Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1925)
- Date
- 1925-03-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 11 D er As r. a. etil M März 1928 Jini) eine gewichtige Stelle gugewiesen und niemand denkt Daran, ihr die Tür zu weisen. Die orthodoxe Schule hat eine oielhundertjährige Vergangenheit hinter sich. Sie gab uns die größten Männer, ihr ist es zu verdanken, daß wir den Stürmen Der Jahrhunderte Stand hielten. Die Bemühungen der Agudas Jisroel gehen dahin, unserer alten traditionellen Volksschule — Schute des Volkes im reinsten und höchsten Sinne des Wortes — dem Cheder, ihren Charakter beizubehalten und ihr die staatsrechtliche Grundlage zu sichern. Um dieses letztere zu erreichen, mußten natürlich gewisse Reformen durchgeführt werden, Reformen, die jedoch den Charakter und das innere Wesen der Schule unberührt lassen. Außer den hygienischen Verbesserungen mußten, seit dem Inkrafttreten des Schulpflichtgesetzes, auch profane Gegenstände in den Lehrplan, nach einem durch eine spezielle Verordnung des Kultusministers für diese Schulen genehmigten Programme, ausgenommen werden, so daß die Kinder, die in diesen Cheder-Schulen studieren, nicht mehr gezwungen werden, die allgemeinen Volksschulen zu besuchen. Agudas Jisroel war in der glücklichen Lage, in einem sehr wichtigen Punkte ihre Ziele mit den Wünschen der Regierung in Einklang bringen zu können. Als Unterrichtssprache der profanen Gegenstände wurde nämlich die polnische Sprache bestimmt. Mit leichtem Herzen konnte diese Konzession gemacht werden. In einer Schule, wo die jüdischen Gegenstände fast den ganzen Tag und die ganze geistige Spannkraft der Kinder beanspruchen, ist es ganz einfach Notwendigkeit, um den Kindern die Landessprache beizubringen, ihnen den täglich zweistündigen Unterricht der profanen Lehrgegenstände in dieser Sprache zu erteilen. Hier stünde also die Sprachenfrage nchit im Wege und da wäre kein Raum für Ausflüchte. In diesem Glauben brachte Abg. Kirschbraun im Namen der orthodoxen Fraktion des jüdischen Sejmklubs schon lange ein Gesetzprojekt ein, das noch mehr als die Regierungssubvention die staatsrechtliche Sicherung der Existenz der orthodoxen Schulen zum Zwecke hatte, denn, wie gesagt, beruht vorläufig die Anerkennung der orthodoxen Schule auf der ziemlich schwachen Grundlage einer ministeriellen Verordnung. Leider wurde aber das Gesetzprojekt in der Kommission .begraben und wie es scheint, ist nicht so schnell seine Auferstehung zu erwarten. Inzwischen versuchen die jüdischen Gegner dieser Schule, welche vermeintlich eine geschlossene Front nach außen schaffen wollen, ihre Existenz durch verschiedene, nicht besonders reine Mittel, zu untergraben. So stellte sie Herr Schipper einst in einer Sejmrede als „Bollwerk des Fanatismus" und Nest der „epidemischen Krankheiten" vor, und so versuchte erst vor kurzem Dr. Wygodski sie vor dem Vizeministerpräsidenten, Herrn Thugutt, anzuschwärzen und legte dann seine Wünsche oder Worte in den Mund des Herrn Thugutt. Zum Glücke erklärte Herr Thugutt den orthodoxen Deputierten, daß die in seinem Namen veröffentlichten Worte, als ob den religiösen Schulen die Anerkennung der Regierung entzogen werden sollte, aus der Luft gegriffen find und entschieden seiner persönlichen Anschauung zuwiderlausen. Es scheint demnach auch im Falle Wygodski, daß der Wille der Vater des Gedankens war. Das Traurigste in der ganzen Geschichte sind die jüdischen Zerwürfnisse, der Parteihader, der alle Mitte! für gut hält, um dem politischen Gegner das Leben zu vergällen. Ist unter diesen Umständen noch auf eine günstige Lösung der im Interesse aller liegenden Fragen gu hoffen? Heil dem, der hofft. fttauctt« Die Sonntagsruhe in Kraft. K o w n o, 1. März. Sonntag, den 1. März, trat für Kowno und ganz Litauen das allgemeine Sonntagsruhegesetz mit aller Strenge in Kraft. Die harte Prüfung für die litauische Judenheit hat begonnen. Am Sabbat vor diesem ersten kritischen Sonntag wurden in sämtlichen Synagogen Reden und Ansprachen zu Ehren des Sabbats und zur Entflammung der Geister und Gemüter für das heilige Kleinod des Sabbats gehalten. Im großen neuen Beth Hamedrasch hielt der vor kurzem von Amerika zurückgekehrte Oberrabbiner Schapiro eine Predigt, die zugleich flammender Protest nach außen und dringende Mahnung nach innen, gewaltigen Eindruck machte. Das große Gotteshaus war gepackt voll. Auch in Kreisen der Kausleute wird eine lebhafte Agitation zu Gunsten des Sabbat entfaltet, und man kann beobachten, daß selbst Elemente, die es leider mit dem praktischen Religionsgesetz nicht mehr so genau nehmen, denen die Hand bieten, die fest entschlossen sind, der litauischen Regierung und dem litauischen Volke zu zeigen, daß wir uns durch Zwangsmittel denSabbatnichtnehmenlaffen. Auch das „Jüdische Leben" bringt Artikel, Berichte und Bekanntmachungen über die Sabbat-Bewegung. Wiewohl die wirtschaftliche Krisis in Litauen in verstärktem Maße zunimmt, ist zu hoffen, daß das litauische Judentum das große Opfer des doppelten Ruhetages auf sich nimmt und daß der Sabbat, wie überhaupt das jüdische geistige Leben dabei nur gewinnt. Die Landesverfammlung der flovakifchen Orthodoxie. Bratislava, 2. März. Der Versammlung der Landesrepräsentanz und der Gemeindevertreter ging eine Rabbinerversammlung voraus, die unter dem Vorsitz des Herrn Oberrabbiner Schreiber sämtliche Gegenstände der Tagesordnung vorberiet. Cs wurde außerdem die Notlage der Ieschiwoth, die Prüfung der Kaschruth- Beaufsrchtigung in größeren Unternehmungen und die notwendigen Maßnahmen zur Hebung. des Zniuth unter den Frauen diskutiert. Die Landesversammlung wurde durch einen Nachruf aus den soeben Heimgegangenen Oberrabbiner Weinberger in Dunajska-Streda, einen der hervorragendsten Gedaulim des Landes, eingeleitet. In der Versicherungsfrage wurde eine größere Kommission gewählt, der man die Vollmacht erteilte,, aus Grund der vorliegenden Pläne im Einvernehmen mit der Landeskanzlei die Frage der Pensionsversicherung einheitlich für alle orhodoxen Gemeinden binnen vier Wochen durch feste Beschlüsse zu regeln. Auf Anfrage aus der Versammlung berichtete der Präses, Oberrabbiner Weber, über den Stand der Sonntagsruhefrage und versicherte, daß von der Landeskanzlei alles geschehe, um die Härten des Gesetzes möglichst zu mildern. Die Satzungskommission gelangte noch nicht zu einem endgültigen Ergebnis, so daß das Material der Landeskanzlei zur weiteren Bearbeitung übergeben werden mußte. Der anwesende Vertreter der Landeskanzlei in Karpathorußland, Oberrabbiner Liebermann, berichtete über die dortigen Verhältnisse. Oberrabbiner Samuel Weinberger f. A. Dunajska Streda, 5. März. Der berühmte Charif, Oberrabbiner Samuel H a l e v y Weinberger ist Mittwoch, den ersten Adar, im Alter von 60 Jahren nach kurzer Krankheit verschieden. Donnerstag fand unter großer Beteiligung der Rabbiner vom ganzen Lande die Kwura statt. Ausführlicher Bericht folgt. ftalaftina. Die Jerusalemer Wasserversorgung in Gefahr. Jerusalem, 8. März. Durch das Ausbleiben des Regens ist die Wasserversorgung Jerusalems in eine ernste Lage geraten. In der ganzen Stadt wurde das Wasser rationiert. Die Rationierung wurde auch für die Krankenhäuser ausgesprochen. Die Bautätigkeit muß wegen Wassermangels ruhen. Die Baukooperative beabsichtigt, die Jerusalemer Arbeiterschaft in andere Städte zu dirigieren. Der Vorrat in den Zisternen und in den Privathäusern reicht nur noch für zwei Monate. In allen Kirchen, Synagogen und Moscheen wurden Gebete um Regen angeordnet. Die Jerusalemer Stadtverwaltung hielt gemeinsam mit dem Gouverneur General Sir Ronald Storrs und anderen Regierungsbeamten eine Beratung ab. Man beschloß, zu versuchen, Wasser aus der Quelle Enfarre, einige Meilen von Jerusalem entfernt, nach der Stadt zu leiten. (I. T. A.) DosneueWakufgeseh. Jerusalem, 6. März. (Telegr.) Das langerwartete W a k u f g e s e tz- (Gesetz über die milden Stiftungen und ihre Verwaltung) ist soeben veröffentlicht worden, Das Gesetz trägt, entgegen den früher von zionistischer Seite ' verbreiteten Meldungen, den Wünschen und Anträgen der „A g u d a s I i s r o e l" in genügendem Maße Rechnung. 21m««»«. Zusammensetzung der Jewish Agency. New York, 8. März. Am 1. März begann in New Jork die Konferenz der Unparteiischen, die darüber zu beschließen hätte, ob die^ Vertreter jenes Teils der amerikanischen Judenheit, der bisher der zionistischen Bewegung fern stand, in bte Jewish Agency, die auf Grund des Palästina-Mandats, der britischen Verwaltung Palästinas beim Aufbau des Jüdischen Nationalheims beratend und helfend zur Seite zu stehen hat, eintreten sollen. Den Vorsitz führte Herr Louis Marshall. Es sprachen die prominentesten Vertreter der amerikanischen Juden-' Herr Dr. Chaim Weizmann, der Präsident der zionistischen Weltorganisation und als solcher auch Präsident der Jewish Agency erklärte mit Bezug auf die künftigen Funktionen der erweiterten Jewish Agency folgendes: Sobald die erweiterte Jewish Agency als die Vertreterin des gesamten jüdischen Volkes ihre Funktionen beginnen wird, wird die Zionistische Organisation nicht mehr als die Jewish Agency erscheinen. Die neue Jewish Agency wird über das Palästina-Budget zu bestimmen haben- Der Völkerbund wird ausgefordert werden, den Artikel 4 des Mandates, laut welchem die Zionistische Organisation als die Jewish Agency anerkannt ist, dahin abzuänderndaß die Jewish Agency außer durch die Zionistische Organisation auch durch jene nichtzionistischen Elemente repräsentiert wird, die an dem Aufbau des Jüdischen Nationalhems Mitarbeiten wollen. Die Konferenz faßte, einstimmig den Beschluß, entsprechend dem Vorschlag Dr. Weizmanns sich der Jewish- Agency anzuschließen. In der gleichen Resolution fordert die Konferenz die neue Jewish Agency auf, ihr Augenmerk darauf zu richten, ob die Institutionen des Keren Hajesfod als dasfinanzielle Instrument der erweiterten Jewish Agency herüber zu nehmen wäre. Rat und Exekutive der Jewish Agency werden sich» zur Hälfte aus Mitgliedern der Zionistischen Organisationzur anderen Hälfte aus Nichtzionisten zusammensetzen- Personalien. Jerusalem, 21. Febr. Zum Hinscheiden von Rabbi. Jizchak Jerucham Diskin >"s7 (siehe Artikel in Nr. 9> wird noch gemeldet: Rabbi Diskin war vor etwa zwei Wochen an „Rotlauf" erkrankt. In allen Synagogen und Lehrhäufern von ganz Erez Jisroel verrichtete n.an dauernd ->12x2 n^sn für die Genesung des großen Mannes- Ein junger Lamdan, früherer Zögling und jetzt Angestellter des Waisenhauses — fein Name sei hier zum Segen genannt: Juda Schächter heißt der biedere Mann — ließ sich eine Okja Blut abziehen, welches der behandelnde Arzt — es ist Dr. Moses Wallach, der auch diesmal mit größter, hingebungsvoller Fürsorge, am Krankenbette weilte — dem erschlafften Körper zuführte. Hunderte Personen, die angesehensten Männer von Jerusalem, belagerten förmlich die Wohnung des Patientenum über fein Befinden ununterbrochen unterrichtet zu sein. Es war auch eine zeitweilige Besserung eingetreten. Am 28. Schwat trat aber eine Verschlimmerung ein undnoch an demselben Tage hauchte er seine reine Seele aus- Die irdische Hülle des teuren Verklärten wurde am nächsten Tage unter ungeheurer Beteiligung aller Bevölkerungsschichten an der Seite seines großen Vaters beigesetzt. 2122 inrmn* Oberursel i. T. 8. März. Am 12. Adar ist hier Daniel Faber zu Grabe getragen worden. Die außerordentlich rege Beteiligung bei dem letzten Geleite, auch von vielen Nichtjuden, zeugte von der großen Beliebtheit-. welcher sich der Verblichene als langjähriger Vorsteher der hiesigen israelitischen Gemeinde erfreute. Trotz seines hohen Alters ließ es sich der 78Jährige nicht nehmen, noch bis kuz vor seinem Ableben regelmäßig am Sabbak den weiten Weg zu Fuß zurückzulegen, um einen wahren n2v r:iv im.Kreise eines r:ra “»«2 zu genießen. In Frankfurt a. M., wo Faber noch bis zuletzt seinem Berufe, in welchem er sich durch besondere Redlichkeit auszeichnete, nachging, war derselbe durch sein aufrichtiges und bescheidenes Wesen sehr beliebt und geachtet. An der Bahre hielt Herr Rabbiner Dr. Wreschner aus Bad Homburg 0. d. H. ein sehr ergreifendes Hesped- in dem er an die Worte anknupfte *u .0210 welche bekanntlich die drei Grundfesten des Tempelheiligtumes darstellten. Von seinen Vätern hatte der