Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1925)
- Date
- 1925-04-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2450337-2450351--72070-2529406- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 Nr. 14 Der Israelit 2. Äpril 1925 20 Jahren in dieser Stadt das Rabbineramt betleidet and daß dies der erste Fall sei, daß auch ein Rabbiner „aus Begeisterung für den Kommunismus seinem Glauben abschwört," während unter der griechisch-orthodoxen Priesterschaft zahlreiche Personen ihren Glauben dem Kommunismus geopfert hatten. Die „Prawda" verschweigt, datz der betreffende Herr nicht orthodoxer Rabdinsr, sonder» ein sogen. „Kronsrabbiner" war,, einer von der Art, die schon in der zaristischen Zeit der Taufe nicht gar so fern stand. England. Die britische Verantwortlichkeit in Palästina. London, 19. März. Der Abgeordnete Charles T. Forcroft veröffentlicht in der „Morning Post" folgenden beachtenswerten Brief: „Don den vielen akilten Problemen, welche die gegenwärtige Regierung als Erbschaft übernommen hat, sind wenige dringlicher als P a l ä st i n a. Vor neun Fahren begrüßte uns die ganze» Bevölkerung dieses Landes einschließlich der Araber und der orthod o x e h Juden mit offenen Armen. Heute sind wir sowohl den Arabern, als den orthodoxen Juden ein Gegenstand des Mißtrauens und zwar aus dem gleichen traurigen Grunde. Beide glauben, daß unsere Regierung in Palästina Hand in Hand mit der Zionistischen Organisation arbeitet, die in dem Rufe steht, 1. die Araber eventuell expropriieren, 2. alle nicht-zionistischen (orthodoxen) Juden unter zionistische Herrschaft bringen zu wollen. Dieser Brief hat es lediglich mit dem jüdischen Teil des Problems zu tun. das sich kurz wie folgt ansieyt: Die Judenheit der ganzen Welt ist heute in zwei entgegengesetzte Lager gespalten: Das orthodoxe und das zionistische. Die Orthodoxen sind tief religiös und in ihrer allgemeinen Anschauung konservativ. Die Zionisten, indem sie die Religion als eine nicht wesentliche, private Angelegenheit behandeln, sind hauptsächlich politisch orientiert und üben auf große Mengen von Freidenkern und Revolutionären Anziehungskraft aus. Auf der Balfour-Detlaration fußend (welche unzutreffender Weise annimmt, datz der Zionismus die ganze Judenheit repräsentiere) hat die britische Regierung praktisch die ganze jüdische Einwanderung nach Palästina unter die Kontrolle der zionistischen Organisation gestellt. Auf diese Weise sind zahlreiche Zionisten, aber verhältnismäßig wenig orthodoxe Juden zugelassen worden. und infolgedessen hoffen die Zionisten (hauptsächlich neu Eingewanderte) eventuell kraft ihres zahlenmäßigen Uebergewichtes die orthodoxen Juden, die ursprünglichen hebräischen Einwohner, zu absorbieren. Inzwischen haben die Zionisten, um dieses Ergebnis zu beschleunigen, die palästinensische sogenannte „Gemeindeverordnung" vorgeschlagen. Diese stellt die religiösen und weltlichen Institutionen nicht-zionistischer Juden in weitgehendem Matze unter die Herrschaft des zionistischen Nationalrates. Dissentierende werden als „Ausgestoßene" betrachtet. Schon während des letzten Pessachfestes wurde dem zionistischen Rate erlaubt, orthodoxe Juden zu besteuern. Ist dies vielleicht der Zweck der Hebung? Die orthodoxe Judenheit ist verhindert, ihre Sache vor dem britischen Volke gebührend zu vertreten, weil obgleich die Orthodoxie zahlreiche Zeitungen im Auslande besitzt, die jüdische Presse in England fast gänzlich zionistisch ist. Die Gemeindeverordnung, welche so die orthodoxe Judenheit der zionistischen Herrschaft in weitem Maße unterwerfen will, unterliegt gegenwärtig der Prüfung des Kolonialamtes. Sie ist weder moralisch, noch rechtlich haltbar, da die zionistische Organisation von den orthodoxen Juden verworfen wird und sie in keiner Weise vertritt. Infolgedessen vorletzt die Verordnung Artikel 2, 9 und 15 des Palästinamandates, indeni sie einem Teile der Judenheit — der in seiner Konstitution nicht religiös ist — den mächtigsten Einfluß auf einen anderen Teil in den zartesten Angelegenheiten des Gewissens und der Religion verleiht. Sie verletzt auch Versprechungen, die 1920 und 1922 von der englischen Negierung gegeben worden sind in dem Sinne, datz lein Versuch unternommen werden würde, alle Juden unter die Herrschaft der zionistischen Gemeinschaft zu bringen. Ich nehme keine Partei für zionistische oder orthodoxe Juden — ich wünsche nur eine Ungerechtigkeit unter britischer Flagge zu verhindern. Diese Verordnung, die gegen das Mandat die britischen Versprechungen und gegen die britischen Ideen von religiöser und politischer Freiheit verstößt, würde nicht nur eine Ungerechtigkeit gegen die orthodoxe Judenheit und einen Herd künftiger Unzufriedenheit bedeuten, sondern auch einen Schandfleck bilden für den guten Namen Englands. Setzn»«iz. Generalversammlung der israelitischen Religionsgesellschaft. Zürich, 23. März. Am Sonntag, 22. März, nachmittags fand die ordentliche Generalversammlung der Israelitischen Religionsgesellschaft im Gemeindesaal bei starker Beteiligung statt. Rach Verlesen des Protokolls erstattete der Präsident, Herr S. T e p l i tz , den Jahresbericht, dem zu entnehmen ist, daß die Israelitische Religionsgesellschaft alle Institutionen einer jüdischen Mustergemeinde besitzt. Im Gebäude der Synagoge befinden sich prächtige Schulrüume, ein Lehrsaal, die Mikweh usw., die den Gemeindemitgliedern zur Verfügung stehen. Das Jahr 1924 beweist, was eine für hohe Ideale des Judentums begeisterte Gemeinde zu erreichen vermag, und so mögen die Mitglieder auch weiterhin zur gedeihlichen Entwicklung der Gemeinde beitragen. Der Präsident schloß den Jahresbericht mit der Erklärung, dütz es ihm aus Gesundheitsrücksichten nicht mehr möglich sei, den Vorsitz auch weiterhin zu behalten und es freue ihn, in dem Vizepräsidenten, Herrn Sally Harburger, einen würdigen Nachfolger gefunden zu haben. Es wurde ein schriftlicher Bericht des Herrn Joseph Wormser über die Friedhof-Verwaltung verlesen. Herr Jsak Rhein erstattete den Bericht der S ch u l p s l e g e und zollte den Lehrern Anerkennung für die gut geleitete Schule. Der gedruckt vorliegende Kassenbericht wurde vom Kassier, Herrn Joseph Rosenblatt erläutert. Nachdem die Rechnungsrevisoren, die Herren Jakob W e i l - H a l f s und Berthold Guggenheim sich über die Kassenführung lobend ausgesprochen hatten, wurden sämtliche Berichte genehmigt und dem Vorstand unter bester Verdankung der geleisteten Dienste die Decharge erteilt. lieber das Budget pro 1925, im Betrage von Fr. 60 000 hielt Herr Sally Harburger ein eingehendes Referat, woraufhin das Budget einstimmig genehmigt wurde. Herr I. Weil-Halff erstattete einen Bericht über die Schlußabrechnung des Synagogenbaues, der mit großem Interesse entgegengenommen wurde. ^dlSfUnn. Balfour in Palästina. Jerusalem, 28. März. Am Sabbat, den 28. März, fanden in allen Synagogen Palästinas Gottesdien st e statt, in welchen Gebete für das britische Königshaus, Lord Balfour und den Oberkommissar für Palästina, Sir Herbert Samuel gesprochen wurden. Lord Balfour erschien zu einem Gottesdienste in Jerusalem unrd wurde vom Oberrabbiner Kuck in einer Ansprache begrüßt. Ueber den Besuch Lord Balfours in T e l - A v i v wird noch berichtet: Lord Balfour traf am 26. März 3 Uhr nachmittags in Tel-Aviv ein. Sämtliche Häuser der Stadt hatten geflaggt. 35 000 Juden waren in den Straßen versammelt und bereiteten dem Gast einen enthusiastlschen Empfang. Schulkinder, Pfadfinder und Mitglieder der Makabi-Sportorganisationen bildeten Spalier. Die Mitglieder des Stadtrats von Tel-Aviv begrüßten Lord Balfour vor der Stadt und geleiteten ihn^ zur Hochschule, wo Bürgermeister Diezengoff Lord Balfour das Ehrenbürgerdiplom der Stadt Tel-Aviv überreichte. Nach einer Ansprache Diezengoffs hielt Lord Balfour eine Rede, in der er u. a. sagte: „Die Juden waren immer die Träger der sittlichen Idee im Leben der Völker. Die Zukunftsarbeit der Juden in Palästina wird sicher die erhabenen Traditionen der jüdischen Vergangenheit rechtfertigen. Wohin ich schaue, ich muß den schöpferischen Geist, der beim Aufbau dieser Stadt gewaltet hat, bewundern. Ich teile mit Euch aue Eure Hoffnungen auf eine herrliche Zukunft." ' Die Rede Balfours wurde mit ungeheurem Enthusiasmus ausgenommen. Bei Anbruch des Aoends war die, ganze Stadt illuminiert, die Stimmung war feierlich und gehoben. Lord Balfour wohnte am Abend dem ihm zu Ehren gegebenen Festkonzert bei. Lord Balfour unternahm hierauf einen Rundgang durch das abendliche Tel- Aviv und war überall Gegenstand lebhaftester Ovationen seitens der festlich gestimmten Bevölkerung. Er brachte die Nacht in Tel-Aviv zu. Am 27. März stattete Lord Balfour den Ruthenberg'schen Elektrizitätsanlagen in Tel-Aviv einen Besuch ab, hierauf unternahm er einen Rundgang durch die anderen industriellen Anlagen und drückte seine Bewunderung über die schnelle Entwicklung moderner Industrie im Lande aus. Lord Balfour besuchte außerdem die Kolonien Mozah, Dilb, Rischon-le-Zion und Mikweh-Jsrael. Ein von den jüdischen Kolonisten in Judäa gewähltes Komitee empfing Lord Balfour in Mikweh-Jsrael und gab ihm zu Ehren ein Frühstück. Alle jüdischen Kolonien, die von der Reisegesellschaft passiert wurden, waren festlich geschmückt und geflaggt; die versammelten Kolonisten begrüßten Lord Balfour mit großem Enthusiasmus. Vor den Toren Rischon-le-Zions erwartete die Gäste eine Gruppe Kolonisten zu Pferd. Lord Balfour wurde in die Synagoge geleitet, wo Gebete für den britischen König, Lord Balfour, Sir Herbert Samuel und Baron Edmond de Rothschild verrichtet, wurden. Auf dem Wege zur Synagoge bildeten die Schulkinder Spalier. Die Stimmung war eine freudig bewegte. Die Kolonisten riefen Lord Balfour Segenssprüche zu. Lord Balfour zeigte sich über den Empfang tief bewegt. In seiner Erwiderung auf die Begrüßungsansprachen der jüdischen Kolonisten in Rischon-le-Zion sagte Lord Balfour folgendes: „Es ist mir eine Freude, in der ersten jüdischen Kolonie Palästinas zu weilen. Ich genieße die Ehre und den Vorzug, ein alter Freund des Barons Emond de Rothschild, des Begründers dieser Kolonie, zu sein. Die Balsour-Deklaration ist auch nicht allein von mir geschaffen worden. Sie ist die deklarierte Poltik aller zivilisierten Nationen und kann nicht mehr umgestürzt werden. " Lord Balfour besuchte in Rischon-Le-Zion u. a. auch die berühmten Rothschild'schen Weinkellereien. Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben retigionsgesehtichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. ( Im Anschluß an unsere Modenschau im Schauspielhaus gestatten wir uns, darauf aufmerksam zu machen, daß wir die vorgeführten Modelle in außergewöhnlich vorteilhaften Preislagen nach Maß mit besonderer Sorgfalt schnellstens anfertigen. ROBINSOHN Zeil 127, neben der Katharinenkirche. V __) Unsere allseitig bekannte Spezialität: Herren-, Knaben- und Barmizwob-Kleidung in skveng DerarßeHung CARSCH Liebfrauenstr. 8-10 Neue Krame 27 ,