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Der Israelit · 1925-03-12 · Heft 11 (12.3.1925) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 11 (12.3.1925)
Date
1925-03-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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12. Dlärz IP25 Der Israelit Nr. 11 Seite 6 Die Wahlbewegung in Hamburg. (Äon unserem Kvrr> fpondenlen). Hamburg, 9. März. Der Tag der Wahlen zum Repräsentantenkollegium der Deutsch-Jsräelitislhen Gemeinde rückt immer näher; die Spannung wachst von Tag zu Tag. ' Cs . liegen jetzt 6 Wahlvorschläge vor. Die 1. Liste mit 9 Namen darf als die Äste der Agudisten mit Fug und Recht bezeichnet werden. Die 2. Liste mit 10 Namen zeigt, wen.die Anhänger der Achduth-Nichtung als ihre Vertreter wählen wollen. Die 3. Liste mit 16 Namen ist die der Liberalen, deren Kandidaten sich in einem in vielen Punkten recht sonderbaren Wahlaufruf als die Vertreter der „religiös liberalen Richtung im positiven Sinne" vorstellen. Zu ihren offiziellen Programmpunkten gehört: 1.) Die Ersetzung des privaten Religionsunterrichts durch Einführung des Religionsunterrichts' für jüdische Schüler und Schülerinnen'an den Staats sch ulen." (Das ist der positive Sinn!) 2.) „Die Erstrebung des passiven Wahlrechts der Frauen." (Das ist die liberale Richtung!) Die 4. Liste mit 5 Namen wurde von der „Wirtschaftsgruppe Handwerk und Gewerbe" aufgestellt, die „die Interessen des Mittelstandes in unserer Gemeinde vertreten" will und dazu „unbedingt Männer der praktischen Arbeit" als notwendig erachtet. . Dieser Ansicht der Männer des sehr rührigen „Vereins selbständiger jüdischer Handwerker und Gewerbetreibender zu Hamburg von 1906" kann man wohl beipflichten: über leider sucht man vergeblich aus dem Programm der Liste 4 jedwede Zielrichtung in positiv-jüdischem Sinne, vor allem die Betonung der Wichtigkeit, den Schabbosgedanken uüter den Männern „der. praktischen Arbeit" zu verbreiten und über alle Schwierigkeiten hinweg durchzusetzen. Für „lebendiges Judentum, Einheit und sozialen Fortschritt treten die. Kandidaten der Jüdisch-Demokratischen Partei ein," die auf der 5. Liste 14 Namen nennen. Hier gehen Zionisten und Misrachisten zusammen und verraten mit klug abgewogener Taktik durch kein-gedrucktes Wort, welcher jüdisch-politischen Richtung sie angehören. Doch die Numen sagen dem Kundigen genug: Fn einer öffentlichen Wahlversastrmlpng wollen Pe dem Publikum in letzter Stunde stoch Mitteilen, welche Marschroute sie ihren zu wählenden. Vertretern oorschreiben werden. Auch die Liberalen, die übrigens ihren oben erwähnten Aufruf an alle, auch die orthodoxesten Gemeindemitglieder geschickt haben, .peranstalten nun eine Wahlversammlung. Das. ist, wie. man hört, gegen die ursprüngliche Uebereinkunft, die einen häßlichen (»eiterreiHf. Der Trebikscher Massenmord. Wien, 8. März. Ms. Kreisgericht.in Jglaü, Abteilung 10,- ersuchte die „Wiener Morgenzeitung" um die Veröffentlichung der folgenden Verlautbarung: In der Strafsache wider Josef Fejta und Genossen wegen Verbrechens des meuchlerischen Raubmords besteht der begründete Verdacht, daß mehrere der polnischjüdischen Flüchtlinge, die sich in den letzten Jahren des Weltkrieges in Trebitsch oder in; dessen näherer oder weiterer Umgebung aufhielten, in der sogenannten Kohnschen Mühle in Trebitsch auf verbrecherische Weise um das Leben kämen. Es ergeht daher das Ersuchen, allfällige und zweckdienliche Angaben, die zur Feststellung von solchen vermißten Flüchtlingen führen könnten, dem Untersuchungsrichter des Kreisgerichtes zu Jglau (Mähren, Tschechoslowakei) zukommenzulassen. (I. T. A.) £«(en. Die Schulfrage. r, IVon unserem Korrespondenten). Warschau, 5. Marz. Im Mittelpunkte der die jüdischen Politiker, seit einer längeren. Zeit beschäftigenden Fragen steht eine, ihrem Wesen nach, nichts weniger als poltische Frage: das Problem des jüdischen Schulwesens. Nach den bekannten Minderheitskläuseln des Versailler Friedensvertrages und den einschläigen Bestimmungen der polnischen Konstitution ist die Regierung verpflichtet, für die nationalen Minderheiten separate Schulen mit ihren nationalen Sprachen als Unterrichtssprache einzurichten oder die von den Minderheiten gegründeten Schulen zu subventionieren und mit Oeffentlichkeitsrecht zu versehen. Diese Bestimmungen blieben,. wie viele andere, bisher bloß auf dem Papier und an. ihre Verwirklichung hat kein einziges Regierungskabinett gedacht. Die anormalen Verhältnisse in den östlichen Randgebieten zwangen jedoch die Negierungskreise, ihre Aufmerksamkeit den Minderheiten zuzuwenden. Zu diesem Behufs wurde ein spezieller Minister mit dem Titel eines Vizepremiers eingesetzt. Der gewesene Führer der radikalen Bauernpartei, Herr Thugutt, nahm die ungemein schwierige und verantwortliche Aufgabe auf sich. . . ... . das Minderheitsproblem einer zugleich die Interessen des ^^^E^ Emeiden wollte^ Nun die Dmge^jedoch em- ^^ates und der Minderheiten befriedigenden Lösung zuzuführen. mal so...liegen, werden die Männer der Agudä in einer am Donnerstag, den 12.' März, stattsindenden Mitgliederversammlung Bericht erstatten „über die Ausführung des Beschlusses der Versammlung.am 10.'November 1924 betr. Repräsentantenwahlen". Da kann die Oeffentlichkeit erfahren, wieso es zu einer Trennung der Orthodoxie, in Liste 1 und 2 kam. Das Ergebnis all dieser Bemühungen wird sich am Sonntag an der Wahlurne zeigen. Bericht folgt. . '■ % ' Gemeinde und Landesverband. M ü n ch e n, 6. März. Der L andesverbandbay r i s ch e r G e m e in - den hat seine Jahresversammlung auf den 15. bis 17. März.nach Würzburg einberufen. Die Tagesordnung sieht außer den Regularien eine Reihe rechtlicher Ergänzungen der Verbandsverfassung vor und es ist j außerdem für die sozialen Aufgaben des Verbandes, ins- . besondere Mr die Jugendpflege und die Schaffung eines jüdischen Siechenheimes in Bayern, ein ganzer Tag vorgesehen. Für das Jahr 1925 sieht das Budget Mk. 220 000.— vor, wovon Mk. 150 000.— auf Zuschüsse an die Verbandsgemeinden für Besoldungen und Bauzwecke entfallen. Die Verbandsumlage beträgt 3 Prozent der direkten Reichs- und Landessteuern. . Die M ü n ch e n e r G e m e i n d e hat für 1925 einen Mat von Mk. 440 000.— aufgestellt. Hiervon entfallen rund Mk. 200 000.— auf Besoldung Gemeindebeamten. Die durch'Steuer , zu deckenden''Mk. 275 000.— werden in Form von 7 Prozent Zuschlgsi zu den direkten Reichs- und Landessteuern erhoben, sohie Zensiten für Gemeinde und Verband zusammen 1$ Prozent der Reichs- und Landessteuern zu zahlen haben. Bemerkens- , wert ist, daß in den Etat Mk. 10 000.— zur allmählichen Wiederherstellung der durch die Inflation verlorenge- : Mngenen Stiftungsoermögen - eingestellt ist. Die Ge- <f-meinbe gibt fortan in Verbindung mit dem Landesverband. eine Gemeindezeitung heraus, die monatlich einj mal erscheinen soll. . Natürlich handelt es sich hauptsächlich und in erster Linie um die die.Ostprovinzen des Staates bewohnenden slavischen Nationalitäten. Allein in diesem verwickelten und verzweigten Fragenkomplex gibt es so manche, die einen allgemeinen Charakter tragen. Wenn sie zu Gunsten der einen nationalen Minderheit gelöst werden, dann ist es unmöglich, die Wohltat dieser Lösung den anderen vorzuenthalten. Zu..diesen gehört' ohne Zweifel das Schulproblem. Wenn bei vielen anderen Fragen die .jüdischen Forderungen mit der üblichen Ausflucht abgefertigt werden, daß eine über das ganze Land zerstreute Minorität für sich nicht dieselben Rechte, wie eine territoriale Minorität geltend machen kann,, so ließe sich in der Schulfrage nicht einmal der geringste Schein von Logik und Billigkeit bei einer solchen Abspeisung bewahren. Jedoch 7*r- — sagen unsere Weisen. A''ch hier tauchten bald Schwierigkeiten auf, die der Regierung. die Möglichkeit gaben, den gerechten Forderungen aus dem Wege zu gehen mit der Behauptung, daß es in den Händen der Juden selbst läge, dieselben aus der Welt zu schaffen: die Zweisprachigkeit. Die einen fordern Hebräisch als Unterrichtssprache in den jüdischen Schulen, die anderen — Jiddisch. Da steht also die Regierung gleichsam verlegen da und wartet. Wartet bis die Juden untereinander einig werden. Und die Negierung glaubt hoffen zu dürfen: die Juden werden untereinander niemals einig. ... Leider sieht es auch danach aus. Es scheint, als ob dank der Partcigehässigkcitcn den kämpfenden Parteien das eigentliche Ziel, der Gegenstand des Kampfes abhanden gekommen, und nur noch die Demagogie, die Sucht den Gegner zu übertrumpfen und ihn in den Augen der jüdischen Oeffentlichkeit zu diskreditieren, übrig geblieben sei. Ist doch der Skandal nach der jüngsten Abstimmung im Sejm über die Frage wahrscheinlich auch im Auslande ruchbar geworden. Cs wird jedoch, in diesem Zusammenhänge, nicht ohne Interesse sein, dieser denkwürdigen Abstimmung auf Ursprung und Triebfeder zu folgen. Bekanntlich haben die Jiddischisten im Sejm nur einen Abgeordneten. Dieser einzige befindet sich außerhalb der jüdischen parlamentarischen Repräsentanz. Er ist nicht Mitglied des jüdischen Klubs. Ist „Wildert Nun beschloß dieser „Wilde" dem Klub einen Streich zu spielen (wobei er vielleicht auch seine persönliche Abrechnung zufolge der seinerzeitigen Verweigerung der Aufnahme in den Klub machen wollte) und versuchte ihn in eine Lage zu versetzen, aus der kein Ausweg zu finden wäre. Da eilte er dem Klub voraus und brachte auf eigene Faust in dem Sejm einen Gesetzentwurf ein, wonach a lle jüdischen Schulen Jiddisch als Unterrichtssprache bekommen sollten. Abg. Prylucki muß bei der Ueberreichung dieses Gesetzentwurfes zu Händen des Sejm-Marschalls sich schelmisch die Hände gerieben und mephistophelisch gelächelt haben. Wie kunstvoll war es doch auskombiniert. Aut. - aut. Wird der Klub für dieses Gesetzprojekt stimmen, ist es gewiß gut. Dann hat er doch, er, mehr als ein Herkules, den Sieg über 30 Gegner errungen und sie zu seinem Standpunkte gezwungen. Werden sie gegen das Gesetzprojekt stimmen, ist es ebenfalls gut. Dann kann man doch in die „jüdische Gasse" hinein ausposaunen: Verrat! Der jüdische Klub stimmt im Sejm g e g e n I i d d i s ch! Dieser Schabernack ist ihm auch teilweise gelungen. Abg. Heller brachte zwar im Namen des Klubs ein Amendement zum Gesetzprojekt ein, wonach zum Worte „Jiddsicy" als Unterrichtssprache die Worte: „und Heb r ä i s ch" hinzugefügt werden. Der Sejmpräsident ließ aber zuerst über das Gesetzprojekt mit der Aenderung des Abg. Heller abstimmen. Das Gesetzprojekt fand im Sejm keine Mehrheit. Es folgte dann die Abstimmung über das Gesetzprojekt in seiner ursprünglichen Abfassung. Der polnische Sejm wurde in diesem Augenblik der Schauplatz einer Szene, die losgetrennt von der vorhergegangenen, wirklich als unverständlich, ja, als unmöglich angesehen, werden muhte. Der jüdische Klub stimmte zusammen mit den Feinden alles dessen, was jüdisch ist, gegen „Iiddisch"! Natürlich wurde jetzt das Gesetzprojekt mit um so größerer Stimmenzahl verworfen. ° . Das war es eben, was die Jiddischisten so gespannt erwarteten. Gleich nach der Abstimmung erhoben sie in der ihnen zur Verfügung stehenden Presse sowie auf öffentlichen Versammlungen stürmische Proteste gegen diesen „Verrat". Die Zionisten, gegen welche dieser Sturm losgetassen wude, spürten zum erstenmal am eigenen Körper die Schläge des Knüttels eigenster; Erfindung, den sie so oft gegen die Orthodoxie in Anwendung bringen. Die bei jeder Gelegenheit „Verrat" schnüffelnden nationalen Helden wurden zu Verrätern der „nationalen" Sprache und Idee gestempelt. Es würde uns zu weit führen, wollten wir so weit zurückgreifen, um den ganzen Kampf in seinen. Einzelheiten zu schildern. Der spätere Tumult ist übrigens schon so ziemlich bekannt. Schließlich legte sich der Sturm und die Gemüter beruhigten sich in einem Maße, daß die Frage nüchtern und mit dem gehörigen Ernst in einer gemeinsamen und vertraulichen Beratung behandelt werden konnte. Der zionistische „Nationalrat" und die Kulturorganisation „Tarbus" ergriffen die Initiative zu so einer Beratung, die jüngstens auch wirklich stattfand. Allein auf dieser Konferenz, die zum Zwecke haben sollte, eine einheitliche Front nach außen zu schaffen, stellte es sich bald heraus, daß es eigentlich beide streitenden Parteien mit dem projektierten, obgleich bloß taktischen, nicht faktischen. Ausgleich nicht ernst meinen. Die Beratung führte zu keinem positiven Resultat. Agudas Jisroel lehnte von vornherein jede Beteiligung an dieser Konferenz ab, wie sie überhaupt im ganzen Kampf neutral blieb. Die Sprachenfrage existiert für die orthodoxen Schulen überhaupt nicht. Hier ist das Kompromiß schon im voraus geschaffen. Beide Sprachen kommen zur Geltung. Aber beide sind nicht Selbstzweck, sondern Mittel und Werkzeuge, deren man sich bedient, um den Kindern die unendliche Weisheit der göttlichen Lehre zu eigen zu machen. Die eine ist zwarvii?, die andere Vin, die eine Herrin und Meisterin, der zweiten ist die bescheidene Rolle einer Dienerin zugewiesen. Allein auch die Dienerin wird, wie überhaupt nach den Thoragesetzen, nicht verschmäht und mißhandelt. Auch ihr ist der richtige Platze

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