Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1925)
- Date
- 1925-03-12
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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-A } { ft- "J f ü V *i ft ri« i" i 1 ft .f-: ,"-, ,*«>v --ii. ', f r*—v.»rj^ .}..aV ..' keransgegeben von dev tan«'esovaanifafion dev ftqudas-Jisvovf in Venlkekland V VJSitz /> f; MÄMMng Frankfurt a. A7., \2. TNärz 1925 / V6. Adar 5685 Nummer 6 fln unfereStruppeti] Ü)ie bereits befanht gegeben, soll unser Delegierten- und Bundestag vom 2. bis 4. August hier in Adln ftätlfinden. » Mir machen bereits setzt darauf aufrnerkfam, daß nur die Delegierten derjenigen Gruppen auf dem Deleaiertentag Stimmrecht haben werden, die ihre Beiträge bis iukl. Juni 1925 für uns und für die Gesamtorganisation gezahlt und ihreBIitgliederänzahl dem (D. V. bekannt gegeben haben. ♦ Es ist ausgeschlossen, daß von diesen Bestiinnrungen abgesehen werden kann. » Einzelheiten über die Mahl der Delegierten, lassen wir demnächst folgen. Köln, den 23. Februar 1925. Den DovfCand dev % J. J. 0. Leo:ilXu n f: , / D r. Lohen Keren Hatorah ' und Wudüs Jisrocl. Der nachfolgende, im „Nachrichten- Matt" der bayrischen Jugendgruppen erschienene Äussatz enthält soviel Ve- - . herzigenswertes, daß wir ihn der weiteren agüdistischen Oeffentlichkeit zugänglich machen möchten. Von allen Aktionen, welche die Agudas Jisroel feit ihrem Bestehen in - Angriff genommen hat, hat wohl kagm eine sich solch weitgehender Sympathie^ erfreuen dürfen, als die des Keren Hatorah. Nicht nur alte, erprobte Freunde der Agudas-Jisroel stellten sich in ihren Dienst, sondern auch solche Kreise, welche gewöhnlich die Taten und Worte der Agudas-Jisroel nicht recht ernst nehmen oder zumindest nur mit einem kritischen Mißtrauen ihnen begegnen. Selbst in manchem Keren-Hatorah-Kommissariat sitzen — begrüßenswerter Weise, — Personen und Persönlichkeiten, welche der „politischen" Agudas- Jisroel nicht ganz hold sind. Andererseits ist der Kreis dereer, die sich nicht nur in organisatorischer, sondern gerade in finanzieller Leistung dem D.-H.-Äufruf der A.-J. anschlossen-nicht sehrweit Über den Kreis derjenigen hinausgedrungen, die ohnehin an der alten Tauro Interesse haben. Es ist lehrreich, zu sehen, daß bei anderen Unternehmungen der-A.-J. das Verhalten des Publikums ein in gewissem- Sinne entgegengesetztes war, Gedenken wir z. B. der Rettungsaktion für dje-Hungeropfer in der Ukraine vor 4 Jahren. Finanziell leisteten-auch , solche -sür,, die Sammlungwelche - für-A.-J. vielleicht.' nicht, einmal ein Verständnis - Hatten. In propagandistischer Hinsicht .jehoch,- rvenn-es^ galtfthie Aktipn her A.-J. .mit Wort und Schristi und persönlichem Einfluß zu - unteerstützen, - versagte -ein - gewisser Teil der jüdischen. Oeffentlichkeit, Man. kann!' sich, dieses gegensätzliche Verhalten.kaum anders erklären, als dahles die "7sicherlich nicht bewußte,- aber— Instinktiv .-richtige-* Konsequenz einer Gesinnung ist, Mslche'HinMhetröchÜschen^ell unserer. Indem beheMchtun^chei-ihnen Don fast 5zur ,Wesensart geworden, zu sein scheint. Es ist die Betätigung eines Wunsches, der tief unten im Keller des Bewußtseins glimmt: Entpolitisierung der AguÜas- Jisroel. Man sagt es und wünscht es ganz offen b^ous. Und so mancher bei uns glaubt es auch schon. Wohl fühlt man den Widerspruch, der darin liegt, eine Organisation von Politik abschnüren zu wollen, ohne ihr damit zugleich das Leben zu nehmen. Und es gibt in der Tat keinen anderen Ausweg aus diesem Dilemma als deN, die Agudas-Jisroel zu etwas zu machen, dessen Organisieren nicht Organisation und dessen Politisieren niemals Politik wird. Aber wie das? N'chts einfacher als das. Man macht Agudas-Jisroel zur Organisation des Nur-Thora-Lernens., A.-J. wird eine/Welt- Klaus, ein Welt-Beishamidrafch, Und alles löst sich in Wohlgefallen auf. Die Organifationsfrage ist glänzend gelöst: Sind denn die Mitglieder eines Lernvereins, nicht auch organisiert? Sicherlich! Aber dennoch keine Organisation im verdächtigen Sinne, denn ein L^rnn-rein ist — unvolitisch. Wird aber nicht in Wirklichkeit doch politisiert? Nun denn, auch die PofttNsrage ist glänzend gelöst: Gab es denn nicht immer schon Beishamidraschpolitik? Gewiß! Aber doch keine Politik im verdächtigen Sinne, denn Beishamidraschpolitik ist — harmlos, KmrT73- So also sitzt die lernende, nur lernende Battlonimschaft der A.-J. still und zufrieden in den weltabgeschnittenen 4 Ellen der Halacha, der Rabbinische Rat wird, mit einer Fülle billiger Kowaud's überhäuft und beschüttet, zum Klausrabbiner — draußen aber walten die ninn ’onE' um die Praxis des jüdischen Lebens zu gestalten. Und während, in der A.-J.-Ktaus so v-pn-m pa ein bisschen Beishamidraschpolitik geschmußt wird, machen draußen die ivin große, echte Politik. Und die -Tauro sitzt wieder einmal in der Falle. - Das ist im Grunde der Sinn von dem Geschrei nach Entpolitisierung der Agudas-Jisroel. Es kann nicht nachdrücklich genug darauf hingewiesen werden, daß diese Denkweise auf einer ganz und gar unjüdischen Trennung zwischen m na und nmn zwischen „Lernen" und „Tun" beruht. Ja sogar auf einem unglaublichen Mißbrauch des „Lernens", Denn ungeachtet der War-!mmg unserer Weisen in den Sprüchen der Väter .12 menb mrip . ♦ n&jm die Thora Nlcht als Schaufel zu gebrauchen, soll sie doch dazu herhalten, die Versenkung auszugraben, in der sie selbst verschwinden möge,.ppa.-nrnm mmm •nnr Dieser Hinweis kann klar und. deutlich ausgesprochen und darum niemals mißverstanden werden. Aber diese mißbräuchliche Trennung zwischen „Lernen" und „Tun" beruht im Grunde auf einer anderen Unklarheit; nämlich auf der Unklarheit über den Sinn wirklich eigen-jüdischer Organisation und Politik. Jedoch gerade in dieser Hinsicht ist ein belehrendes, aufklärendes Auftreten der A.-J. von großen Schwierigkeiten begleitet. Fast gilt hier des R. Jochanan. b. Sakkai Wort: "wirr x*? Dtr»1? »xnaixüx ’*? nxdaß Reden so peinlich ist wie Schweigen. Denn die Denkweise der großen Masse der Gegner steht so ganz im Banne d e r Lehren von Organisation und.Politik, welche nicht nur dem 20. Jahrhundert, sondern der Geschichte aller sonstigen Staatsvölker charakteristisch sinddaß es schier unmöglich erscheint, den Bekennern einer solchen Denkweise die ganz anders > gearteten,■ Lehren von-, spezifisch - jüdischer Organisation und speziell jüdischer Politik begreiflich zu machen. Und wie schwierig und heikel gar für diejenigen, welche in solch jüdischer Organisation und jüdischer Politik nicht nur ein begreifliches Erbe der Vergangenheit, sondern eine sewsteriebte Selbstverständlichkeit erblicken. Denn Erleben ist der Feind des Demonstrierens. Auch rührt eine Auseinandersetzung über diese Dinge an so Höchstes und Heiligstes, daß man eine nicht geringe Scheu empfindet und empfinden muß, sie auf. dem Makulatur-Forum der modernen Oeffentlichkeit und noch dazu in wesensfremder Sprache zu führen. Dessenungeachtet hat die Aufklärungsarbeit über den ersten der beiden Begriffe, nämlich die Organisation, schon vor mehr als 60 Jahren eingesetzt'und ist schon in den letzten Jahren wiederum .mit Fleiß und Eifer aufgegriffen worden. Dieser Kampf um den Sinn jüdischer Org'ansiauon veroient es, daß man in eingehendster Weise seine Geschichte studiere. Nicht nur, um an dem Maße seines Erfolges oder Mißerfolges den Begriff selber zu korrigieren und den Erfolg oder Nichterfolg des Kampfes als Maßstab für den Wert und die Größe des Kampfzieles gelten zu lassen, sondern um daraus für die Zweckmäßigkeit der M e t h 0 d e n der Äufkläriungsarbeit — die ja in Wirklichkeit Erziehung bedeutet — zu lernen. Noch gar nicht oder höchstens seit ganz Kurzem erst ist der Weg der Propagierung eigener jüdischer Politik beschritten worden. Für A.-J. ist die Lösung dieser Aufgabe die Existenzfrage. A.-J. wird damit stehen oder fallen, ob ihre Führer den klaren Blick und die Energie besitzen, den eigenen Weg wahrhaft jüdischer Politik zu beschreiten, jamm Wenn man sich vor Augen hält, daß Organisation zu Politik sich verhält wie Körper zum Leben, dann wird man zweierlei erkennen: Erstens, daß das Politikproblem eigentlich den Kern- und Zielpunkt des Organisations- Problemes bildet; daß es auch stets bei Behandlugn jenes Problems sozusagen als Selbstverständlichkeit mit inbegriffen gewesen sein muß.; Das s pezielle Problem der eigenen jüdischen Politik aber konnte erst auftauchen, als die Schöpfungen der praktischen Organisationsbildung sich hart im Raume zu stoßen begannen. Und nun steht es da und harrt der Lösung. Die jüdische Seele aber wird vor dem Gedanken zittern, daß die letzten Schleier von dem Schrein ihrer Heiligkeit vor den sensationslüsternen Blicken fallen sollen. nrabsn arm*? orft nx mm- Wehe, wenn verblendender Bruderzwist so ein tragisches Schauspiel erzwingt! Zweitens, daß das angemessenste Mittel zur Klärung dieser Frage nicht die theoretische Auseinandersetzung in Wort und Schrift ist, sondern die praktische Auseinandersetzung, das Leben selber. Politik im weitesten Sinne ist Gemeinschaftsleben. Keim noch so glänzender, packender- Roman und kein noch so leibhaftiges, fesselndes Schauspiel, auch nicht Dutzende von ihnen, können einen so überzeugenden Wahrheitsgehalt vermitteln, als wie das kleinste Stückchen Leben. Als unsagbares Glück müßte es Agudas-Jisroel empfinden, wenn sie diesen ihren Kampf um das wahre Wesen eigener jüdischer Politik nur auf diesem Felde des Lebens zu führen brauchte. Aber von Agudas-Jisroel allein hängt das nicht ab! — Cs muß sich zeigen, daß eine Organisation, welche eine speziell jüdische sein will, auch das Recht und die Pflicht hat, eine Politik zu führen, welche die speziell! jüdische sein soll. Dann Muß -es sich erweisen, daß der Weg wahrhaft jüdischen Gemeinschaftslebens nicht bloß vom um» dem „Lernen", bis in die „Klaus" führend dort endet, sondern gerade von dort aus in mächtiger Breite