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Der Israelit · 1925-03-05 · Heft 10 (5.3.1925) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 10 (5.3.1925)
Date
1925-03-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 12 Nr. 10 Der Israelit 5. März 1923 segnend die Hände aufs Herz legten, da empfand ich eine Seligkeit, die ich als Vorgeschmack paradiesischer Freude bezeichnen möchte. — Das Abendessen war eingenommen, das letzte Schabboslied verklungen. Jeder griff nach dem Liepman Philipp Prins Als ich aber nach geraumer Zeit einen Blick in die Runde sandte, bemerkte ich zu meiner Ueberraschung, daß die Schwestern inzwischen ihre Lektüre unterbrochen hatten und gleichfalls die Mutter unverwandt anschauten. Endlich wurde-diese aufmerksam und blickte auf. Es kam mir vox, als ob sie aus einer anderen Welt zurückkäme. Während sie noch nach Worten suchte, fragte meine älteste Schwester: „Mutter, könntest du uns nicht einmal einen Brief von Großmutter selig vorlesen?" — Daran hatte ich nicht gedacht. Schon früher hatte ich öfters Briese der seligen Großmutter in der Hand gehabt. Sie waren hebräisch geschrieben, und zwar in einer verschnörkelten Schrift, die sich von den Schriftformen, die wir in der Schule lernten, wesentlich unterschied. Ich erinnere mich, daß die Mutter uns davon erzählt hatte, daß die Großmutter nur mit Gänsekielen schrieb, die ihr der jüdische Ortslehrer schnitt. Die Briese umfaßten durchschnittlich sechs eng beschriebene Seiten. Nun freute ich mich, etwas von dem Inhalte zu erfahren. Mutter nahm den Brief zur Hand, den sic gerade vorher abgelegt hatte, und sprach: „Hier habe ich einen Brief gelesen, den mir Großmutter selig kurz nach der Geburt unseres Jüngsten geschrieben hat. Er dürfte euch interessieren, wenn ihr auch noch nicht den ganzen Inhalt versteht. So hört!" Wir setzten uns zurecht, und Mutter begann: Mein lieb Kind! trinken und den Schabboskuchen versuchen. „Zum Spaß!" — Wenn ich das sage, dann lacht er immer, wenn er auch noch so ärgerlich heimkommt. Indessen machte ich Deinen Brief auf und las nur: „Wir sind alle — Gott Lob — Der Gaon Rabbenu Elija von Wilna. Buche, das er sich für diesen Abend zurechgelegt hatte. Nur Mutter machte eine Ausnahme. Sie ging an den Schrank, und entnahm ihm ein dickes Paket Briefe, das sorgfältig umhüllt und geordnet war. Sie entfernte den Umschlag und ließ dann zuerst ihre Hände liebevoll über den ganzen Pack streichen, bevor sie die Schlinge des ihn zusammenhaltenden Bandes löste. Ich sehe noch ihren wehmütigen Blick, den sie dabei ins Leere sandte. Dann nahm sie einen Brief' nach dem anderen und las ihn aufmerksam durch. Ich beobachtete meine Mutter beim Lesen. Ihr wechselndes Mienenspiel interessierte mich, obwohl ich noch zu jung war, um die Stimmungen Erwachsener mit Verständnis erfassen zu können. Aber ich hatte meine Mutter überaus lieb, so lieb, daß ich mit ihr fühlte, daß ich mich freute, wenn ein Lächeln über ihre Züge glitt, und daß es mir weh tat, wenn sie eine Träne aus dem Auge wischte. Ich wußte, sie las die Briefe der Als Dein letzter Brief kam, war der liebe Vater — lang leben möge er — gerade von seinen Geschäften heimgekehrt, und Du weißt, daß er ... v. . Herbert Samuel vor der St. George-Kirche in Jerusalemda immer in großer Eile ist, weil er befürchtet^ es könne rn einmal ein Andrer Freitagabend? die Synagogentür aufschließen und darüber gesund." Da wußte ich einstweilen genug. Ich legte ihn unter meine Tefilla und reichte dem Vater seine Wäsche und seine Kleider. Erst abends, als ich geort hatte, nahm ich ihn wieder zur Hand. Da hatte ich Zeit und konnte in Gemütlichkeit lesen, was mir meine Tochter — Gott möge ihr ein langes Leben geben — zu sagen hat. Und jetzt sollst Du in Gesundheit die Antwort haben. Du weißt, lieb Kind, daß wir zufrieden sind, wenn Ihr es seid, und daß es unsere Freude ist, wenn auch Eure lieben Kinder gedeihen. Daß sie nicht ohne alles Hinzutun groß werden, das ist selbstverständlich. Sie machen Arbeit und Sorgen: darüber soll man sich aber nicht beklagen, wenn 'man sieht, daß die Mühe nicht vergebens ist. Daß unser Gevatterle (der Aelteste) gut lernt und fromm ist, das hören, wir besonders gern. Er soll so fortfahren! Hoffentlich gehört er nur nicht zu den Kindern, die sich selbst loben und über andere sprechen. Das leide durchaus IIVC'6^0 RGE V- ÄVENpEr“! iCT-til Rfrfr, >11 [I lü'nnrj;-ii;,.T?orr Tritt ssS V' l U) Ml L L! E. M E 5> Vor der King George-Avenue in Jerusalem. Großmutter. Durch keine Frage, durch keinen Laut störte ich sie. Mit Spannung suchte ich aus .ihren Zügen zu erraten, was die Briefe enthielten. ’ i \at. ■■ ' '2 <P; '; . zanken, daß der Böden noch naß ist, weil die alte Regine wieder die Schul zu spät ausgewaschen. ti.at. Mber er Mußte doch ierst seinen Kaffee' ' i.u ci »(i -l 7 n Mette palästinensische Briefmarke. nicht! Ein Kind darf nicht tadeln und bekritteln Henn so ein verzogenes Kind gar^noch dreinredet wenn'Erwachsene sich unterhalten, das., ist ab

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