte erschienen: 1128’ ’kiWn ’NIL’ N. 8^ „Dieses Volk habe -ich mir gebildet, damit es meinen Ruhm künden soll!" Dieses Volk sollte ausMizrajim geführt werden, damit es b e i s p i e l g e h e n d und nachahmenswert Gott dienen.soll, „X'iriN2 "p^xn rix sii2Vna’ixaa apnx. Israels welthistorisches Auftreten sollte der gottgesandte Herold sein, der den siegreichen Einzug her in die Menfchenhütten, /in die' menschlichen '-Geister verkündet und ermöglicht. Solange-aber Pharaonische Sklaverei auf Israel Mete und jede freie- ' Bewegung'rm Keime erstickte,' solange Israel ein Oäriavolk war, dessen Zeit und Arbeitskraft im .Dienste' PharaoNMen Stlävenjöches "ver- Lrgücht 'worden ist, körtnte es ganz gewiß.nicht seMm welthistorischen Berufe: Bote her wahren, Hotteserkenntnis und her wahren Lehens^rfüllung zu sein — genügen! Solange konnte' es gewiß nicht jeden Atemzug seiner Brust, jede Schwingung seiner Herzenssaiten, jede leiseste Regung seines Denkens in den Dienst gottgesetzter Zwecke stellen, konnte es gewiß nicht all dieses .zu einer lauten Huldigung . Gottes-werden laffon. Daher: PäpiM^xiv^WHs „Alle Zeilen hindurch, däDsraek-ünterjocht wftd, wird auch die göttliche HerrWreit mit ihm unterdrückt." Die Knechtung Mraels bedeutet aM die Knechtung' des?Gottesgedankens. Denn mit der Unterdrückung desjenigen Volkes, welches als Bannerträger und Wegweiser erhabenster Wahrheiten in den Chor der Brüdervölker eintreten sollte, würde gleichsam auch der Gottheit' Kreis der "Menschen vorzubereiten hatte. Erst mit dem Momente, da für Israel die Befreiungsstunde geschlagen' hatte, die Stunde, deren Andenken wir am Pessach feiern, schlug gleichsam auch für die N2’2V die Stunde der Befreiung. Ietzt erst konnte der in dem Auf- ''treM'MSrMls'Dch'MäWsstitz'reNdtz'GotttzsgedMk^ frei Me Flügel. regen. Jetzt erst, als der das SklavenAWck Israels repräsentierende Ziegel *Yi NNter dWHhßmMottes geschwunden war, konnte die wieder innerhalb Israels residieren, OMe has' ZreigNtzorhme Israel.sein : äiÄ Und AesellschafLsleben.m einer Anerkennung Md Huldigung der göftlichen '.'.N2’2p'.werben blässen. MtzeMGÄte^PMiat? -MÄH in#» vÄVN.W21 iaix. * Auch andere Völker feiern Freiheitsfeste, an denen sie Freiheitslieder zum Andenken an das Erringen jenes köstlichen Gutes anstimmen, aber der Vorzug unseres, des jüdischen Freiheitsfestes, besteht eben darin» sdätz wir an unserem . Frei-- heitsseste in erster Reihe dip Freiwerdung her ri2’2V feiern. Wir feiern wohl nvs älsMristnerung daran, daß Gott uns von den phargonischen Sklavenfesseln erlöst hat, aber wir Erblicken im nvL auch die Erinnerung daran, daß uns durch Gottes hilfreiche Hand ermöglicht worden ist, alle unsere Lebensäußerungen und Betätigungen in den Dienst Gottes stellen zu können. 121 nps*? 12”!i d'-m?,, Sklaven des Pharao waren wir in Mizrajim, da aber führte uns Gori von Dort hinaus." Mm. M M ay?.M»n.iri bezeugt» dgß .wjr amWssWaM das Be^ freiungsfest gleichsam der göttlichen^. feiern. Wechselrejch <ist <der geschichtliche' Hchheganc Israels seik kftzNem MuNderbaren AuMüge am Mizrajim. '-M' wWDald über tod Höhen des MebeM hstld wiederHurch dessen Tiefen Mührt. SonnWHstn und Wdesschatten tpNWt in raschMIDWe in diesem welthistoriMnHGange hh. Mlber Ml die isthiesem geschichfMen^Gange äuftaüchenden Meridben eines.freHeiilichen Zustandes sollen Israel vor die AWäbe-stellen, daß es auch inmitten eines gütihen Geschickes, im Schoße eines .freiheitlichen Zustandes es versuche, seinen weltgeschichtlMn' ^Berufe: MMfchcheithpriest'er.D lsW — ^u ent- " ' . s>invh i.ia'-'^rMVSi' ..Äno' da Israel erlöst '^hMLuMrL./kso Wißt es: „Und wie die WeseüheitDesMimmels.. an Reine." — Da nun hie ^Stuiche her - ENösung für Israel geschlaagen/ dä.nun Israel sich -frei und ungehemmt, dem Erziehungsplane Gottes gemäß, für.das.vom göttlichen .Willen vörgezeichnete tZiel voröekeiten > und entwickeln (kann, sö jölk esftst HWWWevMinheik' strahlend, zum Fußschemel -der "Goftheit -werden. 'NX'Ax’xina;ix b’isaa arn Und jimnter wieder; uüd wieder, so oft Gott HsrqelMS WM SkWenhWe-hinm^Mrt-unv in den, im Sonnenscheine der Freihelf Nitzern^ rung an unsere eigene Befreiung, aber' nMhef *) Vergleiche hierzu S. R. Hirsch z. St. auf diesem Berge, auf diesem Höhepunkte seines geschichtlichen Werdeganges Gott dienen soll. * Tiefsinnig lautet der Ausspruch unserer heiligen Weisen: nnx 'B’a nnx .w man1?» nt&W -NlN.sN8VA1 -IIPÜDNXI NL»2'2 „Dreietlei' 'Kampfe wird Israel zu bestehen hMyl: ' Einen auf hem Meere, einen auf dem Trockenen und einen in der Stadt, unh von dort wird der Sohn Davids her^orsprießen." v’2 rinx„Einen Kampf a„s dem Meere!" Israel hat seine Treue Gott gegenüber vor allem inmitten der brandenden Meereswogen des Hasses und der Verfolgungen zu bewähren, a’jmi ö’an 12^02 Vsr 1122; nx 121^22 by 12p nbm Wie ein Strom ergoß sich über unsere Seele der Haß und die Verfolgungssucht. Ia, es Mit diesen Worten feiern^ wir die Erimrcß ergossem sW uberunsere Seelen die abtrünnigen Gewässer. Unsere Seele, unsere in der heiligen Thora wurzelnde geistige Eigenart wnrde der Zielp.unkt .all der Verfolgungen seitens 1 v-iaiid"—-> ->--: iUi Die Sederrwcht iji Aegyptyl Von .Milly -wylf in- Köln. Es bleibt für immer ein schönes Beginnen, sich - die .letzte Nacht, die unsere Väter in Aegypten verbrachten, Die Nacht, die wir' als die erste Sedernacht.hnsprech.en 'dürfen, im Geiste auszumalen. Mit jener Deutüchkeit, dürch welche sich vollendete' Unterschiede auszuzeichnen pflegen, schwebt über den Schattendieser Rächt der Gegensatz von - Knechtschaft .und Freiheit, hatte doch Pharao das-Volk noch nicht frejgegeben und'/gleichwohl saßen' unsere Ahnen "in voller Freiheit in ihren Häusern beim Pessachmahle, Ihre LeNd'en gegürtet/'ihre Schuhe an den Füßen und ihren Stab in der Hand/„An der Wende zweier Zeitabschnitte weckt diese-Nacht durch die Fülle und die Krastäder Ereignisse? in unserer-Wrust! die wichtige -Frage: ,>Zählt> sie als Abschluß der;Jahrhunderte DeSj 'Elends oder gilt sie. schon als. Anfang, der Äera, die Durch'' den. tags darauf erfolgten Auszug aus Aegypten gekennzeichnet ist?" - ' Der /Bescheid auf diese Frage birgt einen grundlegenden.Gedanken des Pessachfestes in sich: .Wir verdanken ihn den Forschungen von n*>x (Pessgchirn, 116 b.) und (2. ,SB. M. E31). "Vejbe Erklärer kommen in. trefflicher Beweisführung zu dem ErtzebmffeIdäß Die -erste Sedernücht zum Erew-Pessach gehörte. Wirwissen aus'der Ueberlieferung .Dessychim 9„), daß sich das Lhomez-V.erböt , damals nur . aus e i n e n -Tag erstreckte und die genannten Forscher liefern dazu den Nachweis, daß dieser eine Tag nicht etwa der 13., sondern der 14. Nissan gewesen, die Tagesdauer, welche mit dem Morgen des 14. Nissan (-Erew-Pessach) begann uüd mit dein Morgen des 15. Nissan endete. Zu dieser bedeutsamen Feststellung gelangten sie auf dem Wege der Erörterung einer aüberen Früge,' die bereits in frühen Zeiten die Köpfe derGelehrten -beschäftigtem Es heißt nämlich 2. B. M. Kap. 12, Vers 39: „Sie. backten den Teig, den'sie aus Aegypten mitgenommen', zu ungesäuertem Kuchen, denn er war nicht gesäuert/ denn vertrieben wurden sie aus Aegypten und .konnten sich nicht aufhalten und auch Vorrat hatten sie sich Mchk bereitet." ' . Der Vers spricht vom 15. Nissan, als Israel.Aemspten: verlassen hatte. Er sagt, an diesem Tage habe ^ra'el aus dem Gruttde kein Choniez besessen,-weik!'e-s>lin: solcher Eile aus dem Lande, getrieben wurde undsich auf der Wanderung so wenig aüfhalten konnte, daß der Teig nicht zu säuern vermochte. Wie aber, wenn ihm Die'Zeit zur . Verfügung gestanden hätte, deren. der Teig zum Säuern bedarf, hätten sie ihn dann überhaupt dazu kommen -lassen dürfen öder waren sie nicht vielmehr durch göttliche Vorschrift an das für einen Tag erteilte Chomez- Verbot gebunden?? Eine Antwort auf diese interessante Frage erhellt aus dem (zur Mischnah Pessachim 10,5), dessen Ansicht dahin lautet, daß an jenem Tage nur der Genuß des Chomez, n i'ch t aber derJB e s i tz Desselben durch-das Verbot betroffen war. Der vi-x erhebt gegen diese Ansicht u. a. den Einwand: wenn sich das damalige Pesiachfest aus diese Weise von den späteren unterscheiden würde, so hätte die Mischnah (Pessachim 9,5) solch einen bemerkenswerten Unterschied sicherlich ausgezeichnet. Er kommt daher, wie zu dem Ergebnis, haß auch damals.das ChomezfVerbot sowohl den Genuß als den, Besitz umfaßte; daß aber dieses Verbot mit dem Mortzenstrahl des 15. Nissan ^zu Ende war und es . somit Dem Volke freigestanden Höste, beim Auszugs aus Aegypten Ehömez zu backen, wenn die Eiledes Wegzuges ihm-Diesgestattet hätte. - Diese treffliche 'Lösung einer alten Frage haben, beide Erklärer Vus der. Erkenntnis gewonnen, daß die damalige Sedernacht zum voraüfgegantzenen Erew-Pessach gehörte. MmeMsam'üvWck-PekMr<nif--hkn/Wß schon zur Zeit der Darbringung , des Pefsachopfers - Das Chomez-Berbot in Geltung war und bei Opfern hie Macht zum vorher- 'geheühen Lage: zäht; " so daß'Die'-Dauer des Tages, für welchen ^as? Chomez-Be,rbot . ausgesprochen war, vom Morgen Des 14? bis züm Morgen des 15. Nissan währte Damit tritt aber die ewige Bedeutung der erster Seritzrnacht?in ötzütlichör WAse hervor. Es folgte diesr Nacht dem . Erew-Pessach als ^Abschluß des letzten Tages den unsere Ahnen auf ägyptnchem? Boden verlebten und es reihte sichlihr Der Täg des' Auszugs aus Aegypten als vö llig!neuer Tag an. Len Erew-Pessach charakteri siert die Darbietung des Pesfach-Opfers und stellt foniidieser Tag Israels Tat dar» durch welche es sich der bevorstehenden Erlösung würdigte. Der folgende Tag, der 15.?Mssan/ist e i n z i g u n d a l l e i n durch Gottes B e f r e i u n g st a t verherrlicht und zeigte sich diese so ausschließlich, daß Israel ihr fo untätig gegenüber stand, daß es nicht einmal das Verbot des Chomez zu berschten hatte, mithin , selbst der Mflichttat völlig ledig war. Und zwischen diesen' beiden denkwürdigen Tagen, zwischen dem Tage von Israels TatfürGott und dem Tage von Gottes Tat für Israel liegt jene Nacht, in welcher Israel zum Gottesvolke geboren wurde, die erste Sedernacht, in welcher diese Momente des 14. und 15. Nissan, Gottes und Israels Tat, sich vereinigen.