Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1925)
- Date
- 1925-03-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 1? D e r Israelit 19. März 1925 Was „Agudas Jisroel" vom ersten Augenblick an bekämpft hat, das ist die Umfälschung der Lalfour-Deklaration aus einem historischen in ein parteipolitisches Instrument. Das jüdische Volk, von dem die Deklaration spricht, hat nicht erst auf dem Baseler Kongreß das Licht der Welt erblickt, und der Anspruch der Sabbat hütenden, Tefilin tragenden Getreuen des Gottesvolkes auf Erez Jisroel ist unendlich älter und heiliger als derjenige der zionistischen und misrachistischen Schekelzahler. Die Anerkennung der zionistischen Organisatt n als Jewish Agency im Mandat mar daher t flagranter Widerspruch gegen den Geist der Balfour-Deklaration, wenn diese Anerkennung einen mehr als vorläufigen Charakter tragen sollte. „Agudas Jisroel" befand sich darum vollkommen auf dem Boden des einfachen Rechtes, wenn sie 1922 in Breslau als Vorbedingung für ihre etwaige Beteiligung an der Agency die völkerrechtliche Annullierung des der zionistischen Organisation erteilten Monopols forderte. Die damals gestellte Forderung scheint ja jetzt, wie die Berichte aus Amerika zeigen, nicht der Aguda, sondern dem Gelde der amerikanischen Nichtzionisten zuliebe erfüllt werden zu sollen. Ob auch die in dem Breslauer Beschluß enthaltenen religiösen Vorbedingungen, die für „Agudas Jisroel" mit dem Problem der Agency verknüpft sind, sich bei gutem Willen werden erfüllen lassen, muß die Zukunft zeigen. Wie dem aber auch sei, eine Wirtschaft-! i ch schädliche „Konkurrenz" bei Bodenkäufen und sonstigen Siedlungsmaßnahmen sollte zwischen den verschiedenen Organisationen in der Tat ausgeschaltet werden, und wir sind überzeugt, daß Mittel und Wege dazu, unbeschadet der Lösung der Agency-Frage, in kürzester Zeit gefunden werden können. Auf welchen Grundlagen die Siedlungsarbeit der Aguda sich aufbauen wird, dürfte im wesentlichen von den Berichten und Vorschlägen der gegenwärtig im Lande sich aufhaltenden Wirtschaftsdelegation abhängen. Maßgebend werden dabei aber zweifellos die Realitäten des wirtschaftlichen Lebens, nicht irgendwelche soziale oder vekonomische Theorien sein, soweit sie nicht durch das Thoragefetz bedingt sind. Eine solche reale Tatsache ist vor allem derWandersturmder orthodoxen polnischen Massen nach Erez Jisroel. Die elementare Wucht dieser aus idealem Schwung und bitterer Rot gezeugten Bewegung gestattet keinerlei langwierige theoretische Ueberlegungen über Berufsumschichtung, künstliche Züchtung hebräischer Sprachkultur oder Einschränkung der Privatinitiative. Und darum glauben wir auch, daß die Aguda gut daran getan hat, sich einer Persönlichkeit wie , Davis Trietsch als Beraters zu bedienen. Das bedeutet keineswegs eine kritiklose Hinnahme der Anregungen und Pläne dieses begabten Mannes, dem fein Optimismus gewiß schon manchen Streich gespielt hat. Wohl aber ist die ganze Konstellation heute durchaus danach angetan, daß ein gewisser „Maximalismus", durch die anschwellenden Einwanderungsziffern gefordert, daß ferner eine auf volkswirtschaftliche Theorien nicht eingeschworene ideenreiche Anpassungsfähigkeit an die vielfältigen Bedürfnisse des Augenblicks, wie sie Trietsch immer gezeigt hat, unter der Kontrolle kaufmännischer Nüchternheit doch viel Gutes dürfte stiften können. Der ungeheuren, lebenswichtigen Bedeutung derArbeits-undArbeiterfragen für den künftigen Charakter der jüdischen Siedlung im heiligen Lande ist sich „Agudas Jisroel" vollkommen bewußt. Das beweist die kräftige Förderung, die sie der aufstrebenden P o a l e A g u - das Jisroel -Bewegung in Erez Jisroel zuteil werden läßt, die heute numerisch noch wenig bedeutend und vorerst ganz nach der praktischen Seite orientiert ist, die aber ohne jeden Zweifel allmählich wachsenden Einfluß auch auf die ideellen Triebkräfte des Agudismus als politischer Lebenslehre ausüben wird. Freilich sind wir der Meinung, daß auch in Erez Jisroel auf die Dauer keineswegs die Arbeiterklasse, sondern die sogenannte gesellschaftliche „Oberschicht", die Intellektuellen, die höhere Kaufmannschaft und die Beamten, die kulturelle Atmosphäre des Landes entscheidend bestimmen und damit auch für die Herrschaft der Thora im öffentlichen und letzten Endes auch im privaten Leben maßgebend sein werden. Darum darf „Agudas Jisroel" gerade in diesen entscheidungsvollen Jahren des Werdens auch diese Schichten keinen Augenblick aus dem Auge verlieren; denn sie werden die nächsten Verwalter des religiösen Erbgutes sein, das aus der Diaspora zu neuem Blühen und Gedeihen in den heiligen Boden der Zukunft des jüdischen Volkes überpflanzt wird. In engem Zusammenhang mit diesen ' Erwägungen steht die gerade jetzt wieder aktuell gewordene Sabbatfrage in Erez Jisroel, der eine besondere Betrachtung gewidmet sein soll. Wochenrundschau. Das mexikanische Angebot. Um das mexikanische Landangebot an jüdische Einwanderer und Ansiedler aus Osteuropa, von dem bei Anlaß der Curopareife des Präsidenten Calles alle Welt sprach, ist es in letzterer Zeit bedenklich still geworden. Während die I. T. A. einen an sie gelangten Brief aus dem Sekretariat des Präsidenten der mexikanischen Republtt verbreitet, aus dem sich ergeben soll, daß der Präsident selbst nach wie vor an seinem großzügig gedachten Plane festhalte, lauten die direkten Nachrichten aus Mexiko weit weniger erbaulich. Auf einer Versammlung der j ü dischen Siedler in Mexiko führte der Vorsitzende der Vereinigung „Zurück zum Land", Mr. F e l d g r a m, aus, die nach Mexikohereingeströmten jüdischen Einwanderer seien wegen Kapitalmangels nicht in der Lage, von dem Landangebot der Regierung Gebrauch zu zu machen. Sie sind gezwungen, sich dem Straßenhandel zu widmen. Die meisten von ihnen sind erfahrene Landwirte, die in Litauen^ Südrußland, Polen, Besiarabien und Palästina den Boden bearbeitet haben; sie wollen zum Boden zurück. Sie finden aber keinerlei Unterstützung seitens der großen jüdischen Gesellschaften wie „Jca" und „Hias". Minister Leon sagte ihm, es sei der Regierung bekannt, daß seit einiger Zeit zahlreiche Juden ins Land kommen, es scheine aber, daß sie sich wenig wünschenswerten Beschäftigungen ZUwenden. Daran sei aber die Mittelsosigkeit den Leute schuld. Das Komitee „Zurück zum Lande" könne sich unter den Rgeierungsländereien fruchtbares und anbaufähiges Land auswählen. Die Regierung gibt das Land gegen zehnjährige Auszahlung zu leichten Bedingungen und ist bereit. Landwirtfchaftsgerät, Transportmittel beizustellen und die Frachtgebühren zu erlassen. Dieses günstige Angebot kann aber solange nicht ausgenutzt werden, als nicht jüdische Organisationen und Privatpersonen mit finanzieller Hilfe beispringen. Die Konferenz nahm eine Resolution an, in welcher das Erstaunen darüber ausgedrückt wird, daß die Bittgesuche der jüdischen Siedlungs- Kleines Feuilleton Ein neuer deutscher Pentateuch Commeutar. Rabbiner Dr- Wolf in Cöln bietet uns in seiner - unter anspruchslosem Titel im Verlaae des Jüdischen Volkssreundes *) erscheinenden — Arbeit mebr als Bemerkungen. Es hnndelt sich um einen fortlaufenden Kommentar. Entstanden ist da - Werk aus den allsabbatlichen Chumeschvorträgen. mit derien der Verfasser seit mehr als zwanzig Jahren eine treue Gemeinde einheimischer und auswärtiger Zuhörer erfreut und belehrt. Der Ursprung des Kommentars zeigt sich in der zuweilen etwas zu b'eiten Ausdrucksweife, gibt ihm aber einen reckt lebendigen Stil, der mehr dem g fprockenen als dem gefchrte denen Worte entspricht. — Eine Probe des Kommeutares lag bereits vor Jahren Herrn Pros. Dr. Hofsmann vor. Mit der diesem Meister eigenen genialen Fähigkeit des Urteiles, charakterisierte Hoffmann die ihm zur Einsicht oorliegenbe Probe als einen Versuch der Popularisierung Hirscl.''cher Gedanken und eines populären, zur Jir'o führenden Pentateuchkommentares. Tatsächlich bietet die Ar beit fast durchweg Geist und Methode des Hirfch'scken Kommentars, aber in leicht faßlicher Form Was hie-durch an Wucht d?r Sprache verloren geht wird Lurch die Volkstümlichkeit ersetzt. Wolf ist als *) minn bv D’pvn* Nebersetzung und Bemerkungen zum Pentateuch. In Lieferungen. Preis jeder Lüferung 0.6 Mk.) im Borabonnement b.im„JüdischenVollssreund", Köln, Hohen-, paufenring 14. t Dolkslrhrer ein Künstler. Ganz bes> nders willkommen wird der Kommentar dem jüdischen Lehrer sein. Durch Form und Inhalt bietet er viel Wertvolles für Unterricht und Vortraa. Wolf ist aber nicht bei Hirsch stehen geblieben. Selbstverständlich benützt er die Ergebnisse der neueren Forsckung auf allen Gebieten des Wissens. Ganz unaufdringlich, ober umlo sympathischer machen sich Kenntnisse der semitischen Philologie gel end Daß der begeisterte Anh naer von S. R. Hirsch auch Schüler von Jak. Batth h"! war. gibt dem Kommentar einen wertvollen Einschlag. Hand in Hand hiermit grht die saubere Kleinarbeit auf dem Gebiete des, exeaetischen und grammatischen pvi, die liebevolle Behandlung einzelner Besonderheiten des Cchri'tausdruches, an denen man so oft achtlos vorüber liest. Hier zeigt fick die holländische Sckulung, d'e Verfasstr seinem Vater Rabbi Wolf h's verdankt. — Der Kommentar kann vielen vieles bieten Er ist eine wertvolle Bereicherung der Literatur der wahrhaft jüdischen Bibelerklärüngen. „Eine Anfrage". Aus die Anfrooe des Herrn E. Breslauer- Breslau in der jüngsten Nummer des „Israelit" diene felgende Antwort: Es ist eine grammatische Reael, daß meistenteils in Konsonanten mit „beweglichem Schwa (Schwa mobile) das Dagesch im nicht geschrieben wird, namentlich in p ,i ganz besonders vor Gutturalen in den Zischlauten. Zum Vergleich außer den von Breslauer angeführten und steht ohne Dagesch (stehe Josua 3 D. 13 u V. 16; Jerem- Kap. öl. V. 36, Bereschith Kap. 6. V. 16. Bereschith Kap. 7. D. 20; Jeckeskel Kap. 1. D. il; Schlemauth Kap. 25. V. 21; Könige I. Kap. 7. D. II u. 25; Jecheskel Kap. 10. D. 19); ebenso ohne Dagesch vLchy (Bereschith Kap. 25. V. 33); ferner vgl. ohne Dagesch von vvi. wo doch für das ausgefallene s ein Dagesch im v Stehen müßte; sehr interessant daher Bereschith Kap. 35. V. 5 mit Dagesch, dagegen in demselben Kap. V. 16 wo*i ohne Dagesch (stehe eben obige Regelt Ebenso Bamidbor Kap. 2. V. 9. Aber Bamidbor Kap. 9. V. 17 und D. 13, und in demselben Kapiiel D. 20. Bgl. auch in der ms 'St gleich int Anfang inj?’! ohne Dagesch im p (für ausgefallenes aus obiger Regel heraus. Diele Beispiele ließen sich vermehren, nur einiges, für Interessierte: IM (Wajckro Kap. 19. V. 14), aber tp-jw (Zephanjo K. p. 1. D. 7 und Eicho Kap 4. D. 14); vgl. Hiob Kap. 8. D. 21 und Schmust I. Kap. ' 18. D. 27); von rrvz vgl. Jeremia Kap. 50. V. 2 unb Bereschith Kap. 7. D. 17. 8V3 Hiob K^p. 26. V. 9, aber »8vS (ohne Dagesch Jesaja Kap. 66. B. 1 u. a) nan stets mit Dagesch im j, -gan, aber dagegen aaai? ohne Dagesch Josua Kap« 9. D. 25. Jeremia Kap. 3. B. 22. Dr. Neuhaus. ch * *