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Der Israelit · 1925-04-02 · Heft 14 (2.4.1925) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 14 (2.4.1925)
Date
1925-04-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 14 Seite 3 7 2. April 1925 Der Israelit großen, unseres. Erachtens auf den metaphysischen Grundgegenfatz der Schulen Hillels und Schammais ('ixi tnnV *iV rm) Zurückgehenden zwischen ywn1 n und -itsr^K 'i' ob o^ton inna jo’in oder inn: mwn o^iVN' klar für die Anschauung Rabbi I o s u a s Stellung genommen ist. Dadurch wird der Augenblick des u.mp zugleich zu einem großen Bekenntnis zu der Frühlings- L e b e n s a n f i ch t der jüdischen Wahrheit, jener Anschauung des *i*n* rrin 'n »itdie sogar Hinter das xan nbiy der Seele, hinter das Leben des reinen Geistes immer wieder und wieder ein D’nan n^nn die Fülle sinnlich-geistigen Erdenlebens fetzt, und die darum in dem zur Heiligkeit gesteigerten irdische n Menschenleben die schlechthin höchste Offenbarung der Gottes- Herrlichkeit erblickt. Wochenrundschau. Mexiko. Von geschätzter Seite wird uns geschrieben: „Mit Hinblick auf den Artikel in der Wochenrundschau des „Israelit" „Das mexikanische Angebot" wird Sie interessieren, zu hören, daß ich am 19. Nov. 1924 eine längere Unterredung mit dem Präsidenten Calles in Mexiko hatte. Es kam hierbei auch die Rede auf sein angebliches Angebot, Juden nach Mexiko zu verpflanzen. Er erklärte mir wörtlich etwa Folgendes: „Ich war das Opfer von amerikanischen Journalistetl. Diese fragten mich, ob es wahr fei, daß es in Mexiko ein Gesetz gäbe, wonach die Einwanderung von Juden verboten sei. Ich erklärte darauf, die Juden sind mir genau so willkommen, wie Katholiken, Evangelische, Russen, Kroaten oder irgend eine andere Nation oder Religion. Ich und die Regierung in Mexiko kennen keinen Unterschied von Nationalität und Religion. Die Journalisten haben dies dann gegen mich ausgeschlachtet und behaupteten, ich wolle unbedingt Juden nach Mexiko haben. Ich gebe zu, daß ich gern intelligente Menschen nach Mexiko verpflanzt sehe, um das allgemeine Niveau zu heben, neue intensive Arbeitskräfte dem Lande zuzuführen. Ich halte es aber für sehr gefahrvoll, wenn mittellose Familien nach Mexiko einwandern. Ebenso katastrophal ist es, wenn Familien, die aus anderen Ländern ausgewiesen werden, ihre Zuflucht in Mexiko suchen, um nur einen Unterschlupf zu finden. Es kann und soll nur der nach Mexiko einwandern, der ein festes Programm hat und finanziell in der Lage ist, sich eine gewisse Zeit über Wasser zu halten. Einwanderer bekommen allgemeine Erleichterung beim Ankauf von Grund und Boden. Dieser Grund und Boden ist meistens nicht fruchtbar und dauert es einige Jahre bis er fruchtbar gemacht ist. In diesem Zwischenraum dürfen die Einwanderer der Allgemeinheit nicht zur Last fallen. Ich bitte Sie noch, von dieser meiner Erklärung auch in Europa weitgehendsten Gebrauch zu machen, damit nicht, wie es in letzter Zeit wiederholt vorgekommen ist, auf Grund dieser unwahren Gerüchte unglückliche vertriebene Familien nach Mexiko einwandern, ohne auch nur eine halbwegs auskömmliche Existenz zu finden." Soweit Präsident Calles. Mein persönlicher Eindruck war der, daß tatsächlich viele hunderte Familien in der schmutzigsten Hafenstadt der Welt, Vera Cruz, in großen Barackenlagern leben müssen, um dann bei irgend einem Abtransport Gelegenheit zu haben, nach Europa oder nach den Südstaaten von Amerika verschifft zu werden. Es sind selbstverständlich während dieser Zeit infolge der unhygienischen Zustände eine Anzahl der Einwanderer gestorben. Das Hausiererwesen ist in Mexiko für die Einwanderer viel schwieriger als in Europa, da die Einheimischen auf einem so niedrigen Niveau stehen, daß sie noch weniger Bedürfnisse haben als der bescheidenste Einwanderer. Die eingeborenen Mexikaner und mexikanischen Frauen treiben einen ausgedehnten Hausiererhandel bei sehr wenig eigenen Bedürfnissen, so daß eine Konkurrenz von eingewanderten Hausierern gegen diese einen zu schweren Stand hat." Man sieht aus all dem, daß es mit dem mexikanischen Dorado leider noch gute Weile hat. Die Zukunft der jüdischen Gemeinden in Polen. In Warschau geht nun das Ministerium ernstlich daran, den jüdischen Gemeinden Polens ein Organisationsgesetz zu geben. Bis jetzt kannte das jüdische Polen drei Eemeindegesetze, die alle den Stempel ihrer Zeit trugen. Dem alten russischen Astaw, der mehr ein Gesetz der Gesetzlosigkeit war, stand im österreichischen Polen das Gesetz für die jüdischen Gemeinden im Oestreichisch Schlesien gegenüber, welches ebenfalls gar sehr die Privilegien bestimmter Klassen wahrte und als durchaus veraltet gelten muß. Schließlich kam das bekannte Beseler-Projekt aus der Zeit der deutschen Okkupation. Bei der letzten Beratung unter Vorsitz des Vizepremiers T h u g u t t waren alle drei Entwürfe Gegenstand der Erwägung, aber keiner fand Gnade, vielmehr wurde beschlossen, einen neuen Entwurf von einer dazu berufenen Kommission ausarbeiten zu lassen. Solange ein solcher Entwurf im Wortlaute nicht vorliegt, ist auch kein Anlaß gegeben, dazu Stellung zu nehmen. Man muß die weitere Entwicklung der Dinge abwarten. In Polen selbst werden aber unsere Gesinnungsgenossen . keine abwartende Stellung einnehmen können, vielmehr zeitig auf der Hut sein, Unheil im Voraus abzuwenden. Daß das Beseler-Proejkt bei einigen, etwaigen Schönheitsfehlern eine gesunde gute Grundlage für eine Gemeindegesetzgebung bietet, haben wir bei anderen Gelegenheiten in früheren Jahren auseinandergesetzt. Auf alle Fälle muß die Kommission so zusammengesetzt sein, daß schon die ersten Vorarbeiten darauf angelegt sind, alle, und nicht zuletzt diejenigen, die ihr Gemeinwesen am meisten benötigen, die Religionstreuen, zu ihrem vollen Rechte kommen zu taffen, sodaß Gewissenszwang in Steuersachen und noch mehr in allen sonstigen religiösen Belangen von vornherein ausgeschaltet ist. Nach der Uhr. Von Ä. Mannheimer in Dettekvach. Zeit nennen wir jene erste Bedingung, an die jede Tätigkeit in unserem Dasein geknüpft ist, ja unser Leben selbst. Selbst Her schnellste elektrische Funke braucht eine Zeit, wenn sie auch für das praktische Leben nicht zu demonstrieren ist und nicht beachtenswert erscheint, wie der verschwindend kleine Punkt auf dem Papier, den man nur mit dem Vergrößerungsglas wahr- \ nimmt. Es ist vom menschlichen Standpunkte aus begreiflich und klug, wenn Moscheh sich in Aegypten nicht mit der Teilung eines Augenblickes einlassen wollte und dem msrn mit seinem mxna aus dem Wege ging. An derlei peinlich exakte Zeitteilungen könnte man denken, wenn . man das Tempo betrachtet, in dem unser Beten sich abwickelt im Gotteshause wie in der Familie. Braucht man denn zum Beten nicht auch eine Zeit? Sicher, wie zu jeder menschlichen Tätigkeit. Das wußten unsere alten Weisen schon. Gar manches Wort von ewigem Werte ist in dieser Beziehung uns überliefert, »wn v'Ziinni ll'vi-n xbx pap, „Mache dein Gevet nicht zu einem pünktlich abzuwickelnden Geschäfte, sondern zu einem Flehen um Gnade. (Pirke Abot 2, 12) "o-'Vbsnöi x nsw üvtw i'.i tröuwnn D^on* „die früheren Frommen sammelten sich erst eine volle Stunde vor dem Beten,. tnb na 1212'w na damit sie ihr Herz zum Himmel emporrichten." (Berachot 3, 1.) Nun wissen wir zwar sehr wohl, daß man den Maßstab vergangener Jahrhunderte und Jahrtausende nicht an die Gegenwart leichterdings anlegen darf. Damals gab es noch keine Ähren, die mit ihrem Ziffern- ^\T; <'■ i if; zum Jubelhymnus auf des Allmächtigen und Allweisen unendliche Schöpferkraft und zu einer nachdrucksvollen, eindringlichen Mahnung an das Menschenkind, mit einzufallen in dieses tausendfältige Singen und Jauchzen — bewußt, freudig und willig Ihm zu singen, der alljährlich des Winters Starre löst und als sein „himmlisches Kind" den lieblichen Lenz uns vor die Seele zaubert. Hier ist nov das Fest, das alle feiern könnten, wie Mutter Erde allen gemeinsam ist. Es ist aber als wnn ]»t' als die Zeit unserer Befreiung die immer neu sich wiederholende Offenbarung Gottes an Israel: -PUKLIN -hpk '|?Vk 'aas- Ich bin der Herr, Dein Gott, der Dich aus dem Lande der Knechtschaft befreit hat. . . . Diese Verkündung ist so bedeutsam, daß sie unsere häusliche Peffachfeier, den iio ganz und gar beherrscht. Was immer die religiösen Uebungen dieser Abende sind, — in ihrem Mittelpunkte stehen die „vier Kelche", die da nach der Ueberlieferung den Gedanken der göttlichen Liebe, wie sie sich in der Erlösung unserer Vorfahren zuerst bekundet hat und seitdem der Hoffnungsanker in allen unseren Nöten geblieben, verherrlichen. ■nsswi ö'-is» nV’jn omasn '2iivb njnis nioio n •Dans vovK •’uVkäi aans vonrr „Die vier Becher des Sederabends," sagen unsere Alten, „erinnern an die vier Ausdrücke der Befreiung, die Israel in der harten Frohnde Aegyptens vernommen. Ich werde Euch heraussühren. Euch erretten. Euch erlösen und Euch zu mir nehmen." Gewiß, es war der Gnadenruf der Liebe Gottes, der da an das zu Boden liegende Israel in Aegypten erging. Wie da eine Mutter ihr leidendes Kind zu trösten und zu erheben sucht, so hat hier der himmlische Vater in den zärtlichsten Redewendungen den gebrochenen Lebensmut des Volkes Israels aufgerichtet. Diese vier Ausdrücke bedeuten aber auch vier Stufen der Erlösung, die die Weihe und Erwählung Israels bedingten. . . . ar>n hv "pari nwin ow iV um1 Der erste Becher ist dem Dank für den Tag geweiht . . . oovrr 'nrrxini Ich führe Euch aus Druck und Arbeit, — das ist die Ankündigung, daß vorüber gehen soll die Nacht mizraitischer Tyrannei und anbrechen ein neuer Tag, — das Morgenrot der Freiheit und Selbstbestimmung. Das war die Grundlage, der Boden für die Volkswerdung Israels. Abschütteln des Sklaoenjochs, freies Aufatmen in Gottes freier Natur, — das bedeutete die erste Stufe der Befreiung Israels und die Erinnerung daran weiht der erste Becher, mit dem wir Ihm, dem Geber und Spender des Tages zujubeln. . . . Was bedeutet aber die körperliche Befreiung, wenn nicht auch mit ihr der Geist und die Seele des Druckes ledig geworden. Es war wohl nicht die geringste Gefahr, die Israels Sein in Aegypten in sich schloß, daß die Herzen und die Geister in Banden geschlagen zu werden drohten. Als der Wunder größtes ist es zu preisen, daß die Stunde der Befreiung auch ungebrochenen Menschen schlug, die sich des großen Gnadengeschenkes ihres Gottes bewußt waren, die nicht stumpf und teilnahmslos in den neuen Morgen hinaussahen. Das war die Wirkung der heiligen Traditionen, die in den jüdischen Häusern auch in Aegypten von Israels frommen Frauen aufrecht erhalten wurden.aanrr'v^w^ch werde Euch erretten" — Euch vor Verkümmerung bewahren, daß rege bleibe der Geist, und die Seele nicht darbe. Diese höhere Stufe der Erlösung ward unseren Vätern in Aegypten selbst durch Gottes Gnade beschieden nvspnx wm man als Auswirkung jüdisch frommen Tugendwaltens der Frauen und Mütter Israels und kam dem befreiten Volke zu vollem Bewußtsein, als es abstreifte die Fesseln der Tyrannei, pn pai -w 012 7? wr» „Man schenkt den zweiten Becher ein, und gerade jetzt fragt der Sohn." Wo Israels Kinder zu fragen verstehen, nicht gleichgültig den religiösen Uebungen zusehen, sondern durch diese angeeifert und begeistert werden und dem aan gleich belehrt sein wollen, — da ist das jüdische Haus der schützende Wall gegen den verheerenden Unglauben und Abfall, da darf ein jeder dankbar den Kelch erheben und den verehren, der uns fort und fort errettet. . . . im» b'j -pn» 'v'bir oia ist» Mt dem dritten Becher spricht man den Dank für des Lebens Gaben und Fülle. . . Der schönste Dank an den Spender der Fülle ist der Liebe Blüte: die Arbeit an dem Schwachen und Dürftigen, daß wir die Werkzeuge werden des, der den Funken der Liebe ins Herz uns gesenkt, aans Ich werde Euch erlösen", d. h. ich will den Trieb zum Guten und Edlen in Euch wecken, daß ihr fort und fort als Engel der Liebe Saaten des Heils und der Güte ausftrömt, die wie der Tau des Himmels die dürre Erde labt, wunde Herzen trösten und erquicken. Der Gedanke an den erlösenden Gott wirkt erlösend und befreiend. Es ist gewiß nicht zufällig, daß aus dem Dunkel der Leidensnacht Israels in Aegypten das helle Licht der edelsten Satzungen der Menschenliebe, der Duldung und Schauung hervorgeleuchtet. Das ist die Erfüllung der Vtltheißung, die uns geworden und die dritte Sprosse an der Leiter der von Gott uns geschenkten Freiheit bedeutet: ■»nViwi ddjik „Ich erlöse Euch", — daß ihr anderen Retter und Befreier werdet. Das können wir nur und werden wir immer mehr anstreben, je mehr wir uns Gottes fühlen und in uns sorthallt der vierte Gnadenruf: osrt aans 'vn^i Und ich nehme Euch mir zum Volke! — Das war das Ziel von Israels Befreiung. „Meine Knechte find sie — und nicht Sklaven von Menschenknechten, aber auch nicht Knechte menschlicher Leidenschaften und Triebe sollen sie sein. — Darum führte Gottes Liebe unsere Väter zum Sinai und schmückte ihr Haupt mit dem goldnen Diadem priesterlicher Weihe. Sollen wir da nicht beim vierten Kelch ihm dem Spender des Thoralichtes Dank aus / / 1 i j p

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