Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1925)
- Date
- 1925-03-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 13 Seite 3 26. März 1925 ... ... . und Kämpfen, die mit Üieser Zeitlichkeit, mit dem tvto, verknüpft sind. Aber äs lohnt sich, getragen von der Zuversicht iw die wegweisende Kraft der ften äw? rite die Fülle der Energien in diesen fragmentarischen Bau zu senken. Vielleicht daß aus diesen Fundamenten, wenn das Herz des ganzen jüdischen Volkes dereinst wieder für seinen Vater im Himmel und das Wort seiner Thora schlägt, die Mauern des Heiligtums der endlichen Erlösung zum Himmel emporsteigen. Wochenrundschau. Zur Wahl ties Reichspräsidenten. Man muß sagen, daß die Stellungnahme der deutschen Juden zu der Wahl am kommenden 'Sonntag sich weniger klar aus den Verhältnissen ergibt wie die zu den letzten Reichstagswahlen. Damals war es ein Kampf der Parteien, und wir wußten, in welchem Parteiprogramm unser Recht, unsere Ehre, unsere Interessen als deutsche Bürger und Juden am besten und tiefsten verankert sind. Die Wahl des Reichspräsidenten ist, wie sich die Dinge seit dem Tode Eberts herausentwickelt haben, mehr eine Personenfrage. Der Kampf innerhalb der bürgerlichen Parteien, einschließlich der Sozialdemokratie, geht um Namen, die uns alle gleich lieb und wert sind, die alle eine gerechte und loyale Führung der Reichsgeschäfte verbürgen, ohne Rücksicht auf Klasse und Rasse, nach den Grundsätzen von Recht und Gerechtigkeit, zur Hebung der Tragkraft und des Ansehens des Staates, nach der Richtung des geistigen und wirtschaftlichen Aufstieges. Ob M a r r vom Zentrum oder Braun von der Sozialdemokratie oder H e l l p a ch von der Demokratie am Sonntag die Siegespalme erringt, der von Ebert eingeschlagene Kurs wird der. gleiche bleiben. Man muß es darum von Herzen bedauern, daß die Parteien der Mitte und der gemäßigten Linken sich nicht auf eine Kandidatur einigten und als Einheitsfront die Republik gegen die Anstürme von rechts, die sich gegen -ganze Bevölkerungsteile und nicht zuletzt gegen uns Juden richten, schützten. . ..... Nun es einmal so ist, wird der jüdische Wähler am Sonntag nach seiner politischen Einstellung für einen der drei genannten Kandidaten seine Stimme in,die Urne legen. Was wir tzeür De r I s r a e 1 t t . Zentrum schulden, haben wir oft und deutlich genug gesagt, und sicherlich wird Mancheiner auch bei dieser Gelegenheit ihm sein Dankesvotum in der Form des- Stimmzettels zum Ausdruck bringen. Braun ist, abgesehen von seinen menschlichen Qualitäten, auch schon sozusagen parteipolitisch festgelegt, eine möglicherweise ihm zufallende Präsidentschaft auf der von Ebert vorgezeichneten Linie weiter zu führen, und das könnte Jedem nur recht fein. H e l l p a ch ist ein Mann, der die Sympathien aller, die ihn gehört und gelesen, besitzt, scheinbar auch der Gegner, die ihm nichts Schlimmeres vorzuwerfen haben, als seine angeblich übersteigerte Geistigkeit. Gerade diese Geistigkeit/ist es aber, die ihn, ganz unabhängig davon, wie man sich zu seiner Partei stellt, unseren Herzen so nahe bringt, es bewirkt, daß er in seinen Schriften und Reden oft verwandte Saiten in unserer Seele anschlägt. Wir erlebten das auch in der großen Frankfurter Versammlung im Zoologischen Garten, in der sich Hellpach vor einiger Zeit mit einer Programmrede vorstellte. Nicht allein die Wendungen, die die Rassensrage, das Verhältnis von Staat und Religion usw. betrafen, das ganze Programm, all das, was er in klarer Weise als deutsche Gesinnung und Gesittung darstellte, mutete uns fast so an, als wäre es aus jüdischen Tiefen geschöpft. Solche Führer zur Höhe könnte das deutsche Volk heute sehr brauchen. Es geht unter diesen Umständen nicht an, eine bestimmte Wahlparole auszugeben, man muß sich auf die Hoffnung beschränken, daß wenn auch nicht im ersten, es doch vielleicht im zweiten Wahlgang der Coalition durch einheitliches Vorgehen gelingt, die Gegenströmungen, aus Machtgier bestimmter Kasten geboren, aus dem Felde zu schlagen und in einem der genannten Männer der Liebe, der Vernunft und dem Rechte die oberste Führung im deutschen Volke zu sichern. Das Ende eines „Kultur"-Kampfes. Man erinnert sich der leidenschaftlichen Auseinandersetzungen, die in London um die Errichtung einer freien Akademie für jüdische Wissenschaft in Verbindung mit Jews' College,-dem englischen Rabbinerseminar, geführt worden sind. Der Chief-Rabbi hatte fick in dieser Sache entschieden auf die Seite derer gestellt, die sich der Verantwortlichkeit für die Erziehung der jungen Rabbiner im Sinne der Tradition bewußt waren und es daher ablehnten, im gleichen Gebäude und fast demselben organisatorischen Rahmen Pflanzstätten für das orthodoxe oder wenigstens konservative und für das liberale Judentum einzurichten. Die Lage war deshalb so gefährlich, weil Jews College sich in chronischen Geldnöten befindet, und. der sogenannte „Kriegs- Erinnerungsfonds", an dessen Spitze der liberale Herr Robert Waley Cohen steht, seine Subventionen von der Reform des College im Sinne.der „freien Wissenschaft" abhängig zu machen sich anschickte. Erfreulicherweise hat die Partei des Chief- Rabbi nunmehr — anscheinend endgültig — gesiegt: Jews College konnte diese Woche seinen siebzigsten Geburtstag in dem Bewußtsein begehen, daß es seine Pfund 2000.— Jahressubvention ohne Selbstenthauptung und Preisgabe seiner religiösen Prinzipien erhalten wird, Prinzipien, die zwar nicht ganz den Anforderungen der Orthodoxie entsprechen, aber immerhin doch eine konservative Atmosphäre für die rabbinische Erziehung gewährleisten. Der „Kriegserinnerungsfonds" aber, der ja auch schon auf eine bewegte Geschichte und endlose Auseinandersetzungen mit den ostjüdischen Kreisen der Metropole zurückblickt, wird wohl seine lioerale Akademie der Wissenschaften für die Zwecke der West-Londoner Reform eines Tages gesondert von Jews College ins Leben rufen — vorausgesetzt, daß er das Geld dazu hat. Nationalismus und Universalismus im Judentum. Von Rabbiner Dr. Lazarus in Memel. (Schluß.) Sogar die Frommen unter den Heiden haben Anteil am ewigen Leben (Tosefta Synh. 13. 2). Es gibt kein alleinseligmachendes Judentum und der von unwissenden oder böswilligen Menschen so oft geschmähte Talmud macht darauf aufmerksam, daß es in der Thora heißt: „Achtet auf meine Gebote, wenn der Mensch sie übt, so wird er durch sie zum Leben gelangen," es heißt nicht: wenn der Priester, der Leone, der Israelit, sondern, wenn der Mensch sie übt." Daraus kannst Du lernen, der Heide sogar, der seine Thora hält, d. h. die 7 n o a ch i d i s ch e n Gebote beobachtet, das Menschenleben achtet, Tugend und Recht übt, die Keuschheitsgesetze befolgt, der steht so hoch da wie der Hohepriester in Israel, der das Vorbild treuester Gefetzesübung fein muß." (Baba kama 38 a; Jalkut zu 3. Buch Mos. 115). Schon unsere Urgeschichte stellt die Welt als düs Werk eines Gottes, die Menschheit als Kinder einer Familie, die Sendung der Nachkommen Abrahams zum S e g e n a l l e r Völker uns dar. Die Bitterkeit der ersten Dcs Gaons unterbliebene Palästinareise. Aus mehrere .an mich gerichtete Fragen über den ln meinem Aufsatz Trumo- und Maaßergefetze" in vorletzter Nummer des .Israelit" augedeuteten Grund der unterbliebenen Reife des Wil naer Gaon nach Paläilina, sei folgendes mitgeteilt. Die Gegensätze zwischen Peruschim und Chassid i m hatten um jene Zeit in der Diaspora ihren Höhepunkt erreicht. Der Gaon hat e bekanntlich mit dem ganzen Einsatz seiner Autorität zu die'er Frage Stellung genommen. Einiae seiner hervorragendsten Schüler, hotten diese Kämpfe von Erez Israel aus mit begreiflicher Spannung verfolgt. Zur selben Zeit hatten jedoch die Chassidim der Chabadrichtung bereits eine ansehnliche Gemeinde in Jerusalem gebildet. Am Oelbetg hatten sie auch schon Ihren eigenen Friedhof. In Safsed UNÜ Liberias gehörten aber die' verschiedenen Gemeindegruppen fast durchwegs der chofsidischen Richtung an. Die Befürchtung lug sehr nabe;, datz mit dem Einzuge des Gaon die erbitterten Kämpfe aufs neue in Erez Iisroel Unter den ungünstigsten Verhättniffen auflel-en könnten. Das sollte nicht geschehen. Der Gaon befolgte den Rat feines großen Schülers, des riXQ, der selbst in Saffed wohnte, und ging damals nicht nach Erez Iisroel. In eingeweihten Thorakreisen in Erez Iisroel sind diese Geschehnisse gut bekannt. In der Tat hat es dort zwischen Peruschim und Chassidim niemals solche erbitterte Kämpfe wie im europäischen Osten, gegeben. Weaen des abweichenden Ritus in fn*?sn und tpÄrtJö besitzen beide Richtungen eigene Synagogen und t&ma vn auch in. Erez Iisroel. In Jerusalem bildete sich später auch p*ti besonde es chassidifches m rpa- In ideeller Hinsicht hat aber der absolut einbeiiliche Charakter dieser beiden Richtunaen niema's Schaden gelitten. die Thora und die gemeinsame Aie'kennuvg ihrer Verbindlichkeit schwebte als unzerstörbare Einheit über beiden Schattierungen. H.;, > (Die neuen Wakästiua-Warken). Anfang April werden die neuen Palästina-Postmarken ausaegeben werden. GeolaNt find 26 verschiedene Wertzeichen, deren Werte sich nach der neun palästinensischen Valuta (Dinar, Schekel, Drachma und Prutal ausdrücken werden. (WrniÜerprästdent Wakbwirr ein Wachkommbes „Königs von Aerufatcm"). Der englische Mirifler- Drästdent Mr Baldwin wohnte am 3. März dem Iahresbankett aus Anlaß des St Davids Tags bei und mochte.während stiner Ansprache einige inte ressante Bemerkungen Über seinen Stammbäum. Zu Beginn dieses Jahrtausends, sagte er, lebten zwei Brüder Baldwin, von denen sich der e*ne nachdem Westen, der andere nach dem Osten des Kontinents wandte. Derjenige, der nach dem Orient mit den Kreuzfahrern ging, wurde später König von IerUial m. „Dieser". — so sagte Mr. Baldwin - .war alio vor Lausend Jahren der Vorläufer Sir Herbert Samuels". Die Bemerkungen Mr. Baldwins betreffen offenbar den Kreuzzuq Gottfrieds von Bouillon und seines Bruders Baldwin. späte König Baldwin I, von Jerusalem, welcher der erste war. der den von den Kreuzfahrern begründeten Tbron der lateiniieben Könige von Jerusalem bestiegen habe. Got'fried von Bouillon regierte von 1099 bis 1100, er lehnte aber den König titel ab. Sein Bruder Baldwin I. war der erste König von Jerusalem, ihm folgten Baldwin H., Baldwin III., Baldwin IV. und Baldwin V. (Eine interessante Hrauzeremonie in Warschau). In der großen Warschauer Synagoge fand dieser Tage die Trauung des englischen Staatsangehörigen Lorens Henry, der seit seinem llebertritt zum Judentum den Namen Saiomon Martimore führt, mit der Warschauer Kaufmannstochter Neumi Czarna statt. Der Trauerzeremonie in der Synagoae wohnten der englische Generalkonsul Müller und Gattin bei. Rabbiner Pros. Schor leitete die Zeremonie und hielt eine warme Ansprache an das junge Paar. — Lorens Henry, jetzt Solomon Martimore, entstammt einer alten, angesehenen Famili und wurde vor einiger Zeit in Paris durch Rabbiner Dreyfus in die jüdische Gemeinschaft ausgemvmmen. Wochenkalender. 28. März bis 4. April 1925. i 3.-10. Nissan 6888. öamstag März 28]mpi 3 Sonntag 29 4 Nontag 30 5 Oienstag 31 6 Nittwoch April 1 7 Donnerstag 21 8 frettag 3 9 Samsrag 4) 12 10