Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1925)
- Date
- 1925-03-12
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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MM Seite 2 Nr. 6 e r 5's ra e i i i B l ö tter 12. März 1925 als nwya als praktisches, jüdisches Leben seine imposante Bahn führt. Nicht Ende, sondern Anfang soll Keren-Hatorah sein! Anfang zu dem Kampf um den Sinn eigenjüdischer Organisation und Politik. Dieser Kampf aber muß sein; denn es gilt, denjenigen, welchen unjüdisch begriffene Organisation und Politik zu vernichten auf dem besten Wege sind, zu retten: die jüdische Persönlichkeit. Neutralität. Von Gottfried Gordschmidt in Katöerfladt. Die Fußnote zu dem Referat von Herrn Rabbiner Dr. Klein über Frauenwahlrecht (Nr. 6 des „Israelit") ist dem Israelitischen Familienblatt begreiflicherweise unangenehm. In seiner Nr. 9 beklagt es sich über Undank des „Israelit". Es, das Famlienblatt, habe es gut gemeint, habe die zwei anstößigen Kritiken von Gesinungsgenofsen des Referenten schreiben lassen, und sehe sein Wohlwollen nun mit Ausdrücken belohnt, wie bösartig, niederträchtig, glatte Unwahrheit. Die Fußnote habe ich geschrieben und für die Beschuldigungen: bösartige Anklage, niederträchtige Entstellung und glatte Unwahrheit bin ich verantwortlich. Was es mit bem Wohlwollen des Familienblattes auf sich hat, zeigt die geschmackvolle Ueberschrift der letzten Erwiderung: „Das Hündchen in der Synagoge und — das Frauenwahlrecht". Damit wird das Referat neuerdings verhöhnt. Und wie stehts mit den beiden angeblichen Gesinnungsgenossen, die Herrn Dr. Kleins Referat niederträchtig, aber wirklich niederträchtig entstellt haben? Worin sind sie seine Gesinnungsgenossen? In der Frage des Frauenwahlrechts doch ganz bestimmt nicht. Darauf allein aber kann es hierbei ankommen und nicht etwa darauf, ob sie in anderen Fragen gleicher Gesinnung sind. — Weiter: das Familienblatt versichert treuherzig, er habe Herrn Dr. Klein vor einer Mißdeutung schützen wollen. Eine löbliche Absicht in der Tat. Wie aber geschah dies? Damit, daß behauptet wurde, der „Vergleich" des Hündchens in der Synagoge mit dem Frauenwahlrecht habe bei den Damen großen Unwillen, sogar einen Entrüstungssturm hervorgerufen. . „Lei den Damen" — bei welchen Damen? Kein Mensch konnte unter „den Damen" andere als die Zuhörerinnen verstehen. Somit habe ich die Behauptung mit Fug und Recht als glatte Unwahrheit bezeichnet. Jetzt kommt die neue Deutung: Unter „den Damen" waren nicht die Zuhörerinnen, sondern war der Jüdische Frauenbund verstanden. Ach so, das ist freilich etwas anderes; nur waren dann bisher an die Divinationsgabe des Lesers übermenschlich große Anforderungen gestellt. Wäre ehrlich gesagt worden, daß nur der Jüdische Frauenbund über das Referat in Entrüstungsschauer geriet, dann wäre damit das Sensationelle der Nachricht ausgeschaltet und auf unserer Seite nur Heiterkeit entfesselt worden und keinerlei Einspruch. Denn der Frauenbund war ja offensichtlich nur von dem entstellten Bericht des Familienblattes in Harnisch versetzt worden. An seine in Vorstehendem gewürdigten Bemerkungen knüpft der Hamburger Herr noch eine allgemeine Betrachtung, der man sich zuwenden muß. Er versichert, das Familienblatt habe sich stets * bemüht, den einzelnen Richtungen innerhalb der Judenheit gerecht zu werden, es wolle versöhnend für Einheit wirken, die Autonomie jeder Richtung wahren, und davon werde es sich auch durch Anwürfe wie die meinigen nicht abbringen lassen. Auch von einem Haß gegen den gesetzestreuen Gemeindeverband könne nicht die Rede sein. Nur auf die Gefahr einer Separation habe man Hinweisen müssen, weil schon die drei Redner in Hamburg (Rabbiner Dres. Kohn, Klein und Munk) den Eindruck hervorriefen, als ob der Halberstädter Verband die Geschäfte der Trennungsorthodoxie besorge. — Die Aufgaben des Blattes sind also zunächst dreierlei — erstens: allen aerecht zu werden, zweitens: versöhnend für Einheit zu wirken und drittens: die Autonomie Jßöer Richtung zu wahren. Allen gerecht wird das-Familienblatt, indem es eine inmittenabstrakt-halachifcher Darlegungen eingestreute heitere Anekdote angeblich wohlwollend zu einem Vergleich umdichtet und davon sagt: „Das Gleichnis war jedenfalls kein glücklicher Griff". Ausgleichen!) und versöhnend wirkt das Blatt,-indem es von dem Halberstädter Verband, der nur gesetzestreue Gemeinden umfaßt, sagt, er scheine die Geschäfte der Trennungsorthodoxie -zu besorgen. Man brauche sich nur die drei Redner auf der Hamburger Tagung des gesetzestreuen Bundes anzusehen. Was für uns daraus hervorgeht, ist dies. Ich habe keinen Zweifel, daß das Familienblatt glaubt, was es versichert; es ist darin subjektiv ehrlich und wahr. Es will die Neutralität wahren. Gelingt ihm das nicht und schwankt bei ihm das Gleichgewicht immer zu ungunsten der Gesetzestreue, so liegt das nicht am bösen Willen, sondern an der Unaussührbarkeit des Vorhabens. Hat sich schon im Kriege eine Neutralität der Gesinnung bei Dänemark, Schweden, Holland und den anderen sogenannten Neutralstaaten nicht aufrecht erhalten lassen, so ist es für Juden in religiösen Dingen ganz und gar unmöglich. Gerade heraus gesagt — es wäre auch eine Schande, religiös neutral zu sein, jeder „Richtung in der Judenheit" gerecht zu werden. Es gibt für einen Juden, der diesen Namen verdient, überhaupt keine Richtungen, es kann für ihn nur eine Richtung geben. Es kann für ihn nur ein Judentum, nur d a s Judentum geben, wie er es kennt und bekennt. Eine jede andere „Richtung" ist für ihn außerhalb des Judentums. Es ist ein Denkfehler, eine (unbewußte) Unwahrheit von einem irgendwie positiv gerichteten Juden, an eine religiöse Einheit der jüdischen Gemeinschaft zu glauben. Wir haben in der deutschen Judenheit drei Haupteinheiten: die eine Einheit, die ursprüngliche, von der sich die anderen separierten, und die das Gesetz von Sinai als unverbrüchlich oberstes Gesetz, als absolute Gotteswahrheit, als Maßstab für die Beurteilung jeder Frage und für die -Bewertung jeder Erscheinung, als verpflichtend für alle Juden und für das jüdische Volk, ansieht. Es besteht eine andere Einheit, die sich eben von der ersten separierte und die Thora, die mündliche und schriftliche, als Menschenwerk und darum der Entwicklung unterworfen betrachtet. Es gibt eine dritte Einheit, die sich von der zweiten separierte und in der Judenheit nur eine Nation sieht, wie alle anderen Nationen, denen Religion ganz Privatsache des Einzelnen ist. Zwischen diesen drei Haupt-Einheiten gilt es zu wählen. „Gerecht werden" kann der einzelne Jude nicht gleichzeitig der ersten und einer anderen der drei Strömungen. Aus den dreien eine Einheit zu schaffen, ist nicht dem Hamburger Familienblatt, sondern dem Propheten Eliah Vorbehalten. Das Familienblatt in seinem Wahne, Elia-Kräfte zu besitzen, kann nur das eine zustande bringen: es kann die erste, ursprüngliche, nur im Geiste der Thora denkende und orientierte Einheit als Separationsgefahr und Trennungsorthodoxie verdammen und den anderen, separierten Strömungen „gerecht werden". Und das ist seine Neutralität. schenmangel nur stellenweise spürbar;- überfüllte- und beengte Straßen häufen sich in den Städten. Die auf kleineren Siedlungen nötige landwirtschaftliche Brauchbarkeit ist nur einer verschwindenden Minderheit derer, die ' aus Polen kommen, eigen. Schon bald sich bald Lodz und Warschau, Lublin und Radom in — Jerusalem. Etwas anderes äst notwendig. Die Orthodoxie hät Gelegenheit, etwäs Eigenes zu leisten, etwas Eigenes von Grund auf zu bauen: Wir müssen uns auf dem auch nicht unheiligen Boden des Zweiströmelandes s e l bst än d i g. ansiedeln. Wir müssen uns aus der Hörigkeit der Abtrünnigen und ihrer-Gaben befreien, müssen eine ganz von den zionistischen und sonstigen europäisch-assimilierten Einrichtungen und Personen freie Zufluchtsstätte für die jüd. Orthodoxen aller Länder schaffen. Die nichtjüdischen Arbeitskräfte, die wir hierbei unbedingt benötigen, müssen aus Gegenden zusammengeholt werden, wo f l e i - ß i g e M e n s ch e n a n d e r e r Völker gleich uns irgendwelchen Verfolgungen relig ionsfeindlich er Art weichen müssen. Daran wird es ja nach menschlicher Berechnung in den nächsten Jahren und Jahrzehnten nicht fehlen. Arbeiter und Beamte bis in die höchsten Stellen einer uns Juden aller Richtungen nun einmal nicht liegenden Staatsmaschmerie müssen aus diesen Völkern entnommen werden. Die Instanz, das ganze zu vermitteln, wäre: Der längst notwendig zu gründende Bund aller religfonstreuen Menschen. In bvu wird der- Allgütige so die Menschheit einigen. Bekanntlich sind einzelne Größe des Ostens (Munkacz, Belz, Rodom, Alexander bei Lodz) unserer Agudo deshalb ferngeblieben, weit sie unsere Palästina-Aktivität als ein Zugeständnis an andere Kreise und als einen Vorstoß gegen die Grundsätze des Moschiach-GlaubenS betrachten. Diesem unerträglichen Zustande, daß eine Strömung bedeutenden Umfanges „rechts von der Agudo", wie Salomo N. Birnbaum sagt, existiert, kann schnell ein Ende gemacht und jene ganze Richtung mit uns vereinigt werden, wenn wir die einseitige Beschränkung aus Palästina beendigen und uns nur Noch eins fragen: „W i e u n d w o helfen w ir d en orth o d o x en Juden aller Welt, solche zu bleiben? * * * - . Wir haben ebenso wie dem Mahnruf? Nathan Birnbaums auch den vorstehenden Ausführungen unseres geschätzten Mitarbeiters gerne Raum gegeben, weil kein Grund besteht, die'Vielfältigkeit der Meinungen auf dem umstrittenen Gebiete der jüdischen Siedlung irgendwie zu verschleiern. Allein wir müssen doch sagen, daß die innere Verbundenheit von ^Klat Jsrvel mit dem heiligen Lande unseres Erachtens sowohl nach der halachischen wie nach der gefühlsmäßigen Seite von Herrn Dr. Cohen doch wohl unterschätzt wird. Den Kampf um den Heiligteitscharakter Erez Israels, darf nicht durch eine Flucht nach Babylonien aufgegeben werden. Soweit sind wir Gottlob denn doch noch nicht. Nochmals: Bitte bremsen! Von Dr. Benno Cohen in Berlin. Es ist vor einiger Zeit in diesem Blatte erwähnt worden, daß eine fluchtartige Massenabwanderung aus den Ostländern nach Erez Jisroel droht, beginnt, ja eigentlich schon in vollem Gange ist. Da wir nun nicht in einer Zeit überirdischer Waltungen leben und nach menschlicher Berechnung das H. Land nicht allein den ganzen Einwandererstrom ohne neue Not und ohne neues Elend wird fasten können, so wird man nicht länger das Problem der Besiedlung der Nachbarländer Palästinas außer Acht lasten dürfen. Die britische Verwaltung dieser Gegenden läßt öftrs durch die ganze Weltpresse Rufe nach neuen Siedlern erschallen, denn Menschen und nichts als Menschen werden in jenen Gegenden gebraucht. Dagegen ist in Erez-Jisroel der Men- Die Landeskonferenz der Aguda in Ostqalizicn. Sonntag, den 14. Schwach wurde die Landeskonferenz der ostgalizifchen Organisation der Aguda eröffnet. Der Eröffnung ging ein Massenmeeting voran, an welchem Tausende von orthodoxen Juden teilnahmen. Das Meeting wurde vom Vorsitzenden der Landesorgamsation, Sejmdeputat Oberrabbiner. Aron Lewin-Sambor, eröffnet, der über die ideelle Bedeutung der Aguda, über die Arbeit seit der Kenessio sprach. Sejmdeputat Stempel- Krakau referierte über die politische Lage der Juden in Polen, Herr Dr. Leo Deutfchländer-Wien, sprach Mer das brennende Problem der Mädchenerziehung im besonderen. Rabbi Tobis Hörowitz berichtete über die Erez Jisroel-Arbeit der Aguda. Nach Erstattung der Referate nahm das Massenmeeting eine Resolution an, welche in einem Treuegelöbnis für die Aguda gipfelte. In einer besonderen Resolution wurde dem orthodoxen Kejmklüb das Vertrauen votiert. Die sachlichen Beratungen der Konferenz, an welcher über hundert Delegiert teilnahmen, wurden 4 Uhr nachmittags eröffnet. Den Vorsitz führte Oberrabbiner Aron Lewin-Sambor. Das Lemberger Rabbinat war durch Oberrabbiner L. Braude, das Wiener ^entralbureau durch Rabbiner Tobias Horowitz und Dr. Leo Deutschländer, die Warschauer