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Der Israelit · 1925-03-19 · Heft 12 (19.3.1925) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 12 (19.3.1925)
Date
1925-03-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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19. März 1925__ ' lediglich um nicht die Wahl des Spitzenkandidaten zu vereiteln, dör für feine Person in anerkennenswerter Weife nicht nur von der aus mißverstandener Politik geborenen Verklausulierung manch dringender jüdischer Forderung abrückte, sondern in weitestem Umfang für diese einzutreten oersprüch, sahen jene Kandidaten von einer öffentlichen Aufklärung vor der Wahl ab/ Es ist anzunehmen, daß bei den bevorstehenden Repräsentantenwahlen sich derartige Fehler, die wohl geeignet sind, durch unangebrachte Popularitätshascherei manchem bisherigen Würdenträger zu einem weiteren Amte zu verhelfen, aber nicht immer dem klaren jüdischen Interesse dienen, durch das Zusammengehen aller jüdischen Organisationen werden vermeiden lassen. Das Bild eines eigenartigen Kulturkampfes bot die außerordentliche Generalversammlung der C h e w r a h Kadischa, welche am 15. Februar im vollbesetzten Lessingsaal stattsand. Zum Verständnis sei vorausgeschickt, daß die Synagogen-Gemeinde kein eigenes jüdisches Krankenhaus besitzt, die Unterhaltung desselben vielmehr zu den Obliegenheiten der Chewra Kadischa gehört. Die Synagogen-Gemeinde gewährt allerdings beträchtliche Zuschüsse und hat auch statutengemäß das Aufsichtsrecht gegenüber allen Verwaltungsmaßnahmen, speziell aber auch innerhalb des Krankenhauses. Schon seit vielen Jahren ist es nun das Bestreben aller an einer einwandfreien rituellen Wirtschaftsführung des Krankenhauses interessierten Mitglieder, auch dieses der Aufsicht der Gemeinde zu unterstellen, zumal die Möglichkeit, ein anderes jüdisches Krankenhaus am Orte aufsuchen nicht vorhanden, ist, wie etwa dort wo Austrittsgemeinden bestehen. Die aus der Belegung mit Nichtjuden sich ergebenden Mängel hinsichtlich des Kafchrus und das Fehlen einer ausreichenden und anerkannten Instanz für die Durchführung desselben» veranlaßte schon manches Mitglied, auf die Inanspruchnahme dieser sonst wohl geleiteten Anstalt deshalb zu verzichten. Etwa vier Jahre ist es nun her, daß die Ortsgruppe der Agudas Jisroel gelegentlich einer der bisher nur alle drei Jahre stattfindenden Generalversammlungen endlich versuchte, durch einen entsprechenden Antrag geordnete Aufsichtsverhältnisse zu schaffen. Doch der damalige Vorsitzende hielt es für angebracht, ihn etwa mit den Worten abzulehnen: „Wir sind nicht in Schleswig- Holstein, daß der Vorstand sich unter Rabbinatsaufsicht stellen muß." Offenbar erblickte er in einer solchen Zumutung einen Eingriff in seine durch die preußische Judengesetzgebung von 1847 geheiligte Ämtshoheit. Als nun trotz verschiedener Versprechungen seitens des Vorstandes auch in den folgenden Jahren von einer Abhilfe der Mängel nichts zu spüren war, stellten die vorher erwähnten vier Organisationen gemeinsamen Antrag, der die Stellung der Wirtschaftsführung des Krankenhauses unter die Aufsicht der Synagogen-Gemeinde und die statutarische Verankerung dieses Beschlusses zum Inhalt hatte. Trotzdem dieser Antrag von hervorragender liberaler Seite unterstützt und mit der für die Statutenändeungen erforderlichen Zweidrittelmajorität, allerdings gegen die Intention des Vorstandes, angenommenwurde, versagte der Vorstand der Synagogen- Gemeinde die Genehmigung hierzu aus formellen Gründen. > Eine neue Genevalversammlung wurde einberufen und dieser Antrag erneut jetzt am 15. Februar gestellt. Zuvor wurden nach längerer unfruchtbarer Geschäftsordnungsdebatte andere Statutenänderungen angenommen- Die berichterstattungspflichtige Tätigkeitsperiode des Vorstandes wurde von drei auf zwei Jahre Herabgesetzt, die Neuwahl und das alternierende Ausscheiden der Vorstandsmitglieder sinngemäß geregelt. Vor allem wurde aber durch Annahme einer festen Geschäftsordnung mit der zu allerlei Störungen Anlaß gebenden Einrichtung aufgeräumt, die Vorstandneuwahl gleichzeitig Mit der Verlesung des Geschäftsberichtes und vor der Entlastung des alten Vorstandesvorzunehmen, eine Merkwürdigkeit, die wohl nur hier und in diesem Verein bestand. Die Gemüter waren schon ziemlich erregt, als jetzt der Antrag über die Beaufsichtigung des Krankenhauses zur Debatte kam. Dieser Antrag, der wiederum bis in die Reihen der gemqHjgfen Liberalen hinein Verständnis und Unterstützung fayd, stieß eigenartiger Weise beim Vorstand auf den dollsten Widerstand und ganz besonders bei den konsWüiven Mitgliedern desselben, von denen man auch ohne ihre Versprechungen, während des Wahlkampfes, eifrigstes Datürmntreten erwartet hätte. Der Israelit Sie erklärten, man habe inzwischen auf Grund einer privaten Vereinbarung, die Aufsicht einem konservativen Rabbiner übertragen. Aber dieser selbst wies auf die Notwendigkeit hin, die Aufsicht unter eine der Oeffentlichkeit gegenüber verantwortliche und ihrer Kritik zugängliche Instanz, wie sie die Gemeinde mit ihren Kommissionen bildet, zu stellen, sollte sie das halten, was zu erwarten man berechtigt sei. Mit Nachdruck wurde auch immer wieder aus den Reihen der Antragsteller darauf hingewiesen, daß die Erfüllung dieser Forderung eine Selbstverständlichkeit bedeute und nach den bisherigen Erfahrungen ihre statutarische Verankerung die einzig mögliche Sicherung sei. Vergebens versuchte der Vorstand, ohne daß man einen plausiblen Grund vorbrachte, den Antrag zur Ablehnung zu bringen. Als nunmehr auch der „trifftige" Grund eines konservativen Vorstandsmitgliedes, die Annahme des Antrages sei geeignet, den „Frieden in der Gemeinde zu stören," auch nicht verfing, mußte man notgedrungen zur Abstimmung schreiten. Aber trotzdem diese eine ganz entschiedene Zweidrittelmehrheit ergab, versuchte der Vorstand durch Anzweifeln des Abstimmungsergebnisses die Annahme des Antrages zu vereiteln. Doch diese Taktik half ihm sehr wenig gegenüber der bis zur Siedehitze erregten Versammlung. Das mochte er wohl eingesehen haben, denn angesichts des entschiedenen Willens der Versammlung verkündete der Versammlungsleiter daß der Vorstand die Konsequenzen ziehen und er nebst einigen anderen Herren die Aemter niederlege. Reicher Beifall quittierte den Entschluß des Vorstandes, womit jedoch gerechterweise keine Kritik gegenüber dem humanitären Wirken der Vorstandsmitglieder sich verbinden sollte. An dem Vorstand des Vereins wird es nunmehr liegen, durch Respektierung des zweimal von der Generalversammlung mit qualifizierter Majorität gefaßten Beschlusses der Institution der Chewrah Kadischah das jüdische Gepräge zu geben, das ihren Gründern vorschwebte. Und nur solche Persönlichkeiten — gleichviel ob neue oder wiedergewählte — werden sich mit Erfolg an dieser Ausgabe betätigen, die den Standpunkt verlassen, wie er in der unzulänglich motivierten Rücktrittsmotivierungsszene zum Ausdruck kam. Auch der Gemeindeoorstand kann und wird nicht die Genehmigung zu diesem Beschluß versagen. Sowohl formale wie sachliche Bedenken fehlen zur Ausübung des Aufsichtsrechts im ablehnenden Sinne. Im Gegenteil. Die Lösung wichtiger humanitärer Aufgaben in rein jüdischem Sinne, die anderwärts der Gemeinde obliegen, können hier nur durch das dem Verein gehörige,' aber aus den Taschen jüdischer Steuerzahler über den Umweg der Syn. Gemeinde reicht unterstützte, jüdische Kranken-' Haus voll erfüllt werden. Sollte aber wider Erwarten die Gemeinde versagen, so bleibt schließlich nur die Anrufung der Negierung als statutenmäßig vorgesehene letzte Instanz übrig. Doch ist anzunehmen, daß der Vorstand nach einer wohlweislichen Würdigung der ganzen Sachlage keine Handhabe bieten wird, diesen nur zur Vermeidung eines Gewissenzwanges gebotenen Notweg zu betreten. Der Unterstützung der jüdischen Oeffentlichkeit — nichtnurinBreslau — kann man in diesem Falle gewiß sein. ItitQavn. Graf Bethlen über die Judenfrage. Budapest, 12. März. In einer am 8. März anläßlich der bevorstehenden Wahlen in die Stadtrepräsentanz abgehaltenen Versammlung der bürgerlichen Partei ergriff auch Ministerpräsident Graf Bethlen das Wort und führte u. a. aus: Um eine produktive Politik treiben zu können, dürfen weder die konfessionellen Gegensätze zugespitzt, noch aber die extreme radikale Demokratie verwirklicht werden. Die Judenfrage sei keineswegs eine Frage der Weltanschauung. Alles Böse müsse geahndet werden dhne Rücksicht darauf, ob man es mit Christen oder Juden zu tun habe. Der Ministerpräsident warnte die bürgerlichen Elemente vor einem Zusammengehen mit der Sozialdemokratie. Die unter Führung Vaszonyis stehenden Demokraten würden, wenn die Sozialisten zur Macht gelangten, wieder beiseite geschoben werden. (I. T. A.) Nr. 12 Seile 8 Eine jüdische Vertretung im neuen ungarischen Oberhaus. Berlin, 15. März. Der frühere ungarische Handelsminister Geh.-Rar Baron Josef Szterenyl, veröffentlicht in der Morgenausgabe des „Berliner Tageblatts" vom 13. März einen Artikel über die politische Entwicklung in Ungarn. Er bespricht eingehend die geplante Reform des ehe malgen Magnatenhauses und führt aus: Das neue Oberhaus soll ein Kompromiß der Tradition und der Demokratie darstellen. Eine schwer zu lösende Frage schien dabei die Vertretung des Judentums, nachdem die anderen Konfessionen ausschließlich durch ihre kirchlichen und bürgerlichen Oberhäupter (Bischöfe und Oberkuratoren) vertreten sein können. Die schwere Frage wurde so gelöst, daß imperativ ausgesprochen wurde, daß von Konfessionen ohne Oberhäupter je ein Mitglied ernannr werden muß. Die Nassenschützler werden zwar trachten, diese Verfügung zu bekämpfen, aber ohne ihr Schaden zufügen zu können. Der Eheder im Sejm- und Senatsausschuß. Warschau, 5. März. In der Bildungskommission des Parlamentes nahm Ob.errabbiner L e w i n, Sambor, das Wort zur jüdischen Schulfrage und trat allen Einwendungen der Regierung und der Rechtsparteien scharf und wirksam entgegen. Die Tatsache, daß unter den Juden selbst keine Einheit über den Geist und die Struktur der Schulen besteht, darf nicht als Waffe gegen das jüdische Recht in dieser Beziehung ausgenützt werden, denn es ist natürlich, daß in einer Millionenbevölkerung die Wünsche geteilt sind Die Konsequenz müsse heißen, jeder Richtung ihr Recht. Die Regierung habe die Verpflichtung, für die jüdischen Schulen die Summe auszuwerfen, die ihr bei einem Besuche der öffentlichen Schulen seitens der jüdischen Kinder entstanden wären. Die Orthodoxie sieht im Eheder die den Juden am besten angepaßte Schule, und er wird nach der Aufnahme der profanen Lehrfächer in fein Programm auch die idealste weltliche Schule für uns abgeben. Des ferneren verlangt Redner eine Regelung des jüdischen Religionsunterrichtes für die höheren Schulen Nach einem bestimmten einheitlichen Plane. Sehr heroorzuheben seien die jüdischen Fachschulen, die auch christlichen Kindern zu Gute kommen und die wiewohl von den Behörden als Musterschulen anerkannt, nicht die nötige Unterstützung der Negierung finden. Bei der Gelegenheit soll daran erinnert werden, daß Deputierter Grünbaum in seiner Rede zum Schuletat in der Budgetkommission nur von den hebräischen und jiddischen Schulen sprach und die Chedarim ganz ignorierte, während Oberrabbiner Lewin doch den Takt besaß, neben den Chedarim auch alle anderen jüdischen Schulen und Hebräisch und Jidisch als Unterrichtssprache der Unterstützung der Negierung zu empfehlen. I m S e n a t e hielt Senator Rabbiner R u b i n st e i n aus Wilna eine längere Rede, in der er die Angriffe von der rechten Seite wirksam abwehrte und dann ebenfalls auf die Schulfrage zu sprechen kam, wobei er die ähnlichen Ansichten und Wünsche wie Rabbiner Lewin äußerte. Uebrigens hat der Warschauer Grünbaum einen kongennialen Mithelfer im Wilnaer Dr. W i g o d z k i, der in der Presse verbreitete, der Vizepremier Tugut habe sich sehr negativ zur Lage der Chedarim geäußert. Der Minister hat diese angebliche Aeußerung dementiert und es herrscht allgemein die Meinung, daß hier Dr. Wigodgki etwas einer höheren Stelle untergeschoben hat, was in seiner eigenen Brust wohnt. Es wird dies nutzlos fein. Die berufenen Vertreter der jüdischen Bevölkerung im Sejm und Senat, die zugleich die Vertrauensmänner der breiten Massen sind, werden es nicht schwer haben, Regierung und Volksvertretung klar zu machen, daß der Cheder die eigentliche jüdische Schule, die Seele des Judentums ist, die erhalten bleiben muß, wenn der jüdische Organismus überhaupt heil erhalten werden soll. Die große Rabbiner-Konferenz zur Regelung der Agunoth-Aragen. Warschau, 9. März. Im Sitzungssaal des Warschauer Nabbinats tagte eine Konferenz des Akttonskomitees und des Präsidiums des Rabbinerverbandes in Polen. Die angesehensten Rabbiner Polens, darunter die Rabbiner von Radzin

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