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Der Israelit · 1925-03-12 · Heft 11 (12.3.1925) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 11 (12.3.1925)
Date
1925-03-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Veite 4 Nr. 11 12. März 1925 Der Israelit Für Sechs Mk. 40 Pfg liefern wir einen eleganten Kneifer mit Gläsern, Double ohn; Fassung, der'eigens für Nase und Gesichtsbildung: hergerichtet wird. Es ist nicht mehr nötig, daß Sie sich mit schlechtpassenden Gläsern, falsch und schief sitzenden Kneifern behelfen, die Augen , dadurch vernachlässigen und schädigen. Besprechen Sie sich mit unseren Fach lauten ohne Kaufverpflichtung, wir beraten Sie gut und bedienen Sie sehr preiswert. Lieferung für alle Kassen. Ortfaozentrische Kneifer-Gesellscliält, Operuplatz. Für die Reise Feldstecher, Operngläser von 20.— Mk. an. Schutzbrillen und Kneifer in allen Farben Korrespondenzen « ßdconcmei Sci<fc. Israelitische Synagogengemeinde (Adaß Iisroel) zu Berlin. (Bon unserem Korrespondenten.) Berlin, 15. Februar. Der Gemeindebericht für das abgelaufene Haushaltsjahr verzeichnet an erster Stelle die Erwerbung von eigenem Grund und Boden für Schaffung eines Schulhauses. Die Bemühungen führten zu dem Erfolge, daß am 31. März 1924 das Grundstück Siegmundshof 11, bestehend aus einem vierstöckigen Gebäude von 1000 Qua* dratmeter Fläche nebst zugehörigem Garten von 2600 . Quadratmeter Fläche erworben werden konnte. Die Geldbeschaffung ließ sich nur durch Ausnahme von Hypotheken auf Siegmundshof 11 und Artilleriestraße 31 ermöglichen. Der gewählte Platz ist aus allen Stadtteilen gut erreichbar und im Bellevue-Hansaviertel wohnt ein Stamm von Gemeindemitgliedern, deren Kinder zum größten Teil schon jetzt die Schulen der Adaß besuchen. Das bestehende Gebäude bot auch die langersehnte Gelegenheit zur Errichtung einer Synagoge für die nordwestliche Stadtgegend, in der Rauschhaschonoh der erste Gottesdienst abgehalten werden konnte. Eine schlichte Einweihungsfeier war am 25. September vorausgegangen. Das Gotteshaus enthält im Erdgeschoß 250 Männer- und auf der Empore 150 Frauenplätze nebst reichlichen Nebenräumen. Im gleichen Gebäude ist ein Lernraum zur Abhaltung von Schiurim eingerichtet., Die Synagoge kann jedoch durch Hinzunahme benachbarter Räume bei Bedarf auf das Doppelte vergrößert werden. Der Zugang ^u den Räumlichkeiten führt durch den großen Gartens Mit dem Erwerb des Grundstücks ist der erste Schritt für die Schaffung des Schulhauses geschehen. Entsprechend dem neuen Schulgesetz muß vom Frühjahr ab die Grundschule ihre Fortsetzung in Bildung von Volksschulklassen neben den bereits bestehenden und weiter auszubauenden erhalten. Die höheren Schulen (Real, gymnastum und Mädchenlyzeum) der Gemeinde werden zum Frühjahr bereits den fünften Jahrgang umfassen. Die Schulen werden von nahezu 600 Kindern besucht. Neben dem programmatischen Schulunterricht sind für die Knaben in verschiedenen Stadtteilen Fortbildungskurse eingerichtet worden, welche recht fleißig besucht werden und die Aneignung tieferen Verstehens von mm zum Zwecke haben. Diese besonderen Schiurim sind für die Zöglinge der Religionsschule in fortgeschrittenem Alter weitergebildet worden mit dem Erfolge, daß 15jährige Jünglinge bis zum selbständigen Studium von smu mit r-sovn -»"en owie mit Kommentaren gefördert worden sind. Das in Charlottenburg erst vor wenigen Jahren geschaffene Zentrum der Gemeinde, die Synagoge G o e t h e p a r k. hat sich zu unserer Freude gut entwickelt. Neben dem regelmäßigen Gottesdienst, für den die Räume schon zu enge geworden sind, genießen die Lehrvorträge regen Zuspruch und verfehlen nicht, eine tiefe Wirkung auszuüben. Die in räumlicher Verbindung mit der Synagoge stc/-enden Zweigklassen der Grundschule wurden mit Rücksicht aus die im Westen wohnenden Mitglieder beibehalten, obwohl sie ursprünglich nur als vorübergehende Einrichtung gedacht waren. Dem Rabbinat sind im abgelaufenen Jahre auf den verschiedensten Gebieten umfangreiche Arbeiten erwachsen. Der Kreis der unter Aufsicht stehenden Lebensmittelgeschäfte hat sich gegen die Vorkriegszeit mehr als verdoppelt. Die Schechitah hat sich außerordentlich ausgedehnt. Die Mikwah ist erneut gründlich instandgesetzt worden und wird bis zur höchsten Leistungsfähigkeit in Anspruch genommen. Das Bestreben, eine weitere Mikwah zu errichten, geht seiner Verwirklichung entgegen. Die für die Friedhofsbaülichkeiten vorgesehenen Erweiterungen mußten infolge Inanspruchnahme aller Mittel für laufende Zwecke bisher noch zurückgestellt werden. Hierfür sowie auch für nötige Umbauten an der Friedhofshalle find erhebliche Mittel aufzubringen. Die Ausführung hoffen wir noch im Laufe dieses Jahres zu bewirken. Der Bericht votiert Dank den Mitgliedern der Chewra Kadischah und des Frauenvereins für ihr aufopferndes Wirken im Dienste des bv ion Schulfragen In der Adaß-Israel-Gemelnde. (Bon unserem Korrespondenten). Berlin, 8. März. Der Vorsitzende, Herr Dr. Biberfeld, eröffnete die heutige Zusammenkunft durch Worte des Gedenkens für den verstorbenen Reichspräsidenten. Anknüpfend an die Worte Tyn ml-u? ns w*n zeichnete er die hohen Tugenden des Verewigten, sein ausgeprägtes Pflichtgefühl. . feine Friedensliebe und feine Gerechtigkeit gegen alle Staatsbürger. Der Vorsitzende des Vorstandes, Herr' Bondi, berichtet zunächst, daß dem Vorstande seitens des Finanzamtes nahegelegt worden sei, zur Zwangsbesteuerung überzugehen, der Vorstand aber im Vertrauen auf die j j Opferwilligkeit der Mitglieder diesen Vorschlag zu späterer j Erwägung gelassen habe. Die noch im Hause Sieg-! mundshof 11 wohnenden Mietsparteien seien nunmehr zum größten Teile bereit, gegen Ersatzräume das Gebäude zu verlassen, und auch die Behörden seien entgegenkommender in Wohnfragen geworden, so daß schon zum Sommer die fünf Klassen der höheren Knabenschule hinausverlegt werden können. Der Beginn der Bauarbeiten sei eilig. Ein Betrag, dessen größter Teil schon auf freiwilligem Wege eingekommen, sei sofort aufzuwenden. Es werden sodann der Versammlung Pläne vorgelegt, aus denen die bei Umwandlung der Ateliers in Klassenzimmer notwendigen bedeutenden Umbauten ersichtlich waren. Nachdem Herr Hallerstadt die bautechnischen Erläuterungen gegeben hat, ergreift Herr Dr. Biberseld das Wort zu einer dringenden Aufforderung, nur nichts zu versäumen, um der Schule endlich das neue Domizil zu schaffen, damit sie nicht noch mehr sich zersplittere und damit endlich für die notwendige Sicherheit der ihr anvertrauten Kinder besser Sorge getragen sei; der jetzige Zustand schreie nach schleuniger Abhilfe, und es sei freudig zu begrüßen,, daß die Notwendigkeit baldiger Abhilfe allen deutlich geworden sei. — Herr Straus warnt vor Ueberhandnehmen der extensiven Strömung der Adaß Iisroel'; es sei zu bedauern, wenn durch dauernde Uebernahme neuer Verpflichtungen für neue Stadtgegenden die örtliche Zusammengehörigkeit der Gemeindemitglieder leide. Vor allem, müsse man die bei Bau-Voranschlägen üblichen Nachforderungen im Auge behalten. Demgegenüber wiesen Herr B o n d i und Herr Halber st adt darauf hin, daß auch beim Synagogenbau im Siegmundshof die ausführende Firma sich streng an den Voranschlag gehalten habe, Herr Gotthold schlägt Aufnahme höherer Obligationen zwecks baldiger Vervollständigung des Schulbaues vor, was jedoch keine Zustimmung findet. Herr Geis beantragt einzelne Verbesserungen der Baupläne. Herr Jacob L e v i weist auf die wichtige Aufgabe hin, die Kinder westlicher Familien für die Schule zu gewinnen und der Schule somit einen zugleich finanziellen und kulturellen Dienst zu erweisen. Nach einstimmiger Bewilligung der angeforderten Mittel für den Schulbau und Erledigung geringerer Angelegenheiten schloß die Versammlung. Aus der Jüdischen Gemeinde. Berlin, 8. März^ In der Repräsentantensitzung der Jüdischen Gemeinde fanden heute die nach dem neuen Statut notwendigen Ernennungen von Synagogenvor st ehern unter großer Beteiligung statt; die Versammlung konnte erst gegen % 4 Uhr nachmittags ihre Arbeit schließen. Hiermit ist ein weiterer wichtiger Schritt aus dem Wege zum Parochialsystem, d. i. zur Dezentralisation der Verwaltung der Gemeinde getan. In Gemeindekreisen herrscht die Hoffnung, daß hierdurch die Fühlung zwischen den Besuchern der Synagoge Und deren Verwaltung verinnerlicht und dem Sondercharakter der Stadtteile Rechnung getragen wird. Ein seltenes Fest: Almemorweihe. B e r l i n, 8. März. Einen Ehrentag beging am gestrigen Sabbat die Synagoge Passauerstraße. Um ihn wirklich zu verstehen^ muß man den. Werdegang dieses Gotteshauses kennen, seinen Aufstieg erlebt haben. Vor einem Menschenast etwa war es eine sprichwörtliche Berliner Vereinssynagoge mit allen Fehlern und Vorzügen einer solchen. Es gab immer einzelne Lomdim und Jereim 'in ihr; aber erst ihr jetziger Rabbiner, Herr Dr. H. Carlebach, Hai es durch feine zielbewußte und nie rastende Arbeit verstanden, in. ihr einen festen Kreis von bewußten Freunden des traditionellen Ritus heranzuziehen und hat vor allem durch sein bekanntes pädagogisches Geschick eine ihn ver ehrende Jugend um sich gesammelt und im Sinne der- Thora zu begeistern gewußt. Es gefiel ihm und allen diesen seinen Gesinnungsfreunden schon lange nicht mehr, daß die Synagoge, die ihnen als der Mittelpunkt ihres geistigen Lebens gilt, noch im Stile der „gemäßigt konservativen Richtung" gebaut war, also zwar ohne eigentliches Kennzeichen der Neuerung, aber auch ohne den für ein jüdisches Gotteshaus charakteristischen Almemor j und ohne ein Gitter an der Frauenempore. Diese zwei echt, jüdischen Teile sind nun endlich nach jahrelangem Bemühen, das nur an den unsicheren äußeren Verhältnissen des Landes bisher gescheitert waren, eingebaut worden. Inmitten des schmucken Gotteshauses erhebt sich nun das Pult der Thoravorlesung, „umlagert von den .Getreuen, die das Banner der Thora kämpfend schützen", wie.es in merkwürdiger Uebereinstimmüng eine bekannte Predigt R. I. Ettlingers f. Ä. und ein kluges Wort eines heutigen jüdischen Satyrikers benennen. Solche Umgestaltung eines Gotteshauses im orthodoxen Sinne ist hier seit Mensch engedenken nicht erfolgt. Auf Zustimmung des Poniwescher Raw und des Kelmier Raw hiy hat Rabb. Dr. Carlebach zur Feier der verschönerten Passauer Schul am gestrigen Sabbat eine Feier ganz besonderer Art veranstaltet. Im Pflanzenschmucke, gleich wie am Gesetzgebungs- und Erstlingsfeste, erstrahlte der Vetraum. Vorm Leinen wurden sieven Hakofaus gemacht. Der Rabbiyer sprach über den Tag (zugleich allerdings über seinen neuen Tallis) das Schehechejonu. In seiner Predigt ging er von dem Midraschworte „Joschnu min hamrzwaus" aus und sprach von dem Schlafe der Gleichgültigkeit, aus welchem , der Allgütige immer von Neuem seine Getreuen zu regem Geistesleben erweckt. Auch unser Zeitalter fei für ein solches der Neubelebung. Der gegen uns ewig lodernde Haß habe' gerade in unserer Zeit' viel zum Wiedererwachen des Sinaigeistes beigetragen, dessen heiliges Symbol der mitten aus der Gottesgemeinde ragende Tisch der Thora fei. - '■ Es wird auf die fynagogale noch eine „akademische" Feier zu Ehren dieses Erfolges der orthodoxen Judenheit folgen. Diese ganze Entwicklung in der Passauer Straße darf mit um so lebhafterem Interesse auch unsererseits verfolgt werden, als sie sich ganz außerhalb unseres Kreises, aber auch ohne organische Verknüpfung mit der Jüdischen Gemeinde ganz aus eigener Kraft vollzieht. Seit Längerem schon herrscht in der Gebetordnung der Passauer Schul der unverkürzte orthodoxe Ritus. Es ist ihr auch ein Lernverein, „Ohel Naftali", angegliedert worden, dessen Veranstaltungen sowohl in den Lernnächten mn und mjmw als auch täglich außerordentlich regen Zuspruch finden. Wochenkalender. 14.-21. März 1925. / 18.-25. Adar 5685. Zainstag März 14 spn ’s 18 ■m ms ncns Zonntag 15 19 tnispJtns n'Ztm Nontag 16 20 tmspitns d’ts Dienstag 17 21 Mtwoch 18 22 vonnerstaa 19 23 20 24 Rausch-Ehaudesch benschen bnp,> i Maulcd Dienstg. abd. 11** Zamstag 21 'Tlj?S 2h cnnn nsns

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