Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1925)
- Date
- 1925-03-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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»»»WWWW» 12. März 1925 Der I s r a-e 1 r t Nr. 1l Sette 3 Las .große ^geplante Kolottisätionswerk sehr ‘ beigrüßen und,- wenn einmal die realen Mundlagen sichtbarer aus dem Nebel der Projekte hervor^ leuchten, in der gesamten jüdischen "Welt mach Möglichkeit unterstützen. Vielleicht ist hier in der 'Tat von einer gütigen Vorsehung ein Weg gezeigt, ein Ausgang aus einer Notlage, wie. sie die jüdische Geschichte in dieser Verdichtung noch nicht Lesehen hat. „Los von den Dogmatisch traditionellen Vorurteilen". Zu -unserem Artikel , unter dieser Ueberschrift 4n Nummer 9 unseres Blattes schreibt uns der „Verband Jüdischer Studentenvereine in Deutschland", daß unsere Mitteilung über die „kategorische Forderung der Konferenz der Jüdischen Studentenvereine auf eine Lossagung von dogmatisch traditionellen Vorurteilen im Lehrbetriebe der Jerusalemer Universität" auf einem ^Irrtums beruhe. .Allerdings habe ein einzelner, radikal links gerichteter -Redner eine ähnliche Aeußerung getan, zugleich aber auch die ganze Universität als -Einrichtung der Bourgeoisie abgelehnt und sich überhaupt gegen die ganze Geschäftsführung der Verwaltung gewendet. Seine Ausführungen feien in ihrem vollen Umfange von Ler an Einmütigkeit grenzenden Mehrheit der Delegierten abgelehnt worden. Sachlich haben-wir darauf zu.erwidern: Unsere Ausführungen im besagten Wochenrundschauartikel -gründeten sich auf eine in alle Welt Hinausgefandte Mitteilung der I. T. A. i n V e r - lin , deren Berichte über die Konferenz des Studentenverbands, da dieser selbst keine solchen ausgab, fast als offizielle, mindestens offiziöse Eommuniquees-gelten durften. Der betreffende Passus im Berichte her I. T. A von Ende Februar lautet-wörtlich (von uns unterstrichen): „Die Konserenz begrüßte mit Begeisterung die bevorstehende Eröffnung der hebräischen Universität in Jerusalem, die in Zukunft ein Zentrum jüdischer Wissenschaft fein wird. Die K o n f e - t e it3 ford er t e, daß die j u d a i st i s ch e 'Fakultät d e r I e r u s a l e m e r Universität sich nicht an dogmatischkrad itüo.n el.le Vorurteile b ind et, damit.sich eine freie wissenschaft- X i che A r b e i tauch a u f d e m Gebt et der jud aistischen Literatu'r und Geschichte en t wi ck e l n k ö n n e." Somit müßte sich der „Verband Jüdischer Studentenvereine" mit seiner Beschwerde an die I. T. A. in Berlin wenden, die gewiß über den Verdacht erhaben ist, der Studentenvereinigung -oder der Universität selbst etwas anzuhängen, was Meines Feuilleton. Ist vielleicht der eine oder andere der geschätzten Leser in der Lage, mir folgendes zu beantworten: 1. Weshalb steht überall, wo iw das Wort.nzsty vorkommt, das p ohne obwohl es doch wegen des ausgefallenen a von pp eins haben Müßte? 2. Desgleichen desvon nMp im r2 N'NX12 D'b und von "»ZQDM daselbst N"2 7"2? 3. Gibt es noch andere Parallelsälle? Emil Breslauek, Breslau. (Die deutschen ZSefrerungskriege, ein jüdisches Werk). In einer Mitieiluna des Bereins zur Ad oebr des Antisemitismus heißt es: Theodor Fritsch hat bekanntlich in seinem „Hammer'-Verlag oie deutsche Uebersetzung des Buches "Der inteinalionale Jude herausgegeben, das unter dem Slawen Henry Fords geht, in Wirklichkeit aber von einem nationubpolnisch gesinnten Antisemiten verfaßt ist. Auf Leite 28, 2. Teil, liest man wörtlich folgendes: „Die Liga gegen Napoleon war jüdisches Werk. Ihr Hauptquartier wur Holland. Als Napoleon in dieses Land einfiel, wurde das Hauptquartier nach Frankfurt am Main verlegt. Sonach steht einwandfrei fest, daß ein deu'schvölkischer Führer in einem Buche, das er des Geld-I «rwerbs wegen verbreitet, Ansichten wiedergibt^wo-j nach die Befreiunskriege 1813/15 ein jüdische» Werk I sie -in der Welt in'Mißkredit setzen sollte. Wir freuen , uns im übrigen zu konstatieren, däß in diesdm Fülle die rührige Telegraphenagentur -allein i für - diese „Forderung" verantwortlich ist und die Konferenz der Studentenvereine als solche die Ausführungen des radikalgesinnten Vaters dieses'Gedankens fast einstimmig abgelehnt hat. An den Tendenzen, die den Geist der hebräischen Universität bestimmen, wird freilich diese Ablehnung nichts ändern. T'ruma- und Maaßer-Gesetze. Von Rabbiner I. Korovicz in Arankfurt a. W. In einem Aufsatze über den Wilnaer Gaon in der vorletzten Nummer des „Israelit" wird als wahrscheinlicher Grund für die von ihm unterbrochene Reise nach Erez Jisroel angegeben, daß er die Absicht hatte, im heiligen Lande die Teruma- und Maaßer-Gesetze genau einzuhalten, aber unterwegs zur Ueberzeugung gelangt sei, daß die Ansicht des „Beth Josef", der dieses unter Berufung auf Maimonides für die Gegenwart verbietet, entscheidend sei. In dieser Darstellung ist der angeführte Grund nicht nur unwahrscheinlich, sondern absolut ausgeschlossen. Der in Rede stehende „Beth Josef" findet sich in niwa «]DD zu Rambam 'X mann- An dieser Stelle handelt es sich aber nichtumdie Einhaltung derallgemeinenTeruma- und Maßer-Gefetze. In dieser Hinsicht gibt es keine Meinungsverschiedenheit. Die Ansichten sind nur darüber geteilt, ob nm p72 norm xrp'iixi oder pan ist. Rambam und ll'pvisn 211 haben in letzterem Sinne entschieden. Für die Betätigung dieser nur» als direkte Thorasatzung, wäre arte) nx'2 ausgesprochene Vorbedingung, ixn *?x ixnn '2 sagt das Thorawort: „Wenn Ihr — alle — in das Land kommt." Das war nur der Fall bei der ersten Landnahme unter Jehoschua und wird wieder sein.wMbVNVii'^ bei der dritten und letzten Besiedlung von Erez Jisroel. Die Rückkehr zu Zeiten Esras war nur frurp» nx'2 und dieser Zustand besteht auch heute. In dem Falle des zitierten *101’ ri'2 handelt es sich um Früchte von nichtjüdischen Feldern in Erez Jisroel. Wenn diese iw Besitze des 'ia gewachsen, gereift, geschnitten und zubereitet wurden, unterliegen sie nicht der Pflicht von Teruma. und Maaßer. Ueber das Ausmaß dieser Vorarbeiten im Besitze des nichtjüdischen Eigentümers gibt es halachische Auseinandersetzungen. In diesem Zusammenhänge sagt *jor* JT2 in seinem nawa *]D2 folgendes: Es ist allgemein verbreiteter Minhag in Erez Jisroel, sind, wonach die Heldentaten eines Blücher, Bork, Gneisenau. Freihr. v Stein. Arndt, Jahn usw Handlungen sein sollen, die im Dienste einer in jiddischem Solde siedenden Liga verübt worden sind. Das ist Tollheit — ohne Methode. . . („Goetye und die Inden"). Die I. T- A. hat vor einige: Zeit eine Anzahl Bemerkungen Goethes über Juden und lüdische Probleme aus feinen Schritten. Briefen und mündlichen Aeußerunqen gebracht Der Goethe-Forscher Heinrich Teweies veröffentlicht nun im Verlage W. Gmte ein Buch, „Goethe und die Juden", in welchem weitere charakteristische Aussprüche Goethes enthalten sind: Leisings Nathan" apostrophierte Goethe mit dem berühmten Satz: ..Möge das darin ausgesprochene Duldunas- und Schottungsgefühl der Natior heilig und wert bleiben". — Daß Goetbe mit Juden freundschaftlich verkehrte, beweist seine Lebensgeschichte hinreichend. Die Juden zeig'en ihm auch -wehr gefällige Aufmerksamkeit und schmeichelnde Teilnahme" als ein Nrtion.rl-Deutscher. und ihre..schnelle Fassungsgabe, ihr penetranter Verstand, ihr eigentümlicher Witz machen sie zu einem sensibleren Publikum als unter den zuweilen etwas langsam und schwer begreifenden Echt- und Nur-Deutschen angetroffen wird . Darum las Goethe feine Schriften gern jüdischen Zuhörern vor. zumal Frauen, unter denen besonders Henriette Herz, die Schwestern Jtzig, Frau Eleonore von Fließ und vor allem Marianne v. Erbenberg hervorstechen. Don Männern erfreuten sich der Dichter Michael Beer, der Maler Oppenheim und vor allem der i"nge Felix Mendel- , sohn seiner Freundschaft und Förderung, sich nach dem Rambam zu richten. Wir haben auch niemals gehört, daß es eindr gewagt hätte, dies zu bezweifeln. Nun hat es ein Frömmler Unternommen, gegen diesen Brauch zp handeln. Er nimmt Maaßer auch von nichtjüdischen Früchten und beredet auch andere, das gleiche zu tun. Das muß verhindert werden. Die Gründe dafür sind angegeben. In der Tat hat nachher eine große Versammlung von Thoragelehrten den Beschluß erbracht, daß mün sich auch in dieser Sache der Entscheidung des Rambam zu unterordnen habe und-von nichtjüdischen mvs Maßer nicht'äbzusondtzrn, so wie es bisher üblich gewesen. In ».ßtöff« bxbX2 'i mit? findet sich über diesen Gegenständ. eine eingehende scharfsinnige Abhandlung. Auch heute noch wird in Erez Jisroel laut dieser Entscheidung gehandelt. Allerdings achtet man auch auf die einwandfreie Feststellung, daß die von nichtjüdischer Seite angebotenen Früchte, auch ganz bestimmt nichtjüdischer Provenienz sind. Sonst werden sie von niiri 'laiv md)t gekauft oder sie werden ohne ,1212 gemaaßert. Daß der Gaon aber erst unterwegs zur Ueberzeugung gelangt wäre, daß die Ansicht des ri'2 »jot» maßgebend sei, ist nicht sehr einleuchtend. Mit diesem nava 102 war der Gaon sicherlich auch in Wilna auf sehr vertrautem Fuß. Der Din selbst ist übrigens vom «pr» n'2 in seinem mi' stet nsn Abschnitt 331, klar und öeuttid) festgelegt und auch vom Gaon in seinem x"ian nx’2 eingehend kommentiert. Es wäre immerhin nicht ausgeschlossen, daß der Gaon die ursprüngliche Absicht hatte, auch in diesem Punkte jn»»a rna zu sein. In dem genannten Kommentar zur Stelle findet sich jedoch kein Anhaltspunkt dafür. In eingeweihten Kreisen von Erez Jisroel weiß man einen anderen Grund, warum der Gaon seine Reise nach '"X nicht ausgeführt hatte. Sein großer Schüler, der Verfasser des rixs. der in riss lebte, soll seinen Meister davon zuruckgehalten haben. Der Grund hierfür steht mit unserer Frage in keinem Zusammenhang. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Stelle im in'bx ni'bv. die dem geschätzten Verfasser als Quelle diente, mit meiner Richtigstellung übereinstimmt. Auch unser Autor in diesen Blättern wird nunmehr gerne dieser Ergänzung beipflichten, nax.-i bv niiinb n"n bw pn. (Rückkehr). Laut dem soeben erschienenen Bericht der Budapester Chewra Kadischa sind wäbrend des letzten Jahres zahlreiche getaufte Juden wieder zum Judentum zurückgekehrt. Auch sehr viele Christen ließen sich in die jüdische Gemeinschaft ausnehmen Man führt diese Bewegung auf die brutale und verbrecherische antisemitische Taktik der Rassenichützler zurück. Wie bekannt, hat Ministerialrat Dr. Oskar Müller vor kurzem mitgeteilt, daß auch in Deutschland als Reaktion auf das Treiben des antisemitischen Ariectums zahlreiche christliche Jünglinge und Mädchen, unter ihnen Abkömmlinge alter Adelsgeschlechter, zum Judentum übertreten. (Der Anteil der Jude« a« de« Armeen des Zarismus und des Bolschewismus). Die dieser Tage erscheinende Nummer 5 der ..Blätter für Demographie, Statistik und Wirtschaftskunde der Juden" veröffentlicht eine sehr interessante Statistik über den Anteil der Juden an der zaristischen und an der.spwjetistischen Wehrmacht. Aus dieser Statistik geht hervor, daß der Anteil der Juden sowohl an der zaristischen Armer, als auch an der Roten Armee dem Prozentsatz der Juden im Verhältnis zur Gesamtbeoölkerung durchaus entspricht. Im Jahre 1013 zählte die zaristische Armee 4 Proz. Juden, während das Verhältnis der Juden zur Gesamtveoölkerung 4.5 Proz. betrug. In der Roten Armee gab es 1923 2 ° Juden, während der Prozentsatz der? inen in der G samtbeoöikerung 2,1 Proz. war. 1920 war der Prozentsatz der Juden in der Roten Armee noch geringer, nämlich 1,38 Prozent.