Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1925)
- Date
- 1925-03-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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!l t Seite 2 Nr. 11 Der Israelit 12. März 1925 lich ein beliebiges Thema aus der behandelten *t>» vor als Richtschnur für die „Lernweise". Ein Verhör im Sinne einer Prüfung gibt es dort nicht. Hier herrscht die Arbeitsmethode, die die in Freiheit ausgeübte Selbsttätigkeit des Schülers fördern will, während in den ungarischen Jeschiwaus mehr schulmäßiges Zwangsfystem als Grundzug herrscht. Ein weiterer Unterschied scheint mir darin zu liegen, daß in Litauen derna'V'VNistets bestrebt ist, über jedes Blatt Gemoroh möglichst den großen Ueberblick zu gewinnen und diesen seinen Hörern zu vermitteln, wogegen in der ungarischen Jeschiwoh sich der Lehrer genau in jede einzelne Schwierigkeit versenkt. Sein rührendes Autoritätsgefühl läßt ihn solange keine Ruhe finden, bis er den virw in X"aVi oder . 8"unna nach seiner Ansicht zufriedenstellend gelöst hat. Natürlich möchte ich mich streng davor hüten, ein allgemein gültiges Werurteil über die eine oder die andere Methode abzugeben. Aber bei der heutigen, materialistischen, schnellebigen Zeit und ihrer geistigen Einstellung, die darauf gerichtet ist, möglichst viel Wissen in kürzester Zeit aufzunehmen, wäre es vielleicht angebracht, an den ungarischen Jeschiwaus die eine oder andere Umstellung vorzunehmen, um ihre Einrichtung mehr der heute geltenden Geschmacksrichtung anzupassen. Keinesfalls will ich anregen, das ganze System von Grund auf zu ändern, sondern nur im Rahmen des bisher beschrittenen Weges der heutigen Tendenz mehr Rechnung zu tragen. Denn ich bin selbst viel zu sehr mit den »’izm» ’m meiner Jugendzeit verwachsen, als daß es mein Wunsch sein könnte, dieses System völlig vom Boden verschwinden zu sehen. Hat doch die Welt erfahren, welch inniges mim ripirmdieses System gezeitigt und gepflegt hat. Nur Eingeweihte wissen es, unter welchem Druck und welcher Not sich die Bachurim dem min - Studium hingeben. Dennoch diese selbstverständliche Liebe und Aufopferung, dieses willige Aufsichnehmen aller Mühen und Entbehrungen. Es ist nicht meine Absicht, zu schildern, welchen ungeheuren Schwierigkeiten die Bachurim in einem gewissen Lebensalter bei der Existenzfrage gegenüber stehen. Nur den wenigsten, denen kein ererbter Rabbinatssitz zuteil wird, gelingt es, einen solchen zu erarbeiten. Die meisten müssen sich damit abfinden, weil sie aus minn nana sich „n u r" dem Lernen widmeten, ihre mühsam gewonnenen Kenntnisse nicht in selbständiger Position, sondern nur in untergeordneten Stellen weiter zu vermitteln. Es ist aber überhaupt nur ein geringer Prozentsatz, der sich das „Lernen" als Grundlage für den späteren Beruf erwählt. Der Haupteil widmet sich nachher kaufmännischen oder freien Berufen.' Nur von minn npwn beseelt, bringen die Väter ihre.gleichstrebenden Söhne an die Pforten der Jeschiwaus. Es sind nicht nur Söhne bemittelter Häuser, die sorglos sich dem nun-Studium hingeben können, es sind größtenteils Mitglieder armer Familien, die auf keine Unterstützung vom Haus aus rechnen können. Man kann den Ortsbaalebotim ihre Opferwilligkeit nicht absprechen, viele beköstigen »mna weit über die Grenzen ihres Vermögens. Aber die Woche hat sieben Tage, und die Bachurimzahl n"va ist sehr groß. Und wie demütigend ist doch dies „Tägesien". Es liegt in der Natur der Dinge, daß in Preßburg, als dortiger Großstadt und meist besuchter na'2?' die Lebensbedingungen viel schwieriger sind als in den kleineren Jeschiwausorten. Zwar ist dort eine Mensa, Mittag- und Abendtisch, eingerichtet, aber selbst der niedrige Preis für dieses Essen muß aufgebracht werden. Die Aufrechterhaltung dieser Mensa bereitet der Jeschiwoh-Verwaltung viel Sorgen. In Friedenszeiten erhielt der bedürftige Vochur wöchentlich eine Krone als Unterstützung seitens der Jeschiwoh. Bezeichnend für den Hunger, den man dort erleidet, ist der Sehnsuchtsruf, doch nur einmal das Gefühl des Sattseins kennen zu lernen, und d äs im jugendlichen Alter, wo der Körper die Nahrung so nötig hat. Diese Jahre der Not hinterlassen einen nachhaltigen Eindruck auf den jungen Menschen, so daß er oft Zeit seines Lebens eines gewissen gesunden Selbstgefühls beraubt wird. Will die Welt die n"n .iur vom Schicksal gebeugt und gedemütigt sehen? Oder hat sie Interesse an freien, aufrechten Männern, die - vollsicheren Frohgefühls der Jugend die Wege zur min weisen? Darüber mögen alle diejenigen Nachdenken und entscheiden, denen die Erhaltung der nun- Quellen am Herzen liegt, und die sich in der minn Organisation vereinigt haben. mm Wochenrundschau. Die Wahrheit über die Juden in Rußland. Ein Büchlein aus der Feder Jakob Lefchz i n s k y s, der sich auf dem Gebiete der jüdischen Statistik und Demographie gut auskennt, erschienen im Verlage Jalküt, Berlin, unter obigenr Titel,. leuchtet in die verworrenen,.. im Westen nicht zur. Genüge bekannten Verhältnisse dev Juden in Rußland hinein. Leschzinsky? befaßt sich weniger mit dem abgedroschenen und zu Tode gerittenen Thema des Bolschewismus: und desjüdischen Anteiles an demselben. Diese Fragedürfte für alle, die die Wahrheit wissen wollen,, in dem Sinne klargestellt sein, daß der prozentuale Anteil der Juden am Bolschewismus, in seiner Führung sowohl wie in seinem Hinterlandein der Bevölkerung, ein durchaus minimaler ist. Daß einige jüdische Namen in der Führung hervorstechen, (der Jude an der obersten Stelle^ T r o tz k i, weilt längst in seiner südlichen Verbannung) läßt aus dem Grunde keinen Schluß, zu, weil die Leitung sich naturgemäß aus dev intellektuellen Oberschicht zusammensetzt, in dev die Juden von je mehr denn ein anderer Bevölkerungsteil vertreten sind. Hier ist nicht nachdem Prozentsatz der jüdischen zur christlichen Bevölkerung zu messen, sondern nach dem Prozentsatz der Juden in der städtischen proletarischen Intelligenz. Die breiten Massen der jüdischen Bevölkerung gehören aber zu den Opf e r n des Bolschewismus und stehen mit ihm auf wirtschaftlichem, aus geistig kulturellem, aber ganz besonders auf dem religiösen Gebiete in hartem Kampfe.. Leschzinsky richtet sein Augenmerk nach dem jüdischen Hause, dem jüdischen Städtchen, zeigk uns den jüdischen Handwerker und Arbeiter, dann die Kreise, aus denen sich die Auswandererrekrutieren und sagt uns zuletzt noch einiges übev die-Aspirationen der Jugend'- Düs.Wort „Schilderungen" trifft hier im eigentlichen Sinne nichk zu, es sind vielmehr Akten und Dokumente, statistische Feststellungen, Zahlen und Daten, die ihreeigene wirksame Sprache sprechen. Das Gesamtbild ist wenig erfreulich. Kaum gab es eine Zeit in der jüdischen Geschichte Rußlands, die soviel Elend und Arbeitslosigkeit gesehen hat. In 43 Städten und Städtchen mit einer Gesamtbevölkerung von etwa 100 000 Seeelen haben nuv 25 Prozent der jüdischen Bevölkerung einen bestimmten Erwerb. Der große Rest ist berufslos» in der Hauptsache brotlos und geht zu Grunde. Die jüdische Jugend lebt in einer Geistesverfassung, die eine trostlose genannt werden kann. Unter diesen traurigen Umständen sieht Leschzinsky, wenn kern Wunder geschieht, die einzige Rettung in dem großzügig geplanten russischen Kolonisationswerk. Selbst wenn man nach gut jüdischer Art diesen finsteren Pessimismus mit der Hoffnung auf „den Hüter Israels, der Israels Nest nicht zu Grunde gehen läßt", überstrahlt, sollte man Ou» AVW Bemerkungen zu -o s- Don Rabbiner Ar. Winkler in Kopenhagen. I. 30, 13: larv» nt "Das — sollen sie geben". — Zwischen m und urv» steht ein Trennungszeichen (j7>os). Das soll wohl bedeuten, daß sie vor jeder Geldausgobe sich überlegen sollten, ob sie irgendwie, sei es direkt oder auch nur indirekt, einem höheren Zwecke, nämlich der Erfüllung der göttlichen Bestimmung diene. II. Einen halben Schekel. — Warum gerade einen halben? Talmud jerusch. Orn 2"s D’Vpp) führt so gende Gründe dafür an: 1. Weil Israel in der Mittagszeit ldes Tages Hälfte) an dem goldnen Kalbe sich verirrt habe; der halbe Schekel sollte diese Verirrung sühnen (i^Sl isia). 2. Ein halber Schekel ist gleich sechs Gramsin (gr. Grammarion), und sechs Stunden nach Anbruch des Taaes (bmpna—nwn tppa ’a) ereignete sich die erwähnte Entartung. 3. Ein halber Schekel ist gleich zehn Gera; Israel hatte die zehn Gebote übertreten. 4. Ein halber Schekel ist gleich zwei Silbermünzen, und ebensoviel erhielt jeder der zehn Brüder von dem Betrog (20 Silberstücke), für den sie Joseph verkauft hatten. Derselbe Grund findet sich auch im Midrasch (-rs Y'a»ai Y'bb i"a). Rabbi M. Alschich beg ündet das Gebot damit, daß die Frauen an der Anbetung des goldnen Kolbes sich nicht beteiligt hatten. Ein Mann aber ohne Frau sei als ein halber Mensch zu betrachten, vgl. z"v rnpa’>, daher sollte lUd) das Lösegeld eine halbe Münze sein. Schließlich möchten wir noch folgendes als Grund anoe'-en: Wie der halben Elle bei ollen drei Größenverhältnissen der Dundeslade der Gedanke zu Grunde liegen mag, daß die Tauro ihre Heimstätte nur im Herzen solcher habe, die sich nicht für allwissend und vollkommen halten (ool. -jpv '■> n"a nainn^); wie ferner der Hohepriester sein Speiseopfer in einem Halbmaß (mwy •>xn) darbringen sollte, damit er eingedenk sei, daß auch er nicht ganz und unfehlbar ist (vgl. mmaVamr vir ü"Q), io wollt? es die göttliche Weisheit, daß auch jeder Einzelne in Israel von dieser Erkenntnis erfüllt wäre, u. z. sollte dies gerade bei dem Gebrauche jenes Gegenstandes sich kundtun, an dem der Mensch am meisten zu hängen r siegt: dem G e ld e. Was er damit für Gott tut, ist nur Bruch - und Stückwerk: Ein halber Schekel! Aber auch was er damit für sich selbst-an materiellen Werten schafft, ist nur halb: die zweite Schekelhälfte! Weil er allein ohne den göttlichen Beistand nicht das geringste hätte heroorbringen können. 111. Aus der Gleichstellung bei der Entrichtung deshalben Schekel ergibt sich der Einheitsbegriff des Volkes Israel. Unter dieser Voraussetzung aber fällt der Derreidigungsversuch, den Moses nach dem Abfall des Volkes, dem Midrasch fa»» '3 vw) zufolge. unternommen hatte, daraus hinweisend, daß die zehn Gebote nicht in der Mehrzahl, sondern in der Einzahl gehalten waren 71 •»aas), so daß das Volk sie aber an Moses allein gerichtet annehmen konnte, in sich zusammen. Denn waren alle Glieder des Volkes als ein einheitliches Ganzes angesehen worden, so kannte gar kein Zweifel darüber auskommen, daß die Einzahl des Zehnqebols aus Gesamtisrael sich bezogen hatte. Der Abfall ist sonach nicht mehr entschuldbar, ec bedarf vielmeh? der Sühne. Darum isaV 'n nnrin ntt rniboa’nupsi müßt ihr dem Ewigen eine Gabe bringen» um Eure Seelen zu sühnen", diese Gaben werden nämlich zum Ankauf der täglichen Opfer verwendet. — Wodurch soll Israel aber nun. da der Opferdienst nickt mehr möglich ist. entsühnt werden? Diese Frage hatte nach dem Talmud (71 t"D nwn) schon unser Stammvater Abraham an Haichem boruch hu g«richtet, und die Antwor war: ..Wer die opsergeseklichen Anordnungen der Tauro gründlich lernt» dem wird es an gerechnet, als ob er die betreffenden Opfer alle gebracht hätte, vgl. auch vy mm»- Daraus folgt, daß wir heute unsere Sche.kolim zum Unterhalt der darbenden Thorajünger darbringen müssen.