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Der Israelit · 1925-03-19 · Heft 12 (19.3.1925) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 12 (19.3.1925)
Date
1925-03-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 12 Seite 3 19. März 1925 Der Israelit Gesellschaft in Mexiko seitens der;,Jca" und. „Hlas" unbeachtet geblieben sind. -Es wurde ferner beschlossen, aN den amerikanischen Oberrichter Louis D. B r a n d e i s einen Appell um Hilfe zu richten. WaUkttrtM und Judenhetze ' Deutschland hat einen neuen harten Wahlkamps. Sechs Kandidaten für den höchsten Posten in der deutschen Republik und hinter ihnen sechs Parteigruppen ringen bisher um die Palme. Weitere Kandidaturen stehen noch in Aussicht. Die um I a r res sich gruppierende Deutschnationale Volkspartei holt auch für diese Schlacht die bekannten Waffen aus dem letzten Reichstagswahlkampfe herbei und erleichtert den Juden und allen recht und liberal Denkenden damit, wenigstens ihre Haltung im negativen Sinne. Eines der Flugblätter der genannten Partei hat, nach Mitteilung der „C. V.-Zeitung", folgenden lieblichen Schluß: „Die Größen der Sozialdemokratie saßen an den Tischen dieser Volksausbeuter, sie schlemmten im Schwanenwerder und den Schlemmerstätten des Kurfürstendamms, der schon längst die Jerusalemer Heerstraße heißt, verschafften ihren jüdischen Freunden Staatsgelder und Einreisepässe, schoben mit ahnen mit und nahmen teil an dem Raube. .... . Arbeiter! Dafür müßt ihr schuften und schwitzen! Steuerzahler! Dafür holt euch die neudeutsche Finanzkunst die Raubsteuern aus Wirtschaft und Werkstatt! Beamte! Dafür mußten Eure Gehälter herabgesetzt werden! Sparer und Rentner, Witwen und Waisen! Dafür müßt ihr hungern und darben, damit die Ostjuden und ihre sozialistischen Helfershelfer herrlich und in Freuden lehen konnten! Es ist dies kein Wahlkampf mehr, es ist Hetze gefährlichster Art, die den ganzen geplanten Kurs anzeigen für den Fall, daß die Herren ganz das Heft in die Hand erhielten. Nationalismus und Universalismns im Judentum. Von Rabbiner Dr. Lazarus in Memel. Vielleicht ist noch niemals mit Schlagworten ein solcher Mißbrauch getrieben worden, wie in unserer von wilden Leidenschaften erregten, an fruchtbaren Gedanken so armen Zeit. Nicht nur altbackene Einfälle, hübsch frisierte „Gemeinplätze" oder wie Scheidemünzen längst abgegriffene Redensarten müssen oft dazu herhalten, den richtigen Sachverhalt zu verwirren und die Wahrheit zu verdunkeln, auch scheinbar originelle Weishettsspruche. merÄ Ä>L/.M die darauf los orakeln, geprägt und dann .als tiefgründige .Gedankenschöpfungen in mgEschreierischem Tone äusposapnt, während sie sich bei objektiver Prüfung als Absurditäten oder höchstens glatte Selbstverständlichkeiten erweisen. Auch pflegen längst widerlegte Jrrtümer mit einem blendenden Beiwerk oder glänzenden Rahmen ausgestattet zu werden, um dann als „funkelneue Entdeckungen" auf kulturellem oder politischem Gebiete der ahnungs- und urteilslasen Masse angepriesen zu werden Zu diesen weite Kreise in dem europäischen Ländern beunruhigenden Erscheinungen gehört der sogenannte Nationalsozialismus. Liegt schon nicht in der Zusammensetzung dieses Schlagwortes, welches jetzt als Aushängeschild für Judenhetze dient, ein großer Widerspruch? Wenn der echte Sozialismus in seiner rein menschlichen völkerverbindenden Prägung einen internationalen Charakter hat, dann ist der Nationalsozialismus schlechterdings ein Ding der Unmöglichkeit, es sei denn, daß wir mit dem Wort „national" einen anderen Sinn verbinden, als was gewöhnlich darunter verstanden wird. Allerdings ist zwischen national und nationalistisch wohl zu unterscheiden. Allein diejenigen, die üch „Nationalsozialisten" nennen, sind nationalistisch im übelsten Sinne des Wortes. Ir Deutschland z. B. gehören zu dieser politischen Richtung alle sogenannten „Völkischen", die bei den letzten Wahlen erfreulicher Weise zu einer recht bedeutungslosen Minderheit zusammengeschmolzen und unter dem hochtrabenden Titel „Nationalsozialistische Freiheitspartei" ihre Abgeordneten in den Reichstag gewählt haben, bis tief hinein in die Reihen der Deutschnation a l e n V o l k s p a r t e i. Während der Nationalgesinnte bei voller Wahrung seiner Stammeseigentümlichkeiten die sittliche Berechtigung fremder Sonderart anerkennt, will der Nationalist dem Fremdstämmigen nicht nur die Gleichberechtigung absprechen, sondern auch seine Existenz untergraben, ihm Licht und Luft, auf die jeder mjt einem Menschenantlitz Begabte Anspruch erhebt, rauben, um ihn schließlich unter ein besonderes Fremdenrecht zu stellen. Es braucht wohl nicht erst besonders betont zu werden, daß das Judentum einen solchen intoleranten, unmenschlichen Standpunkt verwirft. Bei keinem anderen Volke begegnen wir einer solch liberalen Gesetzgebung in Bezug auf die Behandlung der Fremden wie bei uns. Und dennoch reden alte und neue Gegner des Judentums von der „Gehässigkeit der Bibel gegen die Fremden" und es werden immer wieder die schon dutzendmal widerlegten Anklagen von der „nationalen Unduldsamkeit des Judentums" erhoben. Man In den genannten Worten und nxj?o ist das wn int um p deswegen ausgefallen, weil mit ihnen die Silbe fct)liefet. Diese Erscheinung tritt uns noch öfter entgegen, z. B. in tj"’ n niatf und D^paan k*D K*yrpäT» Hier haben wir den Fall gleich in zwiefacher Weise. Dos a müßte als erster Buchstabe nach dem nsPT>n 'n ein ml haben und das p als zweiter Stammbuchstabe das In beiden Fällen ist es aus angegebenen Grunde ausgefallen. -jaTl 'N?aa^ u. a. Das DA't erscheint dagegen immer in den rwaiza-Buchstaben, wo es für die Aussprache wichtig ist, z. B. «NPZN 'wy? u. ähnlich. Der Grund für den Ausfall des ist wohl darin zu suchen, daß am Ende der Sllbe die Verdoppelung, die das tm bewirken soll, wenig hörbar wird. Vielleicht haben wir hier auch eine Analogiebildung entsprechend dem Woriauslaut, wir in Lv 'fia wo eigentlich ein pn erwartet werden müßte (vgl. ■»asryaj '•»aa) Im Hebräischen wur)e die Silbe im Auslaut nicht geschärft gesprochen und darum auch nicht geschrieben, i Dr. Batzsreund. Kreisraböiner > Eschwege. (per; indische Syikosoph Anayat-Khan über den Mnflnß der jüdischen Propheten auf die indischen Zleligiouen). Der große indische Philosoph und Myuiker Jnayat-Khan, der Führer der Suili-Bewegung, ist a.is Rom in Berlin eingetroffen. In einem Gespräch Mit dem I. T. A.-Derneter erklärte Jnayat-Khan. Die einzig richtige Welian chauung in diejenige die aus der Offenbarung stammt und nach Harmonie, Menschenliebe und Schönheit strebt. Die Sufi- Weltanschauung. der tiefste Ausdruck des indischen religiösen Levens, verdankt ihre Entstehung und hat ihre Wurzeln in dei jüdischen Raffe und im jüdischen Glauben Der Erzvater der Juaen Abraham war der Messias, welcter für die Menschheit die Krall der Offenbarung, auf welcher unsere Anschauung basiert, entdeckt hat. Die Rückkehr des jüdischen Volkes nach dem Orient, von wo. es verjagt worden ist — setzte der indische Philosoph fort - setzt eine Renaissance des jüdischen ltteiites, das Wiedererwachen der großen inneren Kräfte des Judentums, voraus. Jerusalem ist das Tor des Fc edens. und der Frede mutz das Herz Israels erfülle». Die geistige Renaissance des jüdischen Stammes stelle ich höher als dessen materielle Erlösung. Ich kann sie versichern, daß das ot-le Millionen zählende indische Dok mit Liebe und Genugtuung die Bestrebungen des jüdischen Volkes nach Rückkehr in feine alte Heimat Palästina verfolgt. (Wom Vafäaina-Vaviiron vei der Ausstessmrg zu Wembley. Das Komitee der britischen Reichsausstellung r.u Wembleg veröffentlicht soeben in Buch form einen Bericht über die Resultate der im vorigen Jahre stattgefundenen Ausstellung. Der den Palästina-Pavillon betieffende Abschnitt lautet u. a.: Püästina teilte mit Cypern die Nichteile des Raummangels, dessenungeachtet sind die Erwartungen der Organisatoren dieser Ausstellungen erfüllt worden. Der Zweck dieser Ausstellungen war. Weltbund", d« nie existiert Hat, sondern Höchstens in der Phantasie böschilliger Hetzer lebt, man fabelt von einem '„unheimlichen Internationalismus" der Juden, der aber — falls er bestände — so ohnmächtig wäre, dgß er z. B. die schändlichsten Jüdenhetzen und Muttsten Progrome in Polen, in der Ukraine rtsrp. nicht verhindern konnte! Also auf der einen Seite wirft man uns Juden nationale Engherzigkeit vor, auf der anderen Seite greift, wanden jüdischen Kosmopolitismus an. Es dürfte daher angezeigt fein, die beiden heute durch den Weltkrieg und die ihm folgenden sogenannten „Friedenskonferenzen" so aktuell gewordenen Motive des „Nationalismus und Universalismus" in der von der Geschichte und Lehre des Judentums gegebenen Beleuchtung wieder einmal zu erörtern. Ist das Judentum streng national, völkisch unduldsam, will es sich gegen seine nichtjüdische Umgebung aus bestimmten Gründen abschließen oder ist es im Gegenteil universalistisch? Sucht es innigen Anschluß an die es umgebenden Kulturvölker, indem es nicht nur verbindende Brücken zu ihnen baut, sondern auch die geistigen und materiellen Interessen der anderen Nationen fördert, also wesentlich universalistisch orientiert ist? Renan, der berühmte französische Orientalist und Religionsforscher, spricht einmal von der „großen Dualität" (Zweiheit) im Judentum, indem er den nationalen Geist des Religionsgesetzes, welches wesentlich einschränken, von anderen absondern solle, dem Prophetentum.gegenüberstellte, das die damalige Heidenwelt bekehren wollte und somit keine nationale, sondere eine universelle, weltumspannende Tendenz zeigte. Zwei der Talmudsprache entlehnte Worte drücken diesen Unterschied in prägnanter Weise aus: Die. absondernde Halacha ist national, die sich anschmiegende Agada ist universell. Während die gelehrte, halachische Kasuistik nur an die strenge Ausübung des Gesetzes henkt und besondere Vorschriften enthält, die das jüdische Volk mit Gott innig verbinden, aber von den übrigen Nationen absonder'n wollen, hat die Agada allgemeine, die Völker verbindende Wahrheiten zu ihrem Inhalt; sie ist die volkstümliche Predigt, die sich zum Teil auch die Bekehrung der Heiden zum Ziele setzte. Heine nennt in seinem „Jehuda Halevi" die Halacha, die er durchaus verkannte, eine „Fechterschule". Allerdings ist sie kein „Kampfspiel", sondern ein mit allem leidenschaftlichen Ernst geführter Kampf. Kommt doch im Talmud selbst der Ausdruck „Krieg der Thora" öfter vor. Die Agada, die er ebensowenig kannte, nennt Heine einen Garten „hochphantastisch neue Märkte für die Landesprodukte zu öffnen un. den Fremdenverkehr in diesen Ländern zu förder ö Beide Zwecke sind erfüllt worden, und zwar kleinem Maße, daß die Reqierung schon im Septembm vorigen Jahres Pläne für die Erweiterung der ber treffenden Abteilungen im Ausfiellunasjahr 192egetroffen hat. Wenn man in Betracht zieht, da im Palästina-Pavillon während der Ausstell ng tS2ß Waren für mehr als 30.000 Pfund gegen bor ver4 Kauft worden find, so wird man sich nicht wunderndaß die Aussteller mehr als zufrieden sind. Außer, den Besuchern, die im Palästina-Pavillon Einkäufe machten, waren zahlreiche andere Besucher, die sich dort das Palästina-Taschenbuch und andere Be- 'chreibungen des Landes geholt hatten, was für das^ Interesse dec Touristen an diesem Lande zeugt. lVochenkalender. 21.-28 März 1925. / 25. Adar bis 3. Nissan 5685. Samstag Mürz 21 J =T Sl i 25 •rot tznnn Rausch-Chaudesch benschen Sonntag 22 26 Mauled Dtenstg. abd. 11« Nontag 23 27 Dienstag 24 28 Nittwoch 25 29 pj? Dl’ Donnerstag 26 1 p'2 Rausch-Chaudesch freftag 27 2 Samstag 28 rrip’i 3

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